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Pierre Bourdieus Kultursoziologie

Der menschliche Körper im Licht der Habitustheorie

Title: Pierre Bourdieus Kultursoziologie

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 22 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Ulrike Triebel (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Mit Bourdieus Arbeiten aus reichlich 40jähriger Forschungstätigkeit liegen für die sozialwissenschaftliche Theoriebildung einige bedeutsame und mit intensiver Rezeption gewürdigte Konzepte vor. Sein Erkenntnisinteresse ist geleitet von dem Wunsch, die soziale Welt in ihrer Komplexität und die Mechanismen ihrer Reproduktion zu begreifen.
Dem menschlichen Körper bzw. Leib wird eine besondere Aufmerksamkeit zuteil. Der Körper eines Akteurs trägt jenseits geistiger Rückkopplung einen Habitus in sich, der die soziale Praxis und damit auch die leibliche Erscheinung allumfassend strukturiert. Jegliche soziale Praxis geht aus dem Akteur selbst, dessen Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsdisposition hervor. Letztere ist im Habitus aufgrund vergangener Erfahrungen als selbstverständliche kulturelle Werte gespeichert.
Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Feststellung, dass die soziale Welt von Ungleichheiten geprägt ist. Analog dazu existiert eine Vielfalt körperlicher und leiblicher Ausprägungen. Der menschliche Leib als Teil sozialer Praxis ist jenseits von Bewusstsein und Reflexion in seinem Habitus – speziell seiner körperlichen Hexis – kulturell überformt. Das betrifft sowohl seinen äußerlich wahrnehmbaren, gegenständlichen Körper als auch seine affektive, subjektive Erfahrung – den inneren Zustand des Leibes.
In dieser unbewussten Verinnerlichung kultureller Werte in Form eines unhinterfragten Glaubens an die bestehende Ordnung der Praxis sieht Bourdieu den Schlüssel zur Erklärung der Mechanismen kultureller Produktion und Reproduktion sozialer Ungleichheiten.
Auf der Grundlage der theoretischen Gedankengänge zur kulturellen Produktion und Reproduktion – besonders auf die körperliche und leibliche Ausprägung bezogen – ist die Frage zu beantworten, wie trotz der auf historischen Erfahrungen basierenden habituellen Dispositionen sozialer Wandel erklärbar ist. Damit ist die Zielstellung dieser Arbeit umrissen.

Der Aufbau der vorliegenden Ausführungen zum oben beschriebenen Thema gestaltet sich wie folgt: Eingangs (1) wird Bourdieus soziologische Grundhaltung skizziert, um im Hauptteil (2) den theoretischen Gedankengängen zu den strukturellen und kulturellen Zusammenhängen sozialer Praxis und der soziokulturellen Erscheinung des Körpers zu widmen. Im abschließenden Teil (3) wird sich mit der oben formulierten Frage auseinandergesetzt, ob das Konzept des Habitus’ auch sozialen Wandel in seiner Erklärungskraft mit einbeziehen kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Bourdieus soziologische Grundhaltung

1.1 Entwicklung seines soziologischen Grundverständnisses

1.2 Forschungsgegenstand und theoretische Erkenntnis

1.3 Überwindung von Subjektivismus und Objektivismus

2 Der menschliche Körper als Speicher von Kultur

2.1 Sozialer Raum der Klassenstruktur und Lebensstile

2.2 Habitus als Erzeugungsmodus

2.2.1 Habitus

2.2.2 Glaube und Leib

3 Habitus und sozialer Wandel

Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Konzept des Habitus nach Pierre Bourdieu mit einem spezifischen Fokus auf die Rolle des menschlichen Körpers als Speicher kultureller Werte und als Medium der Reproduktion sozialer Ungleichheiten. Zentral ist dabei die Frage, wie unter Berücksichtigung habitueller Dispositionen sozialer Wandel theoretisch erklärbar ist.

  • Grundlagen der soziologischen Theorie von Pierre Bourdieu
  • Die Funktion des Habitus als strukturierende und strukturierte Struktur
  • Der Zusammenhang zwischen Klassenstruktur, Kapital und Lebensstilen
  • Körper, Leib und die Inkorporation gesellschaftlicher Ordnung
  • Die Dialektik von Habitus und sozialem Wandel

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Habitus

Der Habitus ist ein System dauerhafter Dispositionen eines Individuums in der sozialen Welt. Damit sind „seine Gewohnheiten, seine Einstellungen und seine Wertvorstellungen gemeint“. Habitusformen sind „strukturierte Strukturen, die geeignet sind, als strukturierende Strukturen zu wirken, mit anderen Worten: als Erzeugungs- und Strukturierungsprinzip von Praxisformen“.

Als generatives Prinzip bringt er sozial strukturierte Praxisformen hervor, die im Laufe der Zeit verinnerlicht wurden und zur Ausbildung dauerhafter Dispositionen geführt haben. Der Habitus dient als Orientierungshilfe und ist Grundlage für einen ‚sozialen Sinn’. Indem er Wahrnehmungs- und Denkschemata bereithält und einen Handlungsrahmen vorgibt, ist routinisiertes, sicheres und gemäß der Situation ‚sinnvolles’ Handeln möglich, „d.h. mit Alltagsverstand ausgestattet“. Die Disposition des Habitus bestimmt als ‚strukturierende Struktur’ die gegenwärtige und zukünftige soziale Praxis. Der Habitus ist also praxisgenerierendes Prinzip – ‚opus operandi’.

Der Habitus ist gesellschaftlich – und damit zugleich historisch – bedingt. Soziales Handeln wird entgegen den Vorstellungen subjektivistischer und objektivistischer Sozialtheorie nicht als Resultat bewusster Entscheidungen bzw. als das Befolgen von Regeln begriffen, sondern als im habituellen System verinnerlichtes Produkt kollektiver Geschichte und individueller Erfahrung. Der Habitus „stimmt objektive Chancen und subjektive Aspirationen aufeinander ab“. Die Vergangenheit bestimmt die Praktiken der Gegenwart und wird zur Zukunft. Die verinnerlichten Gesetzmäßigkeiten stabilisieren und garantieren die bestehende gesellschaftliche Ordnung.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung der zentralen Konzepte Bourdieus sowie Hinführung zur Bedeutung des menschlichen Körpers als Ort der kulturellen Prägung.

1 Bourdieus soziologische Grundhaltung: Skizzierung des theoretischen Werdegangs Bourdieus und der wissenschaftstheoretischen Abgrenzung von Subjektivismus und Objektivismus.

2 Der menschliche Körper als Speicher von Kultur: Analyse der sozialen Klassen, des Kapitalbegriffs und der Funktion des Habitus als Erzeugungsmodus von Lebensstilen und Körperpraktiken.

3 Habitus und sozialer Wandel: Diskussion über die Vereinbarkeit der stabilen Habitus-Strukturen mit der theoretischen Möglichkeit gesellschaftlicher Transformationsprozesse.

Schluss: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse, die den Habitus als komplementäres Zusammenspiel zwischen dem Akteur und der sozialen Welt (Feld) verortet.

Schlüsselwörter

Pierre Bourdieu, Habitus, Kultursoziologie, Sozialstruktur, Kapital, Lebensstil, Körperlichkeit, Leib, Inkorporation, soziale Ungleichheit, soziale Praxis, Doxa, Distinktion, sozialer Wandel, Dispositionen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kultursoziologischen Theorie Pierre Bourdieus und untersucht insbesondere, wie der menschliche Körper als Ausdruck und Medium gesellschaftlicher Verhältnisse fungiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit behandelt die Konzepte Habitus, Kapitalarten, soziale Klassen, Lebensstile sowie das dialektische Verhältnis zwischen objektiven Strukturen und subjektivem Handeln.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu erörtern, wie das Konzept des Habitus trotz seiner stabilisierenden Wirkung auf soziale Ordnungen auch sozialen Wandel erklären kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse von Bourdieus Primärtexten sowie der soziologischen Fachliteratur zur Interpretation seiner Konzepte basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Bourdieus Grundhaltung, der Feld-Begriff, die Klassenstruktur sowie die tiefgreifende Bedeutung des Leibes und des Habitus für das menschliche Handeln analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen Habitus, Kapital, Körperlichkeit, soziale Ungleichheit, Doxa, Distinktion und die Dialektik von Struktur und Praxis.

Was unterscheidet den Begriff 'Leib' vom 'Körper' in Bourdieus Theorie?

Der 'Körper' ist die objektiv sichtbare, formbare Dimension, während der 'Leib' als die innere, affektive und subjektive Ebene der inkorporierten sozialen Erfahrung verstanden wird.

Warum betont Bourdieu, dass der Mensch "nie ganz genau weiß", was er tut?

Da der Habitus unbewusste Schemata vorgibt, erfolgt das Handeln 'sinnvoll' im Sinne einer sozialen Routine, ohne dass der Akteur sich der tieferliegenden gesellschaftlichen Ursachen seines Tuns bewusst sein muss.

Wie reagiert der Habitus laut der Arbeit auf fremde soziale Bedingungen?

Der Habitus tendiert dazu, Krisen zu vermeiden, indem er sich ein passendes Milieu sucht. Ein dauerhafter Kontakt mit für ihn fremden Bedingungen kann jedoch Lernprozesse und damit eine Modifikation des Habitus anstoßen.

Warum ist der Eintritt in ein soziales Feld keine bewusste Willensentscheidung?

Die Zugehörigkeit zu einem Feld ist laut Bourdieu an einen unbewussten 'praktischen Glauben' gebunden, der sich über lange Sozialisationsprozesse in den Habitus einschreibt.

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Details

Title
Pierre Bourdieus Kultursoziologie
Subtitle
Der menschliche Körper im Licht der Habitustheorie
College
Dresden Technical University  (Institut für Soziologie)
Course
Kultursoziologie
Grade
2,0
Author
Ulrike Triebel (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V178336
ISBN (eBook)
9783656002833
ISBN (Book)
9783656003007
Language
German
Tags
Pierre Bourdieu Kultur Kulturtheorie Subjektivismus Objektivismus Sozialer Raum Klassenstruktur Lebensstile Habitus Kapital Glaube Leib Körper Sozialer Wandel Soziale Praxis Reproduktion Feld Soziale Klasse Handlungsdisposition Akteur Hexis Soziale Ungleichheit Disposition Macht Herrschaft Kabylen Emperie Theorie Sinn Praktischer Sinn sens pratique Dialektik praxeologisch praxeologische Erkenntnis Geschmack symbolische Machtkämpfe Definitionsmacht ökonomisches Kapital soziales Kapital kulturelles Kapital soziale Position Distinktion praxisgenerierendes Prinzip opus operandi strukturierende Struktur sozialer Sinn
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ulrike Triebel (Author), 2007, Pierre Bourdieus Kultursoziologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178336
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