Die Huelsenbeckschen Kinder im Vergleich mit anderen Geschwisterportraits aus der Romantik


Zwischenprüfungsarbeit, 2003
16 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I EINLEITUNG

II HAUPTTEIL
1 JOHANN CHRISTOPH RINCKLAKE: DREI KINDER LUTTERBECK
1.1 Bildgegenstand
1.2 Altersspezifische Präsenz
1.3 Bildinterpretation
2 THOMAS GAINSBOROUGH: THE PAINTER’S DAUGHTERS WITH A CAT
2.1 Bildgegenstand
2.2 Altersspezifische Präsenz
2.3 Bildinterpretation
3 THOMAS LAWRENCE: THE CHILDREN OF AYSCOGHE BOUCHERETT
3.1 Bildgegenstand
3.2 Altersspezifische Präsenz
3.3 Bildinterpretation
4 PHILIPP OTTO RUNGE: DIE HUELSENBECKSCHEN KINDER
4.1 Bildgegenstand
4.2 Altersspezifische Präsenz
4.3 Bildinterpretation

III SCHLUSS

I Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit soll es darum gehen, eine Auswahl von vier Geschwisterportraits aus der Romantik zu interpretieren und im Ansatz miteinander zu vergleichen. Insbesondere soll die unterschiedliche altersspezifische Präsenz der einzelnen Geschwister und die für ihre Darstellung von den Malern benutzten Mittel und Symbole herausgestellt werden.

Die Auswahl der Gemälde umfasst Rincklakes „Drei Kinder Lutterbeck“, Gainsboroughs „The painter’s daughters with a cat“, Thomas Lawrences „The children of Ayscoghe Boucherett“ und schließlich Runges „Die Huelsenbeckschen Kinder“, das in Anlehnung an das Seminar „Romantische Pädagogik in Bildern und Texten“ den Schwerpunkt der Hausarbeit darstellt.

Durch die getroffene Auswahl ist zum einen sowohl die holländische als auch die englische und die deutsche romantische Malerei vertreten, zum anderen finden sich in den Gemälden verschiedene Zusammensetzungen unterschiedlicher Geschwisterpaare. Während bei Rincklake drei etwa drei-, vier- und fünfjährige Brüder dargestellt sind, betrachtet man bei Gainsborough seine zwei Töchter, die circa dreizehn und fünfzehn Jahre alt sind. Mit Lawrence ist ein Portrait vierer Schwestern im ungefähren Alter zwischen vier und vierzehn Jahren in die Auswahl mit eingeschlossen. Durch Runge kommen schließlich die drei Huelsenbeckschen Kinder hinzu. Dieses Geschwisterpaar setzt sich aus dem etwa zweijährigen Jüngsten, dem circa vierjährigen Bruder und der wohl sechs Jahre alten Schwester zusammen. Durch diese Auswahl sind somit nicht nur unterschiedliche Altersstufen repräsentiert, sondern auch verschiedene geschlechtliche Zusammensetzungen.

Die Hausarbeit wird über Rincklake, Gainsborough und Lawrence zu Runge führen und zeigen, dass „Die Huelsenbeckschen Kinder“ die meisten Rückschlüsse auf seine Vorstellung einer Entwicklungslinie bei Kindern erlaubt. Während man bei den anderen Künstlern eher Ansätze einer solchen Entfaltung findet, wird sie bei Runge durch mehrere Mittel offenbar.

II Hauptteil

1 JOHANN CHRISTOPH RINCKLAKE: DREI KINDER LUTTERBECK

1.1 Bildgegenstand

Dargestellt sind von links nach rechts altersmäßig abgestuft drei Geschwister, die alle das Gesicht zum Betrachter gewendet haben.

Das circa vierjährige mittlere Kind sitzt mit nach links angewinkelten Beinen augenscheinlich auf einem Tisch und hält eine Taube in seinem rechten Arm, die er mit der linken Hand am ausgebreiteten Flügel festhält. Es trägt einen dunklen Hosenanzug mit rundem Ausschnitt und einem Knopf an beiden Schultern.

Das ältere vermutlich fünfjährige Kind ist mit einem altrosafarbenen Kleid bekleidet. Es steht vom Betrachter aus gesehen links hinter dem Tisch und ist seinen Geschwistern leicht seitlich zugewandt. Aus seiner rechten Hand, die das Kind dem Vogel mit Futter entgegenstreckt, pickt die Taube nach den Körnern.

Das jüngste etwa dreijährige Kind steht an der rechten Seite des Tisches und trägt das gleiche Kleid wie das älteste Kind, allerdings in einem bläulich-türkisen Farbton. Es ist seinen Geschwistern ebenfalls zugewandt, sodass es mit dem Rücken im drei Viertel Profil zum Betrachter steht. Sein linker Arm liegt dabei einen kleinen Berg Futter umschließend auf dem Tisch.

1.2 Altersspezifische Präsenz

Das Portrait dreier Geschwister zeigt uns drei völlig unterschiedliche Darstellungen von Physiognomien.

Das jüngste Kind sieht mit seinen großen weit auseinander stehenden Augen und den stark geröteten Wangen sehr engelhaft aus. Seine Körperhaltung wirkt unnatürlich und wie eine Pose gestellt, sodass sie ebenfalls an Engelsdarstellungen erinnert. Dazu passen ebenso die naturgelockten Haare, die denen von himmlischen Wesen gleichen.

Das mittlere Kind hingegen entspricht dem typischen Kindchenschema. Mit seinen Augen, der Stupsnase und dem kleinen Mund sieht es für ein Kind sehr charakteristisch aus.

Das Älteste wiederum weicht von diesem Schema ab. Die relativ große Nase, das ausgeprägte spitze Kinn und die kunstvoll gelockten Haare passen nicht zur üblichen Vorstellung eines Kindes. Auch der strenge Blick ist für einen etwa Fünfjährigen ungewöhnlich und hebt sich als präziser und gerichteter Blick deutlich von den anderen ab.

Das mittlere Kind sieht den Betrachter im Gegensatz zu seinem Bruder etwas unsicher und naiv an.

Der Blick des Jüngsten wirkt durch die großen auseinander stehenden Augen übertrieben unschuldig und romantisiert, ist aber dennoch bei einem Kind denkbar, was beim Blick des Ältesten nicht mehr der Fall ist.

Damit scheinen die Kinder über das spezifische Aussehen bestimmter Altersklassen hinaus Charakter zu haben. Neben der Entwicklungslinie, die Rincklake in den unterschiedlichen ästhetischen Konzeptionen von den Kindern aufzeigt, präsentiert der Maler hier auch eine Entwicklungslinie, die sich auf die Heranbildung des Charakters bezieht. Jedes der drei Kinder evoziert einen anderen Blick auf sich: Dem Jüngsten spricht man Unschuld, dem Mittleren Unbestimmtheit und dem Ältesten Bestimmtheit zu. Rinklacke zeigt demnach im gleichen Bild, dass Kinder unterschiedlich sind.

Der Künstler betreibt somit eine Art Patchwork, indem er einen ästhetischen Ausdruck für das Defragmentierte schafft. Während in der Klassik ein Kontinuum von Körperteilen zu einem Ideal zusammengesetzt wird, lehnt der Romantiker dieses Konzept des Einheitlichen offenbar ab. Kinderkörper können also Physiognomien aufweisen, die nicht zur klassischen Vorstellung eines Kindes passen.

1.3 Bildinterpretation

Da Rincklake die Entwicklungslinie des Kindes im Grunde ausschließlich über die Darstellung unterschiedlicher Physiognomien aufzeigt, finden sich in dem Gemälde wenige und auch nicht unbedingt offensichtliche Symbole oder Metaphern.

Zunächst fällt die Taube ins Auge, die das mittlere Kind im Schoß hält. Obwohl das Älteste und auch das Jüngste Futter für den Vogel bereithalten, wird schnell deutlich, dass sich die Kinder nicht wirklich mit der Taube beschäftigen, da Blick und Handlung nicht zusammenpassen. Die Taube muss demnach attributiv zu verstehen sein. Betrachtet man sie also genauer, fällt auf, dass die Taube die drei typischen Charakteristika der Kinder in sich vereint: Der strenge Blick des Ältesten findet sich in den Augen des Vogels in agressiver Form überspitzt dargestellt wieder. Die Unproportionalität des Mittleren, die sich sowohl in seinen ungewöhnlich verkürzten Füssen und dünnen Beinen als auch in der Assymmetrie seines Kinns zeigt, ist auch bei der Taube zu beobachten. Da diese vom Mittleren in einer ungewöhnlichen Weise im Arm gehalten wird, wirkt insbesondere die Brust, aber auch der Rücken des Vogels aufgeblasen. Schließlich verweist der ausgebreitete Flügel der Taube auf das Engelhafte des jüngsten Kindes.

Dieser bildet zudem zusammen mit dem anderen Flügel einen vom Kleinkind zum Ältesten aufsteigenden Bogen, was auch als Symbol für das Stufenschema gesehen werden kann.

Interessant ist außerdem der kompositorische Aspekt bezüglich des jüngsten und des ältesten Kindes. Dadurch dass das Jüngste an der Seite des Tisches steht, ist es dem Ältesten exakt gegenübergestellt, sodass der direkte Vergleich der beiden Geschwister beinahe unvermeidlich bleibt und bald klar wird, dass sie sich, abgesehen von dem gleichen Kleid, das sie tragen, in nichts ähneln.

Diese Gegenüberstellung kann auch bekräftigt werden, wenn man das Futter näher betrachtet, das die Kinder jeweils für die Taube bereithalten. Während die Konsistenz des Futters beim Jüngsten relativ grob ist, hält das Älteste feine Körner in seiner Hand. Symbolisch kann man dies auf die Entwicklungslinie beziehen, die dann dadurch gekennzeichnet wird, dass sich der Charakter eines Kindes allmählich formt und vielschichtiger wird, d.h. von einem groben zu einem feinen Muster übergeht.

2 THOMAS GAINSBOROUGH: The painter’s daughters with a cat

2.1 Bildgegenstand

Das Gemälde zeigt zwei Schwestern vor einem blauen Wolkenhintergrund, durch das an einigen Stellen Licht durchbricht. Die jüngere etwa dreizehnjährige Tochter lehnt an der älteren Schwester, die circa fünfzehn Jahre alt ist. Beide tragen ein ausgeschnittenes Kleid mit halben Ärmeln und Rüschenabschluss. Die Ältere hat ihren rechten Arm über die rechte Schulter und den linken Arm auf dem ebenfalls linken Arm der vor ihr stehenden Schwester gelegt. Diese hat ihre Hände vor dem Bauch verschränkt und hebt ihren Kopf, sodass sie sich damit an die Ältere anlehnt, die ihrerseits wiederum die rechte Gesichtshälfte an den Kopf ihrer Schwester schmiegt. Auf der Höhe der Brust der älteren Tochter ist der Kopf einer Katze zu erkennen, dessen Körper sich bis zu den verschränkten Händen der jüngeren Schwester skizzenhaft abzeichnet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Huelsenbeckschen Kinder im Vergleich mit anderen Geschwisterportraits aus der Romantik
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Romantische Pädagogik in Bildern und Texten
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V17834
ISBN (eBook)
9783638223072
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
enthaltene Bildbeschreibungen mit Interpretation: Johann Christoph Rincklacke: 3 Kinder Lutterbeck Thomas Gainsborough: The painter's daughters with a cat Thomas Lawrence: The children of Ayscoghe Boucherett Philipp Otto Runge: Die Huelsenbeckschen Kinder
Schlagworte
Huelsenbeckschen, Kinder, Vergleich, Geschwisterportraits, Romantik, Romantische, Pädagogik, Bildern, Texten
Arbeit zitieren
Lucia Prado (Autor), 2003, Die Huelsenbeckschen Kinder im Vergleich mit anderen Geschwisterportraits aus der Romantik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17834

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