„Wir lehren nicht das Tasteninstrument, sondern wir lehren musikalische Grundlagen durch das Tasteninstrument“
(Die Musikwerkstatt; Sek.1-Grundstufe)
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Wie im eingangs erwähnten Zitat bereits angeklungen ist, darf Keyboardarbeit im Klassenunterricht nicht im Sinne einer Instrumentalausbildung, wie sie z.B. an den staatlich anerkannten und privaten Musikschulen gegeben wird, verstanden werden. Vielmehr sollte das Keyboard als ein Universalinstrument betrachtet werden, das zum einen bei der Erarbeitung musiktheoretischer sowie musikhistorischer Sachverhalte und zum anderen bei der musikpraktischen Arbeit, also dem eigentlichen Musizieren, wertvolle Dienste leisten kann.
Bevor die technisch-historische Entwicklung elektronischer Tasteninstrumente im dritten Kapitel erläutert und eine Begriffsklärung wichtiger keyboardspezifischer Funktionen vorgenommen wird, soll im zweiten Kapitel auf das instrumentale Klassenmusizieren als Form des handlungsorientierten Unterrichtes eingegangen werden.
Im vierten Kapitel werden methodische und inhaltliche Aspekte sowohl einzeln als auch im Kontext mit den Vor- und Nachteilen des Keyboardeinsatzes betrachtet. Da die eigenen Überlegungen bisher nicht in der Praxis erprobt werden konnten und zum Teil auf fremden Erfahrungen basieren, wird im fünften Kapitel eine Methode vorgestellt, die seit 20 Jahren das Klassenmusizieren mit Keyboards entscheidend mitgeprägt hat. Für den Musikunterricht in den einzelnen Bundesländern gibt es Lehrpläne bzw. Rahmenrichtlinien, die bei Einhaltung den Schülern eine umfassende musikalische Bildung ermöglichen. Bei den vorgestellten Inhalten wurde darauf geachtet, dass der Keyboardeinsatz nicht von diesen losgelöst betrachtet wird.
Obwohl ein guter Musikunterricht bei weitem nicht nur von der technischen Ausstattung abhängig ist, spielt die Ausrüstung beim instrumentalen Klassenmusizieren mit Keyboards eine besondere Rolle. In den letzten Jahren sind auf diesem Gebiet kaum Publikationen veröffentlicht worden, so dass das sechste Kapitel dem aktuellen Stand der Technik gewidmet ist.
Die drei letzten Kapitel, das Keyboard in der Musiklehrerausbildung, Erfahrungsberichte und Schlussbemerkungen, beschäftigen sich schlussendlich mit dem aktuellen Geschehen in der Ausbildung mit elektronischen Tasteninstrumenten. Wertvolle Informationen erhielt ich dabei von zwei Pädagogen, die sich intensiv mit den noch recht jungen Instrumenten in der Musikausbildung beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Instrumentales Klassenmusizieren
2.1 Erwartungen und Ziele des instrumentalen Klassenmusizierens
2.2 Klassenorchester versus Klassenmusizieren nach einem Lehrgangsprinzip
Zwei Formen des Klassenmusizierens im Vergleich
III. Das Keyboard
3.1 Die technische Entwicklung des Keyboards
3.2 Begriffsklärung
IV. Das Keyboard im Musikunterricht
4.1 Das Keyboard als Klasseninstrument
4.1.1 Vorzüge des Keyboardeinsatzes
4.1.1.1 Vorteile, die sich für die Spielpraxis und deren Methodik ergeben
4.1.1.2 Technische Vorteile
4.1.1.3 Wirtschaftliche und logistische Vorteile
4.1.2 Probleme des Keyboardeinsatzes
4.2 Das Keyboard innerhalb der Rahmenrichtlinien des Landes Sachsen Anhalt
4.3 Methodisch-Inhaltlich Aspekte
V. Die Yamaha KeyboardClass
5.1 Die Methode
5.2 Lerninhalte
VI. Technische Voraussetzungen
6.1 Das Keyboard für den Lehrer
6.2 Das Keyboard für die Schüler/innen
6.3 Aufbau eines Keyboardkabinetts
VII. Das Keyboard in der Musiklehrerausbildung
VIII. Erfahrungsberichte
8.1 Interview mit Gerd Rohde
8.2 Erfahrungsberichte im Vergleich
Firke, Firla, Grunz, Meyer, Wanjura-Hübner
IX. „Simmed“ - Das Keyboard in der innovativen Musikausbildung
X. Schlussbemerkungen
XI. Literatur- und Abbildungsverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Hausarbeit untersucht das Potenzial und die didaktisch-methodische Einbindung des Keyboards als Klasseninstrument im Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Frage, wie elektronische Tasteninstrumente zur Förderung musikalisch-praktischer Kompetenzen eingesetzt werden können, ohne dabei den Anspruch an einen fundierten Musikunterricht aufzugeben oder eine rein mechanische Instrumentalausbildung zu forcieren.
- Didaktische Potenziale und technische Vorteile von Keyboards im Schulalltag.
- Vergleichende Analyse verschiedener Formen des Klassenmusizierens.
- Technische und räumliche Anforderungen an moderne Keyboardkabinette.
- Integration moderner musikpädagogischer Methoden wie der "Yamaha KeyboardClass".
- Kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Lehrerbildung im Bereich elektronischer Tasteninstrumente.
Auszug aus dem Buch
4.1.1.1 Vorteile, die sich für die Spielpraxis und deren Methodik ergeben
Zu 1.) Viele Instrumente haben die Eigenart, dass der Spieler seine Spieltechnik ändern muss, wenn er in bestimmten Tonlagen spielen will (z.B.: das Verändern der Lippenspannung bei Klarinette, Horn, u.a. Blasinstrumenten; bei Streichinstrumenten werden die Abstände zwischen den Tönen kleiner, je höher die Lage ist). Bei elektronischen Tasteninstrumenten hingegen hat die Tonhöhe keine Auswirkung auf die Spieltechnik (vgl. Wanjura-Hübner/Draegert 1991, S. 80).
Die für den Schulunterricht in Frage kommenden Keyboards, sogenannte „Homekeyboards“, besitzen eine Kunststofftastatur, die in allen Lagen die Töne gleich anspricht (im Gegensatz zum Klavier oder Flügel, bei denen die Tasten unterschiedlich gewichtet sind). Keyboards, auch im unteren Preissegment, sind heute mit einer regulierbaren Anschlagdynamik ausgestattet. Diese erlaubt es, innerhalb der zu erlernenden Stücke, dynamisch zu differenzieren. Allerdings sollte die Anschlagdynamik, auch wenn Klavierpädagogen an dieser Stelle entschieden anderer Ansicht sind, in der Anfangszeit ausgeschaltet bleiben. Je vertrauter die Schüler mit dem Instrument werden, desto höher kann man die Empfindlichkeit der Tastatur einstellen (Bei vielen Keyboards ist ein Wert zwischen 0 (Anschlagdynamik ausgestellt) und 9 einstellbar. Ziel ist es, nach sechs bis sieben Wochen auf Stufe 6 angelangt zu sein.) und desto besser lassen sich Dynamikakzente realisieren. Die Differenzierung der Lautstärke ist ein wichtiges und unverzichtbares musikalisches Gestaltungsmittel. Damit einzelne Töne aber nicht „herausknallen“ oder evtl. nicht zu hören sind, sollten ungeübte Hände (v.a. der vierte und fünfte Finger) schrittweise trainiert bzw. gewöhnt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation des Autors zur Auseinandersetzung mit dem Keyboard im Musikunterricht und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
II. Instrumentales Klassenmusizieren: Dieses Kapitel definiert Klassenmusizieren als handlungsorientierten Ansatz und vergleicht das Orchester-Modell mit lehrgangsbasierten Konzepten.
III. Das Keyboard: Hier werden die technische Entwicklung sowie wichtige Begriffe wie Klangsynthese und diverse Geräteklassen behandelt.
IV. Das Keyboard im Musikunterricht: Dieses Kapitel analysiert die Vor- und Nachteile des Keyboardeinsatzes und setzt ihn in den Kontext der landesspezifischen Rahmenrichtlinien.
V. Die Yamaha KeyboardClass: Der Autor stellt hier die spezifische Lehrmethode von Yamaha vor, inklusive ihrer musikpädagogischen Ziele und Lerninhalte.
VI. Technische Voraussetzungen: Es erfolgt eine detaillierte Erörterung der benötigten Hard- und Software sowie der räumlichen Gestaltung eines Keyboardkabinetts.
VII. Das Keyboard in der Musiklehrerausbildung: Der Autor kritisiert die mangelnde Verankerung der Keyboardpädagogik in der universitären Ausbildung in Deutschland.
VIII. Erfahrungsberichte: Dieses Kapitel enthält ein Interview mit Gerd Rohde sowie eine vergleichende Analyse verschiedener Fallbeispiele aus der Schulpraxis.
IX. „Simmed“ - Das Keyboard in der innovativen Musikausbildung: Hier wird ein innovativer holländischer Ansatz (Maas) als Ausblick für moderne Unterrichtskonzepte vorgestellt.
X. Schlussbemerkungen: Der Autor resümiert die Notwendigkeit einer kompetenzorientierten Musikpädagogik, die das Keyboard sinnvoll als Mittel zur Ausdrucksfähigkeit nutzt.
XI. Literatur- und Abbildungsverzeichnis: Zusammenstellung der verwendeten Quellen und des Bildmaterials.
Schlüsselwörter
Klassenmusizieren, Keyboard, Musikunterricht, Elektronische Tasteninstrumente, Yamaha KeyboardClass, Instrumentalspiel, Musikpädagogik, Musiktheorie, Schulpraxis, Didaktik, Keyboardkabinett, Anschlagdynamik, Begleitautomatik, Instrumentenbau, Musikerziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Keyboard als Instrument in den Musikunterricht integriert werden kann, um handlungsorientiertes Musizieren zu fördern und die Akzeptanz des Schulfachs Musik zu steigern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Vorzüge und Probleme des Keyboardeinsatzes, die didaktische Einbettung in Lehrpläne, die technische Ausstattung für den Unterricht und die aktuelle Situation in der Musiklehrerausbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Keyboard als Universalinstrument in allgemeinbildenden Schulen für eine umfassende musikalische Bildung genutzt werden kann, ohne dabei eine einseitige Instrumentalausbildung zu forcieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der Fachliteratur, den Vergleich bestehender Lehrmethoden (wie der Yamaha KeyboardClass) sowie auf eigene Praxiserfahrungen und Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zum Klassenmusizieren, eine technische Einführung in das Keyboard, eine Analyse von Vor- und Nachteilen, die methodische Umsetzung im Unterricht sowie Erfahrungsberichte aus der Schulpraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind: Klassenmusizieren, Keyboard, Musikdidaktik, Schulpraxis und Elektronische Tasteninstrumente.
Welche Rolle spielt die Anschlagdynamik für den Unterricht?
Die Anschlagdynamik ist ein entscheidendes technisches Feature, das laut Autor nach einer gewissen Eingewöhnungszeit unverzichtbar ist, um die für musikalische Gestaltung notwendige Differenzierung der Lautstärke zu ermöglichen.
Warum wird im Interview mit Rob Maas das "Third Level System" erwähnt?
Dieses System wird genannt, um Schüler intensiver für die musikalische Botschaft eines Werkes zu sensibilisieren, indem sie gezielte Strategien des Hörens und Analysierens erlernen.
- Arbeit zitieren
- Stefan Rohde (Autor:in), 2011, Aspekte des Klassenmusizierens mit elektronischen Tasteninstrumenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178344