Ziel dieser Arbeit ist es, die Bedingungen, Modelle und Mechanismen der regionalen Integration in Westeuropa und Lateinamerika darzustellen und zu vergleichen. Dazu wird auf die Entstehung und den gegenwärtigen Stand der Europäischen Union (EU) und zweier lateinamerikanischer Integrationsprojekte eingegangen: auf den Mercado Común del Cono Sur (Mercosur) und die ältere Comunidad Andina (Andengemeinschaft). Das Schwergewicht liegt dabei auf dem Mercosur, weil er eine weiter fortgeschrittenere Integration aufweist als die Andengemeinschaft und sich daher für einen Vergleich mit der EU eher anbietet.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Begriffsklärungen
1. Integration versus Kooperation
2. Ökonomische versus politische Integration
a) sechs verschiedene Stufen ökonomischer Integration
1.) Schaffung von Präferenzzonen
2.) Schaffung von Freihandelszonen
3.) Zollunion
4.) Gemeinsamer Markt
5.) Wirtschaftsunion
6.) Währungsunion
b) vier verschiedene Stufen politischer Integration
c.) Stufen politischer Integration nach ihren Abstimmungsregeln
3. Regionale Integration nach den verschiedenen Integrationstheorien
a) Funktionalismus
b) Föderalismus
c) Neofunktionalismus
d) Neorealismus
e) Transaktionsanalyse
4. Voraussetzungen für den Erfolg von regionaler Integration
III. Vergleich der Integration von EU, Mercosur und Andengemeinschaft
1. Die EU
a) Besonderheiten
b) Entwicklung
c) Zusammenfassung und Ausblick
2. Der Mercosur
a) Entwicklung
aa) Phasen der Integrationsversuche bis 1985
bb) Phase der ersten Annäherung bis heute (1985-heute)
b) Institutionelle Struktur
aa) Rat
bb) Gruppe
cc) Handelskommission
dd) Beratungsforum für Wirtschafts- und Sozialfragen
ee) Sekretariat
c) Der Mercosur zwischen den Blöcken
aa) Mercosur und EU
bb) Mercosur und USA
cc) Mercosur – ein Opfer der „global player“?
d) Jüngste Entwicklung in Argentinien – Krise des Mercosur?
e) Zusammenfassung und Ausblick zum Mercosur
3. Die Andengemeinschaft
a) Entwicklung
b) Institutionelle Struktur
c) Die Andengemeinschaft zwischen den Blöcken
aa) Andengemeinschaft und Mercosur
bb) Andengemeinschaft und EU
d) Zusammenfassung und Ausblick zur Andengemeinschaft
IV. Fazit zum Vergleich EU/Mercosur/Andengemeinschaft
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Bedingungen, Modelle und Mechanismen regionaler Integration in Westeuropa und Lateinamerika, wobei der Schwerpunkt auf dem Mercosur und der Andengemeinschaft als Integrationsmodellen im Vergleich zur Europäischen Union liegt.
- Vergleich der Integrationsprozesse von EU, Mercosur und Andengemeinschaft
- Unterscheidung und Definition von Integration und Kooperation sowie ökonomischer und politischer Integration
- Analyse der institutionellen Strukturen der verschiedenen Integrationsblöcke
- Bewertung des Einflusses externer Akteure und globaler Dynamiken auf regionale Integrationsbestrebungen
- Untersuchung der Auswirkungen wirtschaftlicher Krisen (speziell Argentinien) auf Integrationsprozesse
Auszug aus dem Buch
3. Regionale Integration nach den verschiedenen Integrationstheorien:
In bestimmten Zeiten der europäischen Integration sind verschiedene politikwissenschaftliche Integrationstheorien entstanden. Sie beschreiben die jeweilige Integration und versuchen zu erklären, warum es dazu kam und wann regionale Integration Aussicht auf Erfolg hat:
a) Funktionalismus (David Mitrany): Dieser Ansatz basiert auf den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Danach haben zwischenstaatliche Zusammenschlüsse Erfolg, wenn sie sich auf die Regelung technisch unpolitischer Bereiche beschränken. Denn Integration sei erfolgversprechend, wenn sie auf gesellschaftlich-privaten Transaktionen basiere, nicht aber „von oben“ verordnet werde. Die Behinderung der Zusammenarbeit durch nationalstaatliche Machtpolitik soll vermieden werden, indem auf explizit politische Zielsetzungen und eine Festlegung der Finalität verzichtet wird.
b) Föderalismus: Auch dieser Ansatz verweist auf die Gefahr der nationalstaatlichen Machtpolitik. Nationalegoistischen Bestrebungen sollen dadurch vermieden werden, dass die Integration bewusst von den beteiligten Eliten betrieben wird. Die Souveränität wird darum einem neu zu gründenden Akteur übertragen, einer föderalen Macht, die das gemeinsame Interesse notfalls auch mit Zwang durchsetzen kann.
c) Neofunktionalismus (Ernest Haas): Dieser Ansatz versucht, die beiden zuerst dargestellten Ansätze zu verbinden. Nicht nur Bereiche wie Kohle und Stahl sollten nach diesem Ansatz der 60`er Jahre vergemeinschaftet werden, sondern sämtliche Wirtschaftsbereiche, damit der Integrationsprozess eine Eigendynamik entwickele und es zur Integration weiterer Bereiche komme (sog. spill-over-Effekte).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Umreißt die zunehmende globale Bedeutung regionaler Integrationsprozesse und definiert das Ziel der Arbeit, die Bedingungen und Mechanismen in Europa und Lateinamerika zu vergleichen.
II. Begriffsklärungen: Differenziert präzise zwischen Kooperation und Integration sowie zwischen den verschiedenen Stufen ökonomischer und politischer Integration.
III. Vergleich der Integration von EU, Mercosur und Andengemeinschaft: Untersucht detailliert die historische Entwicklung, institutionelle Struktur und aktuelle Herausforderungen der drei Integrationsräume.
IV. Fazit zum Vergleich EU/Mercosur/Andengemeinschaft: Führt die Analyseergebnisse zusammen und bewertet den Stand der Integration sowie die Zukunftsaussichten unter Berücksichtigung politischer und wirtschaftlicher Stabilitätsfaktoren.
Schlüsselwörter
Regionale Integration, Europäische Union, Mercosur, Andengemeinschaft, Zollunion, Freihandelszone, politische Integration, ökonomische Integration, Wirtschaftspolitik, Institutionelle Struktur, Spill-over-Effekt, Globalisierung, Argentinien-Krise, Interregionale Assoziierung, Demokratisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht regionale Integrationsmodelle in Westeuropa und Lateinamerika und untersucht, welche Bedingungen zum Erfolg dieser Prozesse führen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Integrationsstufen, die Anwendung verschiedener Integrationstheorien sowie die Analyse von EU, Mercosur und Andengemeinschaft hinsichtlich ihrer Struktur und Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Mechanismen und Bedingungen regionaler Integration in den genannten Regionen darzustellen und aufzuzeigen, wie sie sich in einem Vergleich zueinander verhalten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird ein politikwissenschaftlicher Vergleichsansatz gewählt, der auf der Auswertung von Integrationstheorien sowie empirischen Daten und aktuellen Entwicklungen der untersuchten Integrationsräume basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der Integrationstheorien sowie eine detaillierte Einzelbetrachtung und den anschließenden Vergleich von EU, Mercosur und Andengemeinschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind regionale Integration, Zollunion, Freihandelszone, Spill-over-Effekte, Institutionen und der sozio-ökonomische Kontext der untersuchten Regionen.
Warum wird der Mercosur als ein "Januskopf" beschrieben?
Der Begriff beschreibt die Ambivalenz des Mercosur: Einerseits tritt er nach außen als geschlossener Block auf, andererseits ist er intern durch die aktuelle argentinische Krise und divergierende Interessen der Mitgliedstaaten in seiner Stabilität gefährdet.
Welche Rolle spielt die EU als Vorbild für den Mercosur und die Andengemeinschaft?
Die EU dient insbesondere in ihrer institutionellen Ausgestaltung als Vergleichsmodell, wobei die lateinamerikanischen Organisationen jedoch weitaus stärker intergouvernemental geprägt sind und supranationale Strukturen fehlen.
- Citation du texte
- Dr. Anna Keller (Auteur), 2002, EU, Mercosur und Andengemeinschaft - ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178417