Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten

Beschreibung, Umsetzung und Reflexion eines eigenen Podcasts


Hausarbeit, 2011
26 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Funktion von Podcasts in der Berufsschule
2.1 Die Rezeption von Podcasts als Lernhilfe
2.2 Die Produktion von Podcasts als Lernhilfe

3 Der Podcast-Projektunterricht im Detail
3.1 Projektvorbereitung
3.2 Projektdefinition
3.3 Projektdurchführung
3.3.1 Generalprobe
3.3.2 Aufnahme
3.3.3 Schnitt
3.4 Projektevaluation
3.5 Projektpräsentation
3.5.1 Rechtliche Aspekte
3.5.2 Technische Aspekte

4 Reflexion und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

6 Anhänge
6.1 Anhang 1 – Projektblatt für Schüler
6.2 Anhang 2 – Original-Drehbücher

1 Einleitung

Im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an der kaufmännischen Berufsschule für Einzelhandels-, Großhandels-, Bank- und Bürokaufleute in Rohrbach in Oberösterreich beschäftige ich mich seit 2007 mit der Rezeption von Podcasts im Wirtschaftskunde-Unterricht. Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass sich Podcasts gut als Unterrichtseinstieg bzw. zur Wiederholung von Lernstoff eignen könnten. Jedoch gab bzw. gibt es kaum Podcasts, die für den Wirtschaftskunde-Unterricht in der Berufsschule geeignet sind. Aus diesem Grund startete ich die Serie „Wirtschaftskunde-Podcast“, um Unterrichtsmaterial „von Schülern für Schüler“ zu produzieren.

Die bisher erstellen Beiträge des „Wirtschaftskunde-Podcasts“ decken gemäß dem Rahmenlehrplan für die Lehrberufe der Berufsschule Rohrbach Teile der Themen Kaufvertrag, Geld- und Kreditwesen, Unternehmer & Unternehmen ab.

Das Ursprungs-Konzept von 2007 wurde mittlerweile in vier verschiedenen Lehrgängen im Unterricht verwendet und aufgrund der gewonnenen Erfahrungen immer wieder angepasst. Mit dieser Hausarbeit wurde nun die Gelegenheit wahrgenommen, dieses Konzept und die Erkenntnisse schriftlich festzuhalten.

Im Kapitel 2 wird ausgeführt, warum der ursprüngliche Ansatz „von Schülern für Schüler“ in dieser Form nicht den gewünschten Erfolg brachte, warum aber die Podcast-Serie mit dem Ziel, den Schülern eine konstruktivistische Lernerfahrung zu ermöglichen, trotzdem weiter fortgeführt wird.

Kapitel 3 beschreibt, welche Vorarbeiten seitens der Lehrenden notwendig sind, um anschließend möglichst effizient eine sowohl inhaltlich als auch technisch qualitativ hochwertige und urheberrechtlich einwandfreie Rohfassung zu erstellen, die in kurzer Zeit zum fertigen Podcast geschnitten werden kann.Danach werden Ansätze zur Evaluation und Leistungsbeurteilung des Unterrichtsprojektes und Formen der Präsentation im Internet aus rechtlicher und technischer Sicht besprochen.

Die Hausarbeit schließt mit persönlichen Erfahrungen, Eindrücken, Gedanken und Erlebnissen während und nach dem Erstellprozess, die für ähnliche Projekte von Nutzen sein könnten.

2 Die Funktion von Podcasts in der Berufsschule

Als Podcasts werden abonnierbare Mediendateien bezeichnet, die automatisch via RSS-Feed aus dem Internet geladen werden können (Bastiaens 2010, S. 85). Schulze, Ketterl, Gruber &Hamborg (2007, S. 234) gruppieren Podcasts in Audio Podcasts (Ton-Dateien im Format MP3 bzw. AAC), Enhanced Podcasts (Ton + Bilder + Links im Format MPEG-4) und Video-Podcasts (Ton + Video im Format MP4, M4V bzw. MOV). Das automatische Herunterladen übernimmt eine Podcatcher-Software (wie beispielsweise iTunes). In der Serie „Wirtschaftskunde-Podcast“ war aus zeitlichen Gründen immer nur ein reiner Audio Podcast geplant, da Video bzw. jegliches Enhancement zusätzliche Zeit benötigen würde, die an anderer Stelle im Unterricht gefehlt hätte. Der Hintergrund dieser Problematik ist, dass es für die meisten Fächer in Berufsschul-Lehrgängen ein striktes Curriculum gibt, das für die 40 Einheiten eines Faches stundengenau vorschreibt, welcher Unterrichtsstoff in welcher Unterrichtseinheit zu bearbeiten ist. Abweichungen sind in begrenzten Rahmen möglich, aber unerwünscht.

Die Grundidee, multimediale Lernhilfen zu verwenden, um Lernen effektiver und bequemer zu gestalten, ist nicht neu. Multimediale Lernhilfen werden schon seit den 60er Jahren im Bildungskontext verwendet. Man denke an Schallplatten, Tonkassetten oder Telekollegs im Fernsehen oder auf Videokassetten. Mit Podcasts werden einige Nachteile dieser „alten“ Lernhilfen eliminiert: Lerner sind mit Podcasts weder an feste Sendetermine, noch an bestimmte Medien gebunden und können diese zeit- und ortsunabhängig rezipieren. Ein weiterer großer Unterschied zu den damaligen Lernhilfen ist: Podcasts können mit einfachen Mitteln selbst produziert und via Internet verbreitet werden (Schiefner, 2008, S. 15). Nachfolgend werden die grundlegenden Unterschiede zwischen Rezeption und Produktion von Podcasts in der Bildungswissenschaft besprochen.

2.1 Die Rezeption von Podcastsals Lernhilfe

Die Grundidee der Wirtschaftskunde-Podcasts im Jahr 2007 war, eine auditive Lernplattform „von Schülern für Schüler“ zu produzieren. Im Endausbau sollte diese Podcast-Sammlung in Homepage-, Blog- oder Wiki-Formfrei zugänglich im Internet zur Verfügung stehen. Unabhängig von Klasse, Lehrberuf und Schulesollte sich jeder interessierte Schüler und Lehrer Wirtschaftskunde-Podcasts herunterladen und damit orts- und zeitunabhängig lernen (und lehren) können.

Im Universitätsbereich gibt es ähnliches schon: Apple Computer startete 2007 ein Modellprojekt mit mehreren Universitäten: Auf der unternehmenseigenen Plattform iTunes wurde iTunes-U gestartet, wo Vorlesungen als Podcasts veröffentlicht wurden. Apple erreichte damit einen zusätzlichen Schub für die Popularität von Podcasts. Unterstützt durch die Einbindung in die bekannte iTunes-Plattform sind diese Vorlesungen ein rasch herunterzuladendes, „kostenloses Futter“ für iTunes und iPods (Bastiaens, 2010, S. 87ff).

Gaiser undThillosen (2009, S. 191) berichten, dass der 2009 gegründete deutsche Ableger von iTunes-U bereits zu Umstrukturierungen der klassischen universitären Vorlesung geführt hat, indem z. B. Präsenzveranstaltungen nur noch für Rückfragen und Diskussionen genützt werden, da die Wissensvermittlung hin zu Podcasts verlagert wurde.

Erklären lässt sich dieser Trend damit, dass sich besonders Universitäts-Vorlesungen zur Veröffentlichung als Podcast geradezu anbieten (Schmidt, 2007, S. 6). Der Vortrag wird sowieso meistens über die vorhandene Audio-Anlage verstärkt und einmal aufgenommene Inhalte könnten später wiederverwendet werden, wenn es sich um Grundlagenveranstaltungen handelt, die sich nicht so schnell ändern. Reinmann (2009, S. 1) merkt an, dass darauf Bedacht zu nehmen ist, dass diese Podcasts auch professionell mediendidaktisch aufbereitet werden müssten, da Körpersprache, inhaltliche Darstellung, Wortmeldung der Lernenden und die visuelle Gestaltung (zumindest bei Audio-Podcasts) unberücksichtigt bleiben. Die Studierenden wären damit potenzielle Nutzer des Podcasts und die Lehre könnte damit für eine hohe Zahl an Studierenden und trotz Ressourcenmangels effizienter (im Sinne der Bologna-Reform) stattfinden.Auch Johnson, Levine, Smith & Stone (2010, S. 3) stellen im Horizon-Report fest, dass „die Menschen erwarten, wo und wann immer sie wollen, arbeiten, lernen und studieren zu können“.

Jedoch zeigen Studien derzeit noch ein ganz anderes Bild: Mobiles Lernen scheint nicht beliebt zu sein. Schulze et al. (2007, S. 239) untersuchte an der Uni Osnabrück die Nutzung des ergänzenden Podcast-Angebots im Bereich Erziehungswissenschaften. 75 % der Studierenden nahmen das Podcast-Angebot nicht in Anspruch, 85 % der Podcast-Hörer rezipierten die Podcasts stationär am heimischen PC. Auch Brittain, Glowacki, van Ittersum& Johnson (2006, S. 31) berichten, dass 75 % der Studenten, die Vorlesungs-Podcasts nutzen, dies zuhause am PC machen. Ebenso zitierenSchiefner (2008, S. 19), Robson und Greensmith (2008) Studien mit ähnlichen Ergebnissen aus den Universitäten in Wisconsin, Zürich und Bristol.

Diese Unlust zum mobilen Lernen konnte auch bei den Wirtschaftskunde-Podcasts beobachtet werden. Für diese Unlust gibt es Gründe:

Zum einen ist Lernen immer sozial: Lernen in Gruppen, Lernen durch Gespräche oder durch Kommunikation findet bei der Podcast-Rezeption nicht statt (Schiefner, 2008, S. 15). Die Schüler der Berufsschule Rohrbach sind nahezu alle im angeschlossenen Internat untergebracht. Hier bieten sich viele Gelegenheiten zum sozialen Lernen und kaum Gelegenheiten, Wegzeiten (zum Beispiel tägliche Zug-, Bus- oder Autofahrten) zum Podcast-Lernen zu nützen. Wobei hier anzumerken ist, dass dieses „mobile Lernen“ auch Aufmerksamkeit und Ruhe verlangen würde, was in mobilen Situationen oft nicht gegeben ist (Schiefner, 2008, S. 20).

Wenn der Vorteil von mobilen Lernen ungenutzt bleibt, hat ein rezeptiv konsumierter Podcast Nachteile gegenüber vielen anderen Lehr- und Lernmethoden: Trotz modernster technischer Geräte kann bei rezeptiver Verwendung von Podcasts nicht von selbstgesteuertem oder interaktivem Lernen gesprochen werden, denn der Ablauf ist zeitlich vorgegeben, es gibt keine Wahlmöglichkeiten. Eine wesentliche didaktische Bereicherung des Wissenserwerbes, der durch kollaboratives Arbeiten im Internet, beispielsweise durch Nutzung von Weblogs oder Wikis entsteht, entfällt bei rezeptiver Nutzung von Podcasts völlig (Smolle, 2008, S. 55ff).

Wichtige Faktoren für den Lernerfolg, sind nach Zimmer und Psaralidis (2000, S. 266) Motivation, Aufmerksamkeit und Aktivität. Diese Faktoren müssen vom Lernenden ausgehen. Zwischen den Merkmalen eines Lernangebotes und den Lernergebnissen ist kein kausaler Zusammenhang erkennbar. Wenn Schmidt (2007, S. 7) schon bei Studenten fehlende Arbeitsmoral, nicht zeitgerechte Bearbeitung der Materialien und stark nachlassende Begeisterung schon nach wenigen Wochenfeststellt, so kann das auch für Berufsschüler bestätigt werden, die oft eine Lehre anstreben, weil eine höhere Schule bzw. Universität und das Erreichen eines höheren Bildungsgrads auf sie kaum motivierend wirkt.Da Podcasts nur Träger eines Lernangebotes sind, können sie noch so gut geplant und gemäßmondernsten Instruktionsdesign-Modellen produziert werden: Der Lernerfolg wird sich nicht automatisch einstellen, da Wissen nicht so einfach von einer Person auf eine andere übertragen werden kann (Bastiaens, 2010, S. 13).

Lernende könnten bei der Rezeption von Podcasts sogar in eine Falle tappen: Das Konzept der investierten mentalen Anstrengung besagt, dass die mentale Anstrengung der Lernenden geringer wird, je einfacher das Medium eingeschätzt wird (Salomon, 1984). Wenn der Lernende aufgrund der einfachen Rezeption des Podcasts diesen oberflächlich rezipiert, könnte er fälschlicherweise das Gefühl haben, etwas gelernt zu haben, was aber tatsächlich nicht der Fall sein muss (Schiefner, 2008, S. 21). Spätestens bei der Prüfung bemerkt der Lernende, dass viel zu oberflächlich und ungenau gelernt wurde. Sind daher Podcast für die Lehre völlig ungeeignet?

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten
Untertitel
Beschreibung, Umsetzung und Reflexion eines eigenen Podcasts
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Gestaltung und Entwicklung von neuen Medien
Note
3,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
26
Katalognummer
V178430
ISBN (eBook)
9783656004653
ISBN (Buch)
9783656005209
Dateigröße
1073 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Podcast, Berufsschule, Unterricht, eEducation, Podcasting
Arbeit zitieren
Dipl.-Päd. Werner Prüher (Autor), 2011, Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178430

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