Schüler- und Studentensprache in Marokko


Studienarbeit, 2011

46 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kurzer Überblick über die Soziolinguistik
2.1. Skizze der Entwicklung der "Bernsteinschen Theorie"
2.1.1. Die erste Phase
2.1.2. Die zweite Phase
2.1.3. Die dritte Phase
2.2. Der elaborierte und restringierte Kode
2.2.1. Der restringierte Kode
2.2.2. Der elaborierte Kode

3. Zum Begriff „Dialekt“ in Marokko
3.1. Ein historischer Überblick zur Entwicklung der Dialekte
3.2. Dialekte und Jugendgruppen

4. Transkription

5. Zum Begriff „Fachsprachen“
5.1. Lexikon und Syntax der Fachsprachen

6. Zum Begriff Soziolekt

7. Zum Begriff „Idiolekt“

8. Zum Begriff „Sondersprache“ und ihre Abgrenzung

9. Jugendsprache
9.1. Jugend und soziale Umwelt
9.2. Jugendsprache in der Schule
9.2.1. Der Schüler in Marokko
9.2.2. Interviews mit Schülern
9.2.3. Einige gebrauchte Wörter in der Schule
9.2.4. Einige geläufige Ausdrücke in der Schule

10. Die Situation der Studenten im Marokko

11. Analyse der Studentensprache
11.1. Der Marokkanischer Student an der Universität
11.1.1 Die Studentensprache an der marokkanischen Universität
11.2. Wortschatz und Redewendungen der Studenten in Marokko
11.3. Marokkanischer Student zu Haus
11.4. Wortschatz und Redewendungen
11.5. Marokkanischer Student außerhalb des Hörsaals bzw . zu Hause
11.6. Charakteristik der Studentensprache
11.7. Einige Wörter und Redewendungen außerhalb der Universität

12. Zusammenfassung

13. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Sprache und ihre Abgrenzung sind heutzutage schwierig. Im Rahmen dieser Sprache gibt es die Gemeinsprache, aus der die so genannte Sondersprache entsteht.

Diese Sondersprache hat mit der sozial-kulturellen Umgebung zu tun. Sondersprache meint in diesem Fall nicht alle Sondersprachen, wie die Arbeitersprache, Berufssprache, Fachsprache, Männer-Frauensprache, u.a., sondern nur den Teil, der die Jugendsprache betrifft.

Die Sondersprache hat mich dazu veranlasst die "Jugendsprache" am Beispiel der Schüler- und Studentensprache als Gegenstand meiner Untersuchung zu wählen, mit dem Ziel, als Germanistikassistant, einige aktuelle Probleme des Generationskonflikts über die Sprache zu beleuchten.

In dieser Arbeit wird zunächst ein kurzer Überblick über die Soziolinguistik, die auf der bernsteinschen Theorie basiert, gegeben. Anschließend wird die Grundfrage der Sprache untersucht, die die Darstellung der Sondersprache und ihre Abgrenzung, der marokkanische Dialekt, Fachsprachen, das Idiolekt und Soziolekt umfasst und schließlich die Jugendsprache vorgestellt, indem die marokkanische Schüler-Studentensprache behandelt wird. In diesem Rahmen wird die Sprache des marokkanischen Schülers in der Schule bzw. der Studenten in der Universität, zu Hause und in der Freizeit anhand einiger marokkanischer Beispiele erörtert.

Die folgende Untersuchung stützt sich zusätzlich auf einige Interviews mit Schülern und Studenten aus verschiedenen Hauptstädten vom Marokko(wie Casablanca, Mohammadia, Rabat, Kenitra, Meknès, Fes, Bni Mellal, Safi, Marrakech etc.), die auf Grund ihrer bevorzugten Sprache unterschiedliche Probleme haben. Diese Jugendlichen haben ihre eigene, besondere Sprache, Redewendungen, Ausdrucksweise, ihren eigenen Sprachstil, Wortschatz, usw. Die von den Schülern und Studenten gewählte Sprache hängt dabei immer vom Zeitpunkt und des Ortes ab. Dabei stellten sie sich immer wieder die Frage: Kann sich die Jugendsprache zukünftig weiterentwickeln, obwohl sie unter einem Generationskonflikt leidet?

2. Kurzer Überblick über die Soziolinguistik

Die Soziolinguistik ist eine der wichtigsten wissenschaftlichen und linguistischen Disziplinen unserer Zeit, da sie unmittelbar mit unserem aktuellen Leben zu tun hat.

"R. Conrad" sagt dazu: “Heute versteht man unter Soziolinguistik allgemein denjenigen Bereich der Sprachwissenschaft, der sich die Beschreibung und Erklärung der gesellschaftlichen Bedingtheit der Sprache, insbesondere der Rolle sozialer Einflüsse, soziologischer Faktoren usw. beim Sprachgebrauch und der Entwicklung des Sprachsystems zum Ziel setzt. (R. Conrad 1984: 240)

Die Frage ist jedoch: Ist es möglich die Studie der Soziolinguistik auf einen bestimmten Zeitraum zu begrenzen?

Die Soziolinguistik umfasst einen sehr weiten Bereich, der viele andere linguistische Disziplinen enthält. Aus der Soziolinguistik gehen beispielsweise viele linguistische Gebiete hervor und es ist unmöglich in einigermaßen, alle Theorien der Soziolinguistik in einigen Blättern bzw. in einem Buch einzubeziehen, daher wird in der vorliegenden Arbeit nur ein kleiner Ausschnitt über die Soziolinguistik behandelt. vor allem, der Teil, der sich auf meine folgende Untersuchung bezieht.

2.1. Skizze der Entwicklung der "Bernsteinschen Theorie"

Im Zentrum der Soziolinguistik steht die Untersuchung der Sprache sozialer Gesellschaftsschichten und im Zentrum dieser Teilbereiche steht der Name "B. Bernstein". Was die Entwicklung der "Bernsteinschen Theorie" anbetrifft, lassen sich Bernsteins Schriften inhaltlich in drei Phasen einteilen. Diese Phasen gliedern sich zeitlich in die Zeiträume von 1959 bis 1962, von 1962/63 bis 1968 und von 1968 bis heute.

2.1.1. Die erste Phase

In der ersten Phase ging es Bernstein darum "Erklärungen für das Schulversagen von Kindern zu finden, die hinsichtlich ihrer Intelligenz mit Kindern vergleichbar waren, die in der Schule bessere Leistungen erzielten. Bernstein suchte dabei in der Sprechweise eine mögliche Erklärungen für das Schulversagen von Kindern aus der Unterschicht zu finden und stützte sich dabei auf die Ergebnisse seiner Intelligenzvergleiche, seine eigene Lebenserfahrung mit Unterschicht-Kindern und die Anstöße, die ihm die Beschäftigung mit "Cassirers", "Whorfs" und anderen gaben. (H. Weber 1980:26)

In dieser Phase versuchte Bernstein eine Erklärung für das Schulversagen der Kinder zu finden. Er stellte fest, dass die Kinder, die in der Schule versagten, aus der Unterschicht kamen. Er fand heraus, dass das Schulversagen der Kinder soziale Gründe hatte, d. h, die Kinder versagten in der Schule, obwohl ihr Intelligenzniveau mit anderen Kindern aus höheren Schichten vergleichbar war. Das Problem liegt laut Bernstein darin, dass diese Kinder von ihrem Milieu (Arbeitermilieu) beeinflusst werden. Ein Beispiel dazu:

Said (12 Jahre) will nicht in die Schule gehen, sondern wie sein Vater Maurer sein. Er sagt, dass er viele Fachbegriffe von seinem Vater gelernt hat. Hier wird deutlich, dass von seinem Vater nur „Arbeitersprache“ gelernt hat.

Anderes Beispiel: Latifa (11 Jahre) will auch nicht in die Schule gehen. Sie begründet das folgendermaßen: "Schule ist nur für Schüler, aber ein nettes Mädchen muss zu Haus bleiben und lernt, was ihre Mutter macht, wie kochen, Haushalt machen, usw.“

Hier fällt ihre Wortwahl "nettes Mädchen" für "Schülerin" auf. Für Bernstein liegt daher nahe, dass Latifa nur eine bestimmte Sprache hat, nämlich die Sprache ihrer Mutter (Frauensprache), bzw. die zu Hause geläufige Sprache, gelernt hat.

Aus beiden Beispielen kann man schließen, dass Kinder aus der Unterschicht, im Vergleich zu Schülern höherer Schichten, sprachlich weniger begabt sind.

2.1.2. Die zweite Phase

In der zweiten Phase hat Bernstein die Typen der "öffentlichen" V.S der " formalen" Sprache durch die beiden bekannten Kode-Typen, den "elaborierten und restringierten" Kode, ersetzt. „Es handelt sich dabei nicht um eine begriffliche Ersetzung gleicher Sachverhalte, sondern um eine veränderte Einschätzung der linguistischen Variablen für Sozialisation, Schulerfolg und Kommunikationsstil in Erwachen älter“.

(H. Weber 1980:27).

Bernstein weist also in der zweiten Phase auf die "öffentliche" V.S und "formale" öffentlichen" V.S" formalen". Die beiden Begriffe werden durch den „elaborierten Kode“ und den „restringierten Kode" ersetzt. Diese Kodes haben mit der Gesellschaft zu tun. Sie spielen eine bedeutende Rolle bei Bernstein, denn sie bestimmen die gesprochene Sprache in einer Gesellschaft. So können sich in einer Gesellschaftsschicht Menschen befinden, die sich des elaborierten Kodes bedienen und andere, die die restringierte Sprache verwenden. Durch diese Kodes lässt sich die Schicht bzw. Klassengesellschaft einer Person leicht erkennen.

Bernstein als Pädagoge will diesen Unterschied verfeinern. Selbstverständlich spiegelt sich diese Differenzierung in der Spracherziehung der Kinder bzw. der Jugendlichen wider.

Ein Beispiel dazu:

Ahmed (14 Jahre alt)- aus der Unterschicht - sagt zu seiner Mutter "Mutter, ich will jetzt rausgehen."

Mostapha (13 Jahre alt) - aus der Oberschicht -sagt zu seiner Mutter: "Liebe Mutter, wenn du mir erlaubst, will ich jetzt rausgehen."

2.1.3. Die dritte Phase

In der gegenwärtigen, dritten Phase „interessiert sich Bernstein wieder mehr für die situativen und interaktiven Varianten von Sprechweisen, wie z.B. den pädagogischen Kode in der Schule. Er relativiert hier streng dichotomische Modelle der mittleren Phase. Gleichzeitig nimmt er Kriterien der ersten Phase wieder auf, wie z.B. die Bedeutung der Wertschätzung unterschiedlicher sprachlicher Kommunikationsweisen durch den Lehrer. Diese kann sich als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung auswirken. Bernstein nimmt damit auch Themen auf, die sich vor allem die Vertreter der Differenzhypothese zum Gegenstand gemacht haben“. (H. Weber 1980:27).

Die dritte Phase stellt die praktischen Modelle der Kode Typen in der Schule vor, also die unterschiedliche Kommunikationsweise und Sprechweise der Schüler.

Um Bernsteinsche "Kode-Typen" besser zu verstehen, wird im folgenden Punkt 2.4 näher erläutert.

2.2. Der elaborierte und restringierte Kode

Bevor die soziologische Sprachbarriere behandelt wird, soll zunächst auf den elaborierten und restringierten Kode und ihre Bedeutung hingewiesen werden.

Bernstein unterscheidet zwischen dem Sprachmilieu der Unterschicht und der Oberschicht. Die Sprachumwelt der Unterschicht bedingt den "restricted code"-à der "restringierte Kode", während in der Oberschicht der "elaborated code"-à der "elaborierte Kode" gepflegt wird.

Der restringierte Kode ist durch die unten genannten sprachlichen Merkmale gekennzeichnet. Er erzeugt nach Bernstein eine Sprache mit starrer und syntaktischer Struktur, die sich selten untergeordneter Sätze bedient. Adjektive, Adverbien und unpersönliche Pronomina werden selten eingesetzt. Dagegen werden idiomatische Redewendungen und Sequenzen häufig verwendet.

Um die Abstraktion und das Missverständnis "des elaborierten und restringierten Kode" auszuräumen, wird im Folgenden der Unterschied der beiden Kodes dargestellt.

2.2.1. Der restringierte Kode

1- Kurz Sätze
2- Oft unvollständige Sätze
3- Häufige Parataxe
4- Einfache Sätze und wenige einfache Konjunktionen
5- (und Präpositionen)
6- Geringer Wortschatz
7- Starre und begrenzte Auswahl von Adjektiven
8- Seltene Verwendung von "ich" und unpersönlichen Ausdrücke "man, es"
9- Mehr konkrete Beschreibungen
10- Mehr Impliziertheit und Expression
11- Wenige Sprechpausen
12- Wenige Erklärungen für den Hörer
13- Häufige kurze Befehle und Fragen
14- Rückversicherungsfloskel "nicht, ne, nicht wahr?"
15- Mehr Kollektivmeinungen z.B. häufige Feststellungen oder implizite Fragen

2.2.2. Der elaborierte Kode

1- Längere Sätze
2- Meist vollständige Sätze
3- Häufiger Hypotaxe
4- Logische Modifikationen durch komplexe Syntax und vielfältige Konjunktionen(und Präpositionen)
5- Grosser Wortschatz
6- Differenzierte Auswahl, von Adjektiven und Adverbien
7- Häufige Verwendung von "ich" und unpersönlichen Ausdrücken, wie "man und es"
8- Wenige Sprachklischees
9- Mehr Abstraktion
10- Mehr Explizitheit und wenig Expression
11- Mehr Sprechpausen
12- Mehr Erklärungen für den Hörer
13- Mehr Rücksichtnahme(Respekt)
14- Wenige Rückversicherungsfloskeln
15- Mehr individuelle Meinungen und Unabhängigkeit von einer

Gruppensolidarität. (Vgl. H. Gross 1985: 179)

Diese Merkmale, d.h., die Unterscheidungskriterien für die beiden Kodes liegen auf ganz verschiedenen Ebenen. Sie zielen aber dennoch deutlich auf eine Erklärung höherer kognitiver Fähigkeiten beim Sprecher des "elaborierten Kodes ab.

3. Zum Begriff „Dialekt“ in Marokko

3.1. Ein historischer Überblick zur Entwicklung der Dialekte

Im Zuge der Entwicklung des Handwerkes entwickelten sich zahlreiche Dialekte. Demnach wurden dialektische Wörter unter den Handel verwendet.

Die Dialektsprecher zu dieser Zeit gehörten der Unterschicht und der Mittelschicht an. Später entstand das Interesse die Sprache zu pflegen und vor dem Dialekt zu schützen. Die Eliten und die Oberschicht wollten eine Sprache, die ihrem Lebensstandard und ihrem Intelligenzniveau entsprach. Aber im 19. Jahrhundert und mit der fortgeschrittenen Industrialisierung entwickelten sich die Dialekte, durch die Arbeiter und die Bauern, die in die Städte zogen.

„Eine Besonderheit des Marokkanischen besteht darin, dass es neben seiner Abstammung vom Hocharabischen,auch einen anderen nicht arabischen Dialekt umfasst. Demzufolge wird unter der

Muttersprachlein Marokko nicht nur das Marokkanisch-Arabische verstanden, sondern auch das Marokkanisch-Berberische, da wiederum in drei Teildialekte gegliedert und in verschiedenen Regionen gesprochen wird:

a) Tarifit im Norden Marokkos.
b) Tamazight im Atlasgebirge,
c) und schließlich Tachelheit im Süden“.

(H.Baalla 14: 2010)

Das Marokkanische Berberische ist nicht als ein von dem Ar. bzw. SA her abstammender Dialekt zu zählen. Es sollte eher als eigene Fremdsprache betrachtet werden, auch wenn wir im Berberischen einige arabische Wörter finden, wie z.B.:

s∂kkaR-à Zucker, L-Lah-à Gott, šiTan -à Satan,

maljka-à Engel, usw.

3.2. Dialekte und Jugendgruppen

Die geschichtliche Entwicklung zeigt, warum Jugendgruppen für eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Dialekten so interessant sind. Jugendgruppen leben in einem Milieu, in dem die Dialektsprache gesprochen wird oder als gesprochene Sprache vorherrscht. Da das Dialekt die Kommunikation zwischen ihnen und ihrer Umgebung erleichtert, sind die meisten Jugendgruppen gezwungen, ihre Sprache zu dialektisieren, damit sie mit ihrer Umwelt ohne Schwierigkeiten kommunizieren können. Ein Beispiel:

"Abderrahim" (18 Jahre) kommt aus einer Unterschichtenfamilie. Er ist Student der Arabistik. An der Universität Fes referiert er über das Problem der Übersetzung ins Arabische. Dabei beantwortet er die Fragen der Professoren und Studenten auf Hocharabisch, da die situative kulturelle Bedingung der Universität ihn dazu zwingt Hocharabisch zu sprechen, damit ihn alle Professoren und Studenten verstehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Schüler- und Studentensprache in Marokko
Hochschule
Universität Hassan II. Casablanca
Veranstaltung
Soziolinguistik
Autor
Jahr
2011
Seiten
46
Katalognummer
V178437
ISBN (eBook)
9783656004646
ISBN (Buch)
9783656005193
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprache, Sondersprache, Soziolinguistik, Dialekt, Soziolekt, Idiolekt, Fachsprache, Gemeinsprache, Schülersprache, Studentensprache, das Marokkanische, Der restringierter Kode, elaborierter Kode, Wortschatz und Redewendungen
Arbeit zitieren
P. A Hamid Baalla (Autor), 2011, Schüler- und Studentensprache in Marokko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178437

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