Die Untersuchung der von persönlichen Motiven geleiteten Unternehmensführung stellt einen wesentlichen Bestandteil dieser Arbeit dar. Die Betrachtung betrifft Unternehmen, welche in einer dynamischen Umwelt handeln und zunehmend auf globalen Märkten agieren. Daraus ergibt sich, dass eine Vielzahl an Risiken auf die Unternehmen wirken und dass es Kern des unternehmerischen Handelns ist, spezifische Risiken zur Sicherung des langfristig erfolgreichen Bestands einzugehen. Die Leitungsverantwortung einer Mehrzahl der Großunternehmen liegt dabei in den Händen von Managern, die die Interessen der Eigentümer zu vertreten haben und in deren Sinne agieren sollten. Anteilseigner erwarten gemeinhin eine im Sine ihres primären Ziels der langfristigen Gewinnmaximierung ausgerichtete Unternehmenspolitik.
Die Arbeit fokussiert genau jene in der Realität beobachtete Verhaltensweisen von Entscheidungsträgern, die Verstöße gegen die normativen Regeln der Entscheidungstheorie darstellen. Diese werden u.a. in einer modelltheoretischen Darstellung der (Cumulative) Prospect Theory abgebildet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Unternehmen
2.1 Grundlegende Definition der Organisation
2.2 Rechtsformen, Haftung und Leitungsbefugnis
2.3 Anspruchsgruppen und Unternehmensziele
2.4 Risiken der Unternehmensführung
3. Entscheidungen als Basis unternehmerischen Handelns
3.1 Integration von Organisations- und Entscheidungstheorie
3.2 Individuelles Entscheidungsverhalten unter Unsicherheit
3.3 Entscheidungen in Gruppen
4. Das Management als zentrale Steuerungseinheit
4.1 Verantwortungsbereich und Einfluss des Vorstands
4.2 Die Annahme der „managerial risk aversion“
4.3 Einfluss des Risikoverhaltens auf die Unternehmenspolitik
5. Die Beziehung zwischen Aktionär und Manager
5.1 Konflikte aus der Trennung von Eigentum und Unternehmensführung
5.2 Anreizsetzung durch Risikoübertragung und induzierte Risikoscheu
5.2.1 Harmonisierung der Präferenzen
5.2.2 Kosten der Agency-Beziehung
5.3 Folgerungen aus der Agency-Beziehung
6. Variable Risikopräferenzen des Managements
6.1 Individuelle Verhaltensabweichungen
6.1.1 Irrationales Verhalten und Managemententscheidungen
6.1.2 Probleme der Informationswahrnehmung
6.1.3 Probleme der Informationsverarbeitung
6.1.4 Entscheidungen im deskriptiven Modell
6.1.5 Situationsabhängigkeit des Entscheidungsverhaltens
6.2 Risikoverhalten in Gruppen
6.2.1 Das Phänomen des Groupthink
6.2.2 Risikopräferenz der Entscheidungsgruppe
6.2.3 Qualität und Rationalität kollektiver Entscheidungen
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss individueller und kollektiver Risikopräferenzen von Managern auf unternehmerische Entscheidungen unter Unsicherheit. Im Zentrum steht dabei der Interessenkonflikt zwischen Eigentümern und Management, der aus der Trennung von Unternehmenseigentum und -führung resultiert. Es wird analysiert, wie sich unterschiedliche Anreizsysteme und psychologische Verhaltensanomalien auf die Risikopolitik von Großunternehmen auswirken.
- Principal-Agent-Theorie und Anreizgestaltung
- Individuelles Entscheidungsverhalten und Risikoaversion
- Psychologische Verhaltensanomalien in der Unternehmensführung
- Gruppendynamische Prozesse bei Entscheidungen (Groupthink, Risky Shift)
- Implikationen der Unternehmensführung auf den Shareholder-Value
Auszug aus dem Buch
3.2 Individuelles Entscheidungsverhalten unter Unsicherheit
Zunächst gilt es, eine Entscheidungssituation und deren Merkmale zu charakterisieren. Bei nachfolgender Schilderung handelt es sich um ein Entscheidungsmodell. In jenem Rahmen werden Entscheidungsregeln formuliert, die Entscheidungsträgern als Grundlage rationaler Entscheidungen dienen sollen.37
Ein Entscheidungsmodell ist aus dem Entscheidungsfeld und aus der Zielfunktion des Entscheidungsträgers zusammengesetzt. Das Entscheidungsfeld umfasst mindestens zwei Handlungsalternativen, welche vom Entscheider wählbar sind. Jede Handlung zieht gewisse Folgen nach sich, wobei für eine Entscheidung nur jene Folgen relevant sind, die Einfluss auf die Zufriedenheit des Entscheiders haben. Ist der Entscheider etwa mit dem Gewinn nur an einer Zielgröße orientiert, so entspricht jede Folge bzw. jedes Ergebnis einer Ausprägung dieser Zielgröße. Auch das Ergebnis ist Teil des Entscheidungsfeldes. Darüber hinaus umfasst das Entscheidungsfeld mögliche Realisierungen von Umweltzuständen mit Wirkung auf die Ergebnisausprägungen, welche außerhalb des Einflusses des Entscheiders liegen. Diese beeinflussen also die Ergebnisse der Alternativen, stellen aber keine Entscheidungsvariablen für den Entscheider dar, dieser orientiert sich lediglich an den möglichen Zielgrößenausprägungen.38
Abhängig vom Kenntnisstand des Entscheidungsträgers lassen sich Entscheidungssituationen wie folgt unterscheiden: Bei Sicherheit ist dem Entscheider der eintretende Umweltzustand bekannt, die aus alternativen Handlungen jeweils resultierenden Ergebnisse sind folglich direkt ersichtlich. Im Regelfall gilt für betriebliche Entscheidungen allerdings, dass beim Entscheider Unsicherheit über die eintretenden Umweltzustände besteht, man spricht von Entscheidung unter Unsicherheit. Stehen dem Entscheidungsträger dann subjektive oder objektive Wahrscheinlichkeiten bezüglich der eintretenden Umweltzustände zur Verfügung, so spricht man von einer Entscheidung bei Risiko. In
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Top-Manager als Repräsentanten eines Unternehmens maßgeblichen Einfluss auf strategische Entscheidungen ausüben, wobei persönliche Präferenzen und Risikoeinschätzungen das Unternehmenshandeln prägen.
2. Das Unternehmen: Dieses Kapitel definiert das Unternehmen als organisatorische Einheit und rechtliches Konstrukt, wobei insbesondere die Trennung von Eigentum und Führung sowie das Shareholder-Value-Konzept als Basis für das Handeln herausgearbeitet werden.
3. Entscheidungen als Basis unternehmerischen Handelns: Hier werden die theoretischen Grundlagen der normativen Entscheidungstheorie sowie der Einfluss von Delegation und individuellen oder kollektiven Entscheidungsprozessen in Unternehmen beleuchtet.
4. Das Management als zentrale Steuerungseinheit: Der Fokus liegt hier auf dem Verantwortungsbereich des Vorstands, dem Haftungsrahmen und der empirischen Evidenz für eine „managerial risk aversion“ sowie deren Einfluss auf die Unternehmenspolitik.
5. Die Beziehung zwischen Aktionär und Manager: Dieses Kapitel analysiert mittels eines Principal-Agent-Modells den Interessenkonflikt zwischen Aktionären und Management sowie die Gestaltung optimaler Anreizverträge.
6. Variable Risikopräferenzen des Managements: Es werden individuelle Verhaltensanomalien sowie gruppendynamische Prozesse wie Groupthink oder der „risky shift“ diskutiert, die zu Abweichungen vom rationalen Standardmodell führen.
7. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zur Komplexität menschlicher Entscheidungsprozesse zusammen und identifiziert Forschungsbedarf für die Integration psychologischer Erkenntnisse in ökonomische Entscheidungsmodelle.
Schlüsselwörter
Risikoaversion, Principal-Agent-Modell, Unternehmensführung, Entscheidungsverhalten, Shareholder-Value, Risikopräferenzen, Management, Verhaltensanomalien, Groupthink, Anreizsysteme, Unsicherheit, Rationalität, Diversifikation, Agency-Kosten, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das individuelle und kollektive Entscheidungsverhalten von Managern unter Unsicherheit das Handeln von Unternehmen beeinflusst, insbesondere im Hinblick auf den Interessenkonflikt zwischen Anteilseignern und Management.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Principal-Agent-Theorie, normative Entscheidungstheorie, die Auswirkungen von Risikopräferenzen auf die Unternehmenspolitik sowie psychologische Verhaltensanomalien und Gruppendynamiken in der Führungsetage.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung der Ursachen und Wirkungen der Risikoscheu von Managern sowie der Möglichkeiten, durch adäquate Anreizstrukturen eine Harmonisierung der Interessen zwischen Management und Eigentümern zu erreichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird primär ein modelltheoretischer Ansatz verfolgt (u.a. LEN-Modell, Principal-Agent-Modell), ergänzt durch die Diskussion verhaltensökonomischer Studien und empirischer Erkenntnisse zum individuellen und kollektiven Entscheidungsverhalten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des unternehmerischen Handelns, die Modellierung der Principal-Agent-Beziehung, die Analyse von Verhaltensabweichungen (Prospect Theory) und die Untersuchung von Entscheidungsprozessen in Gruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Risikoscheu, Principal-Agent-Problematik, Unternehmenssteuerung, Behavioral Finance und Entscheidungsrationalität beschreiben.
Wie wirkt sich die „Business Judgement Rule“ auf Manager aus?
Die Regel bietet Vorstandsmitgliedern einen Haftungsfreiraum bei unternehmerischen Ermessensentscheidungen, sofern diese auf angemessener Informationsbasis und zum Wohl der Gesellschaft getroffen wurden.
Warum neigen Gruppenentscheidungen oft zu einem „risky shift“?
Durch die gemeinsame Diskussion entsteht häufig ein gesteigertes Sicherheitsgefühl oder eine geteilte Verantwortungsübernahme, die dazu führen kann, dass die Gruppe insgesamt zu einer höheren Risikobereitschaft tendiert als die einzelnen Mitglieder für sich genommen.
- Citar trabajo
- Christian Kussmann (Autor), 2007, Der Einfluss individueller und kollektiver Präferenzen auf Unternehmensentscheidungen unter Unsicherheit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178493