In Quines Aufsatz „Two dogmas of empiricism“ stehen zwei zentrale Aspekte, wie dem Namen schon zu entnhemen ist, die den Empirismus der modernen Prägung (Wiener Kreis) in gewisser Hinsicht kritisieren. Das erste Dogma besteht darin, die Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Aussagen strikt aufrechterhalten zu wollen, das zweite ist der Reduktionismus, also der Glaube, dass jede einzelne sinnvolle Aussage logisch äquivalent zu einer auf Erfahrung beruhenden Tatsache sei. Dem zweiten Dogma hält Quine entgegen, dass nicht einzelne Aussagen, sondern immer nur eine Menge von Aussagen verifiziert werden können.
Auch wenn beide Dogmen miteinander zusammenhängen, soll nun im weiteren Verlauf des Essays das erste Dogma im Mittelpunkt stehen. Quine behauptet, es gebe kein Kriterium, um eine genaue Unterscheidung von analytischen und synthetischen Aussagen vorzunehmen. Dazu erläutert er das geläufige Kriterium der Synonymie (Bedeutungstheorie), das die Analytizität erklären soll. Diese beruht auf drei Begriffen, nämlich (1) Definition, (2) Austauschbarkeit und (3) semantische Regel, auf die wir noch zurückkommen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition
2. Austauschbarkeit
3. Semantische Regeln
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das von Willard Van Orman Quine in seinem Aufsatz „Two dogmas of empiricism“ kritisierte erste Dogma, welches die strikte Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Aussagen betrifft. Ziel ist es, Quines Argumentation gegen die logische Haltbarkeit der Begriffe „Analytizität“ und „Synonymie“ darzustellen und zu hinterfragen, ob diese Distinktion wissenschaftlich fundiert ist.
- Kritik am Empirismus der modernen Prägung
- Analyse des Begriffs der Synonymie durch Definition und Austauschbarkeit
- Die Rolle semantischer Regeln in der Sprachphilosophie
- Quines Ablehnung einer zirkelfreien Erklärung von Analytizität
Auszug aus dem Buch
3. Semantische Regeln
Der Begriff der Analytizität ließ sich scheinbar zuerst am natürlichsten durch Definition und Synonymie erklären, doch Synonymie wird wiederum am plausibelsten durch Analytizität begründet.
Der nächste Versuch ist nun der, es mit einer Begründung durch semantische Regeln zu probieren. Quine tut dies, indem er anhand künstlicher Sprachen argumentiert, die eine genauere Unterscheidung zwischen „analytisch“ und „synthetisch“ ermöglichen sollen. Demnach ist eine Aussage analytisch, wenn sie wahr ist aufgrund einer semantischen Regel. Man kann zwar nachvollziehen, welchen Ausdrücken die Regeln Analytizität zuschreiben, aber nicht, was die Regeln diesen Ausdrücken zuschreiben. Die semantische Regel steht wie eine Überschrift da, die das Wort „analytisch“ beinhaltet und dann selbst bedeutungslos ist.
Ein Kriterium für Analytizität zu finden, das eine stichhaltige Begründung liefert, ist sicherlich nicht einfach, wenn nicht sogar unmöglich. Was bedeutet das genau, wenn „unverheiratet“ in „Junggeselle“ enthalten sein soll? Das ist ja nicht das gleiche, wie eine Nusschale, die eine Nuss enthält. Sicherlich kann man ein intuitives Verständnis dafür entwickeln, was Analytizität ausmacht, aber gesucht ist eine Erklärung, die nicht zirkulär ist und nicht wiederum selbst auf Analytizität zurückgreift.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition: Dieses Kapitel erörtert, warum die Rückführung von Synonymie auf Definitionen – sei es durch Wörterbücher oder Carnaps Explikation – letztlich zirkulär bleibt, da sie Synonymie bereits voraussetzt.
2. Austauschbarkeit: Hier wird untersucht, ob die Austauschbarkeit „salva veritate“ ein hinreichendes Kriterium für Synonymie darstellt, wobei Quine aufzeigt, dass dies ohne eine bereits vorausgesetzte Analytizität in extensionalen Sprachen scheitert.
3. Semantische Regeln: Das Kapitel analysiert den Versuch, Analytizität durch semantische Regeln zu definieren, und stellt fest, dass diese Regeln ohne eine inhaltliche Rechtfertigung lediglich inhaltsleer bleiben.
Schlüsselwörter
Analytizität, Synonymie, Quine, Two Dogmas of Empiricism, Empirismus, Definition, Austauschbarkeit, semantische Regeln, Reduktionismus, Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie, kognitive Synonymie, logische Wahrheit, Extension, Intension.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sprachphilosophischen Kritik von W.V.O. Quine am Empirismus, insbesondere an der klassischen Trennung von analytischen und synthetischen Aussagen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Begriffe der Synonymie, der Analytizität sowie die logischen und semantischen Probleme bei deren Definition durch Austauschbarkeit und explikative Regelwerke.
Welches Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, Quines Argument darzulegen, warum die Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Sätzen keinen soliden metaphysischen Status besitzt, sondern als „Glaubensartikel“ der Empiristen zu betrachten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Argumentationsanalyse auf Basis von Quines Aufsatz „Two dogmas of empiricism“ und komplementärer erkenntnistheoretischer Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Definitionen, Austauschbarkeit von Begriffen und semantischen Regeln, um die Zirkularität der Begriffe Synonymie und Analytizität aufzuzeigen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Analytizität, Synonymie, Zirkularität, Empirismus und Sprachphilosophie geprägt.
Wie bewertet Quine die Rolle des Lexikographen bei Definitionen?
Quine betrachtet den Lexikographen als Empiriker, der lediglich Sprachgebrauch festhält; daher kann eine solche Definition keine analytische Wahrheit begründen.
Was versteht man unter dem Problem der Zirkularität bei der Analytizität?
Das Problem besteht darin, dass alle Versuche, Analytizität zu definieren (über Synonymie, Definition oder Regeln), letztlich auf den Begriff der Analytizität selbst zurückgreifen, was die Definition hinfällig macht.
- Arbeit zitieren
- Peter Faulstich (Autor:in), 2002, In welchem Verhältnis stehen für Quine die Begriffe Synonymie und Analytizität?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17850