Deutsch-slawischer Kontakt in der Stauferzeit


Hausarbeit, 2010

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Veränderungen des Kontakts in der Germania Slavica
2.1 Die Situation in der Germania Slavica bis zum Wendenkreuzzug
2.2 Der Wendenkreuzzug von 1147
2.3. Die Veränderung der politischen Beziehungen am Beispiel des Grafen Adolf II. von Holstein und Albrechts des Bären
a.) Adolf II. von Holstein
b.) Albrecht der Bär
2.4. Fazit

3. Der Kontakt mit Polen
3.1 Überblick über die polnisch-deutschen Kontakte vor dem 12. Jahrhundert..
3.2 Boleslaw III. und das Senioratsherzogtum
3.3 Wladyslaw der Vertriebene und die Staufer
3.4 Albrecht der Bär und der Kontakt zu Polen

4. Schluss

5. Literaturliste

1. Einleitung

Die Nationalsozialisten bezeichneten den Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 als Fall Barbarossa - im Geschichtsverständnis der NS-Zeit bedeutete der Angriff auf russisches Gebiet eine Fortsetzung der staufischen Expansionspolitik nach Osten. Doch waren die Staufer und vor allem Barbarossa tatsächlich nur an einer aggressiven Expansions- und Kolonisationspolitik im Slawengebiet interessiert? In meiner Hausarbeit möchte ich darstellen wie der Kontakt zwischen Slawen und Deutschen in der Zeit Barbarossas tatsächlich abgelaufen ist und wie er sich in dieser Zeit verändert hat. Im Rahmen dieser Arbeit werde ich mich dabei vor allem auf die Elbslawen in der so genannten Germania Slavica, also dem Gebiet zwischen der Elbe und der Oder und auf das Herzogtum Polen beschränken. Weitere Kontakte mit slawischen Völkern werde ich aus Gründen des beschränkten Umfangs auslassen. Ich habe mich für die Elbslawen und für Polen als Beispiel für den Kontakt mit den Deutschen entschieden, da es sich hier um zwei Arten des Kontakts handelt: Zum einen die heidnischen und in viele Stämme aufgeteilten Elbslawen und zum anderen das Herzogtum Polen, das bereits im Jahr 966 christianisiert worden ist.

Ich werde mich vor allem auf die politische Ebene beschränken und daher wirtschaftliche oder kulturelle Kontakte nur am Rand erwähnen. Ich werde in meiner Arbeit auch die Zeit des Königtums Lothars III. und Konrads III. berücksichtigen, da bereits während ihrer Herrschaft wichtige Ereignisse und Entwicklungen stattgefunden haben, die für die Königszeit Barbarossas ab 1153 entscheidend sind.

In meiner Hausarbeit werde ich mich mit der Frage beschäftigen, in wie weit sich der politische Kontakt zwischen den Deutschen und ihren slawischen Nachbarn in der Zeit Barbarossas verändert hat und welche Gründe es dafür gibt.

2. Die Veränderungen des Kontakts in der Germania Slavica

2.1. Die Situation in der Germania Slavica bis zum Wendenkreuzzug

Das Gebiet zwischen der Oder und der Elbe gehörte Anfang des 12. Jahrhunderts formal zum deutsch-römischen Königreich. Mehrere Bistümer wurden im 10. Jahrhundert gegründet: Brandenburg, Havelberg und Oldenburg. In einem großen Aufstand der heidnischen slawischen Bevölkerung im Jahr 983 wurden diese Bistümer jedoch zerstört1. In diesem Gebiet lebten zahlreiche Slawenstämme, von denen die Obodriten im Westen und die Liutizen im Osten die größten waren. Vom 10. bis zum 12. Jahrhundert bauten die Obodriten ihre Herrschaft in Nordosteuropa stark aus und eroberten viele kleinere Stämme. Ihre Fürsten, wie etwa Mstivoj, wurden als gleichbedeutend zu den slawischen Herrschern anderer Staaten angesehen, wie Mieszko von Polen oder Boleslaw von Böhmen.2

Entscheidend ändern sollte sich die Situation in dem Gebiet zwischen Elbe und Oder erst im Laufe des 12. Jahrhunderts: Durch neue Methoden der Landwirtschaft und ein wärmeres Klima wuchs die Bevölkerung im deutsch-römischen Reich stark an. Unter der Überbevölkerung hatten vor allem die Regionen in den heutigen Beneluxstaaten, wie etwa Flandern und Holland zu leiden. Um die steigende Bevölkerung zu versorgen, wurde es nötig mehr Land zu erschließen, damit stieg auch der Wert von Ackerboden. Nach über 100 Jahren Stillstand wurden die Gebiete der elbslawischen Stämme plötzlich sehr interessant für die Besiedlung. Besonders verlockend wurden diese Gebiete, da sie weitgehend heidnisch waren und man auf die Besitzansprüche nicht-christlicher Völker keine Rücksicht zu nehmen brauchte. Bereits im Jahr 1108 gab es einen Aufruf geistlicher und weltlicher Herren in dem die Bewohner des Reiches aufgefordert wurden dieses fruchtbare Land zu besiedeln und die Heiden zu unterwerfen und zu christianisieren. Ab diesem Zeitpunkt begann die Siedlungstätigkeit, die bis zum Wendenkreuzzug allerdings noch recht gering ausfiel.3

2.2. Der Wendenkreuzzug von 1147

Weitreichende Konsequenzen für die Besiedlung des Gebietes der Elbslawen, hatte ein Ereignis, dass viele tausend Kilometer entfernt stattgefunden hat: Im Jahr 1147 eroberten Muslime die christliche Festung Edessa. Daraufhin rief der Papst und der Kreuzzugsprediger Bernhard von Clairvoux zu einem zweiten Kreuzzug gegen die Heiden im Heiligen Land auf. König Konrad III. und Friedrich Barbarossa, damals noch Herzog von Schwaben, folgten dem Ruf und brachen auf ins Heilige Land.

Die meisten Grafen von Sachsen jedoch beteiligten sich nicht am Kreuzzug und folgten dem König nicht nach Jerusalem. Stattdessen wollten sie gegen die Heiden in ihrer direkten Nachbarschaft ziehen, gegen die slawischen Stämme zwischen der Elbe und der Oder.4

Interesse an diesem Kreuzzug gegen die slawischen Nachbarn hatte auch die Kirche, vor allem der Bischof Anselm von Havelburg, dessen Diözese mitten im Slawengebiet lag und über die er nur nominelle Macht hatte. Dieser wurde auch zum päpstlichen Legaten für den Kreuzzug bestimmt.5

Die größte Initiative für den Kreuzzug gegen die heidnischen Slawen hatten aber die weltlichen Fürsten aus Sachsen, allen voran Heinrich der Löwe aus der Dynastie der Welfen, Albrecht der Bär aus der Dynastie der Askanier und Konrad von Wettin aus der Dynastie der Wettiner. Es gibt viele Gründe für dieses starke Interesse an einem Kreuzzug: Zum einen religiöse Gründe, vor allem der Ausblick darauf, viele Heiden zu missionieren und zum Christentum zu bekehren. Aber auch weltliche Gründe spielten eine Rolle, wie der Ausbau des eigenen Herrschaftsbereiches und die Sicherung der Grenzen. Im März des Jahres 1147 stießen zwei große Kreuzzugsheere in das Gebiet der Slawen vor. Es war der bisher größte Feldzug deutscher Fürsten gegen die Slawen. Ein Heer unter der Führung Heinrichs des Löwen zog gegen das Kernland der Obotriten im heutigen Mecklenburg. Das zweite Heer unter der Führung Albrechts des Bären zog weiter nördlich gegen die Liutizen und die Pomeranen.6 Albrechts Heer bestand aus 60.000 Kreuzfahrern und sammelte sich bei Magdeburg, während das Heer Heinrichs aus 40.000 Mann bestand. Unter den Kreuzfahrern waren nicht nur deutsche Ritter, sondern auch Dänen, Polen und Tschechen. Zusätzlich unterstützte eine dänische Flotte die Kreuzfahrer von der Ostsee aus.7

Bernhard von Clairvoux und Papst Eugen III. stellten den Kreuzzug gegen die slawischen Heiden mit dem gegen die Muslime im Heiligen Land gleich - jedoch war ihnen gleichzeitig klar, dass die Fürsten von Sachsen nicht nur die Missionierung, sondern vor allem den Ausbau ihrer Herrschaft im Blick hatten. Deswegen forderten sowohl Bernhard, als auch der Papst von den Fürsten keine Verhandlungen mit den slawischen Fürsten zu führen und deren Gebiete zu missionieren. Es sollten keine Friedensverhandlungen und keine Unterwerfung durch Tributzahlungen geben, solange die Slawen noch heidnisch waren. Dies sollte verhindern, dass die sächsischen Fürsten sich mit den Heiden arrangierten und sie einfach nur ihrer Herrschaft durch Tributpflicht unterwerfen.8 Die Slawen bemerkten die Vorbereitungen zum großen Kriegszug durch die Sachsen und stellten ihrerseits ein Heer zur Verteidigung zusammen.

Rein militärisch verlief der Kreuzzug erfolgreich: Der Obodritenfürst Niklot wurde im Juli des Jahres 1147 durch das Heer Albrecht des Bären besiegt und ließ sich taufen. Das Heer Heinrichs des Löwen eroberte im August das Gebiet der Liutizen und richtete dort schwere Zerstörungen an. Doch es gelang nicht das wichtigste Ziel des Kreuzzuges, die Missionierung, durchzusetzen.

Die beiden Bischofssitze wurden zwar im Jahr 1149 wieder hergestellt, Vizelin wurde Bischof von Oldenburg und Emmerhard wurde Bischof von Mecklenburg. Aufgrund der starken Zerstörungen durch die Kreuzfahrer waren viele Slawen dem Christentum feindlich gesinnt oder bekehrten sich nur zum Schein und führten heimlich ihre heidnischen Rituale weiter. Neue Kirchen wurden zunächst nur innerhalb der Mauern der geschützten Städte für die deutschen Siedler gebaut. Als Vizelin im Jahr 1154 starb, wurde der Bischofssitz aus Oldenburg sogar wieder zurück nach Lübeck verlegt. Nach dem Tode Niklots bekehrte der Zisterzienser Bernon viele Obodriten. Außerdem wurde die Insel Rügen vom dänischen König Waldemar I. im Jahr 1168 zum Christentum bekehrt. Ansonsten blieb das Slawengebiet bis ins 13. Jahrhundert weitgehend heidnisch, weshalb der Kreuzzug in dieser Hinsicht ein Fehlschlag war.9

2.3 Die Veränderung der politischen Beziehungen am Beispiel des Grafen Adolf II. von Holstein und Albrechts des Bären

Der Kreuzzug brachte zunächst auch für die Fürsten keinen Erfolg, im Gegenteil - er bedrohte die bis dahin herrschenden politischen Verbindungen zwischen den deutschen Grafen in der Grenzregion und den slawischen Fürsten, die für beide Seiten von Vorteil waren. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Grafen Adolf II. von Holstein und Albrecht des Bären, die beide enge politische Verbindungen zu slawischen Fürsten hatten.

[...]


[1] Vgl. Higounet, Charles. Die deutsche Ostsiedlung im Mittelalter. S.56.

[2] Vgl. ebd. S.134

[3] Christan Lübke. Die Deutschen und das europäische Mittelalter. S. 276.

[4] Gesta Frederici, I. 43-44.

[5] Vgl. Higoumet, Charles. Die deutsche Ostsiedlung im Mittelalter. S. 69.

[6] Vgl. Goethke, Hans-Otto. Herzog Heinrich und die Slawen nordöstlich der unteren Elbe. S. 72-80

[7] Vgl. Higoumet, Charles. Die deutsche Ostsiedlung im Mittelalter. S. 69.

[8] Ebd. S. 88.

[9] Vgl. Higoumet, Charles. Herzog Heinrich und die Slawen nordöstlich der unteren Elbe. S. 69-70

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Details

Titel
Deutsch-slawischer Kontakt in der Stauferzeit
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V178554
ISBN (eBook)
9783656005889
ISBN (Buch)
9783656006206
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutsch-slawischer, kontakt, stauferzeit
Arbeit zitieren
Matthäus Wehowski (Autor), 2010, Deutsch-slawischer Kontakt in der Stauferzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178554

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