Die Nationalsozialisten bezeichneten den Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 als Fall
Barbarossa – im Geschichtsverständnis der NS-Zeit bedeutete der Angriff auf russisches
Gebiet eine Fortsetzung der staufischen Expansionspolitik nach Osten. Doch waren die
Staufer und vor allem Barbarossa tatsächlich nur an einer aggressiven Expansions- und
Kolonisationspolitik im Slawengebiet interessiert? In meiner Hausarbeit möchte ich darstellen
wie der Kontakt zwischen Slawen und Deutschen in der Zeit Barbarossas tatsächlich
abgelaufen ist und wie er sich in dieser Zeit verändert hat. Im Rahmen dieser Arbeit werde ich
mich dabei vor allem auf die Elbslawen in der so genannten Germania Slavica, also dem
Gebiet zwischen der Elbe und der Oder und auf das Herzogtum Polen beschränken. Weitere
Kontakte mit slawischen Völkern werde ich aus Gründen des beschränkten Umfangs
auslassen. Ich habe mich für die Elbslawen und für Polen als Beispiel für den Kontakt mit den
Deutschen entschieden, da es sich hier um zwei Arten des Kontakts handelt: Zum einen die
heidnischen und in viele Stämme aufgeteilten Elbslawen und zum anderen das Herzogtum
Polen, das bereits im Jahr 966 christianisiert worden ist.
Ich werde mich vor allem auf die politische Ebene beschränken und daher wirtschaftliche
oder kulturelle Kontakte nur am Rand erwähnen. Ich werde in meiner Arbeit auch die Zeit des
Königtums Lothars III. und Konrads III. berücksichtigen, da bereits während ihrer Herrschaft
wichtige Ereignisse und Entwicklungen stattgefunden haben, die für die Königszeit
Barbarossas ab 1153 entscheidend sind.
In meiner Hausarbeit werde ich mich mit der Frage beschäftigen, in wie weit sich der
politische Kontakt zwischen den Deutschen und ihren slawischen Nachbarn in der Zeit
Barbarossas verändert hat und welche Gründe es dafür gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Veränderungen des Kontakts in der Germania Slavica
2.1 Die Situation in der Germania Slavica bis zum Wendenkreuzzug
2.2 Der Wendenkreuzzug von 1147
2.3. Die Veränderung der politischen Beziehungen am Beispiel des Grafen Adolf II. von Holstein und Albrechts des Bären
a.) Adolf II. von Holstein
b.) Albrecht der Bär
2.4. Fazit
3. Der Kontakt mit Polen
3.1 Überblick über die polnisch-deutschen Kontakte vor dem 12. Jahrhundert
3.2 Boleslaw III. und das Senioratsherzogtum
3.3 Wladyslaw der Vertriebene und die Staufer
3.4 Albrecht der Bär und der Kontakt zu Polen
4. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, wie sich die politischen Kontakte zwischen dem deutsch-römischen Reich und seinen slawischen Nachbarn (den Elbslawen in der Germania Slavica sowie dem Herzogtum Polen) in der Ära Barbarossas tatsächlich gestalteten und ob eine gezielte, von der Krone gesteuerte Expansions- und Germanisierungspolitik vorlag.
- Analyse der politischen Beziehungen in der Germania Slavica während der Stauferzeit.
- Untersuchung des Einflusses des Wendenkreuzzugs von 1147 auf die regionale Machtstruktur.
- Fallstudien zur diplomatischen und militärischen Rolle von Graf Adolf II. von Holstein und Albrecht dem Bären.
- Untersuchung der wechselhaften deutsch-polnischen Beziehungen zwischen tributärem Status und Souveränität.
- Kritische Hinterfragung des Geschichtsbildes von Barbarossa als alleinigem Initiator der deutschen Ostexpansion.
Auszug aus dem Buch
b.) Albrecht der Bär
Albrecht der Bär wurde im Jahr 1125 von Lothar III. aufgrund seiner Treue in der Italienreise des Königs, mit der Niederlausitz und der Nordmark, einen kleinen Streifen entlang der Elbe, belehnt. Außerdem erbte er von seiner Mutter einen Teil des Billungergebietes in Sachsen. Allerdings musste er viele dieser Gebiete erst erobern, da sie im Slawengebiet lagen. Im Jahr 1136 eroberte er Havelberg und ein Jahr darauf Prignitz. Dabei ging Albrecht nicht nur militärisch vor, sondern erweiterte seine Herrschaft auch durch geschickte Diplomatie. Ihn verband nämlich eine Freundschaft mit dem Havellerfürsten Pribislaw, den er im Jahr 1125 zum Christentum bekehrte. Pribislaw nannte sich nach seiner Bekehrung Heinrich und schenkte Albrecht als Taufgeschenk Land südlich der Havel und ernannte ihn zu seinem Erben.14
Der Wendenkreuzzug von 1147 bedeutete für Albrecht nicht nur eine Chance seine Herrschaft im Slawengebiet auszuweiten, sondern auch eine große Gefahr für das, was er bisher durch Diplomatie erreicht hatte. Der Havellerfürst, der ihn zu seinem Erben ernannt hatte war immer noch am Leben. Ein möglicher Einfall des Kreuzzugsheeres in das weitgehend immer noch heidnische Gebiet, hätte für Albrecht schlimme Folgen: Wie andere Slawengebiete könnte sein künftiges Erbe durch die Kreuzfahrer verwüstet werden oder andere Fürsten könnten, gemäß der päpstlichen Anordnung, Anspruch auf das Heidenland erheben. Deswegen versuchte Albrecht sein künftiges Erbe zu schützen und den Kreuzzug vom Havellerland fernzuhalten. Er errichtete ein Prämonstratenserkloster in der Nähe von Brandenburg, um zu zeigen, dass dieses Gebiet bereits missioniert wird. Im Endeffekt nimmt der Kreuzzug für Albrecht einen günstigen Verlauf. Das Havellerland wird verschont und er kann seinen Anspruch auf den Raum von der Peene bis zur unteren Oder behaupten. Um seine Herrschaft zu sichern und zu legitimieren unterzeichnete er im Jahr 1148 einen Freundschaftsvertrag mit den polnischen Herzögen. 15
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Forschungsfrage nach dem tatsächlichen Verlauf der deutsch-slawischen Kontakte in der Zeit Barbarossas und grenzt das Untersuchungsgebiet auf die Germania Slavica und Polen ein.
2. Die Veränderungen des Kontakts in der Germania Slavica: Dieses Kapitel analysiert die Auswirkungen des Wendenkreuzzugs von 1147 auf die Herrschaftsstrukturen und die Rolle lokaler Fürsten wie Adolf II. von Holstein und Albrecht des Bären.
3. Der Kontakt mit Polen: Hier werden die politischen Verflechtungen zwischen dem Reich und Polen beleuchtet, insbesondere unter dem Aspekt des Senioratsherzogtums und der diplomatischen Beziehungen unter den Staufern.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Ostexpansion primär durch lokale Fürsten und diplomatische Mittel geprägt war und keine zentral gesteuerte Politik des Kaisers darstellte.
Schlüsselwörter
Germania Slavica, Barbarossa, Wendenkreuzzug, Albrecht der Bär, Adolf II. von Holstein, Slawen, Polen, Senioratsherzogtum, Ostexpansion, Mittelalter, Politik, Missionierung, Herrschaft, Bündnisse, Lehensverhältnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die politischen Beziehungen zwischen dem deutsch-römischen Reich und seinen slawischen Nachbarn während der Stauferzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entwicklungen in der Germania Slavica, der Wendenkreuzzug von 1147 sowie die komplexen diplomatischen und militärischen Verflechtungen mit dem Herzogtum Polen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, inwieweit der politische Kontakt durch eine aggressive, vom Kaiser gelenkte Expansionspolitik oder durch eigenständige, diplomatische Bestrebungen regionaler Fürsten geprägt war.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und zeitgenössischer Quellen (wie Chroniken) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Blöcke: Die Analyse der Herrschaftsausweitung im slawischen Siedlungsgebiet unter Fürsten wie Albrecht dem Bären sowie die wechselhafte Geschichte der deutsch-polnischen politischen Beziehungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Germania Slavica, Wendenkreuzzug, Staufer, Ostexpansion und feudale Herrschaftsstrukturen charakterisiert.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Kaiser Barbarossa in Bezug auf die Ostexpansion?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Bild von Barbarossa als primärem Initiator der Ostexpansion historisch nicht haltbar ist, da die Siedlungs- und Kolonisierungspolitik maßgeblich von den Fürsten der Grenzregionen ausging.
Welche Rolle spielte das Senioratsherzogtum in der polnischen Geschichte?
Es war ein Versuch von Boleslaw III., die Stabilität des Reiches durch eine klare Erbfolge zu sichern, was jedoch faktisch zu schweren Konflikten zwischen seinen Söhnen führte und die politische Situation destabilisierte.
- Citation du texte
- Matthäus Wehowski (Auteur), 2010, Deutsch-slawischer Kontakt in der Stauferzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178554