Rund 700 Jahre Urgeschichte von etwa 2300 bis 1600 v. Chr. passieren in dem Taschenbuch »Die Schweiz in der Frühbronzezeit« in Wort und Bild Revue. Es befasst sich mit den Kulturen und Gruppen, die in dieser Zeitspanne im Gebiet der heutigen Eidgenossenschaft existierten: Rhône-Kultur, Arbon-Kultur und Inneralpine Bronzezeit-Kultur. Geschildert werden die Anatomie und Krankheiten der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck, ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, ihr Verkehrswesen, Handel, ihre Kunstwerke und Religion.
Verfasser ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der sich vor allem durch seine Werke »Deutschland in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht hat. Das Taschenbuch »Die Schweiz in der Frühbronzezeit« ist Dr. Gretel Gallay, Dr. Albert Hafner und Dr. Jürg Rageth gewidmet, die den Autor mit Rat und Tat unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Die Frühbronzezeit in der Schweiz
Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen
Die geheimnisvolle Totenstätte
Die Rhône-Kultur von etwa 2200 bis 1600 v. Chr.
Rückkehr an die Seeufer
Die Arbon-Kultur von etwa 1800 bis 1600 v. Chr.
Graubünden war kein Durchgangsland
Die Inneralpine Bronzezeit-Kultur in der Frühbronzezeit von etwa 2300 bis 1600 v. Chr.
Zielsetzung & Themen
Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über die rund 700 Jahre währende frühbronzezeitliche Geschichte auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Ziel ist es, die kulturelle Vielfalt, die Lebensweise der Menschen und die technologischen Entwicklungen dieser Epoche durch eine detaillierte Analyse der archäologischen Funde und Siedlungsstrukturen verständlich aufzuarbeiten.
- Struktur und Charakteristika der Rhône-Kultur in der Westschweiz.
- Untersuchung der Seeufersiedlungen der Arbon-Kultur in der Nordostschweiz.
- Die spezifische Entwicklung der Inneralpinen Bronzezeit-Kultur in Graubünden.
- Analysen zu Bestattungssitten, Kleidung und Handwerk der damaligen Zeit.
- Die Bedeutung von Handelswegen, sozialen Strukturen und Metallurgie (Bronze).
Auszug aus dem Buch
Die geheimnisvolle Totenstätte
Der Zufall bescherte 1961 der Archäologie im Kanton Wallis eine Sternstunde: Damals stießen Arbeiter beim Bau einer Wasserleitung in der Avenue du Petit Chasseur von Sitten (Sion) auf eine rätselhafte Totenstätte mit imposanten Großsteingräbern und verzierten Statuenmenhiren. Bei den Ausgrabungen, die von 1961 bis 1972 andauerten, stellte sich heraus, dass an dieser Stelle mehr als 1000 Jahre lang die Menschen verschiedener Kulturen ihre Toten zu Grabe getragen hatten.
Zu den prächtigsten Entdeckungen in dieser Totenstätte gehören die Hinterlassenschaften der jungsteinzeitlichen Glockenbecher-Kultur, die in manchen Gebieten Europas von etwa 2500 bis 2200 v. Chr. existierte. Diese Kultur verdankt den typischen glockenähnlichen Tongefäßen ihren Namen.
Von ebendiesen Glockenbecher-Leuten stammen die Menschen der frühbronzezeitlichen Rhône-Kultur ab, die von etwa 2200 bis 1600 v. Chr. in der Westschweiz und in Ostfrankreich angesiedelt war. In der Totenstätte von Sitten-Petit Chasseur folgen die Bestattungen dieser beiden Kulturen aus unterschiedlichen Zeitaltern der Urgeschichte, nämlich der Stein- und der Bronzezeit, unmittelbar aufeinander.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitende Informationen zur inhaltlichen Ausrichtung des Taschenbuchs und zu den gewürdigten Experten sowie zur Graphikerin.
Die Frühbronzezeit in der Schweiz: Einführung in die zeitliche Einteilung der Epoche sowie einen Überblick über die regionalen Kulturgruppen.
Die geheimnisvolle Totenstätte: Detaillierte Darstellung der archäologischen Funde von Sitten-Petit Chasseur und der kulturellen Kontinuität von der Stein- zur Bronzezeit.
Rückkehr an die Seeufer: Analyse der Siedlungsstrukturen und Funde der Arbon-Kultur im schweizerischen Mittelland und am Bodensee.
Graubünden war kein Durchgangsland: Untersuchung der eigenständigen Entwicklung der Inneralpinen Bronzezeit-Kultur und der Bedeutung von Höhensiedlungen.
Schlüsselwörter
Frühbronzezeit, Schweiz, Rhône-Kultur, Arbon-Kultur, Inneralpine Bronzezeit-Kultur, Sitten-Petit Chasseur, Seeufersiedlungen, Metallurgie, Bronze, Grabfunde, Bestattungssitten, Urgeschichte, Archäologie, Höhensiedlungen, Handel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?
Das Buch behandelt die etwa 700 Jahre umfassende Urgeschichte der Schweiz in der Frühbronzezeit (ca. 2300 bis 1600 v. Chr.) und beschreibt die dort existierenden Kulturen und ihre Lebensweise.
Welche drei zentralen Kulturen werden analysiert?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Rhône-Kultur, die Arbon-Kultur sowie die Inneralpine Bronzezeit-Kultur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Rekonstruktion und Dokumentation der Lebensverhältnisse, Siedlungsformen und der materiellen Kultur der frühbronzezeitlichen Bevölkerung in der Schweiz.
Welche wissenschaftliche Methode kommt primär zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung und Zusammenführung zahlreicher archäologischer Fundberichte, Grabungsergebnisse und kulturwissenschaftlicher Analysen prähistorischer Artefakte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich nach geografischen und kulturellen Gebieten und behandelt detailliert Siedlungswesen, Kleidung, Handwerk, Bestattungsriten und Handelsbeziehungen.
Welche Disziplinen fließen in die Charakterisierung der Arbeit ein?
Neben der klassischen Archäologie werden auch Erkenntnisse aus der Archäozoologie, Botanik und Dendrochronologie zur Datierung und Interpretation herangezogen.
Welche Rolle spielte die Aunjetitzer Kultur für die Aare-Rhône-Gruppe?
Die Aare-Rhône-Gruppe pflegte enge Beziehungen zur technologisch führenden Aunjetitzer Kultur, von der sie sowohl Zinn als auch metallurgische Techniken und Ideen übernahm.
Wie wurde die soziale Schichtung in der Aare-Rhône-Gruppe nachgewiesen?
Durch den Fund besonders reich ausgestatteter Gräber, sogenannte "Fürstengräber" mit Prestigeobjekten aus Gold und hochwertiger Bronze, lassen sich klare gesellschaftliche Unterschiede ablesen.
Was ist das Besondere an der Totenstätte von Sitten-Petit Chasseur?
Sie gilt als eine "Sternstunde" der Archäologie, da sie eine lückenlose Abfolge von Bestattungen von der Glockenbecher-Kultur (Jungsteinzeit) bis zur Rhône-Kultur (Frühbronzezeit) an einem Ort dokumentiert.
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- Ernst Probst (Author), 2011, Die Schweiz in der Frühbronzezeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178557