Ziel dieser Hausarbeit ist es, der Frage nachzugehen, ob Kaiserin Katharina II. als Aufklärerin anzusehen ist oder ob dies nur von ihr betriebene Selbstinszenierung war. Der Schwerpunkt wird auf Kaiserin Katharinas II. Umgang mit dem Themenbereich Religion, Kirche und Toleranz sowie auf der Leibeigenschaft beruhen. Danach wird auszugsweise auf die von ihr angestoßenen Reformen sowie ihr Verhältnis zu den Philosophen am Beispiel Voltaires eingegangen, bevor ihr Verhalten in einem anschließenden Fazit bewertet wird.
Die Grundlage bildeten neben Manfred Alexanders und Günther Stökls „Russische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart.“ auch Erich Donnerts Werke „Katharina II. die Große (1729-1796). Kaiserin des Russischen Reiches.“ sowie „Katharina die Große und ihre Zeit. Russland im Zeitalter der Aufklärung.“. Ergänzend hierzu wird auch Kaiserin Katharinas II. eigene Darstellung verwendet, welche sie sowohl in ihren Memoiren als auch in ihren veröffentlichten Briefen präsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Religion, Kirche und Toleranz
2.1 Religion
2.1.1 Kindheit in Anhalt-Zerbst
2.1.2 Aus Prinzessin Sophie wird Großfürstin Katharina
2.1.3 Die Zeit nach Elisabeths Tod
2.2 Kirche
2.2.1 Verhältnis zur Aufklärung
2.2.2 Nach Elisabeths Tod
2.2.3 Nach Sicherung ihrer Position
2.3 Toleranz
3 Leibeigenschaft
4 Kaiserin Katharinas II. Reformen – eine Auswahl
5 Katharina und die Aufklärer
6 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herrschaft der russischen Zarin Katharina der Großen und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob Kaiserin Katharina II. als echte Aufklärerin anzusehen ist oder ob dies lediglich eine von ihr betriebene Selbstinszenierung darstellte.
- Die Rolle von Religion, Kirche und Toleranz in der Politik der Zarin
- Der Umgang mit der Leibeigenschaft im Spannungsfeld zwischen Idealen und Realpolitik
- Ausgewählte Reformen zur Modernisierung und Verwaltung des Russischen Reiches
- Das intellektuelle und strategische Verhältnis zu europäischen Aufklärern wie Voltaire und Diderot
- Die Analyse von Katharina II. als pragmatische und kalkulierende Taktikerin versus philosophische Herrscherin
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Kindheit in Anhalt-Zerbst
Prinzessin Sophie fühlte sich in ihrem Elternhaus „nur geduldet“ und erhielt von ihrer Mutter kaum Zuneigung oder auch nur Förderung. Deshalb wurde ihre Erziehung hauptsächlich von zwei Personen übernommen. Zum einen von ihrer Gouvernante Elisabeth Cardel und zum anderen von dem Pastor Friedrich Wagner. Wagner war Feldprediger und vertrat den pietistischen Protestantismus. Zwischen dem „Muster an Tugend und Klugheit“ der Elisabeth Cardel, welche „Seelenadel, Geistesbildung und ein ausgezeichnetes Herz“ besaß und dem strengen regimentsprediger Wagner vollzog sich die Früherziehung und -bildung, welche hauptsächlich aus Auswendiglernen bestand. Auch wenn ihr von ihrem späteren Kammerfräulein nachgesagt wurde, sie hätte „nur einen ganz durchschnittlichen Charakter [...], der sich weder durch besondere Eigenschaften noch Talente auszeichnete“, so ist es doch bemerkenswert, dass sie es bereits in sehr jungen Jahren wagte, durch ständiges Nachfragen Wagners Zorn und die damit resultierende Züchtigung auf sich zu ziehen.
Kaiserin Katharina II. beschrieb selbst in ihren Memoiren wie ungerecht sie manche Lektionen empfand, wie z.B. dass „Titus, Marc Aurel und alle großen Männer des Altertums verdammt sein sollen, weil sie die göttliche Offenbarung nicht gekannt hatten“. In dieser knappen Äußerung kann man schon Prinzessin Sophies eher rationales und weniger emotionales Wesen erkennen. Ihr Zugang zur Religion erscheint eher logisch als affektiv zu sein.
Kaiserin Katharina II. berichtete ausgesprochen wenig über ihre frühe Erziehung, außer dass sie erzogen wurde, „um einst irgendeinen kleinen Fürsten unserer Nachbarschaft zu heiraten. Man lehrte [...] sie gerade, was [...] [sie] brauchte“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung vor, ob Katharina II. eine echte Aufklärerin oder eine Meisterin der Selbstinszenierung war, und erläutert die verwendete Literatur sowie den methodischen Schwerpunkt.
2 Religion, Kirche und Toleranz: Dieses Kapitel analysiert Katharinas persönlichen Werdegang, ihren Übertritt zum orthodoxen Glauben, das ambivalente Verhältnis zur Kirche sowie ihre pragmatische Auslegung von religiöser Toleranz.
3 Leibeigenschaft: Es wird untersucht, wie Katharina als Privatperson die Leibeigenschaft verurteilte, sie nach ihrer Machtübernahme jedoch aus machtpolitischen und pragmatischen Gründen stützte und ausbaute.
4 Kaiserin Katharinas II. Reformen – eine Auswahl: Das Kapitel beleuchtet administrative Neuerungen wie die Reorganisation des Senats und schulpolitische Maßnahmen zur Modernisierung des Reiches.
5 Katharina und die Aufklärer: Hier wird das strategische und propagandistische Verhältnis der Zarin zu prominenten europäischen Philosophen wie Voltaire und Diderot beleuchtet.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Katharina eine kühl kalkulierende Taktikerin und Opportunistin war, die Aufklärung und Reformen gezielt zur innen- und außenpolitischen Legitimierung ihrer Herrschaft nutzte.
Schlüsselwörter
Katharina die Große, Aufklärung, Russland, Religion, Kirche, Toleranz, Leibeigenschaft, Selbstinszenierung, Reformen, Voltaire, Diderot, absolutistische Herrschaft, Außenpolitik, Innenpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation beleuchtet die Herrschaft der russischen Kaiserin Katharina der Großen und untersucht kritisch, inwieweit ihr Handeln von den Idealen der Aufklärung geprägt war oder ob es sich dabei primär um politische Inszenierung handelte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen Katharinas religiöse Entwicklung und ihr Verhältnis zur orthodoxen Kirche, ihre Politik bezüglich der Leibeigenschaft, wichtige Verwaltungs- und Bildungsreformen sowie ihre Beziehungen zu den führenden Köpfen der europäischen Aufklärung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist herauszufinden, ob Kaiserin Katharina II. als wahre Anhängerin der Aufklärung anzusehen ist oder ob ihre Handlungen lediglich eine kalkulierte Selbstinszenierung zur Machtsicherung darstellten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, bei der neben historischen Standardwerken auch die Memoiren und veröffentlichten Briefe der Kaiserin selbst herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert Katharinas Umgang mit Religion und Kirche, ihre kontroverse Haltung und Beibehaltung der Leibeigenschaft, ausgewählte Reformschritte zur Modernisierung des Reiches sowie ihr taktischer Briefwechsel mit Philosophen wie Voltaire und Diderot analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Keywords sind unter anderem Katharina die Große, Aufklärung, Selbstinszenierung, Leibeigenschaft, Orthodoxie, Reformpolitik und der Briefwechsel mit den Aufklärern.
Wie gestaltete sich Katharinas Einstellung zur Religion und Kirche?
Obwohl sie persönlich einen eher rationalen als emotionalen Bezug zur Religion hatte, nutzte sie den Übertritt zum orthodoxen Glauben sowie das Verhältnis zur Kirche konsequent als taktisches Instrument zur Machtsicherung und Legitimierung.
Warum schaffte Katharina die Leibeigenschaft trotz ihrer philosophischen Bedenken nicht ab?
Als Privatperson lehnte sie die Leibeigenschaft zwar ab, doch als Herrscherin war sie auf die Unterstützung des Adels und der Grundbesitzer angewiesen, weshalb eine Abschaffung die Stabilität des Russischen Reiches gefährdet hätte.
Welchen Zweck erfüllte Katharinas Kontakt zu den europäischen Aufklärern?
Der Kontakt zu Philosophen wie Voltaire und Diderot diente ihr vor allem als wirksames Public-Relations-Instrument, um in Europa das Bild einer aufgeklärten Herrscherin zu verbreiten und ihre politische Position zu festigen.
- Citation du texte
- Anna Brauer (Auteur), 2016, Katharina II. – Die Aufklärerin. Nur schöner Schein?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1785719