Kritische Darstellung des „Issuer-Pays“-Geschäftsmodells von Ratingagenturen


Seminararbeit, 2011

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1 Wesentliche Elemente des „Issuer-Pays“-Geschäftsmodells
1.1 Signifikante Merkmale des Ratings als Entscheidungshilfe
1.2 Definitorische Einordnung des „Issuer-Pays“-Geschäftsmodells

2 Zentrale Problemfelder von Ratingagenturen
2.1 Oligopolistische Marktkonzentration
2.2 Mögliche Einflussnahme des Emittenten auf sein eigenes Rating

3 Präsentation mehrerer Lösungsansätze zur aktuellen Ratingvergabe
3.1 Eine länderübergreifende Ratingagentur
3.2 Staatliche Regulierung

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Rating-Klassen

Abbildung 2: Verfahrensweg eines Erstratings

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Seit der Subprime-Krise 2007 wird mehr denn je über Ratingagenturen und deren Ra-tingvergabe diskutiert. Wie viel Schuld tragen sie tatsächlich an den kollabierten Märkten? Um diese Frage zu klären, steht gerade die bedeutendste Organisationsform, das „Issuer-Pays“-Geschäftsmodell, im Mittelpunkt dieser Arbeit. Im Folgenden werden die Grundlagen der Ratingagenturen und des „Issuer-Pays“-Geschäftsmodells vermittelt. Aufbauend auf diesen Informationsgrundlagen beginnt im zweiten Kapitel die kritische Analyse der bedeutsamsten Spannungsfelder. Anschließend werden zwei verschiedene Lösungsansätze seitens der Politik aufgezeigt. Abschließend wird das Thema noch einmal zusammengefasst und ein kurzer Ausblick gemacht.

1 Wesentliche Elemente des „Issuer-Pays“-Geschäftsmodells

1.1 Signifikante Merkmale des Ratings als Entscheidungshilfe

Der Begriff Rating wird aus dem Englischen übersetzt und bedeutet: Bewertung, Schät-zung, Einschätzung der Kreditfähigkeit.[1] Um die Bonität bzw. die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens zu beurteilen, werden objektive, standardisierte und aktuelle Ratings vergeben. Diese werden von Ratingagenturen als eine Art Zensur für Unternehmen ermittelt und meist in einer mehrstufigen Skala von AAA (Bestnote) bis CCC- (schlechteste Einstufung) dargestellt. Die Unterteilung der Skala in „Investment Grade“ (AAA bis BBB-) und „Speculative Grade“ (BB+ bis CCC-) ist für die gerateten Unternehmen von großer Bedeutung.

Standard & Poor‘s, Moody´s und Fitch gehören dabei zu den Ratingagenturen mit dem weltweit höchsten Bekanntheitsgrad.[2] Durch ihre international hohe Akzeptanz gelten ihre Ratingansätze nicht nur am Markt, sondern beeinflussen maßgeblich die internen Kreditrisikomodelle vieler Banken.[3]

In der folgenden Darstellung werden die mehrstufigen Skalen der drei großen Agenturen erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Rating-Klassen (Quelle: Vgl. http://www.fils.at/2007/08/22/rating-klassen-sp-moodys-fitch/

Für das zu ratende Unternehmen bedeutet die Anfertigung einer Beurteilung einen zusätzlichen finanziellen sowie personellen Aufwand. Neben der Vergütung der Ratingagentur müssen dieser vorbereitete Informationen, ausreichende Recherchemöglichkeiten und mindestens ein Ansprechpartner zur Verfügung gestellt werden.[4]

Doch trotz allem Aufwand zieht der Emittent seinen Nutzen daraus. Durch ein gutes Rating eröffnet sich das Unternehmen alle Türen zum Kapitalmarkt. Es ist unabhängig von der Finanzierung durch teure Bankkredite,[5] wie es bislang in Deutschland noch häufig der Fall ist. Es besteht die Möglichkeit, durch ein gutes Rating einfach und preiswert Fremdkapital am Kapitalmarkt zu beschaffen.[6]

Viele Anleger machen ihre Investitionsentscheidungen von einem Rating abhängig, daher ist es teilweise Voraussetzung, sich als Unternehmen raten zu lassen, um sich somit das Vertrauen und die Anlagebereitschaft der Kunden zu sichern.[7] Außerdem bestimmt ein Rating i. d. R. die dem Anleger zu gewährende Risikoprämie. Je besser das Emittentenrating, desto kleiner wird der Zinssatz (bzw. Rendite) des Anlegers sein. Sollte der Emittent aber ein schlechteres Rating bekommen, so steigt die Risikoprämie und soll damit das Bonitätsrisiko ausgleichen, das der Anleger mit seiner Investition eingeht.[8]

Da der Anleger nicht die Möglichkeit hat, alle unternehmensinternen Informationen einzusehen, wie es Ratingagenturen können, spielt das Rating bei seiner Investitionsentscheidung eine sehr große Rolle.[9] Sich selbst ein Bild von den öffentlich zugänglichen Informationen zu machen, würde bei der Vielzahl der Finanztitel zu aufwendig sein. Die Ratingagenturen bieten somit den Investoren einen einfachen und schnell zugänglichen Wert, in dem alle wichtigen Informationen rund um das Unternehmen enthalten sind. Er muss sich lediglich im Klaren sein, was das angegebene Rating bedeutet bzw. welche Aussagekraft dahinter steht und wie weit seine Investitionsentscheidung davon abhängig ist.[10] Als weiteren wichtigen Punkt ist festzustellen, dass geratete Unternehmen für den Anleger leichter vergleichbar sind, da die Beurteilungen der Agenturen länder- und branchenübergreifend gelten.[11]

1.2 Definitorische Einordnung des „Issuer-Pays“-Geschäftsmodells

Das „Issuer-Pays“-Geschäftsmodell gibt es erst seit ca. 41 Jahren. Zuvor war das „Subskriptions“-Geschäftsmodell Grundlage der Ratingagenturen.[12] Danach konnte jede private oder geschäftliche Person die Agenturen beauftragen, ein Rating zu erstellen. Jeder Investor musste dafür selbst die Kosten tragen. Es wurden an die zahlenden Investoren entweder Broschüren ausgegeben oder per Telefon Auskunft erteilt. Die Emittenten selbst hatten dadurch keinen Kostenaufwand. Doch ab den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde von den führenden Agenturen auf das „Isssuer-Pays“-Ertragsmodell gewechselt. Somit hatten Investoren kostenlosen Zugang zu allen veröffentlichten Ratings, da die Emittenten von hier an für ihr eigenes Rating zahlen mussten. Die Ratingagenturen rechtfertigten diese große Veränderung hauptsächlich mit der Aussage, dass ihr „altes“ Geschäftsmodell nicht mehr rentabel war. Die Kosten und der Aufwand waren durch die Kopiertechnik einfach zu hoch.[13] Zudem war es nicht möglich, die Ratings so zu vergeben, dass nur der Kunde der Ratingagentur das Rating bekommt.[14] In der folgenden Darstellung wird der Weg eines Erstratings erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Verfahrensweg eines Erstratings (Quelle: in Anlehnung an Everling (1991), S. 112 f., Langohr, Langohr (2008), S. 164–166)

Die momentanen Einnahmen bei den drei größten Ratingagenturen Moody´s, Standard & Poor‘s und Fitch, die alle das „Issuer-Pays“-Geschäftsmodell anwenden, sind sehr ähnlich. Ca. 90 % ihrer Einnahmen beziehen sie durch die in Rechnung gestellten Gebühren der Emittenten.[15]

[...]


[1] Langenscheidts Enzyklopädisches Wörterbuch, English-Deutsch, 4. Aufl. 1974.

[2] Vgl. http://www.leitzinsen.org/rating_definition.html, Stand 05.05.2011.

[3] Vgl. Gleißner, Füser (2003), S. 98.

[4] Vgl. Fischer (2007), S. 11.

[5] Vgl. Everling, Die Bank (1991), S. 259 f.

[6] Um Fremdkapital am Markt zu bekommen, muss der Emittent Eigenkapital als Sicherheit hinterlegen. Die Menge an Eigenkapital ist abhängig von der Bonität des Emittenten (BASEL II).

[7] Vgl. Fischer (2007), S. 12 f.

[8] Vgl. Fischer (2007), S. 14.

[9] Vgl. Schmidt, Bankrechtstag (1996), S. 137.

[10] Vgl. Fischer (2007), S. 11 f.

[11] Vgl. Fischer (2007), S. 17.

[12] Vgl. Horsch (2008), S. 188 f.; Langohr, Langohr (2008), S. 161, 376.

[13] Vgl. Langohr, Langohr (2008), S. 411.

[14] Vgl. Horsch (2008), S. 189; Langohr, Langohr (2008), S. 389.

[15] Vgl. Moody´s Investor Service (2006), S. 1.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kritische Darstellung des „Issuer-Pays“-Geschäftsmodells von Ratingagenturen
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V178594
ISBN (eBook)
9783656008132
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kritische, darstellung, issuer-pays, geschäftsmodell, ratingagenturen
Arbeit zitieren
Sebastian Packross (Autor:in), 2011, Kritische Darstellung des „Issuer-Pays“-Geschäftsmodells von Ratingagenturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178594

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