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Die Annalen des Lampert von Hersfeld und sein Bericht über die Absolution Heinrichs IV. in Canossa

Title: Die Annalen des Lampert von Hersfeld und sein Bericht über die Absolution Heinrichs IV. in Canossa

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 31 Pages

Autor:in: Malte Sachsse (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den ca. 1077-1078 von dem Hersfelder Mönch Lampert verfassten Annalen. Dieses Werk kann seit seiner „Wiederauffindung“ durch die Humanisten im 15. Jh., die erstmals eine größere Verbreitung zur Folge hatte, auf eine sehr wechselhafte Rezeptionsgeschichte zurückblicken, die sich zwischen großer Wertschätzung und heftiger Kritik bewegt. Wegen seines Inhaltsreichtums und der scheinbar tendenzlosen Berichterstattung wurde ihm lange Zeit große Bedeutung zugemessen insbesondere als Quelle für die Regierungszeit Heinrichs IV., den Investiturstreits und die damit verbundenen Vorgänge in Canossa.
Mit dem Aufkommen der historischen Quellenkritik im 19. Jh. gelangten verschiedene Historiker jedoch zu sehr ernüchternden Urteilen, was die Glaubwürdigkeit des Mönchs angeht, angefangen bei Leopold von Ranke in seinem Vortrag „Zur Kritik fränkisch-deutscher Reichsannalisten“ vor der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1854. Bei Oswald Holder-Egger, Mitarbeiter der Scriptores der MGH und Editor der aktuell relevanten Ausgabe von Lamperts Annalen, fällt die Kritik vernichtend aus: Die Annalen seien eine gehässige Tendenzschrift, Lampert ein planvoller Lügner. Bereits bei Gerold Meyer von Knonau war dieses Urteil milder ausgefallen, doch erst seit den Arbeiten Tilman Struves 1969/70 erfuhr das Lampert-Bild in der Geschichtsforschung eine nachhaltigere Rehabilitierung und Differenzierung. Ungeachtet, zu welchem Urteil man in Bezug auf ihren Quellenwert gelangt, haben die Annalen doch einigen Einfluss auf heutige Vorstellungen von den in ihnen geschilderten Ereignissen. So haben verschiedene Autoren darauf hingewiesen, wie unser Bild von der Absolution des Königs vor Papst Gregor VII. von Lamperts Schilderungen geprägt ist.
Diese Hausarbeit setzt sich zum Ziel, nach einer kurzen Einführung in die Biographie Lamperts, seiner Einordnung als Historiograph, einem Überblick über Charakteristika der Annalen sowie der Erörterung seines Standpunkts im Investiturstreit, seine Darstellung der Ereignisse in Canossa zu untersuchen, auf der Basis der zuvor gewonnenen Erkenntnisse verständlich zu machen und kritisch zu werten. Dies umfasst die Beantwortung der Frage, warum sie in der gewählten Form und nicht anders erscheint, welche Tendenz ihr innewohnt und wie diese aus dem persönlichen Standpunkt des Autors sowie aus zeitgeschichtlichen Besonderheiten erklärbar sein könnte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I.) Einleitung

II.) Aspekte zu Lampert von Hersfeld

II. 1. Leben und Werk Lamperts

II. 2. Lamperts Umfeld: Das Kloster Hersfeld

II. 3. Lampert als Historiograph des 11. Jhs.

III.) Die Annalen

III. 1. Stammbaum der Handschriften

III. 2. Gegenstand und Zeitbereich

III. 3. Stil

IV.) Die Debatte um die Glaubwürdigkeit Lamperts

V.) Voraussetzungen und Hintergrund

V. 1. Der Investiturstreit

V. 2. Lamperts Position in dem Konflikt

VI.) Lamperts Bericht über die Absolution Heinrichs

VI. 1. Der Weg nach Canossa

VI. 2. Heinrich vor den Toren von Canossa

VI. 2. 1. Analyse der Textstelle

VI. 2. 2. Das Problem der Bewertung

VI. 3. Die Vereinbarungen

VII.) Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Annalen des Hersfelder Mönchs Lampert, wobei ein besonderer Fokus auf dessen historischer Berichterstattung über den Investiturstreit und das Ereignis von Canossa liegt. Ziel ist es, die Glaubwürdigkeit des Chronisten kritisch zu hinterfragen und die Intentionen sowie den stilistischen Kontext des Werkes zu beleuchten.

  • Biographische Einordnung von Lampert von Hersfeld
  • Strukturelle Analyse der Annalen als historiographisches Werk
  • Untersuchung der kritischen Debatte zur Glaubwürdigkeit des Autors
  • Kontextualisierung des Berichts über den Investiturstreit
  • Detaillierte Analyse des Berichts über Heinrichs IV. Gang nach Canossa

Auszug aus dem Buch

VI. 2. Heinrich vor den Toren von Canossa

Lampert berichtet: Venit ille, ut iussum fuerat, et cum castellum illud triplici muro septum esset, intra secundum murorum ambitum receptus, foris derelicto omni comitatu suo, deposito cultu regio, nihil preferens regium, nihil ostentans pompaticum, nudis pedibus ieiunus a mane usque ad vesperam perstabat Romani pontificis sententiam prestolando. Hoc secundo, hoc tertio die fecit. Quarto demum die in conspectum eius admissus, post multas hinc inde dictas sententias his postremo condicionibus excommunicatione absolutus est [...]

Um den Wahrheitsgehalt dieser Schilderung zu prüfen, müsste man sämtliche verfügbaren Quellen zum Vergleich heranziehen. Hier kann jedoch nur eine begrenzte Auswahl untersucht werden, die auch in der Sekundärliteratur als Hauptquellen befragt werden. Dies sind die Chronik Bertholds von Reichenau (bei Holder-Egger und Haller noch als „Annalist von St. Blasien“), und der Brief, in dem Gregor VII. den deutschen Fürsten die Absolution Heinrichs mitteilt. Weitere Berichterstatter wären der Bischof Bonizo von Sutri, der Magdeburger Priester Bruno, der (um 1114, also in großem zeitlichen Abstand schreibende) Mönch von Canossa und Mathilde-Biograph Donizo, ferner Arnulf und Kardinal Leo von Ostia. Lässt man einige spätere Pamphletisten und die anonyme Biographie Heinrichs beiseite, haben wir es ausschließlich mit Gegnern des Königs zu tun, was die Prüfung von Lamperts Bericht zusätzlich erschwert. Diese Darstellung orientiert sich in der Hauptsache an den Argumentationen Oswald Holder-Eggers, Johannes Hallers und Tilman Stuves, die ein Dreivierteljahrhundert Lampert-Forschung repräsentieren.

Zusammenfassung der Kapitel

I.) Einleitung: Einführung in das Thema, die Rezeptionsgeschichte der Annalen sowie die Zielsetzung der Arbeit.

II.) Aspekte zu Lampert von Hersfeld: Porträt des Autors, dessen Leben, klösterliches Umfeld und seine Rolle als Historiker des 11. Jahrhunderts.

III.) Die Annalen: Analyse der handschriftlichen Überlieferung, des inhaltlichen Zeitraums sowie der stilistischen Besonderheiten des Werkes.

IV.) Die Debatte um die Glaubwürdigkeit Lamperts: Auseinandersetzung mit der kritischen Forschung und den Vorwürfen der tendenziösen Geschichtsschreibung.

V.) Voraussetzungen und Hintergrund: Historischer Abriss des Investiturstreits und die politische Positionierung Lamperts innerhalb der Konfliktparteien.

VI.) Lamperts Bericht über die Absolution Heinrichs: Zentrale Analyse des Canossa-Berichts, der Ereignisse vor Ort und der Vereinbarungen zwischen den Parteien.

VII.) Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Annalen als historische Quelle und kritische Schlussbetrachtung zur Tendenzhaftigkeit des Chronisten.

Schlüsselwörter

Lampert von Hersfeld, Annalen, Canossa, Heinrich IV., Gregor VII., Investiturstreit, Geschichtsschreibung, Mittelalter, Quellenkritik, Glaubwürdigkeit, Kirchenreform, Historiographie, Klostertradition, Exkommunikation, Papsttum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit den vom Hersfelder Mönch Lampert verfassten Annalen und deren historiographischem Wert im Kontext des Investiturstreits.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die biographischen Hintergründe des Autors, die Analyse der Annalen als historische Quelle, die Canossa-Szene sowie die kritische Debatte über Lamperts Glaubwürdigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, Lamperts Schilderungen kritisch zu würdigen, seine Standpunkte im Investiturstreit zu identifizieren und die wissenschaftliche Verwertbarkeit seiner Berichte zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die klassische quellenkritische Methode, indem sie Lamperts Annalen mit anderen zeitgenössischen Berichten vergleicht und in den Diskurs der modernen Geschichtsforschung einordnet.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Autors und seines Umfeldes, eine stilistische Analyse der Annalen, die Untersuchung des Investiturstreits sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Bericht über den Gang nach Canossa.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind neben Lampert von Hersfeld vor allem Canossa, Investiturstreit, Quellenkritik, Historiographie und die Ambivalenz zwischen subjektiver Darstellung und historischem Faktum.

Wie bewertet der Autor die Zuverlässigkeit von Lamperts Bericht über Canossa?

Die Arbeit zeigt auf, dass Lamperts Bericht zwar literarisch geschickt und lebendig gestaltet ist, jedoch aufgrund der Tendenzhaftigkeit und des persönlichen Standpunkts des Autors kritisch hinterfragt werden muss.

Warum ist die Analyse der „Textstelle“ von Heinrichs Bußgang so relevant?

Die Analyse ist entscheidend, da Lamperts Formulierungen über Heinrichs Bußgang in der Forschung lange als Beleg für eine bewusste Verzerrung oder moralische Wertung des Königs durch den Chronisten diskutiert wurden.

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Details

Title
Die Annalen des Lampert von Hersfeld und sein Bericht über die Absolution Heinrichs IV. in Canossa
College
University of Duisburg-Essen  (Geschichte)
Course
Historiographie im Mittelalter
Author
Malte Sachsse (Author)
Publication Year
2009
Pages
31
Catalog Number
V178625
ISBN (eBook)
9783656008033
ISBN (Book)
9783656008286
Language
German
Tags
annalen lampert hersfeld bericht absolution heinrichs canossa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Malte Sachsse (Author), 2009, Die Annalen des Lampert von Hersfeld und sein Bericht über die Absolution Heinrichs IV. in Canossa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178625
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