Das duale System Deutschlands. Krisen auch in der Zukunft?


Hausarbeit, 2003

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Problemstellung

2. Historischer Hintergrund

3. Gegenwart

4. Krisen
4.1 Integrationsprobleme
4.2 Veränderungen im Berufsbild

5. Möglichkeiten in der Zukunft
5.1 Das Modell der Vollzeitschule
5.2 Lösung der Integrationsprobleme
5.3 Lösung der Probleme durch Konzepte aus dem Ausland

1. Problemstellung:

Wer in Deutschland eine Lehre in der Landwirtschaft, Industrie, im Handel, Handwerk oder sogar im öffentlichen Dienst absolvieren möchte, wird sich in das duale System der Berufsausbildung eingliedern müssen. Dies trifft in Deutschland für ca. zwei Drittel eines Altersjahrganges zu und verdeutlicht die Wichtigkeit dieses Ausbil­dungs­systems. Die Berufsschulen und die jeweiligen Betriebe teilen sich die Ausbildung der Jugendlichen.

Das weltweit hoch gelobte System der dualen Berufsausbildung hat heut­zutage mit beachtlichen Krisen zu kämpfen. Es wäre angezeigt das System umzustrukturieren, um den Gegebenheiten des aktuellen Arbeitsmarktes Rechnung zu tragen.

Diese Hausarbeit wird sich mit der Krise des dualen Systems ausei­nandersetzen. Dazu werde ich in Kapitel 2 zunächst auf den historischen Hintergrund des dualen Systems eingehen. Zu seiner Entstehung habe ich die wichtigsten Punkte heraus­gearbeitet. Kapitel 3 ist der gegenwärtigen Situation des dualen Systems gewidmet. Es geht hier u. a. um die quantitative Entwicklung des Ausbildungsmarktes und um das Ausbildungs­platz­wahl­verhalten von Männern und Frauen sowohl in der Industrie als auch im Handel. In Kapitel 4 gehe ich auf die aktuellen Krisen des dualen Systems ein. Auf die zwei wohl gravierendsten Punkte komme ich in Kapitel 4.1 und 4.2 zu sprechen. In Kapitel 5 gebe ich einen kleinen Ausblick in mögliche Szenarien die eintreten könnten, um möglicherweise diese Probleme zu lösen. Dabei werde ich das Modell der Vollzeitschule behandeln (5.1), aktuelle Lösungs­wege der Integra­tionsprobleme aufzeigen (5.2) und letztlich noch die Lage in Deutschland mit Europa und der Welt vergleichen (5.3), denn viele Konzepte aus anderen Ländern könnten in Deutschland zukünftig über­nommen werden.

2. Historischer Hintergrund

Als geeigneten Ausgangspunkt für eine Darstellung der Entstehung des dualen Systems hält Steinmann es für sinnvoll, bei der Gewer­be­ordnung in Preußen von 1869 zu beginnen (vgl. Steinmann 2000, 21). Diese wird 1871 auf das deutsche Reich ausgedehnt.

Die Gewebeordnung erweist sich als wichtig und in dieser Zeit dringend notwen­dig, da durch sie die Ausbildung der Jugendlichen grundlegend verändert wird, denn die demographische Entwicklung hätte voraussichtlich zu einem schulischen Versor­gungsengpass geführt. Der Mittelstand wird gestärkt, insbesondere das Handwerk, das als Schule der Nation neben der Armee dienen soll (vgl. Steinmann 2000, 22). Das Prüfungs­monopol wird von Handwerkskammern und Innungen übernommen, mit der Folge, die Meister verlieren ihre Vormacht­stellung. Seit 1869 ist es nicht mehr notwendig, dass der Lehrling beim Meister wohnt. Dieser übernimmt auch nicht mehr die Vaterrolle, was dazu führt, dass keine Sozialisation sondern vielmehr nur eine Berufsausbildung statt­findet. Es besteht nunmehr ein Vertragsverhältnis und kein Vater­rol­len­verhältnis mehr. Der Lehrling lernt sowohl beim Meister als auch in der Schule (entsprechende Schulen werden in dieser Zeit gegründet). Der Meister verliert somit das Ausbil­dungsmonopol und muss zusätzlich den Lehrling entlohnen. Der Lehrling muss vom Meister für die Zeit der Schule freigestellt werden.

Auch die Handels­kammern werden 1870 zuständig für die Überwachung der Aus­bildung von Jungendlichen. Es werden Fortbildungs­schulen gegründet, die allerdings 1890 heftiger Kritik ausgesetzt sind, da deren Gründung vorwiegend politischen Interessen dienen. 1892 wird vom deutschen Verein für Fortbil­dungswesen eine Reformierung der Fortbil­dungs­schule gefordert. Ab 1885 wird diese Einrichtung Pflicht in Preußen. Es entstehen die ersten betriebseigenen Lehrwerkstätten.

Ab 1908 beginnt die Metallindustrie sich gegen das Prüfungsmonopol des Hand­werks zu wehren. Es wird der DATSCH (= Deutscher Ausschuss für technisches Schulwesen) gegründet. Der DATSCH ist für die „Entwicklung, Systematisierung und inhaltlichen Festlegungen industrieller Lehrberufe“ (Steinmann 2000, 24) zuständig.

Ab 1920 wollen sich die Arbeitgeberverbände der Industrie vom Handwerk lösen und ab 1925 werden dann eigene Prüfungen in den Werken durch­geführt. Es werden gleichzeitig der AfB (Arbeitsausschuss für Berufsbildung) und das DINTA (Deutsche Institut für technische Arbeitsbildung) gegründet.

Die Ausbildung in der Industrie und im Handwerk unterscheiden sich erheb­lich. Während im Handwerk der Lehrling in die Produktion mit einbezogen wird, schon alleine weil der Meister nicht auf seine Arbeits­kraft verzichten kann, werden die Lehrlinge in der Industrie in Werksschulen ausgebildet. Die Ausbildung hier über­nehmen Ausbilder, während im Handwerk der Meister für die Ausbildung zustän­dig ist. Das industrietypische Ausbildungsmodell umfasst drei zentrale Dimen­sionen und zwar eine

1. institutionelle: Lehrwerkstätten und Lehrschulen

(vgl. Steinmann 2000, 24),

2. methodische: Neue Arbeits- und Lehrmethoden, standardisierte Lehrgänge, Lehrmittel usw. (vgl. Steinmann 2000, 24),

3. berufssystematische: Ausbildungsplan und Prüfungsanforderung

(vgl. Steinmann 2000, 24).

Durch diese drei neuen Dimensionen ist ein neuer Qualifikationstypus ent­stan­­den. Neben dem Gesellen im Handwerk gibt es nun den Facharbeiter in der Industrie.

Durch die Weltwirtschaftskrise geht die Anzahl der Lehrwerkstätten 1929 zurück und die Entwicklung der Lehrlingsausbildung ist ebenfalls rückläufig.

1933 versucht das DINTA und die NSDAP die gesamte Lehrlingsausbildung nach ihren Vorstellungen durchzusetzen. Dies wird jedoch vom Reichswirtschafts­ministerium verhindert.

1938 endet endgültig das Ausbildungsmonopol des Handwerks. Die Industrie und Handelskammern sind nun für die Facharbeiterprüfung zuständig. Ebenfalls wird die Facharbeiterprüfung der Gesellenprüfung gleichgestellt.

Die Berufsschule ist während der NS Diktatur ein Auffangbecken für arbeitslose Jugendliche und die Ideologie der Nazis wird auch hier gelehrt. Es herrscht das Führerprinzip. Der DATSCH wird gleichgeschaltet und die Gewerkschaften auf­gelöst. Dennoch entstehen in dieser zeit viele Fundamente für die Bildungspolitik der Bundes­republik Deutschland (vgl. Steinmann 2000, 26).

Nach der NS Zeit wird versucht, an die Strukturen von 1920 – 1930 anzuknüpfen. Die Industrie und Handelskammern nehmen 1947 ihre Arbeit wieder auf. Sie gründen die „Arbeitsstellen für die Berufserziehung“ (später: Arbeitsstellen für betriebliche Berufsausbildung = ABB). Eine Neubildung des deutschen Aus­bildungssystems erfolgt in dieser Zeit nicht, aber am 14.08.1969 wird das Berufs­bildungsgesetz (BBiG) erlassen.

Die wichtigsten Regelungen des BBiG:

- Regelungsbreite: Mit Ausnahme des öffentlichen Dienstes sind alle Wirtschafts- und Tätigkeitsbereiche in das duale System mit einbezogen

(vgl. Steinmann 2000, 27).

- Rolle der Kammern: Die Kammern sind private Körperschaften. Sie haben die zentralen Durchführungs- und Kontrollaufgaben im dualen System der BRD

(vgl. Steinmann 2000, 27).

- Ausbildungsordnungen regeln eine planmäßige, zeitliche und sachliche Glie­derung der Ausbildungsgänge. Diese haben sowohl eine breite Grundbildung zu vermitteln, als auch die entsprechend notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse (vgl. Steinmann 2000, 27).
- Mitwirkungsrechte: Diese werden den Gewerkschaften, den Ländern sowie den Berufsschullehrern zugesprochen (vgl. Steinmann 2000, 27).
- Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BBIB) wird gegründet (vgl. Steinmann 2000, 27).

„[S]eit der Verabschiedung des Berufsbildungsgesetzes (1969) [hat] das „duale System“ der Berufsausbildung in nicht unerheblichem Maße sein Gesicht verän­dert[e]: (1.) der staatliche Einfluss auf die Berufsausbildung konnte wesentlich ver­stärkt werden, (2.) die Mo­dernisierung und Vereinheitlichung der Ausbildungsberufe wurde ein gutes Stück vorangetrieben und (3.) das Prinzip einer gestuften Aus­bildung [...] zumindest in Ansätzen konnte realisiert werden[...]“ (Greinert 1984, 5).

Ab 1970 wird das traditionale System der dualen Berufsausbildung in Deutschland erstmals kritisiert. Kritikpunkte sind die Leistungsfähigkeit, als auch die Struktur­schwäche. Durch eine entsprechende Politik wurde in den 70er Jahren versucht, den Problemen entgegenzutreten. Hauptproblemfelder dieser Zeit waren:

- Die berufliche Grundbildung wurde eingeführt. Das Berufsgrundbildungsjahr (BVJ) gilt als vorbereitende Institution für das duale System und somit für das Finden von Ausbildungsplätzen auf dem freien Markt. Die Einführung des BVJ sorgte für heftige Kontroversen in der Politik (vgl. Steinmann 2000, 29).
- Über die Finanzierung des dualen Systems wurde ebenfalls heftig debattiert. Es war eine Berufsfondfinanzierung im Gespräch, die allerdings am Bundesrat scheiterte. Das 1976 verabschiedete Ausbildungsplatz­för­der­ungsgesetz scheiterte 1980 durch ein Gerichtsurteil des Bundesverfas­sungsgerichts (vgl. Steinmann 2000, 29).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das duale System Deutschlands. Krisen auch in der Zukunft?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Fachbereich 12 - Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Übung: Jugend und Arbeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V17863
ISBN (eBook)
9783638223263
ISBN (Buch)
9783638758758
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
System, Deutschlands, Krisen, Zukunft, Jugend, Arbeit
Arbeit zitieren
Sven Stumpf (Autor), 2003, Das duale System Deutschlands. Krisen auch in der Zukunft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17863

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