Chac Mool 2.0 - Die Kurzgeschichte Fuentes´ unter dem Aspekt der Identitätsproblematik in Lateinamerika


Hausarbeit, 2009

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Klärung der Ausgangspunkte
2.1 Chaak - Regengott der Maya
2.2 Chac Mool - Opferskulptur der Maya
2.3 Carlos Fuentes- eine Kurzbiographie
2.4 Zusammenfassung der Kurzgeschichte Chac Mool

3. Chaak vs. Chac Mool - Fuentes Annährung an einen alten Mythos
3.1 Chac Mool-Chaakoder Chac?
3.2 Filiberto - der untypische Mexikaner

4. Die Kurzgeschichte als Ausdruck lateinamerikanischer Identitätsproblematik
4.1 Chac Mools Wandlung als Aufhänger der lateinamerikanischen Identitätsproblematik
4.2 Chac Mool als Interpretationsversuch der Alkoholproblematik bei der Identitätssuche

5. Fazit

1. Einleitung

Was haben eine Rockgruppe, ein Hotel und eine Schmuckmanufaktur gemeinsam? Was zuerst nach einem Witz klingt, ist Ausdruck eines interessanten Phänomens, denn sie alle haben sich nach einer alten Maya-Figur benannt- dem Chac Mool. Wie kommt es nun, dass sich knapp 1000 Jahre nach den toltekischen Einflüssen der Maya noch Gruppen oder Fabriken nach einer Figur benennen, auf der Herzen der geopferten Personen dargelegt wurden? Der Chac Mool hat demzufolge nicht nur eine bedeutsame Rolle im religiösen Bewusstsein der Maya eingenommen, sondern scheint auch aktuell noch einen gewissen (Kult-) Status zu besitzen und im Bewusstsein der Menschen präsent zu sein.

Kern der vorliegenden Hausarbeit ist die von Carlos Fuentes verfasste Kurzgeschichte, welche nach Chac Mool benannt ist. Sie bildet einen Zugang zum inhaltlichen Schwerpunkt der kommenden Seiten- die lateinamerikanische Identitätsproblematik. Anhand der Geschichte von Fuentes soll gezeigt werden, wie es um die lateinamerikanische Identität, am Beispiel des Umgangs mit der eigenen Herkunft, bestellt ist. Dabei spielt auch die Unterscheidung zwischen dem Regengott Chaak und der Opferstatue Chac Mool eine Rolle. Sie soll herausstellen, wie sich die Identitätsproblematik äußert. Um eine Unterscheidung zwischen der Gottheit Chaak und der Opferstatue Chac Mool zu ermöglichen, werden im ersten Teil der Arbeit beide Figuren vorgestellt. Zudem wird die Kurzgeschichte zusammengefasst und der Autor Carlos Fuentes, in seinen wesentlichen Punkten und biographischen Merkmalen, dargestellt. Im Anschluss soll ein neuer Interpretationsansatz von Chac Mool präsentiert und dieser mit der Alkoholproblematik in Lateinamerika verbunden werden. Diese Form der Devianz scheint dort ein Ausdruck der Identitätsverdrängung zu sein, weswegen sich eine Interpretation von Fuentes Kurzgeschichte mit der Alkoholproblematik anbietet. Im Fazit soll dann zusammenfassend der Schluss gezogen werden, ob und inwiefern die Kurzgeschichte Chac Mool die lateinamerikanische Identitätsproblematik darstellt.

2. Klärung der Ausgangspunkte

Bevor im Hauptteil der vorliegenden Hausarbeit die Kurzgeschichte Chac Mool mit dem indigenen Mythos und der lateinamerikanischen Identitätsproblematik untersucht werden kann, muss der entsprechende Hintergrund vorher erläutert werden. Aus diesem Grund widmet sich das folgende Kapitel mit der Einführung über die Gottheiten Chaak und Chac Mool, als auch mit einer kurzen Biographie von Carlos Fuentes und einer Zusammenfassung der hier thematisierten Kurzgeschichte Chac Mool.

2.1 Chaak - Regengott der Maya

Der Regengott Chaak spielte in dem religiösen Bewusstsein der Mayapopulation eine sehr bedeutsame Rolle und ist somit einer der wichtigsten Gottheiten der Maya (Mehling, 1996: 216). Sein Name leitete sich sehr wahrscheinlich aus dem Proto-Maya für Kahoq (Donner) ab und er schien seinen Wohnsitz in Bergen oder Höhlen zu haben (Grube/Gaida, 2001: 53). Von seiner Gnade hing das Überleben der Einwohner ab, denn er konnte mit seiner Macht über Regen und Niederschlag die lebenswichtige Maisernte der Maya fördern oder vernichten (Gockel, 1998: 65). Besonders stark war seine Verehrung selbstverständlich im regenarmen Yucatán (Mehling, 1996: 216). In vielen Kunstwerken aus der damaligen Zeit findet sich der Chaak wieder, zumeist dargestellt mit einer charakteristischen Rüsselnase und tränenumflorten Augen (Mehling, 1996: 216). Zudem zeichnet ihn oftmals eine aus dem Mundwinkel hängende Zunge und ein schleifenartig gebundener Kopfputz aus (Mehling, 1996: 216). Zwar spielte Chaak in der Vasenmalerei eine untergeordnete Rolle (Grube/Gaida, 2001: 52), die wenigen Darstellungen zeigen ihn jedoch stets mit einem Beil, was an den Glauben vieler Mayavölker erinnert, dass die Regengötter durch den Wurf eines Steinbeils Donner auslösen können (Mehling, 1996: 216). Mit Vorliebe wurde die Gottheit blau gemalt und mit Wassersymbolen wie Kreisen oder Rhomben versehen (Gockel, 1998: 66).

Der Regengott Chaak ist also keineswegs ein kriegerischer oder gar negativ konnotiertes Wesen, sondern ein Mythos, ein Gedankenkonstrukt, welches in vielen Religionen der Welt verankert ist. Jeder Glaube auf der Welt und viele Kulturen der vergangenen Jahrhunderte hatten und haben diverse Götter, die für einen bestimmten Aspekt des Lebens verehrt werden.

2.2 Chac Mool - Opferskulptur der Maya

Der Chac Mool ist eine der bekanntesten Figuren aus Chichén Itzá, einer bedeutsamen archäologischen Ausgrabungsstätte im Norden der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Zur Zeit der Maya war dieser Ort ein "red vital de communicación y comercio entre el Caribe y la zona maya nuclear" (Marquez Morfin u.a., 2006: 17). Aufgrund der Häufigkeit von Chac Mool-Funden ist diese Skulptur als sehr bedeutsam anzusehen. Der Chac Mool ist eine aufrecht auf dem Boden sitzende Figur, welche sich auf den Ellenbogen abstützt und den Kopf nach rechts, beziehungsweise vom Tempel weg, dreht. Die Knie sind dabei angewinkelt. Sein Kopf ist mit einem niedrigen, zylindrischen Helm bedeckt, seine Finger- und Zehennägel, seine Zähne und die Augen sind mit einem schwarzen Punkt in der Mitte versehen und zudem aus poliertem Bein (Mehling, 1996: 75). Der Name wurde abgeleitet aus der Bezeichnung Chaacmol, mit der Augustus Le Plongeon eine Figur bezeichnete, welche er 1875 in Chichén Itzá ausgrub. Er übersetzte den Namen als "paw swift like thunder" (http://maya.csuhayward.edu/archaeoplanet/LgdPage/Chacmool.htm, 01.09.09) und begründete dies damit, dass die alten Tolteken einen alten kriegerischen Prinzen so nannten, welcher Chichén Itzá regierte. Zwei Jahre nach der Entdeckung wurde die Figur in chacmool umbenannt, eine Wort der Maya für Puma (http://maya.csuhayward.edu/archaeoplanet/LgdPage/Chacmool.htm, 01.09.09).

Le Plongeon versteckte die Figur bis zur offiziellen Erlaubnis diese zur Untersuchung ausführen zu dürfen, aber als der neue mexikanische Präsident Díaz davon erfuhr, ließ er die Figur mit Militärgewalt beschlagnahmen und diese für das Nationalbewusstsein wichtige Errungenschaft in Mexiko City ausstellen (http://maya.csuhayward.edu/archaeoplanet/LgdPage/Chacmool.htm, 01.09.09).

In Mexiko wurden mehrere Skulpturen des Chac Mool gefunden, besonders viele jedoch in den Ausgrabungsstätten um Tula, Hidalgo, Chichén Itzá und Yucatán. Anfang der 1980-er Jahre fanden Archäologen eine mehrfarbige Figur in der Nähe eines Aztekentempels in Mexiko City. Häufig wurden diese Figuren in der Vorkammern der Tempel aufgefunden, was die Theorie der Forscher, dass diese Skulptur eine Opferschale darstellte, auf der die Herzen der Feinde niedergelegt wurden, bestätigt.

2.3 Carlos Fuentes- eine Kurzbiographie

Carlos Fuentes, Jahrgang 1928, wuchs als Sohn eines Diplomaten in den USA und diversen lateinamerikanischen Ländern auf (http://www.literaturfestival.com/bios1_1_6_782.html, 01.09.09). Er gehörte somit von Geburt an zum mexikanischen Bürgertum und genoss eine exponierte internationale Erziehung (Kieren, 2005: 5). Nach einem Jura-Studium in Mexiko City schrieb er diverse Bücher (u.a. La región más transparente und La muerte de Artemio Cruz) und trug damit zu einem Boom der lateinamerikanischen Literatur bei. Zwischen 1975 und 1977 war er mexikanischer Botschafter in Paris. Trotz, oder gerade wegen, seiner Herkunft, kritisierte er das Establishment in seinen Werken oftmals und zeigte somit seine ambivalente Stellung gegenüber Mexiko (Kieren, 2005: 5). Fuentes stand in seiner Politik und Literatur für einen offenen Umgang mit andersartigen Kulturen (http://www.literaturfestival.com/bios1_1_6_782.html, 01.09.09) und schaffte es, durch die Kenntnis der Sprache des Westens, die herrschenden Strukturen seines Heimatlandes aufzubrechen (Bohr, 1998: 33). Fuentes kritisierte die Mexikaner oftmals dafür, dass sie sich hinter einer Maske des Andersseins verstecken (Bohr, 1998: 34) und sich mit ihrer Identität nicht adäquat auseinandersetzen, diese teilweise sogar verleugnen. In seiner Kurzgeschichte Chac Mool wird diese Problematik thematisiert.

2.4 Zusammenfassung der Kurzgeschichte Chac Mool

Die Kurzgeschichte Chac Mool von Carlos Fuentes greift einen Identitätsdiskurss anhand der Figur Chac Mool auf. Der Leser wird mit einer Geschichte konfrontiert, welche durch einen Ich-Erzähler vermittelt wird, der seine Erinnerungen an den Protagonisten mit den gefundenen Tagebucheinträgen seines Freundes auffüllt. Die Kurzgeschichte beginnt in der Gegenwart, und endet auch dort. Zwischendurch erscheinen die Einschübe der Tagebucheinträge wie Flashbacks und geben dem Leser einen Eindruck davon, wie die Hauptperson der Geschichte, Filiberto, zu (s)einer Beziehung mit Chac Mool kam.

Als passionierter Kunstsammler indigener Skulpturen fehlen Filiberto nur noch wenige Gegenstände in seinem Archiv. Dazu zählt auch die Mayastatue Chac Mool. Durch den Hinweis eines Freundes erfährt Filiberto, wo er eine lebensgroßeee Statue erwerben könnte und macht sich umgehend auf den Weg nach Lagunilla um sich seinen Chac Mool zu holen. Beim Betrachten der Statue beschleichen ihn leise Zweifel, ob die Figur wirklich echt sei. Dennoch zögert Filiberto nicht und bringt die Statue nach Hause. In Folge dessen geschehen einige merkwürdige Dinge, wie beispielsweise diverse Wasserrohrbrüche oder nächtliche Klagelaute (Fuentes, 1976: 11). Durch Filibertos Tagebucheinträge erfährt der Leser, dass sich die Figur des Chac Mool im Keller seines Hausherren voll Wasser saugt und mit "einer Art grünen Ausschlag" (Fuentes, 1976: 11) überzogen ist. Es kommt ihm so vor, als ob die Figur langsam eine reale Haut bekommt und "Flaum auf seinen Armen..." hat (Fuentes, 1976: 12). Die sich ankündigende Verwandlung Chac Mools zu einem realen Wesen nimmt Filiberto psychisch mit und führt dazu, dass er auf seiner Arbeit diverse Fehler macht, was zur Folge hat, dass er eine Rüge seines Direktors erhält. Filibertos Freund, der Erzähler dieser Geschichte, fügt an, dass sich die Handschrift des Protagonisten merklich ändert und nun kaum noch leserlich ist. Filibertos Vision eines lebendigen Chac Mool scheint sich zu bestätigen, als er die ehemals steinerne Figur in seinem Schlafzimmer vor sich stehen sieht. Auf seiner Arbeit wird er entlassen, da "Gemunkel von geistiger Umnachtung" (Fuentes, 1976: 15) die Runde macht und sich Filiberto zunehmend abnormer verhält. Der Erzähler fügt ein, dass die "ungewöhnlich starken Regenfälle meinem Freund zugesetzt" haben können (Fuentes, 1976: 15). Aus den Aufzeichnungen des Tagebuchs geht hervor, dass der Regen und das Wasser eine Rolle bei der Erwachung Chac Mools spielen. Weitere Einträge schließen darauf, dass sich Filiberto und die Figur aneinander gewöhnen und sich austauschen. Dabei findet ein Rollenwechsel statt, denn es ist der ehemalige Hausbesitzer Filiberto, welcher im Laufe der Geschichte von Chac Mool verdrängt wird und dieser nun seinen Platz einnimmt. Filiberto verkommt zu einem Wasserträger der Figur und soll dafür sorgen, dass der Regengott genug Flüssigkeit erhält um nicht auszutrocknen. Zudem muss Filiberto der lebendig gewordenen Figur Mahlzeiten besorgen, nämlich Menschen. Filiberto bekommt es immer mehr mit der Angst zu tun und beschließt, bei den nächtlichen Ausflügen des Chac Mool zu fliehen. Dies gelingt im auch, bis er am Ende der Tagebucheinträge ertrunken aufgefunden wird. Der Erzähler macht sich mit der Leiche auf den Weg zu Filibertos Haus, um ihn dort zu beerdigen. Dort angekommen trifft er auf einen gelben Indianer von abstoßendem Äußeren, dem zum Leben erwachten Chac Mool.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Chac Mool 2.0 - Die Kurzgeschichte Fuentes´ unter dem Aspekt der Identitätsproblematik in Lateinamerika
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Differenz und Verflechtung in Bildern und Erzählungen zur kulturellen Konstruktion und Konstitution Lateinamerikas von der Konquista bis zur Postmoderne
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V178645
ISBN (eBook)
9783656007944
ISBN (Buch)
9783656007715
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chac, mool, kurzgeschichte, fuentes´, aspekt, identitätsproblematik, lateinamerika
Arbeit zitieren
Steven Oklitz (Autor:in), 2009, Chac Mool 2.0 - Die Kurzgeschichte Fuentes´ unter dem Aspekt der Identitätsproblematik in Lateinamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178645

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