Unvergängliche Seele oder gemeinsamer Tod von Leib und Seele? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden werden zunächst die unterschiedlichen Vorstellungen vom christlichen Leben nach dem Tod aufgezeigt. Zu unterscheiden sind die Vorstellungen der römisch katholischen und die der protestantischen Kirche. Die römisch katholische Kirche vertritt den Glauben an eine unsterbliche Seele, die im Tod vom Leib geschieden wird und vor das Gericht Gottes kommt, bis sie bei der Auferstehung einen neuen, verwandelten Leib zugesprochen bekommt. Protestantische Theologen gehen von der so genannten „Ganztodthese“ aus, welche besagt, dass der Mensch als Einheit von Leib und Seele stirbt und bis zur Auferstehung in den Erinnerung Gottes ‚aufbewahrt‘ wird.
Um die Ganztodthese zu verstehen wird zunächst aufgezeigt wie es zu der Vorstellung einer unsterblichen Seele gekommen ist, um im Anschluss zu erläutern, warum es (aus protestantischer Sicht) sinnvoll ist, sich von dieser Vorstellung zu verabschieden. Dazu wird nach der Vorstellung vom Menschen in der hebräischen Bibel gefragt und die vier Aspekte des Menschen ‚nefes‘, ‚ruach‘, ‚basar‘ und ‚leb‘ aufgezeigt. Am Ende richtet sich der Blick auf die Frage, was der Tod für protestantische Theologen bedeutet, um auf die Lehrer von der Einheit von Leib und Seele zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 GANG DER ARBEIT
3 UNSTERBLICHE SEELE ODER EINHEIT VON LEIB UND SEELE?
3.1 Welche christlichen Vorstellungen über das Leben nach dem Tod gibt es?
3.2 Woher kommt der Glaube an eine unsterbliche Seele?
3.3 Warum braucht die protestantische Kirche ein neues Verständnis von einer unsterblichen Seele?
3.4 Welches Menschenbild findet sich in der hebräischen Bibel?
3.5 Was ist der Tod?
3.6 Die Ganztodthese
4 SCHLUSSBEMERKUNG
5 LITERATURANGABEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen theologischen Konzepte der Unsterblichkeit der Seele im Vergleich zur Ganztodthese. Ziel ist es, die protestantische Sichtweise zu beleuchten, die den Menschen als Einheit von Leib und Seele begreift und das Fortbestehen des Individuums nach dem Tod in Gottes Gedenken verortet, anstatt von einer isolierten unsterblichen Seele auszugehen.
- Gegenüberstellung katholischer und protestantischer Eschatologie
- Einfluss des griechischen Denkens auf das christliche Menschenbild
- Biblische Anthropologie und die Bedeutung der vier Aspekte des Lebens
- Die Ganztodthese als Alternative zur Seelenunsterblichkeit
- Theologische Begründung der Identität des Menschen nach dem Tod
Auszug aus dem Buch
3.2 Woher kommt der Glaube an eine unsterbliche Seele?
Die Vorstellung einer unsterblichen Seele ist geprägt vom Menschenbild der griechischen Antike. In diesem Zusammenhang wird oft auf Platons Dialog „Phaidon“ verwiesen, in dem er über den Tod seines Lehrers Sokrates spricht. Sokrates, zum Tode verurteilt, befiehlt „dem Asklepios einen Hahn zu opfern - wie man es tut, wenn man von einer Krankheit gesundet“. Für Sokrates bedeutet der Tod demnach nicht das absolute Ende, sondern ‚Heilung‘ von einer ‚Krankheit‘. Diese positive Sicht des Todes, „Scheidung der Seele vom Körper ... (64 St)“ übernimmt Platon von den Orphikern, einer religiösen Bewegung die glaubte, dass der Mensch aus irdischen und göttlichen Elementen bestünde und versuchte „durch entsprechenden Lebenswandel die Seligkeit zu erlangen“.
Aristoteles greift die Gedanken seines Lehrers auf indem er in seinem „>Protreptikos<, einer Mahnrede zur Philosophie“, die Seele mit einem Gefangen der etruskischen Seeräuber vergleicht. Diese „[…] banden ihre Gefangenen, um sie zu quälen, lebendigen Leibes an Leichen, Angesicht gegen Angesicht. In dieser gewaltsamen Verkettung des Lebens mit der Verwesung ließen sie ihre Opfer allmählich dahinschmachten“.
Der Leib ist demnach etwas Irdisches, Vergängliches, während die Seele das eigentlich Wertvolle am Menschen ist, welche den Tod überdauert und im Leib festsitzt wie ein Gefangener. Diese Vorstellung ließ sich „mit einigen biblischen Zeugnissen in Verbindung bringen [...] [wie] etwa 1 Thess 5,23; II Kor 5,1-4; Lk 23,43.46; [...]“ und wurde im Zuge der „Hellenisierung der biblischen Gedanken“ Mitte des zweiten Jahrhunderts teilweise übernommen. Im Gegensatz zu den Orphikern wurde die Seele von der Patristik zwar als Lebensprinzip, aber nicht als Teil eines Göttlichen gesehen sondern, wie der Leib des Menschen, als Teil von „Gottes gute[r] Schöpfung, die Verbindung beider daher Ausdruck seines Schöpferwillens“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt anhand eines aktuellen Zeitungsberichts in die Problematik der Bestattungskultur und die grundlegende Frage ein, ob eine unsterbliche Seele existiert oder ob der Mensch als Einheit von Leib und Seele vergeht.
2 GANG DER ARBEIT: Dieses Kapitel skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit, wobei der Fokus auf dem Vergleich der römisch-katholischen Seelenvorstellung und der protestantischen Ganztodthese liegt.
3 UNSTERBLICHE SEELE ODER EINHEIT VON LEIB UND SEELE?: Der Hauptteil analysiert die historischen, theologischen und philosophischen Hintergründe, die zur Debatte um die Seele führen, und beleuchtet die biblische Anthropologie sowie das Verständnis des Todes.
3.1 Welche christlichen Vorstellungen über das Leben nach dem Tod gibt es?: Hier werden die verschiedenen zeitlichen Konzepte zwischen Tod und Auferstehung diskutiert, einschließlich der Problematik des sogenannten Zwischenzustands.
3.2 Woher kommt der Glaube an eine unsterbliche Seele?: Das Kapitel untersucht den Einfluss der griechischen Philosophie, insbesondere Platons, auf das westliche Verständnis der Seele als vom Körper trennbares Wesen.
3.3 Warum braucht die protestantische Kirche ein neues Verständnis von einer unsterblichen Seele?: Es wird aufgezeigt, wie moderne Humanwissenschaften und die Kritik an der klassischen Metaphysik das traditionelle Seelenkonzept in Frage stellen und eine theologische Neubesinnung erfordern.
3.4 Welches Menschenbild findet sich in der hebräischen Bibel?: Eine Analyse der Begriffe Nefes, Ruach, Basar und Leb verdeutlicht, dass die hebräische Bibel den Menschen als Einheit in Beziehung zu Gott und nicht als dualistisches Wesen betrachtet.
3.5 Was ist der Tod?: Verschiedene theologische Definitionen des Todes werden zusammengeführt, wobei die Passivität des Verstorbenen und die Zerstörung des Leibes im Vordergrund stehen.
3.6 Die Ganztodthese: Dieses Kapitel definiert die Ganztodthese, bei der der Mensch als Ganzes stirbt und seine Kontinuität in der Auferstehung durch das „schöpferische Erinnern“ Gottes gesichert wird.
4 SCHLUSSBEMERKUNG: Abschließend wird resümiert, warum die Ganztodthese aus protestantischer Sicht dem biblischen Menschenbild gerechter wird und eine tröstliche Hoffnung jenseits der Seelen-Dualismen bietet.
5 LITERATURANGABEN: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Ganztodthese, unsterbliche Seele, Leib-Seele-Einheit, Eschatologie, protestantische Theologie, hebräische Bibel, Auferstehung, Gedächtnis Gottes, Metaphysik, Anthropologie, biblisches Menschenbild, Tod, christlicher Glaube, Identität, Schöpfung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die theologische Debatte darüber, ob der Mensch eine unsterbliche Seele besitzt, die den Tod überdauert, oder ob er als Einheit von Leib und Seele stirbt, wie es die protestantische Ganztodthese vertritt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Eschatologie, der biblischen Anthropologie, dem historischen Einfluss der griechischen Philosophie auf das Christentum sowie dem Verständnis der Identität des Menschen im Angesicht des Todes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die protestantische Perspektive der Ganztodthese als Alternative zur traditionellen Lehre der unsterblichen Seele herauszuarbeiten und zu begründen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Literaturanalyse, die biblische Zeugnisse, dogmatische Konzepte und philosophische Ansätze kritisch vergleicht.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig diskutiert?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung des Seelenglaubens, der biblischen Sichtweise in der hebräischen Bibel, der Definition des Todes aus verschiedenen theologischen Perspektiven und der detaillierten Ausarbeitung der Ganztodthese.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Ganztodthese, Leib-Seele-Einheit, Auferstehung, Eschatologie und biblisches Menschenbild.
Wie unterscheidet sich die protestantische Sichtweise in dieser Arbeit vom katholischen Dogma?
Während die römisch-katholische Kirche an der Vorstellung einer im Tod vom Leib getrennten, unsterblichen Seele festhält, lehnt die protestantische Perspektive in dieser Arbeit dies als unbiblisch ab und betont das Sterben als Ganzes sowie das Aufbewahrtsein im Gedächtnis Gottes.
Warum wird in dieser Arbeit die hebräische Bibel als Referenz herangezogen?
Die hebräische Bibel dient als Referenz, da sie weitestgehend frei vom griechischen Dualismus ist und ein ganzheitliches Menschenbild präsentiert, das dem protestantischen Verständnis von der Einheit von Leib und Seele nähersteht.
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- Christian Kißling (Autor), 2011, Unvergänglichkeit der Seele?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178689