Die Bedeutung der Medien als vierte Gewalt


Hausarbeit, 2009

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungs- und Stichwortverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen und Definitionen
2.1 Begriffsdefinitionen
2.2 Politik und Medien
2.2.1 Politische Machtbeschränkung
2.2.2 Mediale Machtbeschränkung
2.2.3 Nexus politischer und medialer Macht

3 Geschichte und Entwicklung
3.1 Entwicklung politischer Kommunikation
3.2 Politainment
3.3 Problematische Folgen

4 Massenmediale Wirkungsmechanismen
4.1 Die Macht der Massenmedien
4.1.1 Funktion und Aufgabe
4.1.2 Medieneinfluss und Meinungsbildung
4.1.3 Kritik
4.2 Der Agenda-Setting-Prozess
4.2.1 Einfluss der „vierten Gewalt“ auf die policy-agenda
4.2.2 Setting-Management
4.2.3 Was macht ein Issue zum Thema
4.2.4 Öffentliche Meinung und Bevölkerungsmeinung
4.3 Journalismus und PR
4.4 Die Akteure
4.4.1 Rezipienten
4.4.2 Politiker
4.4.3 Medien

5 Schlussbetrachtung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungs- und Stichwortverzeichnis

Abbildung in dieserLeseprobenichtenthalten

1 Einleitung

Das Grundgesetz feiert seinen 60. Geburtstag. Neben der Meinungs- und Informationsfreiheit, wird in Artikel 5 auch die Presse- und Rundfunkfreiheit geregelt.

Massenmedien rücken zunehmend in das Zentrum des politischen Systems. Wie dabei um das knappe Gut, „öffentliche Aufmerksamkeit“, gekämpft wird und in welchem Ausmaß gesellschaftliche, politische und mediale Akteure daran beteiligt sind, gilt es herauszufinden. Der in diesem Zusammenhang häufig verwendete Begriff der „vierten Gewalt“ ist jedoch sehr umstritten, da Medien, im Vergleich zu den klassischen Gewalten, keine staatlichen Regulierungsbefugnisse besitzen und somit auch nicht in der Lage sind, auf politische Prozesse einzuwirken – so die Annahme.

Um herauszufinden, inwieweit Veränderungen in politischen Organisationen tatsächlich auf Erfordernisse medialer Kommunikation zurückzuführen sind, werde ich gesellschaftliche und staatliche Konstellationen genauer durchleuchten und prüfen, welchen Stellenwert Massenmedien hierbei einnehmen. Den Begriff „Massenmedien“ werde ich dabei nicht explizit in Fernsehen, Rundfunk und Printmedien unterteilen, da dies für eine Veranschaulichung der Entwicklungen irrelevant ist. Während sich diese klassischen Medien relativ homogen in eine Richtung entwickeln, nehmen neue Medien und deren Einfluss auf politische Kommunikationsprozesse eine Sonderstellung ein – diese werde ich gesondert betrachten.

2 Grundlagen und Definitionen

2.1 Begriffsdefinitionen

Medien: Sind Mittel und Verfahren zur Verbreitung von Informationen, Bildern und Nachrichten, zum Zweck der gesellschaftlichen Kommunikation. Zu den Massenmedien zählen die Presse (Zeitungen, Zeitschriften), der Rundfunk (Hörfunk, Fernsehen) und in zunehmendem Maße auch das Internet.[1]

Politik: Laut einer grundsätzlichen Definition der Politikwissenschaft, umfasst der Begriff „Politik“ sämtliche öffentlichen Angelegenheiten, welche den Staat und die Gesellschaft betreffen und verpflichten. Der Begriff der „Politik“ ist jedoch inkonstant. Politik passt sich ihrer zeitlichen Epoche an und lässt sich dadurch nicht eindeutig definieren. Betrachtet man hierzu zwei Extrembeispiele, stellte Aristoteles (384 v. Chr.) Politik als eine friedensstiftende gute Ordnung der Gesellschaft dar, während Bismarck (1815 n. Chr.) sie eher als „schmutziges Geschäft“ mit einer Vielzahl von Skandalen und Korruptionsaffären definierte.[2]

Macht: „Macht bedeutet, als Individuum oder Gruppe innerhalb einer sozialen Beziehung, die Fähigkeit zu besitzen, den eigenen Willen, auch gegen Widerstreben, durchsetzen zu können, […]“[3]

2.2 Politik und Medien

2.2.1 Politische Machtbeschränkung

In Deutschland unterliegt das politische System der Gewaltenteilung. Exekutive, Judikative und Legislative sind politische Ebenen, welche sich nicht gegenseitig beherrschen dürfen – vielmehr soll ein Gleichgewicht zwischen ihnen bestehen. Für Machtausübende sollen sie ein Mittel der Beschränkung darstellen. Die wachsende Bürokratisierung und einhergehende Undurchschaubarkeit von Regierungsinstanzen, erfordert jedoch ein Mittel zur Transparenz und Kontrolle von politischen Prozessen – die Medien.[4] Diese werden wiederum von politischen Akteuren (Verbände, NGO´s, Parteien) als Mittel der Macht genutzt. Denn politische Entscheidungen beruhen zunehmend auf Mehrheiten, welche durch mediale Kommunikationsprozesse erreicht werden. So herrschen heute Konkurrenzkämpfe um Aufmerksamkeit, in denen sich politische Akteure medienwirksam präsentieren.[5]

2.2.2 Mediale Machtbeschränkung

Medien – auch oft als vierte Gewalt bezeichnet – haben im Vergleich zu politischer Macht, keine verfassungsrechtlich zugewiesenen Funktionen. Ihre Macht besteht darin, ständig überall vorhanden zu sein und durch „Dauerbeobachtung“ eine Informationsbrücke zwischen Politik und Gesellschaft darzustellen.

Der Rundfunkstaatsvertrag soll durch sein duales System vor allem der Sicherung der Meinungsvielfalt dienen (vgl. 4.1.2). Die mediale Macht eines einzelnen Medienkonzerns hängt dabei von seiner wirtschaftlichen Stärke ab. Ein Beispiel hierfür ist die Kirch-Gruppe, welche 2002 Insolvenz angemeldet hat. Sie hatte durch ein großes Filmarchiv, eine hohe Finanzkraft sowie einer persönlichen politischen Nähe zur CDU, einen enormen Machtfaktor. Sogar öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten mussten, für ihre Programmgestaltung, Filmrechte bei der Kirch-Gruppe erwerben. Öffentlich-rechtliche Sender sind auf Gebühreneinnahmen angewiesen, welche ihnen, im Gegensatz zu den privaten Sendern, die sich ausschließlich über Werbeeinnahmen finanzieren, einen weitaus geringeren finanziellen Spielraum zur Programmgestaltung einräumen. Folglich ist zu erkennen, dass jüngere Zielgruppen, welche die zukünftige Wählerschaft darstellen, private Sender bevorzugen. Dies stellt ein Problem dar, da die Berichterstattung immer häufiger von technologischen und wirtschaftlichen Themen geprägt ist, während bildungs- und kulturpolitische Themen mehr und mehr in den Hintergrund rücken.

Ohne eine entsprechende Regulierung, bestünde die Gefahr, dass die zukünftige mediale Berichterstattung von wenigen mächtigen Medienkonzernen abhängt und somit ein Ungleichgewicht auf privater Seite aufweist. So werden Machtüberhänge der Medienkonzerne, gemessen in Marktanteilen, wie bei jedem wirtschaftlich tätigen Unternehmen, durch das Kartellamt geregelt. Zudem trägt einerseits das Internet zur Fragmentierung der Zielgruppen und Meinungen bei, andererseits schafft die hohe Dynamik der Medienbranche, durch das Aufkommen ständig neuer Akteure, einen intensiven Wettbewerb.[6]

2.2.3 Nexus politischer und medialer Macht

Die Medienpolitik umfasst im Wesentlichen zwei Bereiche: Die ökonomische Selbstregulierung durch Wettbewerb sowie die staatlichen Regulierungsbefugnisse. Extremszenarien, wie sie zu Zeiten des propagandistischen dritten Reichs herrschten, sollen so der Vergangenheit angehören. Allerdings stellt die Intransparenz der Medienkonzerne eine indirekte Machtquelle dar, wie am Beispiel der Spiegel-Affäre deutlich wurde: Die Öffentlichkeit funktionierte hier als regulierende Instanz zwar sehr gut, staatliche Aufsichtsbehörden hatten jedoch Probleme, Verantwortliche klar zuzuordnen, um diesen medialen Rechtsverstoß wirksam zu verurteilen.

Grundsätzlich funktioniert das Zusammenspiel von Medien und Politik folgendermaßen: Medien transportieren Meinungen und Bedürfnisse des Volkes an politische Akteure. Diese machen dementsprechend ihre Planungen und treffen Entscheidungen, welche wiederum über die Medien dem Volk zugänglich gemacht werden. Es besteht somit eine gegenseitige Abhängigkeit.[7] Hierbei gilt es jedoch zwei Extremszenarien zu verhindern. Zum einen die Bedrohung der Politik durch die Medien, sprich, dass sich sämtliche politischen Akteure der medialen Logik unterordnen. Zum anderen die Bedrohung der Medien durch die Politik, was bedeutet, dass die mediale Berichterstattung durch politische Eingriffe reguliert wird. Es gilt eine Balance zu finden, zwischen der Unabhängigkeit der Medien vom Staat und der rechtlichen Eingrenzung der medialen Handlungsspielräume. Aktuelle Entwicklungen verändern den Sinngedanken dieses Systems jedoch. So bringt die Vernetzung durch Satelliten und Internet erhebliche Folgen mit sich. Die Akzeptanz und das Interesse an öffentlich-rechtlichem Rundfunk sinkt stetig. Dies gilt vor allem für die jüngere Generation, welche neue Medien, den Nachrichtensendungen der ARD und ZDF, vorzieht.[8]

3 Geschichte und Entwicklung

3.1 Entwicklung politischer Kommunikation

Die Heterogenität der Begriffe „Politik“ und „Kommunikation“ lässt eine Vielzahl von Begriffsdefinitionen zu. Betrachtet man jedoch die mediale politische Kommunikation, meint man jene Kommunikation, die von politischen Akteuren ausgeht und sich mittels eines Informationskanals an die gesellschaftliche Öffentlichkeit richtet. Dort soll sie vor allem drei Funktionen erfüllen. Erstens, die Informationsvermittlung an politische Meinungsführer, zweitens, die Förderung von politischen Einstellungen mit dem Ziel des Erhaltens des politischen Systems und drittens, die Chancengleichheit, dass jeder Bürger kommunikativ am politischen System teilhaben kann.[9] Die heutige inszenierte Darstellung der Politik in den Massenmedien ist geschichtlich auf drei Phasen zurückzuführen. Die erste Phase - auch bekannt als das „goldene Zeitalter der Parteien“ - war um 1920. Sowohl die Massenpresse, als auch der damals erfundene Radioapparat, welcher sehr schnell populär wurde, waren die dominanten Faktoren, welche politische Meinungsbildung beeinflussten. Information der Parteianhänger fand über Parteizeitungen statt, welche die Gesellschaft strukturierten und in soziale Milieus einteilten. Das Parteivertrauen und die -identifikation waren sehr hoch. In der zweiten Phase wurde das Fernsehen zum Leitmedium (um 1950). Es wurden nun nicht mehr nur „Politik-Interessierte“, sondern durch den hohen Unterhaltungsanteil, unzählige weitere Publikumsschichten erschlossen. Die politische Zielgruppe stieg enorm an. Das audiovisuelle Medium bot völlig neue Darstellungsmöglichkeiten. Es wurde visualisiert, dramatisiert und inszeniert – die Politik wurde für den Durchschnittszuschauer zwar einfacher, die Berichterstattung jedoch oberflächlicher. Es entstanden Wissensklüfte (Knowledge Gaps) in der Bevölkerung. Eine erste Mediatisierung der Politik war erkennbar und politische PR wurde immer wichtiger. In der dritten Phase (um 1970) stieg die massenmediale Kommunikation weiter an und private Sender trugen zur Vermehrung des Programmvolumens bei. Statt wie früher zwischen drei oder vier Programmen, konnte der Rezipient nun zwischen 40 – 50 Programmen auswählen.[10] So richtete sich der politische Terminkalender immer mehr nach Sendezeiten, es gab Konkurrenzkämpfe um Berichterstattungen und ausgefeilte Kommunikationsstrategien wurden entwickelt.[11]

Folgender Verlauf visualisiert noch einmal die Entwicklung:[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Schubert, Klaus / Klein, Martina: Das Politiklexikon, Bonn,, 2006, S. 175

[2] Vgl. Hachmeister, Lutz: Grundlagen der Medienpolitik, Bonn, 2008, S. 297 f

[3] Jäckel, Michael: Medienmacht und Gesellschaft – zum Wandel öffentlicher Kommunikation, Frankfurt, 2008, S. 125

[4] Vgl. Jäckel, Michael: Medienmacht und Gesellschaft, S. 125 ff

[5] Vgl. Hachmeister, Lutz: Grundlagen der Medienpolitik, S. 256 ff

[6] Vgl. Jäckel, Michael: Medienmacht und Gesellschaft, S. 125 ff

[7] Vgl. Chill, Hanni und Meyn, Hermann: Wirkung der Medien, auf: http://www.bpb.de/publikationen/07485476851957751290460634362276.html, 29.05.09

[8] Vgl. Jäckel, Michael: Medienmacht und Gesellschaft, 2008, S. 128 ff

[9] Vgl. Rhomberg, Markus: Mediendemokratie – die Agenda-Setting-Funktion der Massenmedien, München, 2008, S. 89 ff

[10] Vgl. Chill, Hanni und Meyn, Hermann: Wirkung der Medien, auf: http://www.bpb.de/publikationen/07485476851957751290460634362276.html, 29.05.09

[11] Vgl. Rhomberg, Markus, Mediendemokratie, 105 ff

[12] Vgl. Fengler, Susanne: Politikjournalismus, Wiesbaden, 2009, S. 162

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Medien als vierte Gewalt
Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Veranstaltung
Politik und Gesellschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V178793
ISBN (eBook)
9783656009856
ISBN (Buch)
9783656010562
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Politiker, policy agenda, meinungsfreiheit, grundgesetzt, massenmedien, politische manipulation, mediale manipulation, politainment, meinungsbildung, agenda setting
Arbeit zitieren
Christian Müller (Autor), 2009, Die Bedeutung der Medien als vierte Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178793

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bedeutung der Medien als vierte Gewalt



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden