Bericht zum Hospitationspraktikum an einer Eliteschule des Sports in Brandenburg

Beobachtungsschwerpunkt: Das geschlechtsspezifische Durchsetzungsvermögen von Lehrkräften gegenüber ihren männlichen und weiblichen Schülern


Praktikumsbericht / -arbeit, 2003

25 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Porträt der Praktikumsschule

2. Erwartungen an das Praktikum

3. Der erste Schultag

4. Spezifik der Lernsituation
4.1. Besonderheiten der Schule
4.2. Der Schüleralltag

5. Beobachtungsthema und Gründe für die Wahl
5.1. Theoretische Ansätze zur Thematik
5.1.1. Konfliktlösung durch den Lehrer
5.1.2. Das sozial-emotionale Schülerverhalten
5.2. Methoden der empirischen Untersuchung
5.3. Auswertung der Beobachtungsergebnisse
5.3.1. Allgemeine Erkenntnisse
5.3.2. Theorie und Empirie im Kontext
5.4. Zusammenfassung der Erkenntnisse
5.5. Weiterführende Fragen an die pädagogische Theorie
5.6. Bilanz der Hospitation

6. Literaturangaben

7. Anhang

1. Porträt der Praktikumsschule

Unser zweiwöchiges Hospitationspraktikum absolvierten wir in der Sportschule xxx. Sie verdiente sich vor einigen Jahren als Aushängeschild den Beinamen „Eliteschule des Sports“, was zum Einen natürlich auf attraktive Weise motivierte Nachwuchssportler an die Schule lockt und zum Anderen ein jährliches Fördergeld in Höhe von 15.000 Euro mit sich bringt. Vom Typ her stellt sie eine sportbetonte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe dar, in der mit erfolgreicher Absolvierung der 13. Klasse die allge­meine Hochschulreife erworben werden kann. Neben dem Abitur kann die schulische Laufbahn aber auch mit der Fachoberschulreife sowie mit der erweiterten Berufsreife erfolgreich beendet werden. Die Schule bezeichnet sich selbst als Ganztagsschule, welches im Einklang mit der Verstrickung von Unterricht und Sporttraining der zahlreichen leistungs­sportlich aktiven Schülerschaft steht. Ein Schultag endet spätestens 15.30 Uhr, danach folgt für viele Schüler zumeist die zweite Trainingseinheit pro Tag – diesmal dann in den Vereinsreihen. In Abstimmung mit den entsprechenden Lehrern und Trainern ist hier sogar eine individuelle Schulzeitstreckung möglich, sodass im Einzelfall hoffnungsvollem Nachwuchs ein optimales Trainingsprogramm in Kombination mit einem für die Zukunft wichtigen Schulabschluss geboten werden kann. Die Schule bezeichnet sich selbst als Institution für eine „optimale Verbindung zwischen Schule und Nachwuchsleistungssport“.

Im Rahmen der Ganztagsbetreuung und zur Abfederung schulischer Wissenslücken durch den hohen zeitlichen Trainingsaufwand bietet die Schule Fördermöglichkeiten in Form von För­der­unterricht, Hausaufgabenhilfe und Arbeitsgemeinschaften („Kreativbude“, Computerkurse, Chor) an. Im Stundenplan ist diese besondere Belegung als „Gt“ ausgewiesen (= „Ganz­tagsunterricht“ 2x pro Woche).

59 Lehrer und 4 Referendare unterrichten die rund 600 Mann starke Schülerschaft, von der nur ca. 179 ursprünglich aus der Stadt selbst stammen. Diese setzt sich neben den „Nichtsportlern“ aus Schwimmern, Fußballerinnen, Leichtathleten, Ruderern, Kanuten und Handballern zu­sam­men. Die Aufnahmekapazität beträgt 92 Plätze, was zugleich der Anzahl von Sport­lerInnen entspricht, die jährlich in die 7. Klassen eingeschult werden. Weitere 16 Aufnahmen von sog. „Quereinsteigern“ folgen dann noch bis zur 9. und 10. Klassenstufe.

Im Laufe der schulischen Ausbildung ist im Übrigen auch noch ein Wechsel innerhalb der Sportarten möglich. Für viele Schüler, die nicht aktiv leistungssportlich tätig sind, wirkt die Schule aufgrund des angebotenen Faches „Sport als Leistungskurs“ recht attraktiv, welches nur in den Sportschulen im Rahmen der gymnasialen Oberstufe zu belegen möglich ist.

Ihrer Bezeichnung als Gesamtschule wird die Institution durch leistungsdifferenzierten Unter­richt gerecht: Während die sog. E-Kurse (Erweiterungskurse) Gymnasialcharakter tragen, ent­sprechen die sog. G-Kurse (Grundkurse) einem niedrigeren Leistungsniveau. Diese Zwei­teilung beginnt bereits in den 7. Klassen in Mathematik und Englisch, setzt sich in den 8. Klassen in Deutsch fort, bis schließlich dann noch in der 9. Klassenstufe die Differenzierung in den Fächern Physik und Chemie erfolgt.

Zum Selbstverständnis der Schule zählt auch die Bezeichnung der Institution als „Projekt-schule“ mit besonderen Fächerangeboten wie z.B. DS (Darstellendes Spielen), Psychologie, Trainerkursen (C-Lizenz) und MuK (Medien und Kommunikation). Ein völliger Umbau, der die Schule in einem komplett neuen und modernen Look erscheinen ließ, erfolgte in den letzten Jahren. 2002 feierte die Schule ihr 50. Jubiläumsjahr seit ihrer Gründung. Im Laufe dieser zahlreichen Jahrzehnte durchliefen jene Institution im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung zahlreiche Deutsche Meister, Welt- und Europameister und sogar Olympiasieger – eine nachhaltige und beeindruckende Erfolgsbilanz.

2. Erwartungen an das Praktikum

Wie bei vielen meiner Kommilitonen auch liegt meine eigene Schulzeit noch nicht allzu lang zurück. Allgegenwärtig und mit viel Stolz behalte ich die schönen Momente dieses einma­ligen Lebensabschnittes in guter Erinnerung. Solange man noch selbst die Schulbank drücken muss, schenkt man den Worten älterer Mitmenschen, die da behaupten, die Schulzeit wäre die schönste Zeit des Lebens, nicht viel Glauben. Stets hetzt man gerade in der Endphase vor den Abschlussprüfungen von Klausur zu Klausur und weiß oftmals nicht, wo einem der Kopf steht. Der Druck, anstehende Arbeiten unbedingt (so gut wie möglich) bestehen zu müssen, verhindert häufig den Blick für die positiven Dinge und Phasen im Laufe der einzelnen Klassenstufen.

Blicke ich heute zurück, nach noch nicht einmal einem ganzen Jahr „Abstand“, so kann ich den Leuten von „damals“ in einigen Punkten bereits jetzt schon sehr recht geben. Denn Fakt ist definitiv, dass das Leben nach überstandenem Abi in keinerlei Hinsicht leichter wird. Das bekommt jeder zu spüren: Ob nun der Tag für Tag 8 Arbeitsstunden leistende Lehrling oder der am Anfang in Sachen Studienplanung und Lebensgestaltung sich fast schon ein wenig im Dschungel vorfindende, weil durch das neue System noch nicht vollständig durchblickende, Studienanfänger, dessen Selbständigkeit in den häufigsten Fällen erstmalig auf dem Prüfstand steht.

Heute erinnere ich mich hauptsächlich an die vielen gemeinsam verlebten schönen Stunden mit meinen ehemaligen Klassenkameraden und Freunden zurück, die nun in die „ganze Welt“ verstreut sind, und jeder seinen eigenen Weg finden und beschreiten muss.

Durch mein im im Jahre 2002 aufgenommenes Lehramtsstudium habe ich naht­los „die Fronten“ gewechselt, wie man so schön sagt. Dieser Beruf gestaltet sich in meinen Augen als sehr reizvoll, da man durch ihn die fast schon einmalige Chance besitzt, junge Menschen durch den im Leumund als sehr wichtig geltenden Lebensabschnitt zu führen, sie Tag für Tag zu begleiten und auf deren Entwicklung unmittelbar (hoffentlich positiv) Einfluss zu nehmen.

Durch das Praktikum wünsche und erhoffe ich mir im Grunde genommen hauptsächlich, in meiner nach bestem Wissen und Gewissen getroffenen Studienwahl dieses Berufes bestätigt zu werden. Ich möchte aus diesen 10 miterlebten Schulalltagen Kraft, Mut und Durchhalte­vermögen für diesen als allgemein nicht besonders leicht geltenden Studiengang zu schöpfen. Des Weiteren möchte ich soviel wie möglich Erfahrungen sammeln seitens oder anhand des Lehrerauftretens und vor allem hinsichtlich der Schülerreaktionen. Ein guter Lehrer fällt bekanntlich nicht vom Himmel. Um die „richtige Mischung“ aus Wissensvermittler, Päda­goge und „Freund“ herauszubekommen, bedarf es neben charakterlicher und fachlicher Kom­petenz der notwendigen Motivation und einem qualifizierten Abschluss ganz wesentlich auch noch einer jahrelangen Berufserfahrung sowie einer hinreichenden Menschenkenntnis.

Für beides zuletzt Erwähnte sehe ich in diesem Praktikum einen wesentlichen Grundstein. Der Unterricht soll nun einmal aus einer gänzlich anderen Perspektive miterlebt werden. Ich erhoffe mir seitens der agierenden Lehrer auch ehrlich gesagt eine „andere Behandlung“ als zu meiner eigenen Schulzeit – vielleicht sogar als Kollegin in spe? Auch im ersten Umgang mit Schülern möchte ich mich testen, um das wichtige Gefühl dafür zu schulen und so zukünftig ein patenter Lehrer werden zu können.

3. Der erste Schultag

Um Punkt 7.30 Uhr trafen sich meine Kommilitonen und ich im unteren Flur zum gemein­samen Hospitationspraktikum im Rahmen des Seminars „Einführung in die Schulpädagogik“ in jener sportbetonten Gesamtschule.

Die erste halbe Stunde nutzte unsere Seminarleiterin Frau xxx, die uns durch diese erste schul­praktische Erfahrung des Lehramtsstudiums begleiten und betreuen wird, um noch ein paar wenige organisatorische Fragen im Vorfeld zu klären und den Rahmenzeitplan für die kommenden Tage und Wochen festzulegen.

Dabei verweilten wir in einem Raum, der uns eigens zum Aufenthalt in den Pausen von der Schulleitung zur Verfügung gestellt wurde. Da viele Praktikanten extra aus ferneren Umland zu früher Schulzeit anreisen müssen, ist dies eine recht gute Möglichkeit, die Zeit dort im Rahmen der durch den Sport sehr „löchrigen“ Stundenpläne sinnvoll zum Lesen etc. zu nutzen.

Eine halbe Stunde später - ca. gegen 8.00 Uhr - trat dann schließlich bis zur Frühstückspause kurz vor 10.00 Uhr Frau xxx, die stellvertretende Direktorin, zu unserer Gruppe hinzu und erklärte uns alle übrigen wichtigen und informativen Notwendigkeiten zur erfolgreichen Absolvierung unseres Praktikums.

Ihre Ausführungen über die sportbetonte Gesamtschule reichten über allgemein wissenswerte Besonderheiten und einem Profilabriss der Institution bis hin zum anfangs recht komplizierten Verstehensprozess der Stundenplansystematik. Durch die sechs vertretenen Sportarten an der Gesamtschule stellt es sich natürlich Jahr für Jahr als große Herausforderung für die Schulleitung und die Trainer dar, den Sport im Rahmen des Unterrichts für jeden Schüler in den Stundenplan zeitlich sinnvoll einzubetten.

Meine Kommilitonen und ich konnten uns dann nach freier Wahl in Zweiergruppen zusam­men finden, die dann auch gleichzeitig das gemeinsam in derselben Klasse hospitierende Team waren. Schließlich erfolgte die durch Frau xxx geleitete Zuteilung der Klassen. Zur Auswahl standen die Stufen 7 bis 9. Als selbst aktive Fußballerin des 1. FFC Turbine Pots­dam wählte ich mir die Klasse 8/1 aus, welche sich aus Fußballerinnen und Schwimmern zusammensetzt. Der Vormittagsunterricht war bereits zu Ende, als Frau xxx uns nun endlich in die Klassen schickte. Ich war schon voller vorfreudiger Erwartungen und sehr gespannt im Hinblick auf die bevorstehenden 2 Wochen. Da meine Teamkollegin an diesem Tag jedoch noch arbeiten musste, stand der erste Gang in die Klasse zu den Nachmittagsstunden Deutsch und Englisch sowie mein Vorstellen der Klassenleiterin und Schülerschaft gegenüber allein zu Buche. Zugegebenermaßen empfand ich eine große innere Aufregung und war froh, als der Schauer der ersten Vertrautheit schließlich überwunden war. Frau xxx, die Lehrerin, empfing mich sehr nett und aufgeschlossen per Handschlag, sodass wir schnell ins Gespräch kamen.

Über ihr Vertrauen war ich sehr erfreut, sodass sie mich bereits gleich am ersten Tag damit beauftragen wollte, den an einem für Mittwoch geplanten Theaterbesuch nicht teilnehmenden Rest der Klasse bei einer Deutschaufgabe betreuend zu übernehmen. Ich willigte sofort ein. Auch alle übrigen Lehrer, die ich am Folgetag kennenlernte, empfingen mich recht herzlich per Handschlag. Ich fühlte mich äußerst kollegial behandelt und aufgenommen, was mich ein wenig mit Stolz erfüllte. Wenn ich jedoch gemeinsam mit der Klasse von Stunde zu Stunde durch das Schulhaus eilend die Räume wechselte, fühlte ich mich nur allzu häufig in meine eigene Schulzeit zurück versetzt. Am Vertretungsplan begegnete ich Schülern, die gleichaltrig oder gar noch älter waren als ich selbst und gerade dabei sind, ihr Abitur abzulegen. Das ist schon ein komisches Gefühl gewesen. Ich fühlte mich wie in Zeiten der Pubertät, in der man ja bekanntlich „weder Fisch noch Fleisch ist“. Ähnlich erging es mir in meiner Prakti­kantenrolle an dieser Schule: Denn Schüler bin ich nicht mehr und Lehrer bin ich noch nicht. Alles in allem verlebte ich einen einprägsamen ersten Tag, der Vorfreude auf die kommenden Erlebnisse weckte.

4. Spezifik der Lernsituation

4.1. Besonderheiten der Schule

Zu den speziellen Aufnahmekriterien der Eliteschule zählen die sportliche Empfehlung durch einen Landesverband, eine sportärztliche Untersuchung sowie gute bisherig erzielte schu­li­sche Leistungen. Wie in obigen Ausführungen bereits erwähnt, schreibt sich die Sportschule eine Ganztagsbetreuung der Schülerschaft auf die Fahnen. Dies schließt die mögli­che Einbet­tung von Förderunterricht, Hausaufgabenstunden, die aktive Mitgliedschaft im Chor oder auch die Arbeit im nahegelegenen Schülercafé ein. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, sich auch künstlerisch in der „Kreativbude“ oder musisch im Instrumentalun­terricht zu verwirklichen. Das umfangreiche Rahmenprogramm, welches eine kreative Gestal­tung der Nachmittagsstunden ermöglicht, wird nicht zuletzt durch ein mögliches Engagement in der Bibliothek ergänzt.

In der Sekundarstufe 1 wird von der Schule als erste Fremdsprache Englisch angeboten. Es folgen später wahlweise Französisch oder Russisch. Unter dem sogenannten „Wahlpflicht­unterricht 1“, der in den Stundenplänen als WP 1 zur Geltung kommt, ist der Sport im Rahmen des Schulunterrichts in der jeweiligen Spezialsportart zu verstehen. Die im Porträt aufgeführte leistungsdifferenzierte Unterrichtsmethodik (G- und E-Kurse) sei an dieser Stelle erneut erwähnt. Lehrer klagten im Laufe unseres Aufenthalts an der Schule des Öfteren über das niedrige Leistungsniveau sowie die mangelhafte Disziplin in vielen G-Kursen, deren Niveau dem gängiger Regelschulen in etwa gleich kommt.

Zu den Besonderheiten der Sekundarstufe 2 zählt zweifelsohne das Fach „Sport Leistungs­kurs“ sowie der mögliche Erwerb von diversen Sportlizenzen in den Sportarten. Auch die im Porträt aufgeführten besonderen Fächer „Darstellendes Spiel“ sowie „Medien und Kommuni­kation“ eröffnen den Schülern sehr spezielle und individuelle Richtungen zu deren Verwirk­lichung und Persönlichkeitsentwicklung. Die Trainingseinheiten am Vormittag erschweren das Lernen der Kadersportler ohne Frage im Vergleich zu ihren nicht leistungssportlich aktiven Mitschülern. Deshalb wird ihnen eine individuelle zusätzliche Betreuung geboten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Bericht zum Hospitationspraktikum an einer Eliteschule des Sports in Brandenburg
Untertitel
Beobachtungsschwerpunkt: Das geschlechtsspezifische Durchsetzungsvermögen von Lehrkräften gegenüber ihren männlichen und weiblichen Schülern
Hochschule
Universität Potsdam  (Humanwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Einführung in die Schulpädagogik
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V178833
ISBN (eBook)
9783656012559
ISBN (Buch)
9783656012733
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bericht, hospitationspraktikum, eliteschule, sports, brandenburg, beobachtungsschwerpunkt, durchsetzungsvermögen, lehrkräften, schülern
Arbeit zitieren
Annabelle Senff (Autor), 2003, Bericht zum Hospitationspraktikum an einer Eliteschule des Sports in Brandenburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178833

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