Entscheidet in der BRD der soziale Status bzw. Bildungsstand der Herkunftsfamilie, welche Schul- und Bildungsabschlüsse erzielt werden können?


Essay, 2008
9 Seiten

Leseprobe

Das deutsche Bildungssystem: Soziale Herkunft statt Leistung gefragt?

Die Abhängigkeit zwischen der sozialen Herkunft und den Bildungschancen ist in Deutschland ein vielschichtiges und kontrovers diskutiertes Themengebiet. Niemand darf in der Bundesrepublik auf Grund seiner Herkunft benachteiligt oder gar vernachlässigt werden. Dieser Grundsatz der Chancengleichheit wird durch die freiheitlich demokratische Grundordnung, welche im Grundgesetz festgeschrieben ist, garantiert.

Unter Chancengleichheit versteht man die Förderung aller, gemäß ihren Fähig- und Fertigkeiten. Dies beinhaltet insbesondere die Bereitstellung von äquivalenten Voraussetzungen zum Erwerb höherer Schul- und Bildungsabschlüsse. Leistungsfremde Merkmale, wie Geschlecht, Nationalität oder soziale Herkunft, stellen bei dieser Selektion innerhalb des Bildungssystems lediglich eine untergeordnete Rolle dar. Studien und Prognosen verweisen jedoch deutlich auf die derzeit existierende Chancenungleichheit innerhalb unseres deutschen Bildungssystems. Im Besonderen werden die bildungsspezifischen Benachteiligungen von Kindern mit Migrationshintergrund, im Vergleich zu anderen Industriestaaten, in zahlreichen international angelegten Vergleichen thematisiert und hervorgehoben.

Bildungsspezifische Chancenungleichheit wird in der Bundesrepublik Deutschland durch die Abhängigkeit der Schul- und Bildungsabschlüsse der Kinder mit dem sozialen Status bzw. dem Bildungsstand ihrer Eltern, versinnbildlicht. Individuelle Begabungen und Fähigkeiten werden zu Gunsten der sozialen Herkunft abgewertet und vernachlässigt. Im Speziellen wirft der aktuell existierende und zukünftig zu erwartende Fachkräftemängel in der Bundesrepublik Deutschland die Fragestellung auf, in wieweit und wie lange wir es uns noch erlauben können, in derartig verschwenderischer Art und Weise mit klugen, erfinderischen jungen Menschen umzugehen. Dabei ist es unerheblich, ob dieses geistige Potential den bildungsbürgerlich- privilegierten oder den sozial- benachteiligten Elternhäusern entstammt. Durch die derzeit bestehende Chancenungleichheit lässt die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland ein unvorstellbares Maß an Ideen und Innovationen ungenutzt verstreichen.

In diesem Zusammenhang wird im Folgenden die These der Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem auf Grund unterschiedlicher sozialer Herkunft, im Hinblick auf die Gesamtsituation in unserer heutigen modernen Gesellschaft kritisch aufgegriffen und beurteilt. Im Schwerpunkt wird anhand der Zahlen und Fakten gegenwärtiger Studien die Aktualität dieser Behauptung herausgearbeitet.

Die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem: Eine „unentschuldbare Ungerechtigkeit“

Die Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem, welche durch die starke Abhängigkeit von sozialer Herkunft und erreichten Schulabschluss hervorgerufen wird, spiegelt sich in einer Vielzahl von Studien und Prognosen wieder.

So belegt die jüngste IGLU- Studie, welche das Leseverhalten von Grundschülern untersucht, dass trotz Verbesserungen im Vergleich zur letzten Erhebungen, ein zehnjähriges Kind aus der Oberschicht über eine mehrfach höhere Erfolgschance bei seinem weiteren Bildungsweg verfügt, als ein Kind aus der Unterschicht. Verantwortliche verwiesen hier auf die hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland als Ursächlichkeit dieser Diskrepanz. Auch das Beispiel der Familien- Studie, dessen Forschung sich auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie konzentriert, zeigt, dass in der Bundesrepublik trotz vergleichsweise hoher Finanzhilfen für Familien, mehr Kinder in Armut aufwachsen als in den meisten anderen Industriestaaten. Deutschland investiert zwar überdurchschnittlich stark in Kindergeld und Steuererleichterungen, gibt im internationalen Vergleich aber insgesamt weniger Geld für Angebote zur Kinderbetreuung aus. Bildungsberichte zeigen deutlich, dass der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt rückläufig ist. Zwar wurden in Deutschland im Jahr 2006 mit insgesamt 142,9 Milliarden Euro, unter Berücksichtigung betrieblicher und privater Leistungen, fast 15 Milliarden Euro mehr für Bildung ausgegeben als noch im Jahr 2005. Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt ging jedoch von 6,9% im Jahr 1995 auf 6,3% im Jahr 2005 und 6,2% im Jahr 2006 zurück. Im internationalen Vergleich lag dieser Index unter dem OECD- Durchschnitt.

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Details

Titel
Entscheidet in der BRD der soziale Status bzw. Bildungsstand der Herkunftsfamilie, welche Schul- und Bildungsabschlüsse erzielt werden können?
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Autor
Jahr
2008
Seiten
9
Katalognummer
V178853
ISBN (eBook)
9783656009603
ISBN (Buch)
9783656010241
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problemstellung, bundesrepublik, deutschland, status, bildungsstand, herkunftsfamilie, schul-, bildungsabschlüsse, kindern
Arbeit zitieren
Susanne Lossi (Autor), 2008, Entscheidet in der BRD der soziale Status bzw. Bildungsstand der Herkunftsfamilie, welche Schul- und Bildungsabschlüsse erzielt werden können?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178853

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