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Repräsentation, Sichtbarkeit und Schein am mittelalterlichen Hof - Die Trübung der Sichtbarkeit

Title: Repräsentation, Sichtbarkeit und Schein am mittelalterlichen Hof - Die Trübung der Sichtbarkeit

Seminar Paper , 2002 , 19 Pages , Grade: 3

Autor:in: Kamila Urbaniak (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

In meiner Hausarbeit möchte ich darstellen, von welcher Bedeutung Sichtbarkeit
höfischer Ordnung und Kultur war und welche Funktionen sie erfüllte.
Das gesellschaftliche Leben am königlichen Hof unterlag einem festen Protokoll, das
besonders bei feierlichen Anlässen in Erscheinung trat. Zu besonderen Anlässen zählten
Krönungen, Hochzeiten und Schwereleiten. Anhand von Beispielen aus den uns im
Seminar bekannt gewordenen Werken möchte ich ein paar prägnante Ereignisse
heranziehen, die uns die Bedeutung der Sichtbarkeit näher bringen.
Im zweiten Teil meiner Hausarbeit möchte ich anhand des

zeigen,
dass auch die höfische Sichtbarkeit manipuliert und verfälscht werden konnte.
Konsequenzen dieser Manipulationen zeigten sich in Konflikten, die sich im Laufe der
Zeit immer mehr steigerten und es schließlich doch zu dem unvermeindlichen Bruch
kam. „



.“ (Str. 2378, I - Nl.)
Jan-Dirk-Müller drückt dies folgendermaßen aus: „ Wenn alle Verstellung beseitigt ist
und alles, was die Sicht verstellen könnte, aus dem Weg geräumt, gibt es auch nichts
mehr zu sehen.“1
Regeln der Sichtbarkeit in der nibelungischen Welt und Aspekte des miteinander
Handelns im
insgesamt zu beschreiben, wäre eine Aufgabe, die den
Rahmen der Hausarbeit überschreiten würde. Daher richteten sich die Überlegungen
auf wenige signifikante Einzelphänomene. Diese Hausarbeit könnte noch im Weiteren
ausgearbeitet werden und sich dem zweiten Teil des Werkes widmen.
Überlegungen dieser Hausarbeit stellen vielleicht ein Grundgerüst für weitere Analysen
dar, die noch vertieft werden könnten.
1 Jan-Dirk Müller: Spielregeln für den Untergang: die Welt des Nibelungenliedes. Tübingen
1998, S. 249.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche Hintergründe

3. Untergang der Sichtbarkeit im Nibelungenlied

3.1. Die Steigbügelszene

3.2. Auslegungen der Steigbügelszene in der Forschung

3.3. Zusammenfassende Überlegungen zu der Steigbügelszene

3.4. Die Kampfszene um Brünhilds Hand

3.5. Wie Brünhild in Worms empfangen wurde

3.6. Die Bedeutung der Standeslüge

3.7. Ring und Gürtel als Memorialzeichen

4. Schluß

5. Bibliographie

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Sichtbarkeit, höfischer Repräsentation und dem daraus resultierenden Schein am Beispiel des Nibelungenliedes. Dabei wird analysiert, wie Manipulationen und Täuschungsmanöver – insbesondere durch Zeichensetzung und Rollenverteilung – zu schwerwiegenden Konflikten und letztlich zum Untergang der höfischen Ordnung führen.

  • Die Bedeutung der höfischen Sichtbarkeit und ihre Funktionen.
  • Die Analyse der „Steigbügelszene“ als zentrales Täuschungsmanöver.
  • Die Problematik von Schein und Sein in der höfischen Welt.
  • Die symbolische Funktion von Ringen und Gürteln als Memorialzeichen.
  • Die Auswirkungen von Fehlinterpretationen visueller und sozialer Codes.

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Steigbügelszene

An dieser Stelle möchte ich die 7. Aventiure, die Steigbügelszene des Nibelungenliedes als erstes Beispiel der Täuschung beschreiben.

Diese Szene zeigt uns die ersten Anzeichen dafür, dass Konflikte sich in der Manipulation und in der Verfälschung ansammeln und sich dann entladen können, das Ende kann sehr verheerend sein.

Die Helden landen auf Island und erblicken schon von weitem die Königin Brünhild und die schönen Jungfrauen. Obwohl Gunther Brünhild noch nie gesehen hat, erkennt er sie an ihrer Schönheit und an ihrer wunderschönen schneeweißen Kleidung.

Als die Königin die edlen Ritter erkennt, gibt sie ihren edlen Jungfrauen den Befehl, von den Fensternischen wegzutreten. Sie gehorchen und machen sich schön, um sich auf das Zusammentreffen mit den edlen Rittern vorzubereiten. Anschließend spähen sie wieder vom Turm herunter und erkennen vier edle Ritter. Siegfried, der Gunther ebenbürtig ist, demonstriert eine fiktive Unterordnung. Im Zuge der Werbung um Brünhild erfolgt eine fatale Verwirrung der natürlichen und ständischen Ordnung durch das Täuschungsmanöver, das inszeniert wird. Durch die sogenannte Vasallitätsgeste täuscht er die Königin und die edlen Jungfrauen. Vor ihren Augen führt er Gunthers Pferd aus dem Schiff, hilft Gunther in den Steigbügel und hält das Pferd am Zaum bis Gunther im Sattel sitzt. Anschließend führt er sein Pferd aus dem Schiff. Was Siegfried da tat, war eine Rechtshandlung: der Steigbügeldienst, das officium stratoris et strepae, ist Vasallenpflicht (er wird als solche etwa in den lehnsrechtlichen Bestimmungen des „Sachsenspiegels“ erwähnt). Es gibt also in der nibelungischen Welt, und nicht nur dort, Zeichen, die für etwas Bestimmtes stehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Interesse an der Bedeutung höfischer Sichtbarkeit und kündigt die Analyse von Manipulationsvorgängen im Nibelungenlied an.

2. Geschichtliche Hintergründe: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des höfischen Zeremoniells und des neuen Symbolsystems während der Zeit der Residenzbildung im 12./13. Jahrhundert.

3. Untergang der Sichtbarkeit im Nibelungenlied: Dieses zentrale Kapitel analysiert anhand verschiedener Episoden (Steigbügelszene, Brautwerbung, Ehevollzug, Zeichenraub), wie die Manipulation von Sichtbarkeit zum sozialen Zerfall führt.

4. Schluß: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass die Fehldeutung von Symbolen und die bewusste Desinformation zwangsläufig in eine Katastrophe münden.

5. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Nibelungenlied, Sichtbarkeit, höfisches Zeremoniell, Repräsentation, Schein und Sein, Steigbügelszene, Vasallitätsgeste, Täuschung, Memorialzeichen, Konfliktpotenzial, Machtdarstellung, Brünhild, Siegfried, höfische Welt, Symbolsystem.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie das mittelalterliche Ideal der höfischen Sichtbarkeit und Repräsentation im Nibelungenlied gezielt manipuliert wird, um soziale Verhältnisse zu verschleiern oder Machtansprüche vorzutäuschen.

Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?

Im Fokus stehen das höfische Protokoll, die Symbolik von Gesten (wie der Vasallitätsgeste) und Objekten sowie die verheerenden Folgen, die aus der Fehlinterpretation dieser Zeichen resultieren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Auseinanderklaffen von Sein und Schein zu einem „Untergang der Sichtbarkeit“ führt, der den sozialen Frieden am Hof zerstört.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die das Nibelungenlied anhand ausgewählter „Aventiuren“ (Ereignisse) im Kontext historischer und mediengeschichtlicher Forschungsergebnisse interpretiert.

Was ist der Inhalt des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der geschichtlichen Hintergründe des Hofwesens und eine detaillierte Analyse spezifischer Schlüsselszenen wie der Steigbügelszene, des Brautwerbungsbetrugs und des Streits um Memorialzeichen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Sichtbarkeit, Täuschung, höfisches Zeremoniell, Standeslüge und Memorialzeichen definiert.

Welche Rolle spielt die Steigbügelszene in der Argumentation?

Sie fungiert als das primäre Täuschungsmanöver, bei dem Siegfried durch eine pantomimische Vasallitätsgeste ein falsches Bild seiner sozialen Ordnung gegenüber Gunther vermittelt.

Warum sind Ring und Gürtel für die Eskalation entscheidend?

Diese Gegenstände fungieren als Memorialzeichen für einen nicht stattgefundenen Ehebruch; ihre Dekontextualisierung und Präsentation vor der Öffentlichkeit führen zur irreparablen Entstellung des Rufs der Königin.

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Details

Title
Repräsentation, Sichtbarkeit und Schein am mittelalterlichen Hof - Die Trübung der Sichtbarkeit
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Course
GKC - Ältere deutsche Literatur
Grade
3
Author
Kamila Urbaniak (Author)
Publication Year
2002
Pages
19
Catalog Number
V17889
ISBN (eBook)
9783638223423
Language
German
Tags
Repräsentation Sichtbarkeit Schein Trübung Sichtbarkeit Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kamila Urbaniak (Author), 2002, Repräsentation, Sichtbarkeit und Schein am mittelalterlichen Hof - Die Trübung der Sichtbarkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17889
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