Die Idee zu dieser Seminararbeit entstand im Seminar „Fernsehen im digitalen Zeitalter“. Im Rahmen des Seminars las ich verschiedene medientheoretische Texte, welche sich über den Zeitraum der 1960er Jahren bis heute erstreckten und sich mit verschiedenen Thesen, Theorien und Entwicklungsszenarien des Fernsehers selbst beschäftigten und Fernsehen in der Kombination mit der neuen Technologie der Digitalisierung, dem Computer und dem Internet behandelten. Durch die unterschiedlichen Entstehungszeitpunkte wurden in diesen Texten verschiedene Szenarien und Ideen vorgestellt, was ich als spannend empfand. Die heutige Entwicklung von Fernsehen und Computer bzw. Internet interessierte mich von Beginn an am stärksten, da ich mich mit diesen Medien täglich selbst auseinandersetze. Mit diesem Ausgangspunkt begann ich die Literaturrecherche zum Thema „Digitalisierung des Fernsehens“. Hierbei stiess ich oft auf die Begriffe Konvergenz, Interaktivität, Revolution und Evolution. Besonders in der Literatur, welche sich mit der Digitalisierung des Fernsehens und der Entwicklung des Internets in den 1990er Jahren beschäftigte, war viel von einer medialen Revolution, einem alles verändernden Umbruch, die Rede. In den Texten, welche im neuen Jahrhundert verfasst worden waren, wurde eher von einer langsamen Entwicklung gesprochen - die Thesen waren zurückhaltender. Dies schien mir ein sehr interessanter Kontrast und ich stellte mir für die Seminararbeit die Frage, ob die Digitalisierung des Fernsehens bzw. die Annäherung von Computer (hier vor allem das Internet) und Fernsehen eher eine Revolution oder eine Evolution ist. Die Begriffe Konvergenz und Interaktivität spielen hierbei eine zentrale Rolle, weswegen sie auch besprochen werden sollen. Zuerst werde ich den Fernseher, den Computer und das Internet genauer betrachten und auf die Digitalisierung zu sprechen kommen. Davon ausgehend sollen dann die Begriffe Konvergenz und Interaktivität erläutert und die Frage, ob es sich um eine Revolution oder eine Evolution handelt, beantwortet werden. Bei allen Betrachtungen liegt der Fokus auf der Gesellschaft und dem Rezipienten. Einige technische Erklärungen sind zwar für das Verständnis von Nöten, die Technik und ihre Details sollen jedoch nicht im Zentrum stehen. Die von mir ausgewählte Literatur bezieht sich zum grössten Teil auf die Entwicklung im deutschsprachigen Raum, hauptsächlich Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Fernseher.
2.1. Historischer Überblick
2.2. Digitalisierung
2.3. Das Publikum - Der Rezipient
3. Der Computer
3.1. Historischer Überblick
3.2. Der Nutzer
4. Das Internet
4.1. Historischer Überblick
4.2. Der User
5. Digitalisierung: Revolution oder Evolution?
5.1. Konvergenz und Interaktivität
5.1.1. Konvergenz
5.1.2. Interaktivität
5.2. Thesen, Theorien und Prognosen
5.3. Tatsächliche Entwicklung
5.3.1. Der Rezipient
6. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die zentrale Forschungsfrage, ob die Digitalisierung des Fernsehens sowie die zunehmende Annäherung von Computer und Internet eher als mediale Revolution oder als eine langsame Evolution zu betrachten sind. Dabei wird besonders der Einfluss der technologischen Konvergenz auf die Rolle des Rezipienten und das gesellschaftliche Mediennutzungsverhalten analysiert.
- Historische Entwicklung von Fernsehen, Computer und Internet.
- Medientheoretische Einordnung von Digitalisierungsprozessen.
- Analyse der Konzepte Konvergenz und Interaktivität.
- Untersuchung der Rolle des Rezipienten als "Couch-Potato" oder aktiver Nutzer.
- Kritische Bewertung von Zukunfts- und Transformationsprognosen.
Auszug aus dem Buch
2.3. Das Publikum - Der Rezipient
„Das Fernsehen [hat] (fast) weltweit in wenigen Jahrzehnten eine Medien - und also Kulturrevolution sondergleichen bewirkt.“ (Hörisch 2004, S. 361) Denn dem Zuschauer wird „eine glaubwürdige, aber nicht konsenspflichtige Realität vorgeführt[…]. Obwohl in derselben Welt lebend (es gibt keine andere), wird der Zuschauer keinen Konsenszumutungen ausgesetzt. Ihm steht es frei, zuzustimmen oder abzulehnen.“ (Luhmann 1995, S. 45) Das frühe Fernsehen erlaubte als Ereignismedium „second order observation“25: Da noch nicht jedes Familienmitglied ein eigenes Fernsehgerät besass und das Fernsehen zudem ein neues, spannendes Ereignismedium war, beobachtete man im vertrauten Kreis, was und wie andere beobachten.
Da das Fernsehgerät bis 1984 als Prestigeobjekt angesehen wurde versammelte sich die ganze Familie und die fernsehlosen Nachbarn im Wohnzimmer - als zentraler Ort des Geschehens - vor dem altargleichen Fernseher. Fernsehen war also eine aktive, gemeinschaftliche Tätigkeit und ein häusliches Phänomen. Das begrenzte Programm bot Anknüpfungspunkte für weitere Kommunikation z.B. mit Schul- oder Arbeitskollegen am nächsten Tag. Mitte der Sechzigerjahre wandelte sich der Fernseher vom Luxus- zum Massenobjekt und der Trend zur Pluralisierung der Lebensstile und die damit einhergehende Individualisierung veränderten auch das Rezeptionsverhalten gegenüber dem Fernseher: Mit der allmählichen Gewöhnung und der Freigabe der Privatkanäle entwickelte sich das Fernsehen schliesslich zum Tagesbegleitmedium.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach einer medialen Revolution oder Evolution bei der Digitalisierung des Fernsehens und erläutert den Fokus auf den Rezipienten.
2. Der Fernseher.: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss, beschreibt die Digitalisierungstechnik und analysiert die sich wandelnde Rolle des Zuschauers vom aktiven Teilhaber hin zum "Couch-Potato".
3. Der Computer: Der Abschnitt skizziert die historische Entwicklung des Computers und analysiert das Profil des Computernutzers, der als aktiver "Pull-Medium"-Anwender charakterisiert wird.
4. Das Internet: Hier wird die historische Entstehung des Internets beleuchtet und das Verhalten des Users im Vergleich zum traditionellen Fernsehpublikum gegenübergestellt.
5. Digitalisierung: Revolution oder Evolution?: Das Hauptkapitel analysiert die Begriffe Konvergenz und Interaktivität, prüft theoretische Prognosen gegen die tatsächliche Entwicklung und beleuchtet detailliert die Rolle des Rezipienten.
6. Schlussfolgerungen: Dieses Kapitel zieht das Fazit, dass es sich bei den aktuellen Entwicklungen eher um eine digitale Evolution handelt und bewährte Kernfunktionen des Fernsehens stabil bleiben.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Fernsehen, Internet, Konvergenz, Interaktivität, Revolution, Evolution, Rezipient, Massenmedien, Individualisierung, Mediennutzung, Community, Technologie, Medienwissenschaft, Medienwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob die Digitalisierung des Fernsehens und die Annäherung an Computer- und Internetmedien als eine revolutionäre Umwälzung oder als kontinuierliche evolutionäre Entwicklung zu bewerten ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit umfasst die medientheoretische Analyse von TV, PC und Internet sowie die Erörterung von Konvergenzphänomenen und veränderten Publikumsrollen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Kernfrage ist, ob die Annäherung von Fernsehen und Internet eine mediale Revolution darstellt oder ob sich das Fernsehen als Medium trotz technischer Neuerungen in einer langsamen Evolution behauptet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte medientheoretische Seminararbeit, die verschiedene Fachtexte und Prognosen der 1990er und 2000er Jahre im Vergleich zur tatsächlichen Entwicklung bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische und nutzerorientierte Analyse von Fernseher, Computer und Internet sowie die theoretische und empirische Untersuchung von Konvergenz und Interaktivität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Digitalisierung, Konvergenz, Evolution, Rezipient, Interaktivität und die Unterscheidung zwischen "Lean Back"- und "Lean Forward"-Nutzung.
Was meint der Begriff "rezeptive Konvergenz" im Kontext der Arbeit?
Damit ist das veränderte Nutzungsverhalten der Konsumenten gemeint, das durch die zunehmende technologische Annäherung der verschiedenen Medienwelten beeinflusst wird.
Warum kommt die Autorin zu dem Schluss, dass keine Revolution stattgefunden hat?
Die Autorin argumentiert, dass die Nutzergewohnheiten stabil geblieben sind und die Passivität des Publikums ("Couch-Potato") ein wesentlicher Anreiz zur Mediennutzung bleibt, der durch technische Interaktivität allein nicht ersetzt wird.
- Citation du texte
- Nina Ratavaara (Auteur), 2008, Die Digitalisierung des Fernsehens als Revolution oder Evolution: Die Rolle des Rezipienten und Veränderungen durch Konvergenz und Interaktivität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178928