Vergleich der Zeitauffassung von Augustinus und McTaggart


Hausarbeit, 2010

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Augustinus
2.1. Augustinus Leben und Wirken
2.2. Augustinus Widerspruch
2.3. Augustinus Zeittheorie

3. McTaggart
3.1. McTaggart Leben und Werke
3.2. Begrifflichkeiten in McTaggarts Zeittheorie
3.3. McTaggarts Zeittheorie

4. Vergleich

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff der Zeit ist einer der wichtigsten Grundbegriffe der Menschheit. Ein zeitliches Verständnis ist wichtig für das Bestehen des Einzelnen und für die Gemeinschaft. Ohne Zeit kann es weder ein historisches Erfassen, eine soziale Verständigung und somit keine Kultur im menschlichen Sinne geben. Zeit ist ein alltäglicher Begriff, der in jeder Epoche und in jeder Region eine grundlegende Rolle im menschlichen Verständnis spielt.

Auch in der Philosophie ist der Begriff der Zeit eine wichtige Komponente. Mittlerweile gibt es eine ganze Disziplin der Zeitphilosophie. Schon in den Anfängen der westlichen Philosophie wurde über Zeit diskutiert. So ist Platons Spätdialog Timaios die erste zusammenhängende Zeittheorie in der europäischen Geschichte.1 Dies war aber nur der erste Auslöser für die Zeitphilosophie. Denn viele bedeutende Philosophen beschäftigten sich im Laufe der Jahrhunderte mit dem Wesen der Zeit. Beispielweise Aristoteles, Plotin, Kant, Leibniz oder Heidegger. Auch bekannte Naturwissenschaftler wie Newton oder Einstein haben entscheidenden Anteil an den einzelnen Zeittheorien. Bis heute ist noch kein einheitlicher Zeitbegriff entstanden und deshalb Bedarf es weiterhin der Analyse des grundlegenden und alltäglichen Begriffes der Zeit.

Der Begriff der Zeit soll auch hier im Mittelpunkt stehen. Ziel ist es aber nicht, eine grundsätzliche Bestimmung des Begriffs zu liefern. Ebenfalls soll sich nicht mit den einzelnen Zeitauffassungen der genannten Philosophen beschäftigt werden. Ziel ist es stattdessen, zwei verschiedene Zeitauffassungen von zwei Philosophen miteinander zu vergleichen. Namentlich sind dies die Zeittheorien des spätantiken Philosophen und Kirchenvater Augustinus von Hippo und des neuzeitlichen, englischen Philosophen John McTaggart Ellis McTaggart. Dieser Vergleich ist zunächst wenig ersichtlich. Immerhin trennen beide Philosophen mehr als 14 Jahrhunderte. Die Lebensweisen in der Spätantike sind mit denen im beginnenden 20. Jahrhundert nicht zu vergleichen und somit auch nicht die Denkweisen der beiden Philosophen. Denn die Denkweisen werden erheblich von den Lebensumständen beeinflusst. Es soll aber versucht werden, ein Vergleich der Zeittheorie außerhalb der jeweiligen historischen Umstände aufzustellen.

Die Arbeit gliedert sich in drei große Abschnitte. Zunächst wird ein Abschnitt über Augustinus folgen. Hier wird kurz auf das Leben des Philosophen eingegangen und er wird zeitlich eingeordnet. Anschließend soll seine Theorie der Zeit aufgeschlüsselt werden. Im zweiten Teil wird dies mit McTaggart geschehen. Auch wird zunächst kurz auf das Leben und dann auf die Zeittheorie eingegangen. Dann folgt der Vergleich zwischen beiden Theorien.

Hier soll die Frage beantwortet werden, worin die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zwischen beiden Theorien bestehen. Und es wird versucht, grundsätzliche Kriterien für eine Analyse der Zeit herauszuarbeiten, weshalb Augustinus und McTaggarts Theorie als Beispiele fungieren. Eine Bewertung der Argumente der Philosophen soll nicht Teil sein, da die Theorien nur dargestellt und verglichen werden. Ein Fazit schließt die Arbeit ab und fasst das Gesagte zusammen.

2. Augustinus

Der antike Philosoph Augustinus und dessen Zeitlehre sind der erste Gegenstand, mit dem sich beschäftigt wird. Zunächst wird kurz auf den Philosophen und sein Leben eingegangen, bevor danach dessen Zeittheorie dargelegt wird.

2.1. Augustinus Leben und Werke

Augustinus wurde 354 im damaligen Thagast, im heutigen Algerien geboren, und starb 430 ebenfalls in der Region des heutigen Algerien. Augustinus wurde in der Spätantike im römischen Reich geboren und war eine große Zeit seines Lebens der Bischof von Hippo. Augustinus Beitrag für die Philosophie ist zweifelsohne sehr groß. Er ist der bedeutendste Philosoph in der Umbruchphase von der Antike zum Mittelalter und ein bedeutender Schnittpunkt zwischen der antiken Philosophie und der christlichen Theologie. Wichtige Werke waren beispielweise die Schriften De Trinitate und De civitate dei, aber es sind noch viele weitere Schriften von Augustinus erhalten. Er ist somit nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ ein wichtiger Philosoph.

Augustinus ist zudem für seine Confessiones, also seine Bekenntnisse, bekannt. Sie entstanden zwischen 396 und 400. Diese sind ein autobiografisches Werk von Augustinus selbst und bestehen aus mehreren Büchern, weshalb wir über Augustinus Leben außerordentlich gut informiert sind. Philosophisch sehr interessant ist das Buch XI. Augustinus legt in diesem Buch seine Theorie von der Zeit und seine Memorialehre dar.

2.2. Augustinus Widerspruch

Augustinus erkennt bei seinem Gedankengang über die Zeit früh einen Widerspruch. Zunächst einmal ist die Zeit nach Augustinus eine alltägliche, grundlegende Erfahrung des Menschen. Menschen erfahren die Zeit und brauchen die Zeit für ihr Leben.2 Diese These stößt aber mit Augustinus Argumentation über die Zeit zusammen.

Nach Augustinus hat die Zeit mehrere Merkmale. Zum einen tritt die Zeit in drei Modi auf. Als vergangene, gegenwärtige und zukünftige (praeteritum, praesens und futurum) Zeit.3 Demnach hat die Zeit drei Formen, in denen wir sie wahrnehmen. Somit war die Zeit bereits oder sie ist gerade oder sie ist noch nicht. Diese drei Modi sind elementar für die Zeit. Er stellt aber die Frage, wie die Vergangenheit und die Zukunft existieren können, wenn die vergangene Zeit nicht mehr ist und die zukünftige Zeit noch nicht ist? Auch die Gegenwart, könne nicht als gegenwärtig bezeichnet werde, wenn diese nicht von der Zukunft in die Vergangenheit überginge. Die gegenwärtige Zeit zerfällt somit, sonst müsse die Gegenwart als Ewigkeit bezeichnet werden.4 Demnach habe die Zeit noch eine Eigenschaft, die die Modi charakterisiert, nämlich die Eigenschaft des Fließens. Die drei Modi der Zeit können also nur durch das Fließen bestimmt werden. Denn wenn sie feste Konstanten wären, dann könne man sie nicht als Zeit wahrnehmen.

Die drei Modi und die Eigenschaft fließen sind aber nur die Grundbestimmungen für Augustinus Zeitvorstellung. Denn es bleibt die Überlegung, dass die Modi vergangen und zukünftig nicht existent sind. Zeit, die vergangen ist, hatte einmal eine Existenz. Zeit, die zukünftig ist, wird einmal eine Existenz haben. Die gegenwärtige Zeit nimmt zwar eine „privilegierte Stelle“5 in der Zeittheorie ein, ist aber auch nicht existent. Denn sie ist dem Fließen untergeordnet und somit ist jeder Moment nur kurz existent. Dahingegen steht die Tatsache, dass man Zeit erfährt. Man hat ein Zeitgefühl und eine Zeitvorstellung, weshalb Augustinus durch seine Argumentation in einen Widerspruch gerät. Seine Argumentation, dass die Zeitmodi nicht oder nur kurz existent sind, kollidiert mit der alltäglich grundlegenden Verwendung von Zeit. Dieser Widerspruch zeigt sich besonders in der Quantifizierung von Zeit. Denn die Menschen messen Zeit, vergleichen die Zeitlängen und denken, dass eine Zeitspanne größer oder kleiner ist als eine andere.6

Augustinus fragt, wie man aber Zeit messen könne, wenn diese als vergangene und zukünftige Zeit keine Existenz hat und als gegenwärtige nur eine flüchtige?7 Seine Argumentation zeigt also, dass Zeit keine oder nur eine geringe Existenz hat, aber die alltägliche Handhabung beinhaltet, beziehungsweise benötigt Zeit. Hieraus resultiert auch Augustinus bekannter Ausspruch: „Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es; wenn ich esjemandem auf seine Fragen hin erklären will, weiß ich es nicht.“8

2.3. Augustinus Zeittheorie

Augustinus belässt seine Analyse der Zeit nicht bei dem aufgedeckten Widerspruch. Denn Augustinus entwickelt darauf eine Zeittheorie, die ihn in der Geschichte der Zeitphilosophie einen eminenten Platz einräumt. Er legt die Zeit nicht ausschließlich auf die kosmologischen Phänomene, wie die Planentenlaufbahnen fest, sondern platziert die Zeit in das Subjekt. Diese Auffassung war eine Neuerung gegenüber den Zeittheorien der altgriechischen Philosophen.

Augustinus findet in seiner Argumentation keinen eindeutigen Beweis für eine Existenz der Zeit. Dennoch müsse die Zeit irgendwo und in irgendeiner Form existieren. Augustinus verortet die Zeit dann in der Seele bzw. im Geist.9 Hiernach trete nach Augustinus die Zeit in drei verschiedenen Formen im Subjekt auf. Entweder als Gegenwart vom Vergangenen, als Gegenwart des Gegenwärtigen oder als Gegenwart des Zukünftigen. Die erste Form nennt er Erinnerung {memoria), die zweite Form Anschauung (intutius) und die letzte Form Erwartung (expectatio)10 Diese drei Formen sind nach Augustinus nicht in der Realität zu finden, sondern treten im Subjekt auf.

Die vergangene Zeit tritt demnach als Erinnerungen in Gedächtnis auf. Denn die Zeit, die wir erlebt haben hat keine reale Existenz mehr sondern existiert als Erinnerungen im Subjekt.11 Auch die zukünftige Zeit hat keine reale Existenz. Stattdessen existiert diese als Erwartung im Subjekt und wird von Augustinus in drei Formen beschrieben.

[...]


1 Vgl. Karen Gloy, Philosophiegeschichte derZeit. München 2008. S. 7.

2 Vgl. Augustinus, Confessiones. Buch XI, Kapitel XIV.

3 Vgl. Ebd. XI, Kapitel XVII.

4 Vgl. Ebd. XI, Kapitel XIV.

5 Gloy, Philosophiegeschichte. S. 109.

6 Ebd. XI, Kapitel XVI.

7 Vgl. Ebd. XI, Kapitel XVI. und Ebd. XI, Kapitel XXI.

8 Ebd. XI, Kapitel XIV.

9 Da Augustinus entweder animus (Geist) oder anima (Seele) verwendet ist eine genaue Übersetzung nicht möglich. Daher wird hier das Wort Subjekt oder Ich verwendet.

10 Vgl. Augustinus, Confessiones. XI, Kapitel XX.

11 Vgl. Walter Mesch, Reflektierte Gegenwart. Eine Studie über Zeit und Ewigkeit bei Platon, Aristoteles, Plotin und Augustinus. Frankfurt am Main 2003. S. 328.

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Details

Titel
Vergleich der Zeitauffassung von Augustinus und McTaggart
Hochschule
Universität zu Köln
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V178988
ISBN (eBook)
9783656013341
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeit, Augustinus, McTaggart, MacTaggart, Confessiones, Irrealität der Zeit, Zeitphilosophie, Vergleichshausarbeit, A-Reihe, B-Reihe, Subjektive Zeit, John McTaggart Ellis McTaggart, Antike Philosophie, Neuzeitliche Philosophie
Arbeit zitieren
Sven Wunderlich (Autor), 2010, Vergleich der Zeitauffassung von Augustinus und McTaggart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178988

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