Bis heute ist noch kein
einheitlicher Zeitbegriff entstanden und deshalb Bedarf es weiterhin der Analyse des
grundlegenden und alltäglichen Begriffes der Zeit.
Der Begriff der Zeit soll auch hier im Mittelpunkt stehen. Ziel ist es aber nicht, eine
grundsätzliche Bestimmung des Begriffs zu liefern. Ebenfalls soll sich nicht mit den einzelnen
Zeitauffassungen der genannten Philosophen beschäftigt werden. Ziel ist es stattdessen, zwei
verschiedene Zeitauffassungen von zwei Philosophen miteinander zu vergleichen. Namentlich
sind dies die Zeittheorien des spätantiken Philosophen und Kirchenvater Augustinus von
Hippo und des neuzeitlichen, englischen Philosophen John McTaggart Ellis McTaggart.
Dieser Vergleich ist zunächst wenig ersichtlich. Immerhin trennen beide Philosophen mehr
als 14 Jahrhunderte. Die Lebensweisen in der Spätantike sind mit denen im beginnenden 20.
Jahrhundert nicht zu vergleichen und somit auch nicht die Denkweisen der beiden
Philosophen. Denn die Denkweisen werden erheblich von den Lebensumständen beeinflusst.
Es soll aber versucht werden, ein Vergleich der Zeittheorie außerhalb der jeweiligen
historischen Umstände aufzustellen.
Die Arbeit gliedert sich in drei große Abschnitte. Zunächst wird ein Abschnitt über
Augustinus folgen. Hier wird kurz auf das Leben des Philosophen eingegangen und er wird
zeitlich eingeordnet. Anschließend soll seine Theorie der Zeit aufgeschlüsselt werden. Im
zweiten Teil wird dies mit McTaggart geschehen. Auch wird zunächst kurz auf das Leben und
dann auf die Zeittheorie eingegangen. Dann folgt der Vergleich zwischen beiden Theorien. Hier soll die Frage beantwortet werden, worin die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede
zwischen beiden Theorien bestehen. Und es wird versucht, grundsätzliche Kriterien für eine
Analyse der Zeit herauszuarbeiten, weshalb Augustinus und McTaggarts Theorie als Beispiele
fungieren. Eine Bewertung der Argumente der Philosophen soll nicht Teil sein, da die
Theorien nur dargestellt und verglichen werden. Ein Fazit schließt die Arbeit ab und fasst das
Gesagte zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Augustinus
2.1. Augustinus Leben und Wirken
2.2. Augustinus Widerspruch
2.3. Augustinus Zeittheorie
3. McTaggart
3.1. McTaggart – Leben und Werke
3.2. Begrifflichkeiten in McTaggarts Zeittheorie
3.3. McTaggarts Zeittheorie
4. Vergleich
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die unterschiedlichen Zeitauffassungen des antiken Philosophen Augustinus von Hippo und des neuzeitlichen Philosophen John McTaggart Ellis McTaggart anhand einer komparativen Analyse gegenüberzustellen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren jeweiligen Theorien herauszuarbeiten.
- Analyse des Zeitbegriffs bei Augustinus von Hippo
- Untersuchung der Zeittheorie von John McTaggart
- Vergleichende Gegenüberstellung der theoretischen Ansätze
- Diskussion der zentralen Widersprüche innerhalb der Zeitkonzepte
- Reflektion über die Bedeutung der Zeit als philosophisches Problem
Auszug aus dem Buch
2.2. Augustinus Widerspruch
Augustinus erkennt bei seinem Gedankengang über die Zeit früh einen Widerspruch. Zunächst einmal ist die Zeit nach Augustinus eine alltägliche, grundlegende Erfahrung des Menschen. Menschen erfahren die Zeit und brauchen die Zeit für ihr Leben. Diese These stößt aber mit Augustinus Argumentation über die Zeit zusammen.
Nach Augustinus hat die Zeit mehrere Merkmale. Zum einen tritt die Zeit in drei Modi auf. Als vergangene, gegenwärtige und zukünftige (praeteritum, praesens und futurum) Zeit. Demnach hat die Zeit drei Formen, in denen wir sie wahrnehmen. Somit war die Zeit bereits oder ist gerade oder sie ist noch nicht. Diese drei Modi sind elementar für die Zeit. Er stellt aber die Frage, wie die Vergangenheit und die Zukunft existieren können, wenn die vergangene Zeit nicht mehr ist und die zukünftige Zeit noch nicht ist? Auch die Gegenwart, könne nicht als gegenwärtig werde, wenn diese nicht von der Zukunft in die Vergangenheit überginge. Die gegenwärtige Zeit zerfällt somit, sonst müsse die Gegenwart als Ewigkeit bezeichnet werden. Demnach habe die Zeit noch eine Eigenschaft, die die Modi charakterisiert, nämlich die Eigenschaft des Fließens. Die drei Modi der Zeit können also nur durch das Fließen bestimmt werden. Denn wenn sie feste Konstanten wären, dann könne man sie nicht als Zeit wahrnehmen.
Die drei Modi und die Eigenschaft fließen sind aber nur die Grundbestimmungen für Augustinus Zeitvorstellung. Denn es bleibt die Überlegung, dass die Modi vergangen und zukünftig nicht existent sind. Zeit, die vergangen ist, hatte einmal eine Existenz. Zeit, die zukünftig ist, wird einmal eine Existenz haben. Die gegenwärtige Zeit nimmt zwar eine „privilegierte Stelle“ in der Zeittheorie ein, ist aber auch nicht existent. Denn sie ist dem Fließen untergeordnet und somit ist jeder Moment nur kurz existent. Dahingegen steht die Tatsache, dass man Zeit erfährt. Man hat ein Zeitgefühl und eine Zeitvorstellung, weshalb Augustinus durch seine Argumentation in einen Widerspruch gerät.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Zeitbegriffs ein und erläutert die Zielsetzung, die Ansätze von Augustinus und McTaggart zu vergleichen.
2. Augustinus: Dieses Kapitel widmet sich dem Leben des Philosophen sowie der systematischen Analyse seines Zeitverständnisses und des damit verbundenen Widerspruchs.
3. McTaggart: Der Fokus liegt hier auf der Biografie McTaggarts sowie der detaillierten Erläuterung seiner A-Reihe, B-Reihe und C-Reihe als Grundlage seiner Theorie der Zeitirrealität.
4. Vergleich: In diesem Teil werden die beiden zuvor dargestellten Zeittheorien einander gegenübergestellt, um zentrale Gemeinsamkeiten und methodische Unterschiede aufzuzeigen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Analyse zusammen und reflektiert die bleibende Relevanz der philosophischen Auseinandersetzung mit der Zeit.
Schlüsselwörter
Zeitphilosophie, Augustinus, McTaggart, Zeit, A-Reihe, B-Reihe, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Fließen, Veränderung, Existenz, Zeittheorie, Zeitwahrnehmung, Zeitirrealität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Untersuchung des Zeitbegriffs anhand der Theorien von Augustinus von Hippo und John McTaggart.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Natur der Zeit, die verschiedenen Modi der Zeitwahrnehmung sowie die Frage nach der tatsächlichen Existenz oder Irrealität von Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist ein systematischer Vergleich der Ansätze von Augustinus und McTaggart, um zu verstehen, wie diese Denker mit dem inhärenten Widerspruch des Zeitbegriffs umgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative, philosophische Analyse angewandt, die durch Literaturstudien der Primär- und Sekundärquellen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Lebenskontexte und die Zeittheorien beider Philosophen detailliert dargestellt und anschließend in einen direkten Vergleich gesetzt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Zeitphilosophie, A-Reihe, B-Reihe, Zeittheorie, Irrealität, Fließen und Existenz.
Wie definiert Augustinus das Problem der Zeitmodi?
Augustinus argumentiert, dass weder Vergangenheit noch Zukunft real existieren, da die eine vorüber ist und die andere noch nicht eingetreten ist, was zur Herausforderung der Eigenschaft des Fließens führt.
Was ist das zentrale Argument von McTaggart hinsichtlich der Zeit?
McTaggart vertritt die These, dass Zeit eine Illusion ist, da die notwendigen Kategorien zur Beschreibung der Zeit (A-Reihe und B-Reihe) in sich widersprüchlich oder zirkulär sind.
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- Sven Wunderlich (Autor), 2010, Vergleich der Zeitauffassung von Augustinus und McTaggart, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178988