Im Rahmen des „Kunstprojekts Salzburg“ wurde Christian Boltanski von der Salzburg Foundation eingeladen ein Kunstwerk eigens für Salzburg zu gestalten. Christian Boltanski wählte als Ort die Konradinische Krypta im Salzburger Dom und nannte seine Installation „Vanitas“. Durch einen Vergleich mit vorangegangenen Arbeiten, konnte festgestellt werden, dass die Salzburger Installation ein Konglomerat aus früheren Werken ist. In einem Interview stellte Boltanski selbst die Installation in Zusammenhang mit mittelalterlichen Totentänzen. Daher wurde in einem zweiten Schritt dieser Arbeit „Vanitas“ mit Totentanzdarstellungen des Mittelalters verglichen. Es konnte festgestellt werden, dass Christian Boltanski tatsächlich auf die Form und den Inhalt von mittelalterlichen monumentalen Totentänzen zurückgreift.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
2.1. Zusammenfassung
3. Forschungsfrage und Methode
4. Biografie von Christian Boltanski
5. Begriffserklärungen/ -definitionen
5.1. Vanitas
5.1.1. Verlauf der Entwicklung
5.1.2. Die Verbindung zum Totentanz
5.2. Memento mori
5.2.1. Verlauf der Entwicklung
5.2.2. Die Verbindung zum Totentanz
5.3. Danse macabre
5.3.1. Verlauf der Entwicklung
5.3.2. Die Verbindung zum Totentanz
5.4. Weitere Begriffe
5.4.1. Ars moriendi
5.4.2. Contemptus mundi
5.5. Zusammenfassung
6. Werkbeschreibung von „Vanitas“
6.1. Auftraggeber
6.2. Ort der Installation
6.3. Entstehung von „Vanitas“
6.4. Beschreibung der einzelnen Elemente
6.4.1. Die Kupferblechfiguren
6.4.2. Die Lichtprojektion
6.4.3. Die Zeitansage
6.4.4. Weitere Elemente in der Krypta
6.4.4.1. Sitzbänke
6.4.4.2. Fenster
6.5. Veränderungen am Werk
6.6. Zusammenfassung
7. Vergleich von „Vanitas“ mit früheren Werken
7.1. Les Ombres und Théâtre d’Ombre
7.1.1. Vergleich mit „Vanitas“
7.2. Leçons de Ténèbres
7.2.1. Vergleich mit „Vanitas“
7.3. Les Bougies
7.3.1. Vergleich mit „Vanitas“
7.4. White Shadows
7.4.1. Vergleich mit „Vanitas“
7.5. Advento
7.5.1. Vergleich mit „Vanitas“
7.6. Horloge parlante
7.6.1. Vergleich mit „Vanitas“
7.7. Les ombres bougies, TOT
7.7.1. Vergleich mit „Vanitas“
7.8. Vanitas-Druck
7.8.1. Vergleich mit „Vanitas“
7.9. Zusammenfassung
8. Der mittelalterliche monumentale Totentanz im Vergleich zu „Vanitas“
8.1. Monumentaler Totentanz
8.1.1. Standortfest
8.1.2. Großformatig
8.1.3. Öffentlicher oder halböffentlicher Raum
8.2. Grundelemente
8.2.1. Der Tod
8.2.1.1. Die Darstellung des Todes im mittelalterlichen Totentanz
8.2.1.1.1. Das Skelett
8.2.1.1.2. Die Sense
8.2.1.1.3. Der Spielmann
8.2.1.2. Die Darstellung des Todes in „Vanitas“
8.2.2. Der Tanz
8.2.2.1. Der Tanz als Element von „Vanitas“
8.2.3. Die Ständerevue
8.2.3.1. Die Rangordnung in „Vanitas“
8.2.4. Die Predigt
8.2.4.1. Die Predigt in „Vanitas“
8.2.5. Die Verbindung von Versen und Bildern
8.2.5.1. Die fehlenden Verse bei „Vanitas“
8.3. Orte der Totentänze
8.3.1. Die Krypta als Ort für einen Totentanz
8.4. Zusammenfassung
9. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Installation „Vanitas“ von Christian Boltanski in der Konradinischen Krypta des Salzburger Doms und setzt sie in einen wissenschaftlichen Vergleich mit der Gattung des mittelalterlichen monumentalen Totentanzes. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der formalen und inhaltlichen Einordnung der Arbeit im Schaffen Boltanskis sowie der Überprüfung seiner eigenen Aussage, bei der Installation handle es sich um einen „modernen Totentanz“.
- Künstlerische Werkbeschreibung der Installation „Vanitas“
- Analyse und Vergleich der für Boltanski typischen Arbeitsweise (Recycling, Spurensicherung)
- Formale Kriterien des mittelalterlichen monumentalen Totentanzes
- Vergleich von „Vanitas“ mit früheren Schattentheater- und Lichtinstallationen
- Diskussion der Konzepte „Vanitas“, „Memento mori“ und „Danse macabre“ im Kontext der Moderne
Auszug aus dem Buch
6.4.1. Die Kupferblechfiguren
Christian Boltanski hat die zwölf Figuren mit einer Nagelschere aus dünnem Kupferblech ausgeschnitten, teilweise mit schwarzem Isolierband zusammengeheftet und mit dünnen Metallstäben an den Winkeln befestigt. Obwohl keine Reihenfolge der Figuren zu erkennen ist, beginne ich die Beschreibung bei der Figur ganz links an der Wand.
1. Figur
Die erste Figur (Abb. 40) ist eine Art Skelett, das in der linken Hand eine Hacke hält. Der Oberkörper besteht aus Zacken, die links und rechts zur Seite abstehen. Im Profil erkennt man, dass es sich dabei nicht um ein durchgehendes Element handelt, sondern dass die kleinen Folienzacken einen Teil der „Rippen“ bilden, die mit einem schwarzen Isolierband an der „Wirbelsäule“ befestigt und etwas nach vorne gebogen sind. Aus der Position des Betrachters ist die Art der Befestigung jedoch nicht zu erkennen und auch die Schatten-Silhouette gibt naturgemäß keinen Aufschluss darüber. Die Figur steht breitbeinig und besitzt lange, dünne Extremitäten ohne Gelenke. Das aus drei ausgeschnittenen Löchern bestehende „Gesicht“ verwandelt sich als Schatten an der Wand zu einem Totenkopf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Anlasses der Installation in der Konradinischen Krypta und Definition des Themas als Vergleich zwischen Boltanskis „Vanitas“ und mittelalterlichen Totentanzdarstellungen.
2. Forschungsstand: Umfassender Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Totentanz seit dem 19. Jahrhundert sowie die Rezeption des Werks von Christian Boltanski.
3. Forschungsfrage und Methode: Formulierung der zentralen Aufgabe, Boltanskis „Vanitas“ formal und inhaltlich als monumentalen Totentanz zu prüfen und eine Lücke in der bisherigen Forschung zu schließen.
4. Biografie von Christian Boltanski: Biografische Skizze des Künstlers, die seine Auseinandersetzung mit Kindheit, Identität, dem Holocaust und religiösen Symbolen beleuchtet.
5. Begriffserklärungen/ -definitionen: Definition und Abgrenzung zentraler Begriffe wie Vanitas, Memento mori, Danse macabre, Ars moriendi und Contemptus mundi für das Verständnis der Arbeit.
6. Werkbeschreibung von „Vanitas“: Detaillierte Beschreibung der drei Hauptelemente (Figuren, Licht, Ton) sowie des Entstehungsprozesses und der räumlichen Einbettung in der Krypta.
7. Vergleich von „Vanitas“ mit früheren Werken: Systematische Gegenüberstellung der Installation mit vorangegangenen Arbeiten Boltanskis, wie dem Schattentheater, um Kontinuitäten in seinem Schaffen aufzuzeigen.
8. Der mittelalterliche monumentale Totentanz im Vergleich zu „Vanitas“: Prüfung von „Vanitas“ anhand der formalen Kriterien eines Totentanzes (Standortfestigkeit, Tanzmotiv, Ständerevue, Mahncharakter).
9. Resümee: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Einordnung von „Vanitas“ in Boltanskis Gesamtwerk als religiös motivierte, aber zeitgenössische Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit.
Schlüsselwörter
Christian Boltanski, Vanitas, Totentanz, Monumentaler Totentanz, Krypta, Schattenkunst, Memento mori, Danse macabre, Vergänglichkeit, Zeitansage, Kunstprojekt Salzburg, Spurensicherung, Reliquien, Sakraler Raum, Moderne Kunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Installation „Vanitas“ von Christian Boltanski, die 2009 in der Konradinischen Krypta im Salzburger Dom entstand, und prüft sie auf ihre formalen und inhaltlichen Verbindungen zum mittelalterlichen Totentanz.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der kunsthistorischen Einordnung der Installation, der Analyse des Konzepts von Vanitas im Werk Boltanskis sowie dem systematischen Vergleich mit historischen Totentanzdarstellungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, ob Boltanskis Installation „Vanitas“ die Merkmale eines monumentalen Totentanzes erfüllt und inwiefern der Künstler hierbei auf etablierte religiöse und kunstgeschichtliche Konzepte zurückgreift.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Werkanalyse, gleicht die Installation mit vorangegangenen Werken Boltanskis ab und legt einen Kriterienkatalog für monumentale Totentänze an, um die Installation wissenschaftlich zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Werkbeschreibung, einen umfassenden Vergleich mit früheren Schatteninstallationen des Künstlers und eine theoretische Gegenüberstellung mit dem mittelalterlichen Totentanzmotiv.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Boltanski, Vanitas, Totentanz, Krypta, Memento mori, Vergänglichkeit und sakraler Raum.
Kann man „Vanitas“ als einen Totentanz bezeichnen?
Ja, die Analyse zeigt, dass Boltanskis „Vanitas“ viele formale Kriterien erfüllt – wie Standortfestigkeit, Großformatigkeit, das Tanzmotiv und die memento-mori-hafte Mahnung –, auch wenn die klassische Ständerevue in der heutigen Gesellschaft eine modernisierte, individuelle Form angenommen hat.
Welche Rolle spielt die Zeitansage in der Krypta?
Die Zeitansage ist ein zentrales, akustisches Element, das den Betrachter permanent an das unerbittliche Verstreichen der Zeit und den eigenen Tod erinnert und somit die mahnende Funktion des „Memento mori“ verstärkt.
Warum spielt das „Recycling“ von Werken bei Boltanski so eine große Rolle?
Boltanski sieht sich selbst weniger als Sammler, sondern als Künstler, der das Prinzip der Reinkarnation liebt. Er verwendet Elemente aus früheren Werken, um sie in neuen Kontexten erneut zu inszenieren und ihre Bedeutung zu hinterfragen.
- Quote paper
- Mag. Claudia Baumann (Author), 2011, Christian Boltanskis „Vanitas“ und der mittelalterliche monumentale Totentanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179049