Beratung und Information in Pflege und Betreuung für Angehörige Demenzerkrankter

Projektarbeit leitende PFK 2011


Projektarbeit, 2011
23 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Bedarf an Pflegeberatung durch steigende Pflegebedürftigkeit und wachsende Zahlen der Demenzerkrankung

3. Probleme der pflegenden und betreuenden Angehörigen
3.1 Objektive Belastung
3.2 Subjektive Belastung
3.3 Rollenkonflikt
3.4 Strukturelle Probleme
3.4.1 Mangelnde pflegerische Qualifikation der Angehörigen
3.4.2 Rückzug aus dem Berufsleben
3.5 Mögliche Folgen der Belastungen

4. Beratung und Methoden
4.1 Beratungsbegriff
4.2 Unterschied zwischen Beratung und Psychotherapie
4.3 Beratung in der Pflege
4.4 Soziale Konstellationen der Beratung
4.5 Einzelberatung
4.6 Gruppenberatung
4.7 Ziele der Beratung

5. Konzeption der Beratung und Information
5.1 Beratungsort
5.2 Zielgruppe
5.3 Gruppenleiter
5.4 Räumlichkeiten
5.5 Ablauf
5.6 Öffentlichkeitsarbeit
5.6.1 Ziele der Öffentlichkeitsarbeit
5.6.2 Methoden der Öffentlichkeitsarbeit
5.7 Kostenerstellung

6. Qualitätssicherung

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Innerhalb der Disziplin der Pflege gewinnt das Feld der Information und Beratung von Angehörigen, speziell von demenzerkrankten Menschen, zunehmend an Bedeutung, da diese die wohl größte Gruppe von Pflegebedürftigen bilden.

Unbewusst wird Beratung schon immer von den Pflegenden im Rahmen ihrer täglichen Arbeit durchgeführt. Dies geschieht meist in Form der Weitergabe von Informationen und der Anleitung im Bezug auf pflegepraktische Tätigkeiten. Ein professionelles Verständnis von Beratung durch Pflegefachkräfte ist derzeit noch nicht hinreichend entwickelt bzw. befindet sich noch in den Anfängen des Entwicklungsprozesses.

Durch die demographische Entwicklung, sowie die steigende Tendenz an Demenz Erkrankten und die damit verbundene steigende Anzahl von Pflegebedürftigen im häuslichen Umfeld entsteht im ambulanten wie stationären Bereich ein zunehmender Bedarf an Beratung. Da es hier um die Gewährleistung der Pflege im häuslichen Bereich (ambulant und stationär) geht, ist die Berufsgruppe der Pflegenden in diesem Zusammenhang gefordert, um die entstehenden komplexen Problemsituationen der Demenzerkrankung professionell und gemeinsam mit den Angehörigen zu bearbeiten und nach Lösungen zu suchen. Zwar wurden in der Vergangenheit diverse Unterstützungsmöglichkeiten angeboten, diese beschränken sich jedoch auf Schulungsprogramme und Beratung in finanziellen/ rechtlichen Fragen.

Das Gesetz der Pflegeversicherung hat den Anspruch auf die sogenannten zusätzlichen Betreuungsleistungen mit dem Inkrafttreten des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes ab 01. Juli 2008 neu geregelt. Diese Betreuungsleistungen sind für pflegebedürftige Menschen mit und ohne Pflegestufe geschaffen worden, die in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt sind. Eine prozesshafte und somit förderliche Beratung können nun durch gesetzliche Bestimmungen nach § 45 SGB XI realisiert werden.

Angehörige Demenzerkrankter fanden demnach nur unzureichend Unterstützung in Fragen zur Pflege, der Betreuung und des Umgangs. Aus diesem Grund befasst sich diese Arbeit in den ersten Kapiteln mit den speziellen Problemlagen und Konflikten, denen Angehörige Demenzerkrankter ausgesetzt sein können. Da auf der Seite der Pflege, Betreuung und Umgang bisher nur wenig Beratungsangebote für Angehörige Demenzerkrankter existieren, wird in dieser Arbeit ein theoretisches Konzept für eine Beratungsgruppe für diesen Personenkreis dargelegt und erörtert.

Diese theoretische Konzeption beansprucht nicht die Erarbeitung, wie sie im Rahmen eines geförderten Modellprojektes möglich wäre, sondern stellt Überlegungen und Anregungen zur Umsetzung und Weiterarbeit dar.

2. Der Bedarf an Pflegeberatung durch steigende Pflegebedürftigkeit und wachsende Zahlen der Demenzerkrankung

Mit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 wurde auf die, aufgrund der demographischen Entwicklung, zunehmenden Zahl von Pflegebedürftigen und die daraus resultierenden Finanzierungsschwierigkeiten reagiert. Die Pflegeversicherung setzt sich zusammen aus der sozialen Pflegepflichtversicherung und der privaten Pflegepflichtversicherung. Im ersten Quartal 2006 bezogen ca. 2,05 Millionen Menschen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung.

An einer Demenz leiden in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen – mit steigender Tendenz. Der Grund dafür ist, dass das Risiko mit dem Alter steigt. So leidet im Alter zwischen 65 und 69 Jahren jeder Zwanzigste an einer Demenz, aber zwischen 80 und 90 ist schon fast jeder Dritte betroffen. Weil in unserer Gesellschaft der Anteil älterer Mitbürger zunehmen wird, erwartet man auch eine Zunahme an Demenzerkrankungen.

Laut den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder wird diese Zahl bis zum Jahr 2030 auf ca. 2,4 Millionen ansteigen. Die Mehrzahl (1,38 Millionen) der Pflegebedürftigen erhält Leistungen für die ambulante Versorgung. Die Pflegegeldleistungen bilden hier, nach den Ausgaben für vollstationäre Pflege mit 4,1 Milliarden Euro im Jahre 2003, den größten Ausgabenposten. Diese Pflegegeldleistungen, also die Pflege durch Angehörige im häuslichen Umfeld, ist mit fünfzig Prozent derzeit die häufigste Versorgungsform. Für Pflegegeldempfänger ist derzeit im Pflegeversicherungsgesetz zur Sicherung der Qualität der häuslichen Pflege ein Pflegeeinsatz zur regelmäßigen Hilfestellung und Beratung der pflegenden Angehörigen verpflichtend vorgesehen. Die Beratung soll durch professionelle Pflegefachkräfte übernommen werden. Diese gesetzliche Festschreibung der Pflegeberatung dokumentiert von politischer Seite her die Einsicht in die Notwendigkeit einer Beratung pflegender Angehöriger.

3. Probleme der pflegenden und betreuenden Angehörigen

Pflegende und betreuende Angehörige werden durch ihre Aufgabe einer Reihe von Problemen und Belastungen ausgesetzt, die sehr unterschiedlich gestaltet sein können und deren Ausmaß und Bewältigung daher individuell verschieden sind. Familienmitglieder, die sich zur meist unentgeltlichen Übernahme der häuslichen Pflege bereit erklären, sei es aus Liebe, Mitgefühl, oder Verpflichtung, ahnen selten nicht, was auf sie zukommt. Die Pflege und Betreuung kostet viel Kraft und ist sehr häufig mit unzähligen und auch heftigen Emotionen und Belastungen verbunden. Da die Belastungen für die Familienangehörigen nicht unerheblich sind, soll im Folgenden eine Auswahl von Problemen kurz dargestellt werden. Die Differenzierung erfolgt in ausgewählte objektive, subjektive und strukturelle Belastungsprobleme und den Rollenkonflikt.

3.1 Objektive Belastung

Zu der objektiven Belastung gehören die Pflege- und Betreuungsaufgaben. Diese sind vielfältig und bedürfen oft eines intensiven Zeitaufwandes. Angehörige leisten Hilfestellungen bei der Haushaltsführung, bei den grundlegenden Verrichtungen sowie bei der medizinischen Versorgung (Medikamentengabe, Rezeptbesorgungen, etc.) Darüber hinaus koordinieren sie die pflegerische, ärztliche und sozialtherapeutische Betreuung. Die Angehörigen kümmern sich auch um Finanz- und Behördenangelegenheiten. Die Aufgaben, die durch die kognitiven Verhaltensdefizite entstehen, sind emotionale Unterstützung, eine demenzgerechte Gestaltung der Wohnung, die Tagesstrukturierung und die Beaufsichtigung.

3.2 Subjektive Belastung

Bei der subjektiven Belastung spielen besonders die kognitiven Krankheitsdefizite eine große Rolle. Die Pflegenden leiden am Sterben der gemeinsamen Biographie, sie haben mitunter das Gefühl einen Schandfleck in der Familie zu haben und empfinden Scham über ihre vermeintlichen Defizite. Sie verspüren einen massiven Verlust an Zuneigung zum Gepflegten und empfinden Wut über diesen unerwarteten Lebensabend.

Die permanente Beaufsichtigung bedeutet für viele pflegende Angehörige eine erhebliche Einschränkung in ihrer Lebensqualität. Für relativ viele Familienangehörige tritt aufgrund der Pflege oft ein Konflikt zwischen Familie, Beruf und sozialem Bereich auf. Innerhalb der Familie kann es durch die Übernahme der Pflege zu einer erhöhten Stress- und Krisensituation kommen.

Ein sehr hoher Belastungsfaktor entsteht, wenn es in der Herkunftsfamilie zu Konflikten bezüglich des Schweregrades der Erkrankung, der Auseinandersetzung über den richtigen Umgang, des empfundenen Mangels an Unterstützung für die Hauptpflegeperson oder zu Rivalität kommt.

Darüber hinaus gibt es Einschränkungen der außerfamiliären Kontakte und Aktivitäten. Viele Bekannte nehmen, oft aus Unsicherheit Abstand. Aber es gibt auch Freundschaften, die große Unterstützung geben. Vielen pflegenden Angehörigen ist es peinlich, wenn sich die demenziell Erkrankten in der Öffentlichkeit mit Verhaltensauffälligkeiten präsentieren. Die immerwährende Pflege ist eine Belastung, die zu negativen Konsequenzen für das psychische Wohlbefinden führen kann.

3.3 Rollenkonflikt

Neben objektiven und subjektiven Faktoren spielt auch die Beziehung zwischen den pflegenden Angehörigen und dem demenziell erkrankten Menschen eine sehr wichtige Rolle. Pflegende sind emotional abhängig. Sie erleben z.B. Schuldgefühle bei Unternehmungen ohne den Kranken, aber auch das Verleugnen oder Zurückstellen eigener Bedürfnisse gehört dazu. Emotional Abhängige sind in ihren sozialen Kontakten eingeschränkt und fühlen sich schnell überfordert.

Durch die Betreuung geraten viele Angehörige zudem in Rollenkonflikte, wie zum Beispiel als Tochter Entscheidungen für die nun demenzkranke Mutter treffen zu müssen. Besonders belastend in der Betreuung Demenzkranker ist zusätzlich das oft unverständliche Verhalten des Demenzkranken, sowie die Sorge um sie, wegen selbstgefährdendem Verhalten.

3.4 Strukturelle Probleme

3.4.1 Mangelnde pflegerische Qualifikation der Angehörigen

Da die Diagnose Demenz mit ihren sehr spezifischen Aufgaben die Familie meist völlig unvorbereitet trifft, erfolgt die „selbstverständliche“ Entscheidung für die Pflege und Betreuung meist unreflektiert und spontan.

Woher sollen Angehörige wissen, wie sich die Krankheit entwickelt, welche Ausmaße der Hilfebedarf des Demenzkranken annehmen kann.

Sie stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen; alltägliche Routine, um Belastungen zu mindern, ist schwer zu entwickeln. Meist bleibt wenig Zeit über die eigenen Handlungen und ihre Auswirkungen auf den Demenzkranken nachzudenken, um fehlerhaftes Verhalten zu korrigieren, Neues auszuprobieren und Stress zu minimieren oder zu verhindern.

3.4.2 Rückzug aus dem Berufsleben

Wenn pflegende Angehörige noch im Berufsleben sind, fühlen sie sich oft unter Zeitdruck gesetzt, die Aufgaben rund um die Begleitung und Pflege des kranken Menschen zu organisieren. Reduzieren sie oder geben sie ihre Berufstätigkeit auf, müssen sie finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. Die Beibehaltung der Erwerbstätigkeit wird als positiv angesehen, weil die Möglichkeit nach außerfamiliärem Kontakt besteht.

3.5 Mögliche Folgen der Belastungen

Auswirkungen der Belastung auf Angehörige:

- gesundheitlich: Angehörige von Demenzerkrankten werden häufiger depressiv und leiden eher unter psychosomatischen Beschwerden. Im Vergleich der altersentsprechenden Allgemeinbevölkerung treten bei pflegenden Angehörigen mehr psychosomatische Beschwerden auf. Das sind vor allem chronische Schmerzen, wie Rücken
- oder Gliederschmerzen, Erschöpfungszustände, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit
- Pflegestil: Der Umgangston mit dem Erkrankten wird rauer, die Gefahr von häuslicher Gewalt steigt.
- Lebenserwartung: Das eigene Sterberisiko steigt.
- stationäre Pflege: Die Einweisung des Dementen ins Heim erfolgt früher.
- Steigerung des Demenzrisikos: Das Demenzrisiko steigt von Ehefrauen um das 4-fache, das von Ehemännern ist um das 12-fache erhöht, wenn der Partner an Demenz erkrankt ist.

Ursachen könnten im vorangegangenen gleichen Lebensstil sowie in der seelischen Belastung liegen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Beratung und Information in Pflege und Betreuung für Angehörige Demenzerkrankter
Untertitel
Projektarbeit leitende PFK 2011
Veranstaltung
Lehrgang "Leitende PFK"
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V179125
ISBN (eBook)
9783656014522
ISBN (Buch)
9783656014232
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demenz, Betreuung, Beratung, Angehörige, Konzeption, leitende Pflegefachkraft, Pflege, pflegeberatung, sgb 11, pflegen, Demente, pflegende, Betreuen, betreuer, alt, alte, menschen, beraten
Arbeit zitieren
Stephan Druselmann (Autor), 2011, Beratung und Information in Pflege und Betreuung für Angehörige Demenzerkrankter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179125

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