Stand und Ausbau des Nachhaltigkeitskonzeptes bei der Bertschi AG

State and development of the sustainability concept at Bertschi AG


Bachelorarbeit, 2011

57 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Betriebliche Aufgabenstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Verlauf der Arbeit

2 Unternehmensvorstellung

3 Nachhaltigkeit
3.1 Entstehung des Nachhaltigkeitsbegriffs
3.2 Das „Drei Säulen“- Modell
3.2.1 Ökologie
3.2.2 Ökonomie
3.2.3 Soziales
3.2.4 Kritik
3.3 Nachhaltige Entwicklung in Unternehmen
3.4 Nachhaltige Entwicklung in der Logistik
3.4.1 Politik
3.4.2 Interessenverbände
3.4.3 Konzerne

4 Maßnahmen zur nachhaltigen Entwicklung bei der BERTSCHI AG
4.1 Grundlegende Maßnahmen eines Logistikdienstleisters
4.1.1 Modular Shift
4.1.2 Containerauslastung
4.1.3 Fuhrparkerneuerung
4.1.4 Fuhrparkmanagement
4.2 Maßnahmen rund um den LKW
4.2.1 Höchstgeschwindigkeit
4.2.2 Fahrertraining
4.2.3 Aerodynamikpakete
4.2.4 Reifendruck
4.2.5 Telematiksysteme
4.2.6 Alternative Kraftstoffe
4.3 Maßnahmen rund um den Gebäudekomplex

5 Fazit

A Anhang

B Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Logo der BERTSCHI AG

Abbildung 2 - BERTSCHI AG 1964 - 75

Abbildung 3 - BERTSCHI AG 1976 - 85

Abbildung 4 - BERTSCHI AG 1986 - 95

Abbildung 5 - BERTSCHI AG heute

Abbildung 6 - Das magische Dreieck der Nachhaltigkeit

Abbildung 7 - Einordnung Modular Shift Straße auf Schiene

Abbildung 8 - Einordnung Modular Shift Schiene - Schiff

Abbildung 9 - Einordnung Containerauslastung

Abbildung 10 - Einordnung Fuhrparkerneuerung

Abbildung 11 - Vergleich des Kraftstoffmehrverbrauchs bei LKW aufgrund der Spureinstellungen

Abbildung 12 - Einordnung Fuhrparkmanagement

Abbildung 13 - Einordnung Maßnahmen rund um den LKW (Standard)

Abbildung 14 - Plakat der Deutschen POST AG zum Kraftstoffschonenden Fahren

Abbildung 15 - Einordnung Fahrerschulungen

Abbildung 16 - Übersicht der Aerodynamikmaßnahmen am Teardrop-Auflieger der Deutschen Post DHL

Abbildung 17- Plakat der Deutschen POST AG zum richtigen Reifendurck

Abbildung 18 - Typische Verteilung des Energieverbrauchs eines Logistik- dienstleister (ohne Fuhrpark)

Abbildung 19 - Energieeinsparpotential von IT Arbeitsplätzen im Vergleich

Abbildung 20 - Einordnung Maßnahmen rund um den Gebäudekomplex

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 - Lieferzeiten unterschiedlicher Verkehrsträger

Tabelle 2 - BERTSCHI AG Fuhrpark der Niederlassung Köln

1 Einleitung

1.1 Betriebliche Aufgabenstellung

Die Firma BERTSCHI AG transportiert Güter überwiegend im intermodalen Verkehr und hat sich bis zum Jahr 2015 die Einsparung von CO2-Emissionen zum Ziel gesetzt. Aus diesem Grund sieht sich die BERTSCHI AG als Vorreiter der nachhaltigen Entwicklung in der Logistik.

Im Rahmen dieser Bachelorthesis soll geprüft werden, ob die BERTSCHI AG ein nachhaltig handelndes Unternehmen ist. Des Weiteren sollen Maßnahmen aufgezeigt werden, mit denen die gesteckten CO2-Reduktionsziele erreicht werden können.

1.2 Ziel der Arbeit

Das erste Ziel der Bachelorthesis ist die Überprüfung, ob die BERTSCHI AG ein nach- haltig handelndes Unternehmen darstellt. Dazu muss zunächst verdeutlicht werden, was Nachhaltigkeit ist und mit welchen Modellen die nachhaltige Entwicklung beschrieben werden kann. Außerdem ist zu klären, welche Entwicklungstendenzen in Unternehmen und in der Logistik zu erkennen sind, worin der Fokus für eine nachhaltige Entwicklung in Logistikunternehmen liegt und wer die treibenden Kräfte für eine solche nachhaltige Entwicklung sind.

Das zweite Ziel der Thesis ist die Vorstellung von Maßnahmen zur Senkung der CO2- Emissionen und die Präsentation der betroffenen Bereiche der Nachhaltigkeit. Hierzu werden aktuelle Studien und „Best Practice“-Lösungen aus der Logistik vorgestellt, mit denen die BERTSCHI AG die Senkung der CO2-Emissionen umsetzen kann.

1.3 Verlauf der Arbeit

Zunächst wird im zweiten Kapitel das Unternehmen BERTSCHI AG vorgestellt.

Das dritte Kapitel befasst sich mit der Nachhaltigkeit. In Abschnitt 3.1 wird die Entste- hungsgeschichte des Nachhaltigkeitsbegriffs aufgezeigt. Im Anschluss findet eine Ei- nordnung des Begriffs in das „Drei Säulen“-Konzept statt (3.2). Hierzu werden im Ein- zelnen die drei Säulen „Ökologie“ (3.2.1), „Ökonomie“(3.2.2) sowie „Soziales“ (3.2.3) beschrieben. Eine kritische Betrachtung des Konzepts und die daraus folgende Weiter- entwicklung wird in Abschnitt 3.2.4 vorgenommen. Der Abschnitt 3.3 beschäftigt sich mit der Frage, warum Unternehmen nachhaltig handeln müssen. Was nachhaltige Ent- wicklung in der Logistik bedeutet und welche Rolle die drei treibenden Kräfte „Politik“

(3.4.1), „Interessenverbände“ (3.4.2) und „Konzerne“(3.4.3) dabei spielen wird in Abschnitt 3.4 verdeutlicht.

Im anschließenden vierten Kapitel werden konkrete Maßnahmen zur Senkung der THG- Emissionen benannt. Die drei großen Themenkomplexe „Grundlegende Maßnahmen für Logistikdienstleister“ (4.1), „Maßnahmen rund um den LKW“ (4.2) sowie „Maßnah- men rund um den Gebäudekomplex“ (4.3) sind jeweils in Einzelmaßnahmen unterteilt.

Den Abschluss der Thesis bildet das fünfte Kapitel, in dem ein Fazit gezogen wird.

2 Unternehmensvorstellung

Das in Dürrenäsch/Schweiz ansässige Familienunternehmen BERTSCHI AG ist ein Transportlogistikunternehmen und bietet produktbezogene Transportmöglichkeiten in der chemischen Industrie an.1 Hierzu gehören Transporte von festen Schüttgütern in Silo-Containern sowie Transporte von flüssigen Gütern in Tank -Containern für gefahrlose Güter und Gefahrgüter. Des Weiteren übernimmt die BERTSCHI AG Projekte rund um das „Redesign von Supply Chain Prozessen“, den Aufbau von internen Werkslogistikkonzepten oder die Gestaltung von Container Depots.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Logo der BERTSCHI AG2

Die Unternehmensgeschichte lässt sich in vier Abschnitte unterteilen.

Gegründet wird die Einzelfirma Bertschi Dürrenäsch 1956 durch Hans Bertschi. In den Folgejahren erbringt er Pionierleistungen im kombinierten Verkehr. So werden 1964 die ersten Tankzüge auf Bahnwagen von Basel nach Lugano verladen. 1965 gründen Hans und Rolf Bertschi die BERTSCHI AG, welche anfangs im Besitz von 14 LKW war. 1966 steigt das Unternehmen in den Containerverkehr ein. Und wird Mitbegründer des Jointventure HUPAC SA, Chiasso. Die HUPAC SA tritt als unabhängiger Dienstleister des kombinierten Verkehrs auf. 1972 betreibt die BERTSCHI AG das erste eigene Bahnterminal in Wohlen und startet mit einer täglichen Zugverbindung von Wohlen nach Köln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - BERTSCHI AG 1964 - 753

Den zweiten Abschnitt der Unternehmensgeschichte bilden die Jahre von 1976 bis1985, während denen Niederlassungen im Ausland aufgebaut werden. 1977 wird in Düsseldorf die erste Niederlassung im Ausland gegründet. 1979 folgt die Eröffnung des Kombi-Terminals Birrfeld und 1983 mit BustoArsizo die erste italienische Niederlassung samt Kombi-Terminal eröffnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 - BERTSCHI AG 1976 - 854

Im dritten prägenden Abschnitt der Firmengeschichte, von 1986 bis 1995, steht das wei- tere Wachstum im Mittelpunkt. Die Nord-Süd Achse entwickelt sich zu einem Netz. Die Nachfolgegeneration tritt in Person von Hans-Jörg Bertschi und Brigitta Berner 1987 in die Firmenleitung ein.Zwischen1987 und 1993 werden in schneller Abfolge eu- ropaweit an strategischen Logistikstandorten neue Terminals eröffnet. Hierzu gehören Hamburg, Antwerpen, Linz, Middlesbrough sowie Tarragona und Leipzig. Ab 1994 ge- lingt der endgültige Durchbruch in den neuen Bundesländern und läutet den Start der Expansion nach Osteuropa ein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 - BERTSCHI AG 1986 - 955

Im letzten Abschnitt der Unternehmensgeschichte, von 1996 bis heute, wandelt sich die BERTSCHI AG vom Transporteur zum Logistiker und expandiert weiter nach Osteuro- pa. In den Jahren 1992 bis 1999 werden Werkslogistikanlagen und Bahnterminals in den Chemiewerken von Kolb Moerdijk, Solvay Bitterfeld, BASF Schwarzheide, Bayer Leverkusen und Lonza Visp gebaut und in Betrieb genommen. Heute ist die BERT- SCHI AG außerdem für die Transportlogistikkonzepte von Shell in Teeside und von DOW in Delfzijl verantwortlich. Das Unternehmenswachstum wird durch die Gründung weiterer Niederlassungen in den Niederlanden, Polen, Luxemburg, Irland, Ungarn, so- wie Estland und Litauen vorangetrieben. 2005 wird die Tochterfirma BERTSCHI RUSSIA in St. Petersburg gegründet. Die BERTSCHI AG steigt damit in den „Short- Sea“-Verkehr nach Russland ein. Im gleichen Jahr wird die Firma Nordic Bulkers in Schweden übernommen und ist bis heute unter eigenem Namen in Skandinavien tätig. In den Folgejahren werden weitere Niederlassungen eröffnet (Moskau 2006, Rotterdam 2007, Terneuzen 2007, Timisoara2008, Burgas 2008). Das 2009 eingeweihte Trimodal- Terminal6 in Duisburg ist bis heute die größte Investition in der Firmengeschichte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 - BERTSCHI AG heute7

Die BERTSCHI AG ist heute in 22 Ländern mit 1800 Mitarbeitern, 1150 eigenen Fahrzeugen sowie 14000 Tank- und Silo-Containern vertreten. Sie besitzt ein flächendeckendes Netzwerk in Europa, inklusive Russland und den ehemaligen GUS-Staaten und erwirtschaftet damit einen Jahresumsatz von 420 Millionen Euro.

Die BERTSCHI AG ist Teilnehmerin am „ResponsibleCare“- Programm der chemi- schen Industrie. Dies unterstreicht die eigenen hohen Ansprüche an die Qualität der Dienstleistung für den Kunden, sowie die hohen Ansprüche an Sicherheit für alle betei- ligten Personen.

3 Nachhaltigkeit

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ taucht seit den 1980gern immer häufiger in wirt- schaftswissenschaftlichen Studien auf und ist Thema bei Konferenzen und in den Medi- en. Es ist ein Begriff, über den heutzutage jeder eine eigene Meinung hat, die von „All- gemeinplatz“, über „Modewort“, bis hin zum „praktischen Ideal des 21 Jahrhundert“8 reicht.

3.1 Entstehung des Nachhaltigkeitsbegriffs

Erstmals erwähnt wird der Begriff „Nachhaltigkeit“ durch den sächsischen Oberhaupt- mann Hans Carl von Carlowitz im Jahr 1713 in seiner Abhandlung „Sylvicultura Oeconomica“. Mit dieser Abhandlung wird der knapper werdende Holzbestand auf- grund des industriellen Holzbedarfs thematisiert. Laut von Carlowitz ist ein möglichst hoher, dauerhafter Holzertrag das Ziel der Nachhaltigkeit. Dies kann nur dadurch er- reicht werden, wenn im Jahresverlauf nicht mehr Wald abgeholzt werden darf, als im gleichen Zeitraum nachwachsen kann. Zum ersten Mal verbindet von Carlowitz damit ökonomische Ziele (maximaler Ertrag) mit ökologischen Zielen (Nachwachsen der Res- sourcen).9

Die „Nachhaltigkeit“ bleibt vorerst auf die Forstwirtschaft beschränkt. Eine weiterrei- chend wirtschaftliche Bedeutung kommt der „Nachhaltigkeit“ erst im 20. Jahrhundert zu. Zum Ende der 1960er wird die zunehmende Umweltverschmutzung in den westli- chen Industriestaaten immer deutlicher. Es reift die Erkenntnis, dass die Wirtschafsent- wicklung der Industrienationen die Umwelt und damit das menschliche Dasein belastet und gefährdet.10 Einen entscheidenden Beitrag leistet auch der vom „Club of Rome“ veröffentliche Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, der basierend auf mathemati- schen Berechnungen erstmals aufzeigt, dass die absoluten Grenzen des Wachstums, bei unveränderter Wirtschaftsweise, im Laufe des nächsten Jahrhunderts erreicht werden. Das Umweltbewusstsein rückt somit erstmals auf die politische Agenda.11

1972 lädt die UN zur Umweltkonferenz in Stockholm ein, auf der unter anderem das UN-Umweltprogramm gegründet wird. Ziel des UNEPs ist die Entwicklung eines weltweiten Umweltgewissens. 1980 veröffentlicht die IUCN mit Bezug auf das UNEP, die „World Conservation Strategy“, in der zum ersten Mal der Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ in einem wirtschaftlichen und politischen Zusammenhang erwähnt wird. Die Grundlage der Strategie bildet die These, dass eine dauerhafte ökonomische Entwicklung ohne Erhalt der Ökosysteme nicht möglich ist.12 Eine Aussage die von Carlowitz bereits 1713 für die Forstwirtschaft formuliert hatte.

Die WCED veröffentlicht 1987, unter dem Vorsitz der ehemalige norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, den Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“. Meilensteincharakter erhält der Bericht der so genannten Brundtland-Kommission dadurch, dass die „nachhaltige Entwicklung“ hierin zum ersten Mal allgemeingültig definiert wird. Eine Entwicklung ist dann nachhaltig, wenn sie:

„[…] die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“13

Durch diese Definition wird die generationenübergreifende Bedeutung der Nachhaltig- keit deutlich. Das heutige Handeln beeinflusst nicht nur die eigene Generation (intrage- nerative Gerechtigkeit), sondern auch die zukünftigen Generationen (intergenerative Gerechtigkeit).

Die „Brundtland Definition“ dient dem, von der Brundtland-Kommission vorgeschlage- nen, UNCED-Erdgipfel von 1992 in Rio de Janeiro und dem Rio Folgeprozess14 als Fundament. Als wichtigstes Dokument des Erdgipfels gilt die „Agenda 21“, mit der die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung in Industrie- und Entwicklungsländern ge- fordert wird.15

In der „Agenda 21“ sind Ziele, Programme und Instrumente für eine nachhaltige Ent- wicklung hin zu einer gerechten Zukunft formuliert.16 Aus diesem zentralen Dokument entwickeln die Teilnehmerstaaten in den Folgejahren eigene nationale Nachhaltigkeits- strategien17.

Die Wege in eine gerechte Zukunft und das Verständnis für Nachhaltigkeit unterschei- den sich je nach wirtschaftspolitischer Ausrichtung erheblich. Während man beispielsweise in den USA von „sustainability“ redet und damit auch ein anhaltendes, progressives Wachstum meint, spricht man in China von 可持續發展 (Kêchíxùxíng) und meint Dinge, die die Eigenschaft besitzen, andauern zu können.18

3.2 Das „Drei Säulen“- Modell

Trotz dieses weltweit unterschiedlichen Verständnisses für den Begriff der nachhaltigen Entwicklung gibt es heute eine einheitliche theoretische Grundbasis. Prinzipiell wird bei der Nachhaltigkeit zwischen zwei zu schützenden Kapitalarten unterschieden: dem natürlichen Kapital19 und dem künstlichen Kapital20.

Einigkeit herrscht darüber, dass das Gesamtkapital in Anlehnung an die Brundtland- Bericht-Definition vermehrt, mindestens aber nicht gemindert an die nächste Generation weitergegeben werden muss.21 Unstimmigkeit herrscht darüber, in welcher Art und Weise dieses Kapital zu schützen ist. Verfechter der schwachen Nachhaltigkeit22 befür- worten einen möglichen Austausch zwischen beiden Kapitalarten. Das Gesamtkapital bliebe demnach auch erhalten, wenn natürliches Kapital vollständig durch künstliches Kapital ersetzt worden ist. Dem gegenüber stehen die Anhänger der starken Nachhaltig- keit, nach deren Ansicht ein Austausch zwischen den beiden Kapitalarten nicht möglich ist.23 Tatsächlich sind beiden Extremformen nicht realisierbar.24 In der Praxis ist nur eine mittlere Position durchsetzbar, bei der ein Austausch zwischen beiden Kapitalarten möglich ist, wobei essentielle Umweltgüter wie die Atemluft oder Trinkwasser zu erhal- ten sind.25

Diese mittlere Position spiegelt sich in dem „Drei Säulen“-Modell wieder. Hierbei werden die drei Nachhaltigkeitsdimensionen „Wirtschaft“ (Ökonomie), „Umwelt“ (Ökologie) und „Gesellschaft“ (Soziales) gleichwertig nebeneinander gestellt.26

3.2.1 Ökologie

Bereits heute hat der Abbau von Rohstoffen und die Belastung durch Emissionen ein Niveau erreicht, welches einer Übernutzung des natürlichen Kapitals entspricht. Eine schnelle Stabilisierung des Ökosystems ist unabdingbar. Die natürlichen Lebensgrund- lagen der heutigen Generation müssen neu bestimmt und gestaltet werden. Andernfalls kann das natürliche Kapital nicht erhalten und von zukünftigen Generationen genutzt werden.

Da ein zerstörtes Ökosystems nicht mehr wiederhergestellt werden kann, messen einige Quellen der Ökologie eine besonders hohe Bedeutung bei und betrachten diese Säule vorrangig vor den zwei anderen.27

Es gilt, die ökologische Bedrohung abzuwenden und den Abbau von Rohstoffen sowie die Verschmutzung durch Emissionen zu vermindern.28 Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, haben sich drei ökologische Managementregeln etabliert:29

- Die Nutzungsrate des Kapitals darf die Erneuerungsrate nicht übersteigen. Auf wel- chem Niveau die Nutzung betrieben werden soll ist nicht festgeschrieben.
- Nicht erneuerbares Kapital darf nur in dem Umfang genutzt werden, wie erneuerbares Kapital bereitgestellt werden kann. Welches Kapital durch welches ersetzt wird bleibt dabei unbestimmt.
- Emissionen und Abfälle dürfen nur in einem Umfang in die Umwelt gegeben werden, der unterhalb der Aufnahmefähigkeit der Umwelt liegt. Grenzwerte für Schadstoffe und Emissionen werden jedoch weltweit sehr unterschiedlich angesetzt.

Die sehr allgemein gehaltene Formulierung lässt einen erheblichen Gestaltungsspiel- raum bei der Anwendung der Regeln zu. Als Grenzen des tolerierbaren gelten die „Leitplanken“ der Belastung. Diese werden durch die ökologische Traglast des Gesamt- systems, durch die Verwundbarkeit sowie durch die innere Robustheit der Umwelt defi- niert.30

[...]


1 Für das gesamte Kapitel vgl. Bertschi AG (2006) und Bertschi AG (2010)

2 Vgl. Bertschi AG (2010)

3 Eigene Darstellung in Anlehnung an Bertschi AG (2006) S. 11

4 Eigene Darstellung in Anlehnung an Bertschi AG (2006) S. 12

5 Eigene Darstellung in Anlehnung an Ebenda S. 14

6 Trimodal = Bahn-, Schiffs- und Straßenterminal

7 Vgl. Bertschi AG (2011) zur Verdeutlichung vgl. Anhang A.1BERTSCHI AG heute - Großformat

8 Vgl. Eilenberger (2010)

9 Vgl. Grunwald, Kopfmüller (2006) S. 15

10 Vgl. Baumast, Pape (2009) S. 18

11 Vgl. Grunwald, Kopfmüller (2006) S. 17f.

12 Vgl. Grunwald, Kopfmüller (2006) S. 18

13 Vgl. Hauff (1987) S. 46

14 Hierzu zählen unter anderem die Klimakonferenz von Kyoto 1997, die Millenniumsziele von 2000 und UN-Klimakonferenz - COP 15 2009 in Kopenhagen

15 Vgl. Grunwald, Kopfmüller (2006) S. 22ff

16 Vgl. Hagemann, Von Hauff, 2010) S. 10

17 Für Deutschland seit 2002 die „Nationale Nachhaltigkeitsstrategie“

18 Vgl. Rat für Nachhaltige Entwicklung (2011) S. 19f

19 Luft, Boden, Wasser

20 Maschinen, Gebäude, Wissen, soziale Strukturen

21 Vgl. Baumast, Pape (2009) S. 20f

22 Vertreter dieser Ansichtsweise sind hauptsächlich unter den Anhängern der neoklassischen Ökonomie zu finden vgl. Hagemann, von Hauff, (2010) S. 12

23 Vgl. Grunwald, Kopfmüller (2006) S. 37f

24 Folgt man dem Ansatz der schwachen Nachhaltigkeit, könnte die Atemluft vollständig durch Maschi- nen ersetzt werden. Ein Bau von Maschinen wäre unter strikter Befolgung der starken Nachhaltig- keit nicht möglich, da das natürliche Kapital die nötigen Rohstoffe zum Bau der Maschinen nicht liefern könnte.

25 Vgl. Grunwald, Kopfmüller (2006) S. 39

26 Vgl. Ebenda S. 46

27 Vgl. von Hauff, Klein, (2009) S. 18

28 Vgl. Hagemann, Von Hauff, (2010) S. 11f

29 Für alle Unterpunkte vgl. Daly (1990) S. 2f

30 Vgl. Grunwald, Kopfmüller (2006) S. 41f 9

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Stand und Ausbau des Nachhaltigkeitskonzeptes bei der Bertschi AG
Untertitel
State and development of the sustainability concept at Bertschi AG
Hochschule
Europäische Fachhochschule Brühl
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
57
Katalognummer
V179251
ISBN (eBook)
9783656016281
ISBN (Buch)
9783656016403
Dateigröße
1790 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, „Drei Säulen“- Modell, Modular Shift, Fahrertraining, Alternative Kraftstoffe, THG-Emissionen, Carbon Footprint, Transportlogistik, „Best Practice“- Lösung
Arbeit zitieren
Patrick Rizzon (Autor), 2011, Stand und Ausbau des Nachhaltigkeitskonzeptes bei der Bertschi AG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179251

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