Kupferzeit in Italien

Metallurgische Untersuchung der Kupferfunde in den Kulturen Remedello, Rinaldone und Gaudo


Seminararbeit, 2005

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kulturen
2.1 Forschungsgeschichte
2.2 Beschreibung der Kulturen
2.2.1 Remedello
2.2.2 Rinaldone
2.2.3 Gaudo

3. Metallurgische Untersuchung
3.1 Intendierte Verwendung von Legierungen
3.2 Herkunft des Metalls

4. Fazit

I. Tafeln

II. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Verbreitung der Technologie der Kupferverarbeitung, die zwischen der Stein- und der ent- wickelteren Bronzezeit stattfand, ist in ihren groben Zügen durch metallurgische Untersuchun- gen erfasst.1 Sie ging vom Nahen Osten aus und richtete sich gen westliches Europa bis hin zu spanisch-portugiesischen Kulturen.2 Detailfragen zur Ausbreitung, zu den Kupferquellen und zum technologischen Transfer zwischen den spätneolithischen Kulturen werden gegenwärtig in der Forschung untersucht, ohne bislang allerdings zu einem exakten Bild der Verbreitung ver- einheitlicht worden zu sein. Auch wenn ein solches, alle Fragen klärendes Forschungsbild uto- pisch erscheint, so lohnt sich der Versuch und die Beschäftigung mit ihm, zum einen in Hinblick auf die Erforschung der Entwicklung von Metallverarbeitung, zum anderen hinsichtlich genaue- rer Aussagen über die spätneolithischen Kulturen, ihrer Bestimmung, Datierung und des kultu- rell-technologischen Austausches zwischen ihnen.

In dieser Arbeit werden die äneolithischen Kulturen Remedello, Rinaldone und Gaudo bezüglich ihrer Metallverarbeitung untersucht.3 Hierzu werden die Daten der Stuttgarter Analysen benutzt.4 Nach einer generelleren Einführung zur Forschungsgeschichte (2.1) und der Einzelbeschreibung der Kulturen mit ihrem spezifischen Fundgut (2.2), werden die Kupferartefakte einer genaueren Untersuchung unterzogen. Dabei konzentriere ich mich auf die Fragen nach intendierter Verwendung von Legierungen (3.1) und der Herkunft des Materials in der jeweiligen Kultur (3.2), um schließlich zu versuchen, die Frage zu klären, ob sich die Entwicklung in ein größeres Verbreitungsschema eingliedern lässt (4).

2. Die Kulturen

2.1 Forschungsgeschichte

Ende des 19. Jh. wurden eine Reihe von äneolithischen Gräbern in Zentral- und Süditalien ent- deckt, die man aufgrund des Fundgutes und anthropogener Merkmale nicht der neolithischen Vorgängerbevölkerung zurechnen mochte und so auf das Eindringen einer neuen Ethnie in den italischen Raum schloß.5 Fundstücke wie Kupfer- und Steindolche, sowie perforierte Steinäxte ließen die Theorie aufkeimen, dass eine kriegerische Bevölkerung, deren Herkunft man aus dem ostmediterranen Raum vermutete, die neolithischen italischen Kulturen verdrängte.6 Nach dem zweiten Weltkrieg konnte man anhand weiterer Funde drei Kulturen voneinander differenzieren: die Remedello Kultur in Norditalien mit Zentrum der Kultur in der Poebene, die Rinaldone Kul- tur mit Zentrum in der Toskana und die Gaudo Kultur in Süditalien mit Hauptverbreitung in Kampanien. In den 70er Jahren des 20. Jh. regte sich Kritik an der Einwanderungs- bzw. Ver- drängungstheorie. Neue Untersuchungen der Skelette schwächten das Argument anthropogener Unterschiede, weil diese nun merklich geringer Ausfielen, man neigte dazu sie als natürliche Varianz innerhalb einer menschlichen Population aufzufassen. Den Vergleich der Artefakte mit solchen ostmediterranen Typs, speziell kretischen, kritisierte man als zu generell, auch ein auto- gene Entwicklung schien jetzt denkbar.7 Gegenwärtig geht man wieder von einer Einflussnahme aus dem mediterranen Raum aus, jedoch ohne den überholten Ansatz einer Invasion in den itali- schen Raum wieder aufzugreifen.8

2.2 Beschreibung der Kulturen

2.2.1 Remedello

Die Remedello Kultur bestattete in Flachgräbern, die in Gräberkomplexe arrangiert wurden, welche teilweise über hundert Einzelbestattungen ausmachen.9 Die bevorzugte Lage in der be- stattet wurde ist linksseitig gehockt. Die Grabausstattung besteht hauptsächlich aus Stein- und Flintartefakten, wie Flintpfeilspitzen und Flintspeerspitzen, aus relativ wenig Keramikgefäße und aus Kupfergegenstände, wie Äxte, Pfrieme und Dolche. Die Form der Dolche ist charakte- ristisch für die Kultur. Diese haben beidseitig konvexe oder gerade Schneiden, beidseitige Mit- telrippe, gerade Basis und eine Griffzunge mit meist einem Nietloch. Die Datierung der drei Kulturen kann in dieser Arbeit leider nur äußerst grob angegeben werden. Anhand der wenigen, publizierten Radiokarbondaten für die Kulturen und einigen relativchronologische Überlegun- gen zum Fundgut in der Literatur, scheint mir eine Spanne von 3200-2500 v. Chr. für Remedello als vertretbare Nährung, wobei gerade das Ende der Kulturen Remedello und Rinaldone unsi- cher bleibt.10

2.2.2 Rinaldone

In der Rinaldone Kultur findet man das gleiche Fundgut an Kupfergegenständen wie bei Reme- dello (2.2.1), wiederum, Pfrieme, Äxte und Dolche, die sich allerdings durch ihre abgerundete Basis, einer runderen Blattspitze und drei, statt einem Nietloch in der Griffzunge unterscheiden. Auch die weitere Ausstattung ist ähnlich, auch hier gibt es relativ wenig Keramik. Prozentual überwiegen die Stein- und Flintbeigaben deutlich. Die Rinaldone Kultur kennt neben den Flachgräbern auch die Felskammergräber, wie sie bei der Gaudo Kultur ausschließlich vor- kommen, und die Höhlenbestattung. Die Rinaldone Kultur ist wohl gleichzeitig zur Remedello Kultur anzusehen und damit etwa um 3200-2500 v. Chr., wobei im übrigen das zur Unsicherheit der Datierungen schon genannte gilt (2.2.1).

[...]


1 Die Zitation erfolgt nach Harvard-System und ist im Literaturverzeichnis aufgeschlüsselt. Es war mir nicht möglich das zum Thema der Kupferverarbeitung in Italien erschienene Werk GENICK-R./ CREMONESI (1985) einzusehen.

2 Vgl. hierzu z. B. MATUSCHIK (1997), insbesondere Abb. 6, Karte zur Ausbreitung der Metallurgie nach L. KLASSEN und Ch. STRAHM.

3 Die Begriffe spätneolithisch und äneolithisch werden von mir synonym verwandt und bezeichnen hier als Zeitphase, diejenige zwischen Stein- und Bronzezeit, in der sich die Kupferverarbeitung ausbreitete und die in der Forschung deswegen auch als Chalkolithikum angesprochen wird.

4 SAM, JUNGHANS u. a. Bd. I (1968); Bd. 2.1 (1986); CD-Rom mit Auszug aus der Stuttgarter Datenbank.

5 BARKER (1981), 70.

6 So etwa die Archäologen Colini, Montelius, Peet: BARKER (1981) 70.

7 So etwa die Archäologen Holloway, Renfrew, Riemann: BARKER (1981) 71.

8 z. B. BARFIELD (1985) 154, mit verweis auf GENICK-R./ CREMONESI (1985).

9 Remedello, Provinz Brescio, 119 Gräber erfasst. BARKER, (1981) 71. Die Beschreibung der Kulturen basiert auf den Auswertungen der Ausgrabungen von Gräbern, weil in der mir zugänglichen Literatur nur diese beschrieben werden. Das liegt an der bislang unzureichenden Forschung bzw. Publikation von Siedlungsgrabungen der genannten Kulturen.

10 SKEATES (1994) 271.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Kupferzeit in Italien
Untertitel
Metallurgische Untersuchung der Kupferfunde in den Kulturen Remedello, Rinaldone und Gaudo
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Ur- und Frühgeschichte/ Prähistorische Archäologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
11
Katalognummer
V179287
ISBN (eBook)
9783656017035
ISBN (Buch)
9783656016755
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bronzezeit, Chalkäolithikum, Frühgeschichte, Metallverarbeitung, Prähistorie, Industriegeschichte, Kulturgeschichte, Italien, Vorrömerzeit, Metall, materielle Kultur, Verbreitung von Metall, Verbreitung von Technologie, Technologietransfer, frühes Europa, spätes Neolithikum, Kupfer, Kupferverarbeitung
Arbeit zitieren
Daniel Funke (Autor), 2005, Kupferzeit in Italien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179287

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