„Haben Sie heute ein neues Alltagsmaterial mitgebracht?“ oder „Spielen wir heute wieder mit Alltagsmaterialien?“, diese oder ähnliche Aussprüche hörte ich von meinen Schülern während der Unterrichtseinheit „Bewegungserfahrungen mit Alltagsmaterialien zur psychomotorischen Förderung“ des Öfteren.
Diese Arbeit dokumentiert eine Unterrichtseinheit, die an der Schule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung realisiert wurde. In dieser Einheit lernten die Schüler Alltagsmaterialien im Sportunterricht kennen und gestalteten mit Fantasie, Spontanität und Kreativität Bewegungsformen und Spiele.
Über das Betasten, Begreifen und Behandeln der Alltagsmaterialien sollten die Schüler einen direkten Zugang zur ihrer dinglichen Umwelt erlangen. Den Schülern wird ein Aufwachsen in einer natürlichen Bewegungswelt durch das Heranwachsen einer technisierten Gesellschaft immer mehr verwehrt, wodurch einfache Bewegungserfahrungen weniger bzw. nicht mehr gemacht werden.
In dieser Einheit sollten die Schüler verschiedene Material-, Spiel- und Bewegungserfahrungen sammeln, ihre Handlungsfähigkeit erweitern sowie koordinative und konditionelle Fähigkeiten schulen. Daraus ergaben sich folgende Problemstellungen:
• Kann man den Schülern im Sportunterricht mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung im Umgang mit Alltagsmaterialien gerecht werden?
• Kann man sowohl sportspezifische als auch psychomotorische Aspekte umsetzen?
• Bieten Alltagsmaterialien ein natürliches Differenzierungsangebot?
• Welchen Beitrag kann eine ganzheitliche Förderung im Sinne der Psychomotorik bei Schülern mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung leisten?
Zur Beantwortung dieser Problemstellungen werden theoretische Grundlagen und Ergebnisse aus der Unterrichtspraxis dokumentiert. Im ersten Kapitel wird die veränderte Lebenswelt der Kinder dargestellt. Im zweiten und im dritten Kapitel wird die psychomotorische Herangehensweise der praktisch-pädagogischen Arbeit fachwissenschaftlich begründet. Im vierten Kapitel wir die Schülerschaft der Klasse 2a sowie ausgewählte Schüler bezüglich ihrer aktuellen Entwicklung vorgestellt. Im darauffolgenden Teil wird die praktische Umsetzung der Unterrichtseinheit dargestellt. Den Abschluss meiner Arbeit stellen die Reflexion der Einheit sowie die pädagogischen Schlussfolgerungen bezüglich der Unterrichtstätigkeit dar.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Veränderte Lebenswelt - veränderte Bedingungen
2 Psychomotorik - psychomotorische Förderung
2.1 Begriffsklärung
2.2 Ziele und Inhalte psychomotorischer Förderung
2.3 Integration der psychomotorischen Förderung in den Sportunterricht
3 Möglichkeiten der psychomotorischen Förderung durch Alltagsmaterialien
3.1 Körpererfahrung
3.2 Materialerfahrung
3.3 Sozialerfahrung
4 Praktische Umsetzung
4.1 Beschreibung der Lerngruppe
4.2 Auswahl und Begründung
4.3 Didaktisch-methodische Überlegungen
4.4 Verlaufsplanung
4.5 Beschreibung ausgewählter Unterrichtsstunden
6 Reflexion
7 Literaturverzeichnis
8 Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Alltagsmaterialien im Sportunterricht als Mittel zur psychomotorischen Förderung von Grundschülern mit einem Förderschwerpunkt in der körperlichen und motorischen Entwicklung. Das primäre Ziel ist es, durch eine explorative und handlungsorientierte Herangehensweise die Selbstständigkeit, Kreativität und koordinativen Fähigkeiten der Schüler zu stärken, indem gewöhnliche Alltagsgegenstände in neue, bewegungsbezogene Kontexte integriert werden.
- Bedeutung der veränderten Lebenswelt und deren Einfluss auf die kindliche Bewegungserfahrung.
- Theoretische Fundierung der Psychomotorik und ihre Integration in den schulischen Sportunterricht.
- Förderung von Körper-, Material- und Sozialerfahrungen durch gezielten Materialeinsatz.
- Dokumentation einer praktischen Unterrichtssequenz mit Luftballons, Zeitungen, Bierdeckeln und Joghurtbechern.
Auszug aus dem Buch
3.1 Körpererfahrung
Von Anfang an hat der Mensch das Bedürfnis sich zu bewegen. Der Mensch lernt seinen eigenen Körper kennen. Den eigenen Körper bewusst wahrnehmen, die Signale verstehen, die körperlichen Fähigkeiten und Reaktionen kennen und die körperlichen Möglichkeiten einschätzen, stellen das Ziel einer körperlich sinnlichen Erfahrung dar. Körpererfahrungen sind sowohl instrumentell als auch eigenständig bedeutsam. Zum einen ist damit gemeint, dass Körpererfahrungen bei sensorischen und motorischen Anforderungen wahrgenommen werden. Zum anderen sind Körpererfahrungen eigenständig, das heißt jeder erfährt seinen Körper auf individuelle Weise (vgl. Zimmer/Cicurs, 1993; 62f.).
Seinen Körper zu erfahren bedeutet, über seinen eigenen Körper bewusst zu verfügen, die Signale des Körpers zu erkennen, den Körper in unterschiedlichen Situationen und Fertigkeiten zu erleben, um daraus dann persönliche Möglichkeiten zu entwickeln und sinnvoll einzusetzen (vgl. Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, 1997; 76). Die körperliche Leistungsfähigkeit, körperliche Grenzen, das psycho-physische Befinden nach körperlicher Beanspruchung, Anspannung und Entspannung sowie Ermüdung und Erschöpfung sind Bewegungserfahrungen, die zugleich auch Körpererfahrungen sind und im Sportunterricht problemlos integrierbar sind (Vgl. Zimmer/Cicurs, 1993; 65).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation der Unterrichtseinheit dar und definiert die zentralen Problemstellungen hinsichtlich der Förderung von Schülern mit körperlich-motorischen Einschränkungen.
1 Veränderte Lebenswelt - veränderte Bedingungen: In diesem Kapitel wird der Wandel der kindlichen Lebenswelt hin zur Mediatisierung und Bewegungsarmut thematisiert und die Notwendigkeit von psychomotorischen Förderkonzepten begründet.
2 Psychomotorik - psychomotorische Förderung: Dieses Kapitel liefert die fachwissenschaftliche Basis der Psychomotorik, definiert ihre Ziele und zeigt Wege der Integration in den Sportunterricht auf.
3 Möglichkeiten der psychomotorischen Förderung durch Alltagsmaterialien: Hier werden die drei Erfahrungsbereiche Körper-, Material- und Sozialerfahrung detailliert für die praktische pädagogische Arbeit aufbereitet.
4 Praktische Umsetzung: Dieser Hauptteil dokumentiert die konkrete Unterrichtsplanung, die Lerngruppe sowie die Durchführung und Reflexion spezifischer Unterrichtsstunden mit verschiedenen Alltagsmaterialien.
6 Reflexion: Das Fazit greift die eingangs formulierten Forschungsfragen auf und bewertet den Erfolg der Unterrichtseinheit auf Basis der Beobachtungen.
7 Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
8 Anhang: Enthält ergänzende Dokumentationen wie Individualbeschreibungen, Bilder der Unterrichtssequenzen und Materialien für den Geländelauf.
Schlüsselwörter
Psychomotorik, Alltagsmaterialien, Sportunterricht, Körpererfahrung, Materialerfahrung, Sozialerfahrung, Förderschwerpunkt, Körperbehinderung, Bewegungserfahrung, Handlungskompetenz, Sensomotorik, Kreativität, Inklusion, Körperwahrnehmung, Unterrichtseinheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert den Einsatz von Alltagsmaterialien im Sportunterricht an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Psychomotorik als Förderansatz, die Bedeutung von Materialerfahrungen und die praktische Umsetzung ganzheitlicher Bewegungskonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erprobung und Dokumentation einer Unterrichtseinheit, die Schülern durch den kreativen Umgang mit Alltagsmaterialien neue Bewegungserfahrungen ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine praxisorientierte Dokumentation, die durch theoretische Grundlagen der Psychomotorik und Fachliteratur gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Lerngruppenbeschreibung, der Auswahl und Begründung der Materialien sowie dem detaillierten Ablaufplan der durchgeführten Sportstunden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Psychomotorik, Alltagsmaterialien, Körpererfahrung, Materialerfahrung und Handlungskompetenz.
Warum wurden Alltagsmaterialien für den Sportunterricht gewählt?
Alltagsmaterialien wurden gewählt, da sie kostengünstig, leicht verfügbar und den Schülern aus ihrer Lebenswelt bekannt, aber in diesem Kontext neuartig sind, was die Kreativität und Motivation fördert.
Welche Rolle spielt der Geländelauf im Anhang?
Der Geländelauf dient als Abschluss der Unterrichtseinheit, um die im Unterricht erlernten Fähigkeiten in einer natürlichen Umgebung und in einem kooperativen Kontext anzuwenden.
Wie gehen die Schüler mit den Anforderungen um?
Die Schüler zeigen sich motiviert und aufgeschlossen; durch kleinschrittige Anweisungen und offene Angebote gelingt es, individuelle Lernschritte zu machen.
- Arbeit zitieren
- Victoria Bettzüge (Autor:in), 2011, Alltagsmaterialien im Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179323