Die Allgemeine Hochschulreife ermöglicht den Schülerinnen und Schülern den Zugang zu einem Studium an der Hochschule oder zu einer Berufsausbildung. Deswegen sind die Ziele der gymnasialen Oberstufe, eine breite und vertiefte Allgemeinbildung zu erhalten, wichtige inhaltliche und methodische Voraussetzungen für die allgemeine Studierfähigkeit zu erwerben, das selbstständige Lernen und die wissenschaftspropädeutische Grundbildung sowie die Schwerpunktbereiche zu stärken. Laut KMK gehört zur Grundstruktur der gymnasialen Oberstufe die Gliederung in eine einjährige Einführungsphase und eine zweijährige Qualifikationsphase, weiterhin die Zuordnung der Fächer zu drei Aufgabenfeldern, die Unterscheidung der Fächer nach Pflicht- und Wahlfächern, die Möglichkeit einer individuellen Schwerpunktsetzung und die Erteilung des Unterrichts auf unterschiedlichen Anspruchsebenen. Damit wird den in den „Einheitlichen Prüfungsanordnungen für die Abiturprüfung“ beschriebenen Anspruchsniveaus entsprochen. (KMK: fortan EPA 2004: 4f) Im Folgenden soll zunächst geklärt werden, was Sprachmittlung überhaupt ist und welchen Stellenwert sie im GER und in den Bildungsstandards einnimmt. Daraufhin werden die EPA für das Fach Französisch inhaltlich vorgestellt. Die einzelnen Bereiche werden näher erläutert und mit Beispielen veranschaulicht. Ein besonderes Augenmerk soll auf den Aufgabentyp der kombinierten Aufgabe gelegt werden. Dabei wird die Sprachmittlung als besonderes Ziel des fremdsprachlichen Unterrichts hervorgehoben. Die Aktivität der Sprachmittlung hat in den letzten Jahren eine erhebliche Aufwertung erfahren. Das liegt vor allem daran, dass sie im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER), in den Einheitlichen Prüfungsanforderungen im Abitur für moderne Fremdsprachen und infolgedessen natürlich auch in den aktuellen curricuralen Vorgaben für modernen Fremdsprachenunterricht aller Bundesländer einen festen Platz einnimmt.
Im Folgenden werde ich mich auf die Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung im Fach Französisch und auf den GER beziehen. Für die Bedeutung von Sprachmittlung werde ich mich vor allem auf Rössler, Freundestein und Roche stützen.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung
2. Sprachmittlung
2.1 Was bedeutet Sprachmittlung?
2.2 Sprachmittlung im GER
2.3 Sprachmittlung in den Bildungsstandards
3. Die Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung im Fach Französisch
3.1 Grundlagen und Zielsetzungen
3.2 Festlegungen für die Gestaltung der Abiturprüfung
3.2.1 Fachliche Qualifikationen und Inhalte
3.2.2 Anforderungsbereiche in der Abiturprüfung
4. Aufgaben zur Sprachmittlung in den EPAs im Fach Französisch
4.1 Aufgaben zur Sprachmittlung in der schriftlichen Abiturprüfung
4.2 Aufgaben zur Sprachmittlung in der mündlichen Abiturprüfung
4.3 Analyse einer kombinierten Aufgabe in der Abiturprüfung
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Stellenwert und die Umsetzung des Aufgabentypus "Sprachmittlung" im Kontext der Einheitlichen Prüfungsanforderungen (EPA) für die Abiturprüfung im Fach Französisch. Ziel ist es, die theoretische Verankerung der Sprachmittlung im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) sowie in den nationalen Bildungsstandards zu analysieren und kritisch zu prüfen, wie diese Anforderungen in konkreten Prüfungsaufgaben der gymnasialen Oberstufe umgesetzt werden.
- Definition und Bedeutung der Sprachmittlung als komplexe kommunikative Aktivität
- Vergleich der Anforderungen zwischen schriftlicher und mündlicher Abiturprüfung
- Analyse der drei Anforderungsbereiche (Reproduktion, Reorganisation, Werten/Gestalten)
- Evaluierung konkreter Aufgabenbeispiele hinsichtlich ihrer Praxisrelevanz
- Kritische Reflexion über den Einsatz von Hilfsmitteln wie Wörterbüchern in Prüfungen
Auszug aus dem Buch
2.1 Was bedeutet Sprachmittlung?
Die Bedeutung der Sprachmittlung ist in den letzten Jahren auch aufgrund der Globalisierung immer größer geworden. Viele Schüler gehen ein Jahr ins Ausland, arbeiten als Aupair oder haben ausländische Freunde. Somit geraten sie zunehmend in Situationen, in denen sie als Mittler auftreten müssen.
Rössler definiert Sprachmittlung folgendermaßen:
„Sprachmittlung ist eine komplexe, unter Umständen auch interaktive Aktivität in einer mindestens zweisprachigen Sprachhandlungssituation, zu deren Realisierung sowohl rezeptive als auch produktive kommunikative Fertigkeiten beherrscht und angewandt werden müssen. Die dafür nötige Kompetenz beinhaltet die adressaten-, sinn- und situationsgerechte Übermittlung von Inhalten geschriebener und gesprochener Texte von einer Sprache in die andere, nicht aber eine textadäquate Übersetzung bzw. ein ebensolches Dolmetschen.“ (Rössler 2009: 160)
Sprachmittlungsaufgaben bedürfen folglich zu ihrer Lösung eines kombinierten bzw. integrierten Einsatzes verschiedener produktiver und rezeptiver Fertigkeiten und lassen sich nicht durch den Gebrauch einer einzigen Fertigkeit angemessen bearbeiten. Sprachmittlung schließt zwar das mündliche oder schriftliche Übersetzen nicht aus, sie muss aber zusätzlich noch semantische, pragmatische und textuelle Adäquatheit erfüllen. An die Stelle der translatorischen Adäquatheit tritt nun die kommunikative Adäquatheit, die es verlangt Inhalte in einer jeweiligen Kommunikationssituation adressatengerecht zu transferieren. Damit kehrt die Muttersprache nicht nur in den Fremdsprachenunterricht zurück, sondern wird sogar zum Gegenstand kommunikativen Handelns. Schließlich war es über Jahrzehnte möglichst zu vermeiden, im Fremdsprachenunterricht die Muttersprache außerhalb von Vokabelerklärungen, Grammatik oder Aufgabenerläuterungen zu verwenden. Die Einsprachigkeit galt als Richtschnur für Fremdsprachenlehrer und auch für die Lerner. (Rössler 2009: 158)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Sprachmittlung im modernen Fremdsprachenunterricht und stellt die wissenschaftliche Basis sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.
2. Sprachmittlung: Dieses Kapitel definiert Sprachmittlung theoretisch, bettet sie in den GER und die Bildungsstandards ein und beleuchtet die notwendigen Kompetenzen.
3. Die Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung im Fach Französisch: Hier werden die Grundlagen, fachlichen Qualifikationen und die drei Anforderungsbereiche des Abiturs detailliert beschrieben.
4. Aufgaben zur Sprachmittlung in den EPAs im Fach Französisch: Das Kapitel analysiert die Ausgestaltung von Sprachmittlungsaufgaben in der schriftlichen und mündlichen Prüfung sowie die Struktur kombinierter Prüfungsformate.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Bedeutung der Sprachmittlung und reflektiert kritisch über die aktuelle Prüfungspraxis sowie den Unterrichtsalltag.
Schlüsselwörter
Sprachmittlung, Abiturprüfung, Französischunterricht, GER, Fremdsprachendidaktik, Kommunikationskompetenz, Anforderungsbereiche, Sprachhandlungen, Sprachmittlungsaufgabe, Interkulturelle Kompetenz, Wortschatzvermittlung, Bildungsstandards, Sprachhandlungssituation, Textproduktion, Mehrsprachigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Definition und der praktischen Implementierung der Sprachmittlung in den verbindlichen Prüfungsanforderungen des Französisch-Abiturs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Sprachmittlung, die Rolle der EPA und des GER im Unterricht, die Analyse von Prüfungsaufgaben und die methodische Vermittlung kommunikativer Strategien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu evaluieren, inwieweit die aktuelle Gestaltung von Abiturprüfungsaufgaben den theoretischen Anforderungen an eine moderne und anwendungsorientierte Sprachmittlung gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur, offizieller Dokumente der KMK und einer begleitenden kritischen Reflexion basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte hinter der Sprachmittlung und vergleicht diese mit den Anforderungen und konkreten Aufgabenbeispielen der Einheitlichen Prüfungsanforderungen (EPA).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachmittlung, kommunikative Kompetenz, EPAs, Anforderungsbereiche und Fremdsprachendidaktik charakterisiert.
Warum hält die Autorin den Einsatz von Wörterbüchern bei Sprachmittlungsaufgaben für problematisch?
Sie argumentiert, dass Wörterbücher den Prozess der freien, sinngemäßen Übertragung gefährden könnten, da Schüler eher dazu neigen, Vokabeln nachzuschlagen, anstatt kreative Umschreibungsstrategien anzuwenden.
Wie unterscheidet sich die Sprachmittlung in der mündlichen von der schriftlichen Abiturprüfung?
In der schriftlichen Prüfung ist Sprachmittlung als explizite Aufgabe vorgesehen, während sie in der mündlichen Prüfung aufgrund der durchgängigen Fremdsprachenverwendung im Gesprächskontext oft eine untergeordnete Rolle spielt.
- Citation du texte
- Andrea Köbler (Auteur), 2010, Der Aufgabentypus der Sprachmittlung in den Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung im Fach Französisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179430