Die Gründungsmythen der lateinamerikanischen Gesellschaft basieren gewissermaßen auf dem Zusammenprall verschiedener Kulturen. Die Situation nach der erfolgreichen Eroberung, als sich die Spanier an die Spitze der Gesellschaften stellten, begann sich schnell auszudifferenzieren. Die indigene Bevölkerung bildete zusammen mit den nach Amerika verschleppten afrikanischen Sklaven die große Masse der Beherrschten. Damit ging auch ein Wandel der Sozialstruktur einher. Bis zum Ende der Kolonialzeit hatte sich das so genannte sistema de castas gebildet, das die Bevölkerung in Spanier, Kreolen, Mestizen, Mulatten, indios und Schwarze einteilte. Je nach regionalen Besonderheiten konnten die Bezeichnungen und die genaue Unterteilung aber variieren. (Hensel 2001: 353 f) Doch diese Zuschreibungen von außen deckten sich kaum mit der Selbstwahrnehmung oder der Identität der Bezeichneten. Es sind vielmehr stereotype Vorstellungen, die die spanische Elite benutzte, um die Bevölkerung in ein Ordnungsschema zu pressen. (Hensel 2001: 360) Folglich sind diese Kategorien eng miteinander verflochten und nur sehr schwer voneinander zu trennen, da sie sich gegenseitig beeinflussen. Eine eindeutige Begriffsklärung ist daher schwierig. Ein Fallbeispiel wäre, dass es entflohene Sklaven im 16. Jahrhundert in Ecuador schafften, sich an die Spitze von indigenen Gruppen zu setzen. Die Schwarzen passten sich jedoch trotz der herausgehobenen Position weitgehend der indigenen Kultur an.
Die Einteilung von Menschen in Rassen wird meist mit biologischen Merkmalen begründet. Laut Schaefer ist „the term racial group reserved for minorities and the corresponding majorities that are socially set apart because of obvious physical differences“. (Schaeffer 2004: 7) Doch zu Recht fragt er sich weiter “What is ovious? Hair color? Shape of an earlobe? Presence of body hair? To whom ate these differences obvious, and why? Each society defines what it finds obvious.” (Schaeffer 2004:7) Weiter kritisiert er, dass „race is a socially constructed concept.“ (Schaeffer 2004:10)
Das Konzept der Ethnizität findet im Zusammenhang mit kulturellen Unterschieden seine Anwendung. Dabei wird kulturelle Differenz häufig mit räumlicher Differenz verknüpft. „Ethnic groups are groups set apart from others because of their national origin or distinctive cultural patterns.” (Schaeffer 2004: 8)
Gliederung
1. Einführende Gedanken- Begriffsklärungen
2. Der Atlantische Sklavenhandel
2.1 Gründe und Rechtfertigungen
2.2 Die afrikanischen Sklaven
2.3 Kultur- und Identitätsverlust
2.4 Der Widerstand
3. Das Ende des Atlantischen Sklavenhandels
Bibliografie
Häufig gestellte Fragen
Was war das „sistema de castas“ in Lateinamerika?
Es war ein von der spanischen Elite geschaffenes Ordnungsschema, das die Bevölkerung nach Herkunft und Hautfarbe in Gruppen wie Spanier, Kreolen, Mestizen, Mulatten, Indios und Schwarze einteilte.
Welche Rolle spielten afrikanische Sklaven in der Sozialstruktur?
Zusammen mit der indigenen Bevölkerung bildeten sie die unterste Schicht der Beherrschten. Dennoch gab es Fälle, in denen entflohene Sklaven Führungspositionen in indigenen Gruppen übernahmen.
Wie wird „Rasse“ in diesem Kontext definiert?
Die Arbeit beschreibt „Rasse“ als ein sozial konstruiertes Konzept, das auf willkürlich gewählten physischen Merkmalen basiert, um soziale Hierarchien zu rechtfertigen.
Was versteht man unter dem Verlust von Identität beim Sklavenhandel?
Durch die Verschleppung und Unterdrückung wurden afrikanische Traditionen, Sprachen und soziale Strukturen systematisch zerstört, was zu einem erzwungenen Kulturwandel führte.
Gab es Widerstand gegen den atlantischen Sklavenhandel?
Ja, der Widerstand reichte von individueller Flucht (Cimarrones) über die Bildung eigener Gemeinschaften bis hin zu politischem Druck, der letztlich zum Ende des Sklavenhandels beitrug.
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- Andrea Köbler (Author), 2009, Kleiner Abriss über den Atlantischen Sklavenhandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179434