In dieser Arbeit sollen zwei mittelalterliche Quellen kritisch untersucht werden die sich unter anderem mit der politischen Beziehung zwischen dem Ost- und Weströmischen Reich beschäftigen. Näher untersucht werden soll dabei das Thema Ernährung. Während Notker Balbulus, dessen Werk um das Jahr 887 entstand, seine Quellen aus mündlicher Überlieferung schöpfte, reiste Liutprand von Cremona, der seine Schrift um 968 verfasste, selbst zum zweiten Mal im Auftrag Ottos II nach Byzanz. So ist es wenig verwunderlich, dass während Notkar gezielt literarische Heldentopoi verwendete und diese auf Karl den Großen übertrug, Liutprand eigene Erfahrungen verarbeitete. Als historische Werke in der Tradition Einhards können jedoch beide nicht bestehen, aus welchen Gründen soll unter anderem in dieser Arbeit aufgezeigt werden. Neben dem historischen Gehalt der Quellen sollen die realpolitischen Umstände und die Motivation der Verfasser einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Die Arbeit ist nach Verfassern in zwei Teile gegliedert, die jeweils mit einem kurzen Werdegang und der Schilderung der politischen Umstände beginnen und mit der den in beiden Schriften enthaltenen Abhandlungen über die Speisegewohnheiten des byzantinischen Hofes schließen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.1 Notker Balbulus (840-912)
1.2 Struktur und Ziel der Gesta Karoli
1.3 Die Geschichte vom gewendeten Fisch
2.1 Der Werdegang Liutprands von Cremona
2.2 Auftrag und Ausgestaltung der Legatio Constantinopolitana
2.3 Essen und Trinken als Spiegel der Kultur in der „Legatio“
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, zwei bedeutende mittelalterliche Quellen – die Gesta Karoli von Notker dem Stammler und die Legatio Constantinopolitana von Liutprand von Cremona – unter dem spezifischen Aspekt der Ess- und Trinkgewohnheiten sowie deren symbolischer und politischer Bedeutung im Kontext der Beziehungen zwischen dem Ost- und Weströmischen Reich kritisch zu analysieren.
- Vergleichende Untersuchung der historischen Quellen und ihrer Entstehungsbedingungen
- Analyse der Rolle von Speisen und Tischsitten als kulturelle Identitätsmerkmale
- Untersuchung von Herrscheridealen und politischen Legitimationsstrategien in den Texten
- Aufarbeitung der kritischen Wahrnehmung byzantinischer Lebensgewohnheiten durch westliche Gesandte
Auszug aus dem Buch
2.3 Essen und Trinken als Spiegel der Kultur in der „Legatio“
In der Legatio beschreibt Liutprand ein Mal und Tischgespräch mit Kaiser Nikephoros von Byzanz. Der Verfasser beklagt sich zunächst darüber, dass er weit entfernt „am fünfzehnten Platz von ihm“ sitzen musste, kein Tischtuch bekam und seine Begleiter dem Mal nicht beiwohnen durften. Die Qualität des Essens beklagte er wie folgt:
„Während der ekligen und widerwärtigen Mahlzeit, die wie bei betrunkenen von Öl triefte und mit einer anderen sehr schlechten Fischlake getränkt war, richtete er an mich viele Fragen über eure Macht, eure Reiche und Ritter“
Liutprands Beschreibungen bezeichnet der Kaiser jedoch als Lügen, und behauptet die Soldaten Karls seien feige Trunkenbolde und nicht einmal Römer, während nur seine Soldaten wirklich tapfer seien. Liutprand entgegnet dem Kaiser daraufhin, dass eben die von Byzanz verehrten Römer den Langobarden und anderen Völkern unter Karls Führung als Ausbund schlechten und verschlagenen Charakters gelten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der zwei untersuchten mittelalterlichen Quellen im Hinblick auf deren historische Glaubwürdigkeit und die politische Beziehung zwischen Ost- und Westrom.
1.1 Notker Balbulus (840-912): Biografischer Abriss des Autors Notker des Stammlers und Beschreibung der Entstehungsumstände seines Werkes Gesta Karoli Magni.
1.2 Struktur und Ziel der Gesta Karoli: Analyse des Aufbaus und der inhaltlichen Ausrichtung des Werkes, insbesondere im Kontext der Herrschaftslegitimation Karls des Großen.
1.3 Die Geschichte vom gewendeten Fisch: Untersuchung einer spezifischen Anekdote, die als literarischer Topos zur Charakterisierung byzantinischer Sitten und zur Abgrenzung gegenüber dem Hof Karls dient.
2.1 Der Werdegang Liutprands von Cremona: Darstellung des Lebenslaufs von Liutprand und der Hintergründe seiner diplomatischen Missionen nach Byzanz.
2.2 Auftrag und Ausgestaltung der Legatio Constantinopolitana: Erörterung der politischen Ziele der Gesandtschaft und der kritischen, teils polemischen Haltung des Autors gegenüber dem byzantinischen Kaiser.
2.3 Essen und Trinken als Spiegel der Kultur in der „Legatio“: Analyse der kulinarischen Beschreibungen Liutprands als Mittel der kulturellen Polemik und der Abgrenzung gegenüber vermeintlich fremdartigen oder unzivilisierten Sitten.
Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, wobei die Werke sowohl als historische Dokumente als auch als gezielte propagandistische oder erbauliche Instrumente ihrer Zeit bewertet werden.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Byzanz, Liutprand von Cremona, Notker Balbulus, Gesta Karoli, Legatio Constantinopolitana, Esskultur, Tischsitten, Diplomatie, Ost-West-Beziehungen, Herrscherbild, Propaganda, Kulturgeschichte, Garum, Byzanz-Rezeption
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert zwei mittelalterliche Quellen – die Gesta Karoli von Notker dem Stammler und die Legatio Constantinopolitana von Liutprand von Cremona – um die politischen Beziehungen und kulturellen Unterschiede zwischen dem Ost- und Weströmischen Reich zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kritische Quellenanalyse, das Herrscherbild im Mittelalter, die diplomatischen Beziehungen zu Byzanz sowie die symbolische Bedeutung von Ernährung und Tischsitten in interkulturellen Kontakten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Verfasser durch die Beschreibung von Essgewohnheiten und Tischsitten ihre politische Agenda verfolgten und ein kulturelles Bild des "Fremden" konstruierten, um die eigene Identität abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische historische Untersuchung, die biographische Aspekte der Autoren mit einer literarischen Analyse der Texte kombiniert, um den historischen Gehalt und die tendenziöse Darstellung zu trennen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist in zwei Teile gegliedert: Zuerst wird Notker der Stammler und sein Werk über Karl den Großen betrachtet, danach folgt die Analyse von Liutprands Bericht über Byzanz mit Fokus auf dessen kulinarische Beobachtungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Mittelalter, Byzanz, diplomatische Gesandtschaft, kulturelle Identität, Polemik, Herrscherethik und kulinarische Realienkunde.
Wie bewertet der Autor Liutprands Schilderungen der byzantinischen Küche?
Die Arbeit zeigt auf, dass Liutprands Kritik an den byzantinischen Speisen, wie etwa der Verwendung von Fischsauce (Garum) oder der Art der Zubereitung, weniger als objektiver Reisebericht, sondern als Ausdruck seiner kulturellen Aversion und politischer Polemik zu verstehen ist.
Welche Rolle spielt die Anekdote vom "gewendeten Fisch" bei Notker?
Diese Anekdote dient als Topos, um die Weisheit der Gesandten Karls des Großen hervorzuheben und gleichzeitig das starre, anachronistische Zeremoniell am byzantinischen Hof kritisch und spöttisch darzustellen.
- Citation du texte
- MA Guido Maiwald (Auteur), 2004, Essen und Trinken in Byzanz im Spiegel der "Legatio" Liudbrands von Cremona und der "Gesta Karoli" von Notker dem Stammler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179441