Gewalt in den Internationalen Beziehungen


Referat (Ausarbeitung), 2010

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1. Internationale Beziehungen
2.2. Der Kriegsbegriff
2.3. Bewaffneter Konflikt
2.4. Terrorismus

3. Die „neuen Kriege“

4. Empirische Befunde
4.1. Kriege und bewaffnete Konflikte seit 1945
4.2. Aktuelle Kriege und bewaffnete Konflikte
4.3. Zusammenfassung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aktuelle Kriege und Konflikte in Afrika südlich der Sahara.

Abbildung 2: Aktuelle Kriege und Konflikte in Asien.

Abbildung 3: Aktuelle Kriege und Konflikte im vorderen- und Mittleren Orient

Abbildung 4: Aktuelle Kriege und Konflikte in Lateinamerika.

Abbildung 5: Inner- und zwischenstaatliche Kriege.

Abbildung 6: Konflikte und Kriege seit 1945.

1. Einleitung

Gewalt und somit Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Konfliktparteien hat es schon immer gegeben. Als Gipfel dieser gewaltsamen Auseinandersetzungen ist sicherlich der Zweite Weltkrieg zu sehen. Seitdem ist ein allgemeiner Wandel in der weltweiten Gewaltstruktur zu beobachten. Neben dem Krieg sind neue Formen und Akteure der Gewaltausübung auf der internationalen Ebene aufgetreten.

Aus diesem Grund werde ich mich in dieser Ausarbeitung, parallel zum spiegelbildlichen Referat, mit dem eben genannten Wandel in der Gewaltstruktur der internationalen Beziehungen beschäftigen.

Spätestens nach dem Zerfall der bipolaren Weltordnung, mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ist eine verstärkte Entwicklung vom Krieg hin zu neuen Gewaltformen zu beobachten. Der Terrorismus und die durch ihn hervorgerufenen Veränderungen im internationalen Staatensystem sind hier nur ein Beispiel aus vielen. In der Wissenschaft wird deshalb immer häufiger der umstrittene Begriff „neue Kriege“ verwendet, der von Herfried Münckler in seinem Werk, mit gleichnamigen Titel, 2002 das erste Mal in den wissenschaftlichen Diskurs eingebracht wurde.

Zunächst werde ich einige Definitionen zu für diese Arbeit wichtigen Begriffen geben, um ein grundlegendes Verständnis für die im Verlaufe der Arbeit verwendeten Begriffe und Zusammenhänge zu schaffen.

In Folgenden wird dann der entsprechende Wandel des Kriegsbegriffs hin zu den „neuen Kriegen“ dargestellt und es werden mögliche Gründe für diesen Wandel herausgearbeitet.

In einem nächsten Schritt erfolgt eine empirische Bestandsaufnahme der Kriege und Konflikte seit 1945. Hier sollen vor allem die zuvor gewonnenen Erkenntnisse über die „neuen Kriege“ mit den tatsächlichen Entwicklungen im internationalen System verglichen und Rückschlüsse auf den Wahrheitsgehalt der These von den „neuen Kriegen“ gezogen werden.

In einem letzten Schritt werde ich ein kurzes Fazit ziehen, welches die wesentlichen Erkenntnisse aus der Untersuchung der Thematik zusammenfassen wird.

2. Definitionen

2.1. Internationale Beziehungen

Dem Begriff „internationale Beziehungen“ liegen im heutigen wissenschaftlichen Diskurs, der im Wesentlichen ein politikwissenschaftliches ist, drei verschiedene Verständnisse zugrunde.

Im klassischen Sinne bezeichnet der Begriff alle Beziehungen zwischen souveränen Nationalstaaten.[1] Dieser „enge“ Begriff trifft heute sicherlich nur noch auf einen kleinen Teil der Gesamtheit der internationalen Beziehungen zu. Durch den Wandel im Staatensystem seit 1945 und eine sich immer mehr globalisierende und vernetzende Welt hat sich heute ein neueres Begriffsverständnis der internationalen Beziehungen herausgebildet. Es bezeichnet das Geflecht grenzüberschreitender, militärischer, politischer, kultureller, wirtschaftlicher Interaktionen zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren, einschließlich internationalen Organisationen wie die Vereinten Nationen und supranationalen Organisationen wie der Europäischen Union. Dieses Verständnis wird allgemein auch als „weiter“ Begriff bezeichnet.[2]

Darüber hinaus stellen die internationalen Beziehungen auch ein Teilgebiet der Politikwissenschaft dar. Wissenschaftler dieser Fachrichtung versuchen normativ und empirisch Handlungsmuster und Handlungsvoraussagen für die Beziehungen zwischen internationalen Akteuren zu entwickeln.[3]

2.2. Der Kriegsbegriff

Bis in die heutige Zeit hat sich keine allgemeingültige Definition für den Begriff „Krieg“ herausgebildet. Ursachen, Formen der Gewalt und Akteure sind aufgrund ihrer Verteilung auf der ganzen Welt oft so unterschiedlich, dass man keine einheitlichen Parameter für ihr Verhalten identifizieren kann.

Jedoch entwickelte die Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Kriegsursachenforschung (AKUF) in Anlehnung an den ungarischen Friedenswissenschaftler Istvan Kende einen Kriegsbegriff, der heute weithin akzeptiert wird und auch bei der Ausarbeitung des Kriegsvölkerrechts verwendet wurde. Dieser Begriff beschreibt den Krieg als gewaltsamen Massenkonflikt mit folgenden Merkmalen:

1. An den Kämpfen sind zwei oder mehr bewaffnete Streitkräfte beteiligt, bei denen es sich mindestens auf einer Seite um reguläre Streitkräfte wie Militär, paramilitärische Verbände oder Polizeieinheiten der Regierung handelt.[4]
2. Die bewaffneten Operationen ereignen sich mit einer gewissen Kontinuität und nicht nur als gelegentliche, spontane Zusammenstöße, d.h. beide Seiten operieren nach einer planmäßigen Strategie, gleichgültig ob die Kämpfe auf dem Gebiet einer oder mehrerer Gesellschaften stattfinden und wie lange sie dauern.[5]
3. Auf beiden Seiten muss ein Mindestmaß an zentral gelenkter Organisation der Kriegsführenden und des Kampfes gegeben sein, selbst wenn dies nicht mehr bedeutet als organisierte bewaffnete Verteidigung oder planmäßige Überfälle wie Guerilla-Operationen, Partisanenkrieg und andere Formen der gewaltsamen Auseinandersetzung.[6]

Konflikte, die diese Merkmale erfüllen, sind im Völkerrecht (Kriegsvölkerecht) als solche festgeschrieben und somit mit einer Fülle von Regeln versehen, an die sich die Konfliktparteien halten müssen, wenn sie von der internationalen Staatengemeinschaft nicht sanktioniert werden wollen.

Darüber hinaus gelten Kriege als beendet, wenn die Kampfhandlungen dauerhaft, d.h. für den Zeitraum von mindestens einem Jahr, eingestellt bzw. nur unterhalb der AKUF-Kriegsdefinition fortgesetzt werden.[7]

Um eine Typologie des Krieges aufstellen zu können, unterteilte die AKUF die Kriege seit 1945 in fünf verschiedene Kriegstypen:

1. Antiregime-Kriege:
Kriege, in denen um den Sturz der Regierenden oder um die Veränderung oder den Erhalt des politischen Systems oder gar der Gesellschaftsordnung gekämpft wird.[8]
2. Autonomie und Sezessionskriege:
Kriege, in denen um größere regionale Autonomie innerhalb des Staatenverbandes oder um Sezession vom Staatenverband gekämpft wird.[9]
3. Zwischenstaatliche Kriege:
Kriege, in denen sich Streitkräfte der etablierten Regierungen mindestens zweier staatlich verfasster Territorien gegenüberstehen, und zwar ohne Rücksicht auf ihren völkerrechtlichen Status.[10]
4. Dekolonisationskriege:
Kriege, in denen um die Befreiung von Kolonialherrschaft gekämpft wird.[11]
5. Sonstige innerstaatliche Kriege

Kriege bei denen andere als die o.a. Gründe für den Ausbruch der Kampfhandlungen verantwortlich sind.[12]

2.3. Bewaffneter Konflikt

Unter den Begriff des „bewaffneten Konflikts“ fallen alle gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen die Kriterien der Kriegsdefinition nicht in vollem Umfang erfüllt sind. In der Regel handelt es sich dabei um Fälle, in denen eine hinreichende Kontinuität der Kampfhandlungen nicht mehr oder auch noch nicht gegeben ist.[13]

2.4. Terrorismus

Auch der spätestens seit dem 11. September 2001 allgegenwärtige Terrorismus fällt nicht unter den Kriegsbegriff. Allein schon aus dem Grund, dass terroristische Gewalt meistens punktuell erfolgt, ist eine Einordnung unter dem von der AKUF entwickelten Kriegsbegriff kaum möglich. Weiterhin benötigen terroristische Netzwerke nicht zwingend die Unterstützung von Bevölkerung und ziviler Infrastruktur eines Landes. Das macht eine Zuordnung zu Guerilla-Gruppen hinfällig. Diese brauchen gerade die eben erwähnte Unterstützung. Weiterhin ist der Terrorismus durch seine weltweite Vernetzung und Zurechenbarkeit zu einzelnen Staaten, anders als der Krieg, in die Grauzonen des internationalen Rechts abgerutscht und macht seine Unterbindung zum fast unmöglichen Vorhaben. Jedoch bedienen sich die Regierungen einzelner, sich in Kriegen oder bewaffneten Konflikten befindlichen Staaten, sich oftmals terroristischen Organisationen und Mitteln um ihre Konflikte auszutragen.

3. Die „neuen Kriege“

Im Jahre 2008 wurde mit insgesamt 345 Konflikten die höchste Konfliktintensität seit 1945 gemessen. Davon waren aber nur sieben zwischenstaatliche Kriege. Bei dem Rest handelte es sich um innerstaatliche Kriege und bewaffnete Konflikte. Bis 1991 waren zudem die meisten Konflikte und Kriege geprägt von der „bipolaren Blockkonstellation“ und gingen als sogenannte „Stellvertreterkriege“ in die Geschichte ein. Sie waren eindeutig den Staaten der beiden Blöcke zuzuordnen und waren damit als zwischenstaatliche Kriege einzustufen. Heute ist diese Zahl rückläufig.

Die letzten klassischen Staatenkriege fanden zwischen Taiwan und China, Irak und Iran und Äthiopien und Eritrea statt. Dafür gibt es immer mehr innerstaatliche Kriege und Konflikte. Diese überschreiten oftmals auch Grenzen, sind jedoch nicht eindeutig einzelnen Staaten mit deren Regierungen und offiziell autorisierten Streitkräften zuzuordnen.

Herfried Münckler führte deshalb 2002 den Begriff „neue Kriege“ in den wissenschaftlichen Diskurs ein.

Als Ursache für den Wandel hin zu innerstaatlichen Kriegen und Konflikten sind mehrere Faktoren zu nennen:

1. Verteilungsungerechtigkeit zwischen Arm und Reich
2. Ressourcenknappheit
3. Klimawandel à Naturkatastrophen
4. Religiöse und ethnische Unterschiede
5. Pazifismus[14]

Diese Faktoren gab es zwar auch schon in der Vergangenheit und sie spielten auch dort eine Rolle, jedoch gewinnen sie heute durch eine sich immer mehr globalisierende bzw. vernetzende Welt immer mehr an Bedeutung.

Als noch bedeutender ist aber der Zusammenbruch der alten Machtstrukturen nach dem Ende des Kalten Krieges zu sehen.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion bedeutete gleichzeitig den Verlust des bis dato existierenden Waffenmonopols. Eine Unmenge von auf einmal „billigen“ Waffen wurde in den Umlauf gebracht und private Akteure traten auf die Bühne, die vorher nur den Staaten der beiden konkurrierenden Blöcke vorbehalten war.[15]

Hinzu kam, dass viele Staaten ihr Gewaltmonopol durch das Ende der bipolaren Welt ganz oder teilweise verloren. Somit wurde der Krieg schrittweise entpolitisiert und ökonomisiert. Das Gewaltmonopol geht zunehmend auf private Akteure wie Söldnergruppen, kriminelle Banden und Terrorgruppen über. Der Krieg wird also entstaatlicht und immer öfter aus Motiven der persönlichen Bereicherung geführt. Sogenannte „Gewaltunternehmer“ wie private Sicherheitsfirmen übernehmen oftmals die Kriegsführung für einzelne Staaten und versuchen sich an den durch sie selbst geführten Konflikten zu bereichern.[16]

Neben der neuen Wechselhaftigkeit von Gewaltschauplätzen, bedingt auch durch den Terrorismus, dem sich immer häufiger auch Staaten als Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen bedienen, findet eine Verlagerung der Kriegsführung in die Grauzonen des internationalen Rechts statt. Eine trennscharfe Abgrenzung von Kombattanten und Nicht- Kombattanten ist oftmals nicht mehr möglich und die Nationalstaaten werden in unkonventionelle Prozesse der Kriegsführung zwischen staatlichen, substaatlichen und nichtstaatlichen Akteuren verwickelt.[17]

[...]


[1] Vgl. Krell, 2004: 27-28.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Vgl. http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege_aktuell.htm#Def

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Vgl. Münckler, 2005: 13-33.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Gewalt in den Internationalen Beziehungen
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V179491
ISBN (eBook)
9783656018261
Dateigröße
796 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, internationalen, beziehungen
Arbeit zitieren
Tim Bohle (Autor), 2010, Gewalt in den Internationalen Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179491

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