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Beratung von Jungen und Mädchen

Alters- und geschlechtsspezifische Beratung

Title: Beratung von Jungen und Mädchen

Diploma Thesis , 2011 , 152 Pages , Grade: 1,6

Autor:in: Sina Gerber (Author)

Pedagogy - Miscellaneous Topics
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Summary Excerpt Details

Die Kinder- und Jugendberatung als Teil gesellschaftlicher
Handlungsfelder und pädagogischer Arbeit und
Hilfe unterliegt immer politischen und gesellschaftlichen
Diskursen und Zusammenhängen - so zum Beispiel
auch der Diskussionen um Lebensweltorientierung oder
Geschlechterdifferenzierung und -gerechtigkeit.
Die Debatte um die Kategorie ‚Geschlecht’ in der Kinderund
Jugendarbeit entstand durch die Aufdeckung
benachteiligter Lebenslagen von Frauen und Mädchen im
Zuge der Neuen Frauenbewegung. Daraus entwickelten sich
Überlegungen zu einer geschlechtsspezifischen Arbeit in
den 1970er-Jahren. Der Diskurs über die Gleichberechtigung
von Mädchen erreichte 1984 im sechsten
Jugendbericht zur „Verbesserung der Chancengleichheit von
Mädchen“ seinen Höhepunkt und wurde 1990 im Rahmen des
Kinder- und Jugendhilfegesetzes gesetzlich verankert.
So lautet § 9 Absatz 3 des KJHG:
„Bei der Ausgestaltung der Leistungen und der
Erfüllung der Aufgaben sind die unterschiedlichen
Lebenslagen von Mädchen und
Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen
abzubauen und die Gleichberechtigung
von Mädchen und Jungen zu fördern.“
Die Hinwendung zu den Jungen ist bereits in dem
Paragraphen erwähnt, welche 1999 im Amsterdamer Vertrag
zum Gender-Mainstreaming-Prinzip in der Kinder- und
Jugendhilfe erneut bekräftigt wird und die Kategorie ‚Geschlecht’ nochmals durch Diskussionen in den Fokus der
Aufmerksamkeit gerät.
„Veränderungen auf der gesellschaftlichen Ebene wirken
auch auf die Lebenslagen, Lebensführung und das
Selbstverständnis von Mädchen und Frauen, Jungen und
Männern sowie auf die Konstitution des Geschlechterverhältnisses
ein.“[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Aktualitätsbezug und Thesenvorstellung

2. Begriffsklärungen und rechtliche Grundlagen

2.1 Beratung

2.2 Beratung in Abgrenzung zu Therapie

2.3 Gesetzliche Grundlagen der Beratung von Kindern und Jugendlichen

2.4 Kinder und Jugendliche

3. Wie Jungen zu Männern werden und Mädchen zu Frauen

3.1 Erfahrung von Geschlecht in der Gesellschaft

3.2 Die Konstruktion von Geschlechterrollen

3.2.1 Der Begriff ‚Geschlechterrolle’

3.2.2 Sozialisation und Erziehung

3.2.3 Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit

3.3 Entstehung und Aufrechterhaltung geschlechtsspezifischer Subwelten

3.3.1 Entstehung von Subwelten im Kindesalter

3.3.2 Aufeinandertreffen der Subwelten in der Adoleszenz

3.3.3 Training der Subwelten im Erwachsenenalter

3.4 Zusammenfassung

4. Geschlechterrollen und deren Effekte auf die Beratung

4.1 Folgen der Geschlechterrollen und resultierende Probleme

4.1.1 Geschlechtsspezifischer Rollendruck

4.1.2 Krankheiten und Störungen

4.1.3 Empathiemangel und Aggression

4.1.4 Kommunikationsprobleme

4.1.5 Leistung und Karriere

4.2 Geschlechtsspezifische Beratung von Frauen und Männern

4.2.1 Effekte der Geschlechterrollen auf die Beratung

4.2.2 Reaktion der Beratung auf Geschlechterrollen und deren Folgen

4.2.3 Gruppenberatung und Geschlecht

4.2.4 Lösung der Geschlechterfrage in der Beratung

4.2.5 Beratung von Jungen und Mädchen

4.3 Zusammenfassung

5. Altersspezifische Beratung

5.1 Beratung für Kinder

5.1.1 Anlässe für Beratung von Kindern

5.1.2 Zugang zur Beratungsstelle

5.1.3 Kommunikationsformen und Beratungsmethoden

5.1.4 Gruppenberatung für Kinder

5.2 Beratung für Jugendliche

5.2.1 Anlässe für Beratung von Jugendlichen

5.2.2 Zugänge zur Beratungsstelle

5.2.3 Kommunikationsformen und Beratungsmethoden

5.2.4 Gruppenberatung für Jugendliche

5.3 Neue mediale Welten und Beratungsangebote

5.3.1 Neue Beratungsangebote als Antwort auf veränderte Lebenswelten

5.3.2 Online-Beratung

5.4 Zusammenfassung

6. Familien- und Erziehungsberatung

6.1 Familienberatung als Gruppenberatung

6.2 Beratung von Kindern und Jugendlichen im Verhältnis zu Familienberatung

6.3 Zusammenfassung

7. Schlussbetrachtungen

7.1 Votum

7.2 Ausblick

7.3 Selbstreflexiver Bezug

Zielsetzung & Themen

Die wissenschaftliche Arbeit untersucht die Bedeutung von altersspezifischer und geschlechtsspezifischer Beratung für Kinder und Jugendliche. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern gesellschaftlich konstruierte Rollenbilder und sich wandelnde Lebenswelten differenzierte Beratungsangebote erforderlich machen und welche methodischen Ansätze den spezifischen Bedürfnissen dieser Klientengruppe gerecht werden können.

  • Konstruktion von Geschlechterrollen und deren Auswirkungen auf die Sozialisation
  • Psychosoziale Effekte von Rollendruck, Krankheiten und Kommunikationsmustern
  • Methodik der geschlechtsspezifischen Beratung sowie der Gruppenberatung
  • Altersspezifische Zugänge und Methoden in der Kinder- und Jugendberatung
  • Einfluss digitaler Medien und Online-Beratung als Antwort auf veränderte Lebenswelten

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Konstruktion von Geschlechterrollen

Ob ein Säugling ein Junge oder Mädchen ist, sieht man meist offensichtlich an den Geschlechtsmerkmalen, welche im Zuge der Befruchtung der Eizelle durch Gene festgelegt wurden. Es erfolgt die Einordnung des Säuglings in eine von zwei Kategorien: männlich oder weiblich. Nach dieser Einordnung beginnt das soziale Training (unterrichten, vorleben, einfordern und überprüfen) und die Geschlechterrolle gemäß dem gesellschaftlich akzeptierten Stereotyp wird vom Kind stetig erworben. Die Annahme, dass typisch weibliche oder männliche Verhaltensweisen angeboren – also genetisch determiniert – sind, kann unter diesen Umständen nicht standhalten. Genetische Ursachen sind nicht ausschließlich allein für die Entstehung von persönlichen oder geschlechtstypischen Eigenschaften verantwortlich. Viel mehr ist es die Konstruktion des Geschlechts durch die Umwelt des Säuglings.

Historisch betrachtet war die Konstruktion der Geschlechterrollen und deren Arrangement für den Erfolg der kultivierten Gesellschaft notwendig – soziale Organisation wird extrem vereinfacht und der Prozess der Selbst- und Fremdwahrnehmung verkürzt, sodass weniger Fehldeutungen oder Mehrdeutigkeiten vorkommen. Gleichzeitig zu den getrennten Geschlechterstereotypen existiert das Modell der Vervollständigung – die Geschlechter ergänzen sich wechselseitig und unterliegen weniger gegenseitiger Konkurrenz.

Um die Konstruktion von Geschlechterrollen in der Gesellschaft darzustellen, muss zunächst der Begriff ‚Geschlechterrolle’ als soziale Rolle definiert werden. Außerdem ist es nötig, die Konstruktion in Sozialisation und Erziehung zu differenzieren, und die Begriffe klar von einander abzugrenzen um Unklarheiten vorzubeugen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Aktualitätsbezug und Thesenvorstellung: Einleitung in die Relevanz der Gender-Debatte in der Kinder- und Jugendhilfe und Verankerung im Kinder- und Jugendhilfegesetz.

2. Begriffsklärungen und rechtliche Grundlagen: Klärung der Definitionen von Beratung und Abgrenzung zur Therapie sowie Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendliche.

3. Wie Jungen zu Männern werden und Mädchen zu Frauen: Analyse der gesellschaftlichen Konstruktion von Geschlecht durch Sozialisation, Erziehung und die Entstehung von geschlechtsspezifischen Subwelten.

4. Geschlechterrollen und deren Effekte auf die Beratung: Erörterung der Auswirkungen von Rollendruck auf die psychische Gesundheit und Diskussion von Beratungsstrategien für die unterschiedlichen Geschlechter.

5. Altersspezifische Beratung: Fokus auf die methodischen Anforderungen der Beratung für Kinder und Jugendliche, inklusive der Herausforderungen durch neue mediale Welten.

6. Familien- und Erziehungsberatung: Einbettung der Kinder- und Jugendberatung in das Familiensystem und Darstellung der Familienberatung als Gruppenangebot.

7. Schlussbetrachtungen: Zusammenfassende Bewertung der Ansätze und Reflexion der Autorin über den eigenen geschlechtsspezifischen Blickwinkel.

Schlüsselwörter

Beratung, Geschlechterrollen, Sozialisation, Kinder- und Jugendhilfe, Gender Mainstreaming, Individualisierung, Kommunikation, Gruppenberatung, Online-Beratung, Geschlechtsidentität, Erziehung, Psychosoziale Gesundheit, Lebenswelten, Subwelten, Beratungsstelle.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit beleuchtet die Beratung von Kindern und Jugendlichen unter Berücksichtigung von Alter und Geschlecht als zentrale Einflussfaktoren auf ihre Lebenswelt und Identitätsentwicklung.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Kernpunkten gehören die soziale Konstruktion von Geschlecht, die Auswirkungen von Rollenerwartungen auf die psychische Gesundheit sowie die spezifischen methodischen Anforderungen in der Beratung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie geschlechts- und alterssensible Beratung dazu beitragen kann, die Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern und Chancengleichheit zu fördern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender sozialwissenschaftlicher und pädagogischer Theorien zur Geschlechterforschung und Beratungspsychologie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zur Geschlechterrolle konkrete Beratungsanlässe und -methoden für verschiedene Altersstufen analysiert sowie die Bedeutung von Gruppenberatung und Online-Angeboten diskutiert.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Begriffe wie Rollendruck, Sozialisation, Identitätsentwicklung, Beratungskompetenz und Lebensweltorientierung sind zentral für das Verständnis der Argumentation.

Wie gehen Berater mit den unterschiedlichen Bedürfnissen von Jungen und Mädchen um?

Berater müssen geschlechterstereotype Rollen hinterfragen und Angebote schaffen, die den Jugendlichen Raum zur freien Identitätsentwicklung bieten, ohne sie erneut in starre Geschlechterkategorien zu zwingen.

Welche Rolle spielt die Online-Beratung laut der Autorin?

Sie wird als notwendige Antwort auf die digital geprägte Lebenswelt der heutigen Generation gesehen, bietet Chancen für anonymen Zugang, birgt jedoch auch Anforderungen an neue Kompetenzen der Berater.

Excerpt out of 152 pages  - scroll top

Details

Title
Beratung von Jungen und Mädchen
Subtitle
Alters- und geschlechtsspezifische Beratung
College
University of Hamburg
Course
Pädagogik / Erziehungswissenschaften
Grade
1,6
Author
Sina Gerber (Author)
Publication Year
2011
Pages
152
Catalog Number
V179638
ISBN (eBook)
9783656019756
ISBN (Book)
9783656019671
Language
German
Tags
beratung jungen mädchen Alter Geschlecht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sina Gerber (Author), 2011, Beratung von Jungen und Mädchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179638
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