Lied und Liedhaftes in der Kunstmusik


Seminararbeit, 2011

15 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Lied und Liedhaftes im Unterricht
1 Werkhören in der Grundschule
1.1 Prinzipen des Werkhörens
1.2 Elementare Kategorien des Musikhörens
1.3 Methoden
2 Das (Volks-)Lied
2.1 Sortierungen und Träger der Volkslieder
2.2 Definitionsproblem des Begriffes „Volkslied“
3 Das Lied in der Kunstmusik
3.1 Liste der Beispiele
3.2 Wolfgang Amadeus Mozart: Violinkonzert Nr. 3 G-Dur, KV 216 - Das „Straßburger Konzert“
3.3 Johannes Brahms: Akademische Festouvertüre – Studentenlieder

III Schluss

Literatur

I Einleitung

Als der Geiger Giles Apap im Jahr 1999 in einem Konzert in Paris Mozarts Violinkonzert Nr. 3 in G-Dur, KV. 816, zum Besten gab, überraschte er sein Publikum mit etwas noch nie dagewesenem.

Zum einen übernahm er kurzfristig die Leitung des Orchesters (der ursprünglich dafür eingesetzte Yehudi Menuhin war wenige Tage zuvor verstorben), wobei er diese Tätigkeit mit seinem Geigenbogen energiereich und extrovertiert ausführte.

Zum anderen spaltete er in seiner Kadenz zum 3. Satz seine Zuhörer wie sonst kaum einer: In einer freien Improvisation über die zwei volksliedartigen Melodien, die während des Satzes auftauchen (siehe 3.2), gelang Giles Apap eine (für viele recht provokante) knapp zehnminütige Reise durch verschiedene Länder und ihre (volkstümlichen) Musikstile. Man hört Zigeunermusik, Blues, Indischen Ravi Shankar und Fiddlermusik, gepaart mit „unklassischen“ Elementen wie Pfeifen, Singen, Aufheulen und einer ebenso eher unkonventionellen Bogentechnik.

Natürlich blieben negative Reaktionen nicht aus. Ein Mann rief noch während des Konzertes: „Hey, where is Mozart?“ und auch spätere Kritiken konnten mit Giles Apaps Kadenz nichts anfangen und warfen ihm fehlenden Respekt und kabarett-artige Selbstinszenierung vor. 1

Abgesehen davon, was jeder einzelne von dieser Art der Interpretation hält, soll dieses Konzert auch als Beispiel herangezogen, in welcher Form Volkslieder/ -weisen oder Liedhaftes in klassischen Werken vorkommen können. Die Einbettung solcher findet sich bei näherem Hinsehen, bzw. Hinhören nämlich in so manchem Stück der „alten Meister“. Und das wiederum kann als eine wunderbare Brücke im Schulunterricht verwendet werden, die Schüler von einem bekannten oder leicht singbaren Lied an ein komplexes klassisches Werk heranzuführen.

In folgender Arbeit sollen die eben genannten Aspekte genauer betrachtet werden.

II Lied und Liedhaftes im Unterricht

Zuerst werden die Prinzipien des Werkhörens sowie dessen Kategorisierung und Methoden im Unterricht dargestell. Anschließend wird der Versuch einer Definition des (Volks-)Liedes aufgezeigt. Im Abschluss wird die Verarbeitung solcher Musik in der Kunstmusik neben tabellarischen Beispielen auch anhand der Betrachtung zweier ausgewählter Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms genauer untersucht.

1 Werkhören in der Grundschule

Im Schulmusikunterricht ist das Musikhören ein wichtiger Bestandteil. Das Ziel ist (grob zusammengefasst) die Öffnung gegenüber Musik sowie Klängen und Geräuschen. Dabei ist besonders wichtig, auch das breite Spektrum der verschiedenen Musikarten aufzuzeigen. In den nachfolgenden Punkten sollen sowohl Prinzipen, als auch elementare Kategorien des Werkhörens aufgezeigt werden. Am Ende werden noch einige Methoden genannt.2

1.1 Prinzipen des Werkhörens

Grundsätzlich ist bekannt, dass Schüler die im Unterricht zu behandelnden/behandelten Themen beim Hören der Musik wiedererkennen und somit leichter verstehen können. Die Vertiefung des Stoffs hilft beim Lernen. Und da das Musikhören heute ein alltäglicher Bestandteil ist, fällt es dem Lehrer viel leichter, zu unterrichten, wenn auch die Schüler Spaß am Unterricht haben und eine Verbindung zum Alltag ziehen können.

Allerdings ist die Gefahr groß, dass bei zu wenig Abwechslung sowohl in der Auswahl der Stücke als auch bei den Erarbeitungstechniken schnell Langeweile entsteht. Aus diesem Grund sollte der Lehrer auch bei einer scheinbar so „leichten“ Aufgabe die Schülerorientierung und Methodenvielfalt beachten.

Wichtig ist hierbei vor allem im Grundschulalter, das Sprechen in Fachbegriffen erst sehr langsam einzuführen und die Schüler lieber mit ihren eigenen Worten beschreiben zu lassen, was sie da hören oder empfinden. Ebenso sollte in kleinen Schritten gearbeitet werden und die Musik in kleinere Bestandteile zu erarbeiten, wie z.B. Rhythmik, Melodik, Thematik, Komponist usw. Die Musikauswahl sollte nicht einseitig, sondern so vielseitig wie möglich sein. Musik verschiedener Gattungen, verschiedener Zeiten und verschiedener Kulturkreise kennenzulernen ist eine knappe Beschreibung dieser Vielseitigkeit. 3

1.2 Elementare Kategorien des Musikhörens

Jedes Musikstück kann außerdem in folgende elementare Kategorien zerlegt werden:

Klangeigenschaften (Lautstärke, Tondauer, Klangfarbe, Tonhöhe, Dichte)

Klangformen (Klangpunkt, Klinger bzw. Schwebeklang, Bewegungsklang, Gleitklang, Cluster)

Formprinzipien (Gliederung, Wiederholung, Veränderung, Steigerung, Rückentwicklung, Kontrast)

Formverläufe (A-B-A, Rondo, Strophen, …)

Daraus kann man folgendermaßen Zielvorstellungen formulieren:

„Es gilt, die Bereitschaft zu üben, der Musik zuzuhören, sich ihr mit langsam gesteigertem Anspruch affektiv und cognitiv zuzuwenden.

Es gilt, über Hörkontakte hinaus handelnd mit Musik umzugehen und elementare verbale Kompetenz in Beschreibung und Beurteilung zu gewinnen.

Es gilt, durch Differenzierung der hörenden Wahrnehmung immer stärker zu erfahren und zu erkennen, wie Musik beschaffen ist, welche Intentionen und Funktionen jeweils mit ihr verbunden sind und was sie für uns bedeuten kann.“ 4

1.3 Methoden

Die Methodenvielfalt ist – wie bereits erwähnt – auch in dieser Unterrichtseinheit von entscheidender Bedeutung. Im Bereich des Werkhörens gibt es eine große Zahl an Methoden, die zum Großteil auch anwendbar sind.

Hier folgen einige Beispiele, wobei die Erklärung knapp gehalten wird.

Auffälligkeits-Sammlung: Die Schüler sollen nach Anhören des Musikstückes frei heraus sagen, was ihnen zu diesem einfällt. Es gelten hier keinerlei Einschränkungen.

Beispiel: „traurige Musik“, „Pferdegetrappel“, „ganz langsam“ usw.

Zuordnungsverfahren: Musikstücke werden ihren Titeln oder Genres zugeordnet.

Beispiel: „Bilder einer Ausstellung“ (Mussorgsky), oder „Kriminalfilmmusik vs. Mickey-Mouse-Musik“

Liedbrü. Volkslieder waren für ihn solche, die die Natur eines Volkes, seine Denkart und die nationale Eigenart und damit zugleich das alles verbindende Natürlich-Menschliche charakteristisch zum Ausdruck bringen.5 Er nannte sie die „lebendige Stimme der Völker, ja der Menschheit selbst“6.

Angeregt durch Herder gab es zahlreiche weitere Volksliedsammlungen, so zum Beispiel von J.W.v. Goethe oder Clemens Brentano („Des Knaben Wunderhorn“). Das wohl größte Archiv ist das „Deutsche Volksliedarchiv“ der Universität Freiburg, das seit 1914 existiert.

Der Aufschwung des Volksliedes geschah jedoch schon vorher durch diverse Liederschulen etwa um 1753. Hier sollten die Lieder in einem betont volkstümlichen Grundzug den Laien nahegebracht werden. 7

2.1 Sortierungen und Träger der Volkslieder

Ein Volkslied kann in vielerlei Kategorien sortiert werden, hier werden einige aufgelistet:

Die Träger bzw. Sänger solcher Lieder lassen sich ebenso erfassen:

Es können soziale und berufliche, familiäre, politische oder vereinsmäßige Gruppen, sowie siedlungs- oder sprachbedingte Gemeinschaften singen. 8

2.2 Definitionsproblem des Begriffes „Volkslied“

Die Definition eines Volksliedes fällt durchaus schwerer. Aufgrund der großen Verbreitung, jedoch regional enorm unterschiedlichen Ausprägung und der vielen Kategorisierungen (siehe oben) ist es nicht leicht, eine allgemeingültige Formulierung zu finden.

Als Beispiel eines Versuchs, das Feld möglichst breit und doch konkret zu erfassen, kann Hugo Riemann mit seiner historischen Definition von 1916 herangezogen werden:

„Volksmusik heißt entweder ein Lied, das im Volk entstanden ist (das heißt, dessen Dichter und Komponist nicht mehr bekannt sind), oder eines, das in den Volksmund übergegangen ist, oder eines, das 'volksmäßig', das heißt schlicht und leicht fasslich in Melodie und Harmonie komponiert ist.“ 9

[...]


1 http://www.gillesapap.com/

2 Gundlach 1984, S.177

3 Ebd., S.175ff

4 Ebd., S.191

5 Metzler 1998, S.1138f

6 Gaier 1990, S.841ff

7 Braun 1985, S.4ff

8 Metzler 1998, S.1138f

9 Riemann 1959, S.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Lied und Liedhaftes in der Kunstmusik
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Singen - Eine Kulturtechnik und ihre Vermittlung
Note
1
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V179661
ISBN (eBook)
9783656021407
ISBN (Buch)
9783656021766
Dateigröße
1102 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musikpädagogik, Musikerziehung, Musikwissenschaft, Singen, Musikunterricht, Volkslied, Unterricht
Arbeit zitieren
Regina Steinbügl (Autor), 2011, Lied und Liedhaftes in der Kunstmusik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179661

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