Nationale Identität, eine Konstruktion des Eigenen in Abgrenzung zum Fremden, ist in Thailand hauptsächlich das Produkt und Spiegelbild des Selbstverständnisses und der Wertevorstellungen monarchistischer und staatlicher Herrschaftseliten. Mit der Erschaffung des Nationalstaates und einer, um nationale Ideen erweiterten Ideologie, die sich im Wesentlichen auf die traditionellen und ungebrochenen Weltbilder des Buddhismus und der Monarchie stützt, konnte territoriale Integrität und Herrschaftskontinuität bewahrt werden. Identität als nationales Solidargefühl erlangte eine zunehmende Bedeutung bei der Konstituierung der neuen Staatsordnung zur Herrschaftslegitimation im Rahmen der veränderten Strukturen. Für die Erzeugung und Festigung nationaler Identität war es zweckmäßig, eine einheitliche Repräsentation des Eigenen zu generieren, wozu die historischen Leitbilder und Identitätsformen angepasst und neu konstruiert wurden. Die Medien transportierten die neuen Ideen in die Gesellschaft und durch eine weitreichende Kontrolle der Kommunikationsmittel und Medieninhalte konnte dieser Prozess interes-senkonform gestaltet werden. Ein Medium zur Repräsentation von Geschichte und damit auch zur nationalen Identitätsbildung ist das Museum. Am Beispiel des Museum of Siam und der darin befindlichen Dauerausstellung `The Account of Thailand` soll im Folgenden gezeigt werden, wie der Bezug zur nationalen Identität Thai aus bestimmten Leitsymbolen, Ursprungsmythen und nationalen Eigenschaften heraus konstruiert und als besonderes Eigenes präsentiert wird. Dabei wird dargelegt, dass Thai, auf angeblich grundlegenden historischen nationalen Kontinuitäten beruhend, hauptsächlich eine Fortsetzung der traditionellen Bezugssysteme Buddhismus und Monarchie ist. In modernisierter Form wurde Thai durch die Erweiterung um bestimmte Eigenschaften des nationalen Eigenen ein flexibel benutzbares Identifikations- und Legitimationsmittel im Interesse der staatlichen Eliten und vor allem der königlichen Institution.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Nationale Identität
3. Thai als nationales Konzept: Nation, Buddhismus und Monarchie
3.1 Nation
3.2 Buddhismus
3.3 Monarchie
4. Die Repräsentation von Thai im Museum of Siam
4.1 Das Museum of Siam
4.2 Die Ausstellung ´The Account of Thailand´
4.2.1 Suvarnabhumi wird Ayutthaya
4.2.2 Ayutthaya wird Siam
4.2.3 Siam wird Thailand
4.3 Eine elitäre Konstruktion des Eigenen
5. Fazit
6. Anlage 1: Museum of Siam, Fotos der Ausstellung `The Account of Thailand`
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie nationale Identität in Thailand durch staatlich gelenkte Medien, insbesondere am Beispiel des Museums of Siam, konstruiert und zur Legitimierung der herrschenden Eliten instrumentalisiert wird. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, welche Leitsymbole und historischen Mythen genutzt werden, um eine vermeintlich kontinuierliche nationale Identität zu erzeugen.
- Die Rolle von Buddhismus und Monarchie als Identitätssäulen
- Die mediale Inszenierung von Geschichte in staatlichen Museen
- Der Mythos von Suvarnabhumi als Ursprungskonstrukt
- Die Instrumentalisierung von Thai-Identität für politische Stabilität
Auszug aus dem Buch
3. Thai als nationales Konzept: Nation, Buddhismus und Monarchie
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Siam, dem heutigen Thailand, der Nationalstaat als Ergebnis westlicher Kolonialpolitik, in der Auseinandersetzung mit den Kolonialmächten England und Frankreich, die ihre kolonialen Einflussgebiete immer weiter ausdehnten und Siam in die Zange nahmen. Der Druck aggressiver Kolonialpolitik, verbunden mit den Existenzängsten der herrschenden Eliten in Siam führte zu einer Anpassung der Staatsform, die dann allmählich mit nationalen Inhalten gefüllt wurde.
Während König Chulalonkorn die entscheidenden Strukturreformen durchführte, die Siam modernisierten und zu einem Nationalstaat der Form nach machten, blieben die Identifikationen weiterhin traditionell autoritär, regional und lokal ausgerichtet, und es entwickelte sich keine nationale Identität. Erst sein Sohn Vajiravudh, der von seinem vierzehnten Lebensjahr an neun Jahre lang in England militärische, geschichtliche und rechtliche Ausbildung erhielt, entwickelte als nachfolgender König Vorstellungen eines offiziellen Nationalismus. Er verband das traditionelle buddhistische Weltbild mit der westlichen Identitätsformel von Gott, König und Vaterland zu einer neuen Form von Thai-Identität, bestehend aus den Leitsymbolen chat, satsana, phra mahakasat, oder Nation, Buddhismus, Monarchie. Diese werden bis heute offiziell als die drei Säulen der Thai-Nation, ihre bestimmenden Identitätsmerkmale deklariert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, wie nationale Identität in Thailand als Konstrukt der herrschenden Eliten fungiert, und stellt das Museum of Siam als Fallbeispiel vor.
2. Nationale Identität: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Hintergrund von nationaler Identität als modernes Konzept zur Herrschaftslegitimation und Identitätsstiftung.
3. Thai als nationales Konzept: Nation, Buddhismus und Monarchie: Hier wird die historische Genese der drei Säulen Thai-Identität – Nation, Buddhismus und Monarchie – und deren Nutzung als politisches Instrument analysiert.
4. Die Repräsentation von Thai im Museum of Siam: Dieses Kapitel analysiert anhand der Ausstellung `The Account of Thailand`, wie Geschichte zielgerichtet als Mythos inszeniert wird, um Identität zu stiften.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Identitätskonstruktion in Thailand ein bewusstes Instrument der elitären Machtstabilisierung ist, das sich über staatlich kontrollierte Medien und Institutionen perpetuiert.
Schlüsselwörter
Thailand, Nationale Identität, Thai-Identität, Monarchie, Buddhismus, Nation, Museum of Siam, Geschichtskonstruktion, Suvarnabhumi, Medienpolitik, Herrschaftslegitimation, Nationalstaat, Eliten, Erinnerungskultur, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Konstruktion nationaler Identität in Thailand und analysiert, wie diese gezielt durch staatliche Institutionen, insbesondere Museen, geformt und verbreitet wird.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Felder sind die Rolle der Monarchie, die Bedeutung des Buddhismus für die Staatsideologie und die geschichtspolitische Interpretation durch den Nationalstaat.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, wie Identität in Thailand konstruiert wird, welche Interessen dahinterstehen und in welcher Form diese Identität der Bevölkerung als verbindlich präsentiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche und kulturhistorische Analyse, die mit Literaturstudien und einer museologischen Untersuchung kombiniert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den drei Säulen der Thai-Nation und der konkreten Analyse der Dauerausstellung im Museum of Siam.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Schlüsselbegriffe sind Identitätskonstruktion, Monarchie, Buddhismus, Nationalismus und staatliche Medienpolitik.
Wie wird das Konzept von Suvarnabhumi im Museum genutzt?
Das Museum nutzt Suvarnabhumi als mythisches "Goldenes Land", um eine jahrtausendealte kontinuierliche Geschichte Thailands zu suggerieren und nationale Einheit auf einem vermeintlichen Stammterritorium zu begründen.
Welche Rolle spielt die Monarchie in diesem Identitätsmodell?
Die Monarchie wird als zentrales Leitsymbol und Schöpfungskraft der Nation dargestellt, wobei sie durch sakrale Inszenierung über die normale Bevölkerung erhoben und als Garant für Stabilität und Moral positioniert wird.
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- Jan Andrejkovits (Author), 2011, Thai - ein Spiel mit Identitäten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179713