Stalins Kriegspläne gegen den Westen - Sowjetischer Militarismus

Untersuchung anhand geheimer Dokumente


Lizentiatsarbeit, 2010

110 Seiten, Note: 4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Militarismusbegriff
2. 1. Die Entstehung der Militarismuskritik
2. 2. Linke Militarismuskritik

3. Roter Militarismus
3. 1. Expansionistische Kriege der Roten Armee
3. 2. Militarisierung der Sowjetgesellschaft
3. 3. Kriegskommunismus als militaristische Verhaltensweise
3. 4. Sowjetische Wirtschaftsmobilisierung als Militarisierung der Wirtschaft
3. 5. Die Rolle der westlichen Ideen bei der Militarisierung der Wirtschaft
3. 6. Schichten und Gruppen in der Sowjetgesellschaft und Antagonismus zwischen den Gruppen als Wurzel des sowjetischen Militarismus

4. Sowjetische Kriegspläne gegen den Westen
4. 1. Der Plan „des zukünftigen Kriegs“
4. 2. Die Kriegsdrohung des Jahres
4. 3. Svečins Kriegsplan
4. 4. Die Pläne „Voller Sieg“ und „Halbsieg“
4. 5. Stalins Vorwurf an Tuchačevskij hinsichtlich des Roten Militarismus
4. 6. Partei-Militär-Beziehungen und Repressalien unter den Armeeangehörigen
4. 7. Verwandlung der Roten Armee in ein stehendes Heer
5. Militär-industrieller Komplex der Sowjetunion
5. 1. Die Rolle der geheimen sowjetisch-deutschen Zusammenarbeit bei der Entstehung der sowjetischen Militärindustrie
5. 2. Vergleich des sowjetischen Militarismus mit seinem nationalsozialistischen Gegenstück

6 . Schlussbetrachtung

7. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gegenstand dieser Arbeit soll die Darstellung und Beurteilung der wichtigsten Merkmale des sowjetischen Militarismus sein. Dabei steht die Zwischenkriegszeit im Fokus.

Die Arbeit konzentriert sich schwerpunktmässig auf die Frage, ob es überhaupt einen Militarismus in der Sowjetunion gab, denn gemäss sozialistischen Militarismuskritikern (Luxemburg, Liebknecht, Bebel) kann es per definitionem keinen Militarismus mehr geben, wenn der Kapitalismus überwunden und die sozialistische Gesellschaft eingeführt ist. Es wird auch nachgeforscht, ob das Militär in der UdSSR ein wirklich dominanter Faktor war oder ob er von der Kommunistischen Partei unter Kontrolle gehalten wurde. Besondere Bedeutung fällt in dieser Arbeit den Kriegsplänen des Generalstabs der Roten Armee und der sowjetischen Regierung zu, die in der Zwischenkriegszeit ausgearbeitet wurden. Speziell möchte ich mein Augenmerk dabei auf die neulich publik gewordenen Informationen richten und durchaus kritisch hinterfragen, ob der sowjetische Militarismus „der Träger eines partikularen Militarismus“1 war oder ob der Militarismus in allen Bereichen der sowjetischen Gesellschaft existierte.

Die vorliegende Arbeit versucht die Entwicklung des sowjetischen Militarismus und dessen Platz in der sowjetischen Gesellschaft nach der Veröffentlichung der geheimen Dokumente, welche die sowjetische Regierung in der Zwischenkriegszeit ausgearbeitet hatte, neu zu definieren, weil die neuen Informationen über die Rüstungs- und Kriegspolitik der sowjetischen Regierung in der Zwischenkriegszeit mit den existierenden Darlegungen nicht übereinstimmen. Die monumentale Forschung des schwedischen Militärhistorikers Lennart Samuelson, welche er in den ehemaligen sowjetischen Archiven durchgeführt hatte, offenbarte die geheimen Kriegspläne des Generalstabs der Roten Armee in der Zwischenkriegszeit sowie auch die Rüstungspolitik der sowjetischen Regierung. Anhand dieser Informationen wird die Militarisierung der sowjetischen Wirtschaft und die Militär- und Rüstungspolitik der Sowjetunion in der Zwischenkriegszeit neu dargelegt.

Die seit hundert Jahren andauernde Diskussion über den Militarismus-Begriff hat an den Tag gebracht, dass die Formulierung einer allgemein akzeptierten Definition des Militarismus unmöglich ist. Aber mit der Zeit stieg die Zahl der Militarismus-Begriffe an, als sich eine allgemeine Definition herausgebildet hatte. Aufgrund dieser chaotischen Tendenz wurde der Militarismus einigermassen inkorrekt ausgelegt; der Historiker Kurt Hesse (1894-1976) hat in seinem Buch „Der Triumph des Militarismus“ (1923) die militärische Rüstung der Entente-Staaten und ihrer Gegner als Beweise für den Militarismus herangezogen,2 aber die Realität zeigt, dass die militärische Rüstung allein nicht ausreichend ist, um den Militarismus zu charakterisieren. Sowohl die Existenz staatlicher Militärorganisationen als auch deren Rüstung kann nicht mit Militarismus gleichgesetzt werden, wenn diese Organisationen ausschliesslich für die Landesverteidigung bestimmt sind.

Die Forschungen des Heidelberger Historikers Werner Conze haben in die Geschichte des Wortes „Militarismus“ Klarheit gebracht. Nach Meinung Conzes erscheint das Wort ein erstes Mal um 1816/18 in den Memorien der Madame de Chastenay.3 Dies konnte aber nicht genau datiert werden. Nach Meinung Conzes scheint das Wort während der folgenden 45 Jahre nicht mehr benutzt worden zu sein. Im Jahre 1861 taucht es in Pierre Prouhons Essay „La guerre et la paix“4 wieder auf. Gleichzeitig wird es in der Zeitschrift Deutsche Jahrbücher für Politik und Literatur5 benutzt. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwandelte sich das Wort Militarismus in einen internationalen Begriff, der bald in andere Sprachen übernommen wurde. Die Bedeutungen waren jedoch von Anfang an unterschiedlich. Als Madame des Chastenay das Wort benutzte, versuchte sie das Herrschaftssystem Napoleons I. zu beschreiben.6

Die sowjetische Forschung, die die Existenz des Militarismus in der sowjetischen Gesellschaft ablehnte, war aus politischen Gründen nicht in der Lage, das Thema objektiv zu untersuchen, denn sie stand unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei, die bei ideologischen Themen nur Lob akzeptierte. Einige Historiker wie S. Višnew und A. Wolpje, die die Rolle der Wirtschaft im Krieg beschrieben, konzentrierten sich auf die Wirtschaftsmobilisierung. V. Sokolowskij hat in seinem Werk „Militärstrategie“ die strategischen Ziele des sowjetischen Militärestablishments erörtert. N. Simonovs Forschungen über die Entstehung der sowjetischen Militärindustrie ermöglichten es, über den militär-industriellen Komplex der Sowjetunion einen Überblick zu gewinnen. Die offizielle Haltung der sowjetischen Regierung erläutert die Sovietskaja Istoričeskaja Enciklopedija (die Sowjetische Geschichtsenzyklopädie). Sie charakterisiert den Militarismus als „ein geschlossenes System von Politik, Wirtschaft und Ideologie“, das sich auf „die Politik der militärischen Expansion seitens des Ausbeuterstaats (stützt), mit dem Ziel, Eroberungskriege vorzubereiten und den Widerstand der ausgebeuteten Massen innerhalb des Staates zu unterdrücken“.7 Nach dem Zerfall der Sowjetunion versuchten einige russische Historiker wie O. Suvenirov und S. Melgunov, die Repressialen unter den Armeeangehörigen zu untersuchen und die Zahl der Opfer festzustellen. Der ehemalige Generalleutnant der Roten Armee und Professor der Philosophie Vladimir Serebjannikov hat in seinem Artikel „Militarisierung der Gesellschaft“ die Rolle des sowjetischen Militarismus im Volksbildungsprozess beschrieben.

Obwohl offizielle Dokumente die Völker als gleichberechtigt akzeptierten und mit dem russischen Volk gleichstellten, herrschten in der Sowjetunion russozentrische Tendenzen, die nach Russifizierung strebten. Diese Tendenzen, die der deutsche Historiker Erwin Oberländer die Folge eines russischen Nationalismus nannte, der in „Sowjetpatriotismus“ verwandelt worden war, beobachtet man auch in der Geschichtsschreibung.8 Im 1952 von Anna Pankratova publizierten Buch „Velikij russkij narod“ wird das russische Volk als „historischer Beschützer“ der anderen Völker der Sowjetunion beschrieben und die Autorin erläutert, dass die Völker dem „grossen russischen Volk“ für ihre Existenz danken sollten.9 Die Darstellung des russischen Volkes als Erstes in der „sowjetischen Bruderfamilie“ könnte als Zeichen der Unterwerfung angenommen werden und die zugeschriebene „Beschützerrolle“ ist ein Zeichen der Geschichtsfälschung. Die Geschichte jahrhundertealter Verhältnisse wurde so interpretiert und ideologisiert, dass die Völker freiwillig nach der Union mit Russland strebten.

Um die militaristischen Erscheinungen in der sowjetischen Gesellschaft festzustellen, versucht die vorliegende Arbeit zuerst, eine allgemeine Definition des Militarismus auszuarbeiten. Diese Definition vereinigt alle Militarismusbegriffe und stellt fest, dass der Militarismus als ein Untersuchungsobjekt vielseitigen Charakter hat, der den Einfluss des Militärs auf die Politik, die Wissenschaft und die Wirtschaft widerspiegelt, die Übertragung der militärischen Prinzipien ins zivile Leben und gewalttätige Lösungsmethoden, Kriegspläne und Ideologien und die militaristische Erziehung beschreibt, das steigende Tempo der Rüstungsausgaben kennzeichnet und nationalistische und rassistische Ideologien zulässt und entwickelt.

In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, ein allgemeines Militarismus-Konzept aufzustellen, das die wichtigsten Militarismusbegriffe umfasst. Die Ideen der linken Militarismuskritik und ihr Vergleich mit der liberalen Militarismuskritik ermöglichen eine theoretische Erörterung und Beurteilung des sowjetischen Militarismus. Lenins Aussagen betreffend den Militarismus, insbesondere das stehende Heer, ermöglichen einen Gesamtüberblick über die bolschewistische Militarismuskritik, der bei der Erörterung des sowjetischen Militarismus behilflich ist. Die Werke von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Karl Marx, Friedrich Engels und Vladimir Lenin stehen als Quellen im Vordergrund. Bei der Aufstellung des allgemeinen Militarismus-Konzepts wurden die Werke von Wolfram Wette, Franz Carl Endres, Werner Conze, Emílio Willems, Wilfried von Bredow, Volker R. Berghahn und anderen berücksichtigt.

Im Kapitel „Roter Militarismus“ wird der sowjetische Militarismus nach sozialistischer Ansicht, welche die Existenz des Militarismus mit der Existenz antagonistischer Klassen verbindet, charakterisiert. In diesem Abschnitt sind die Werke von Leon Trotzki (der damals als Lenins Nachfolger galt und bei der Gründung der Roten Armee sowie auch bei der Militarisierung der sowjetischen Gesellschaft eine ausschlaggebende Rolle gespielt hat) sehr wertvoll. Obwohl seine Arbeiten zu den bedeutendsten Werken der historischen Literatur gehören, ist umstritten, ob seine Beschreibungen die Realität widerspiegeln oder Reflexionen seiner Unzufriedenheit nach der Flucht ins Exil sind. Michael S. Voslenskijs Buch „Nomenklatura“, in dem er versucht, das wahre Gesicht der sowjetischen Gesellschaft zu erörtern, gibt einen Gesamtüberblick über die Schichten und Klassen der Sowjetgesellschaft. Jahn Egberts versuchte in seinem Buch „Die Rolle des Rüstungskomplexes in der Sowjetgesellschaft“ die Existenz des militärisch-industriellen Komplexes in der Sowjetunion festzustellen. Seine Aussagen sind bei der Verdeutlichung der Existenz des sowjetischen Militarismus auch hilfreich: „In der Sowjetgesellschaft vereinigt die Bürokratie sowohl die klassischen (zivilen) politischen Funktionen mit den militärischen Funktionen (d.h. politischen im weiteren Sinne). [] Die sowjetische Bürokratie ist also gleichzeitig quasi eine „Klasse“ (verfügt über das Mehrprodukt, wenn auch nicht in der Form individuellen Eigentums) und das staatliche Instrument ihrer selbst. In der Sowjetgesellschaft sind Herr und Hausmeister eins geworden.“10 Egberts Ansicht nach vereinigten die Kommunisten die politische und die militärische Macht, um die Sowjetgesellschaft neu zu gestalten, wobei sie sich zur herrschenden Klasse entwickelten. Diese neue Klasse war ein Produkt der Oktoberrevolution, deren Existenz gleichzeitig die Existenz des Militarismus nach sozialistischem Standpunkt bedeutet. Nach sozialistischer Ansicht kann der Militarismus nur in einer Klassengesellschaft existieren. Dieser Standpunkt wird im Kapitel „Schichten und Gruppen in der Sowjetgesellschaft und Antagonismus zwischen den Gruppen als Wurzel des sowjetischen Militarismus“ dargelegt.

Das Kapitel „Sowjetische Kriegsvorstellungen“ schildert die sowjetischen Kriegspläne gegen den Westen, die zuvor geheim gehalten wurden. Nach dem Zerfall der Sowjetunion beleuchteten Archivmaterialien, welche die die Aufmerksamkeit der westlichen Forschung auf sich gezogen hatten, die geheimen Dokumente des sowjetischen Generalstabs, die der westlichen Forschung mehr als 70 Jahre lang vorenthalten worden waren. Mit der Auflösung der Sowjetunion erfuhr die Welt von den militaristischen Plänen der Sowjetunion während des Kalten Krieges.11 Aber die in der Zwischenkriegszeit ausgearbeiteten Kriegspläne blieben aufgrund ihrer Geheimhaltung ausserhalb der geschichtlichen Forschung, obwohl sie die grundlegenden Prinzipien der Sowjetisierung der osteuropäischen Länder nach dem Zweiten Weltkrieg festgestellt hatten.

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Existenz des militär-industriellen Komplexes in der Sowjetunion. Die sowjetische Presse leugnete zuvor immer die Existenz eines MIK in der UDSSR, der als Militarisierung aller Sphären des zivilen Lebens gelten könnte. In diesem Abschnitt wird der Einfluss der westlichen Ideen, besonders der deutschen, sowohl auf die Entstehung des MIK als auch auf die sowjetischen Kriegsvorbereitungen erläutert. Heutzutage ist die Entstehung der sowjetischen Kriegsvorbereitungsideen ein umstrittenes Thema der geschichtlichen Diskussion.

Um die Arbeit zu vervollständigen wird der sowjetische Militarismus mit seinem nationalsozialistischen Gegenstück verglichen. Durch die Feststellung ähnlicher und unterschiedlicher Merkmale wird ein Versuch unternommen, die Unterschiede zu den liberalen und demokratischen Ideen zu definieren. Der Vergleich ermöglicht es auch, einen Gesamtüberblick über den Charakter des sowjetischen Militarismus zu gewinnen.

Das theoretisch-methodische Vorgehen der Untersuchung stützt sich auf die Quellenfindung (Heuristik), die Besprechung der Überlieferung sowie die Stärken und Schwächen der Quellen (Quellenkritik) und auf deren Interpretation. In diesem Kontext wird der der Arbeit zugrunde liegende Militarismusbegriff näher erläutert. Die in der Arbeit dargestellten Informationen und Erinnerungen ermöglichen es, den sowjetischen Militarismus zu definieren.

2. Militarismusbegriff

Historisch gesehen liegen die Wurzeln des Militarismus in den römischen, spartanischen und preussischen Herrschaftssystemen, die seit hunderten von Jahren als Formen der Machtergreifung und der Machtsicherung galten. Neben der Entwicklung der Menschlichkeit entwickelte sich auch die Kunst der Macht. Um diese Entwicklung zu steuern und unter Kontrolle zu halten, drang der Militarismus in die Tiefe der Gesellschaft ein. In den verschiedenen Etappen der Geschichte galt die Entwicklung des Militärs sowohl in Europa als auch in Russland als höchste Priorität, die den Fortschritt der zivilen Sphären (wie Transport und Wissenschaft) beschleunigte. Dabei wurden militärische Hierarchien und Rituale ins zivile Leben übertragen. In der Zwischenkriegszeit wurden das japanische Kaiserreich, der britischer Navalismus, das Dritte Reich und Italien unter Mussolini als militaristisch bezeichnet. In dieser Arbeit wird ein Versuch unternommen, die sowjetischen Aktivitäten unter Stalin in der Zwischenkriegszeit zu untersuchen und militaristische Erscheinungen festzustellen.

Mit dem Glauben an die ausschlaggebende Rolle der Gewalt wuchs auch die Instrumentalisierung des Militärs. Laut Wolfram Wette bezeichnet der Militarismus nicht die einzelnen Aktivitäten des Herrschers, sondern den Charakter des Herrschaftssystems.12 Solche Herrschaftssysteme zeichnen sich durch ihre militärischen und gewalttätigen Lösungsformen und Regierungsmethoden aus, was mit einer Zivilgesellschaft und mit demokratischen Regierungssystemen nicht vereinbar ist, und insbesondere ihr politisches Handeln ist einseitig auf militärische Bedürfnisse zugeschnitten. Den aus dem französischen Wort „militarisme“ übernommenen Begriff haben erstmals französische Liberale und linke Parteien benutzt, wenn sie die gewalttätigen Lösungsmethoden Napoleons III. kritisierten. Weil Napoleon III. auch in Friedenszeiten auf die militärische Ordnung nicht verzichtete und eine Berufsarmee einrichtete, bezeichnete man dieses Vorgehen mit dem Begriff Militarismus,13 der als ein Systembegriff verwendet wurde. Das heisst: „Einflüsse des Militärs auf die Politik, die Wissenschaft und die Wirtschaft, sozialer Militarismus, Gewaltverherrlichung, Kriegsideologien, Freund-Feind-Denken, nationalistische und rassistische Ideologien, militaristische Erziehung, Interessen der Rüstungsindustrie und andere Erscheinungen sind als Bestandteil eines grösseren Ganzen aufzufassen.“14

Die weite Verbreitung des Militarismus-Begriffs forderte seine Schärfung und Präzisierung. Werner Conze interpretiert den Militarismus „als notwendig angesehene Erscheinungsform oder ein unangemessenes Übergewicht des Militärs in Staat und Gesellschaft“.15 Im 19. Jahrhundert und am Anfang des 20. Jahrhunderts erschien der Militarismus in Folge der Instrumentalisierung des Militärs in Preussen und in anderen europäischen Staaten als Staatskunst und Kriegstechnik.16 Besonders der „wilhelminische Militarismus lässt sich vor allem durch die Übertragung militärischer Normen auf die zivile Gesellschaft“17 in eine Regierungsform verwandeln.

Emilio Willems charakterisiert den Militarismus als Kulturkomplex, „dessen Kernelement die Akzeptanz von Krieg als probates Mittel zur Lösung von Konflikten bildet“, wobei Armeen „als Komponenten des dominanten Kerns gelten.“18 Die Verbindung zwischen Militärführung und politischer Führung ist hier ein Kernelement der Krieg rechtfertigenden Ideologie, die patriotische und militärische Stimmung und Organisationen in einer Gesellschaft steuert.19 Der vor dem Ersten Weltkrieg vorhandene Militarismus wurde als politische Kultur charakterisiert, die „alle Denk- und Wertsysteme sowie alle Gefühlskomplexe umfasste“.20 Die klassische Definition von Alfred Vagts idealisiert die militärischen Verhaltensweisen und Strukturen und beschreibt sie als eine Lebensform, die die militärische Verhaltensweise bevorzugt. Nach seiner Meinung, sie bringen „eine militärische Mentalität sowie Handlungs- und Entscheidungsweisen in die zivile Sphäre“.21 Vor allem in Frankreich zeigte sich dies durch die Verstärkung des Elsass-Lothringen-Kults, wobei „Schulbücher und nationalistische Verbände auf Kriegsgesinnung orientierten“22 und gleichzeitig zur Gründung der paramilitärischen Strukturen und zur Organisation militärischer Veranstaltungen führten.23

2. 1 . Die Entstehung der Militarismuskritik

Mit der Zeit bekam der Militarismusbegriff einen neuen Charakter. Der Begriff, der zuvor zum Beschreiben des Heerwesens eines monarchistischen und autoritär regierten Staates benutzt worden war, wurde später als „ein banales Schimpfwort gebraucht“.24 Der Historiker John Headlam-Morley hat in seinen Schriften zwischen 1915 und 1918 die deutsche Militarisierung als eine Gefahr für ganz Europa interpretiert: „...der hochorganisierte Militärstaat Deutschland Europa mit totalitärer Alleinherrschaft bedrohe, das britische Weltreich zerstören wolle und schon lange vor dem Kriege den Plan zur Erringung der Alleinherrschaft gehabt habe“.25 In seinen Schriften versucht er die deutschen militaristischen Aktivitäten als Gefahr für die ganze Welt darzustellen. Grundsätzlich sind Bewaffnung und Ausrüstung die Erscheinungen der Kriegsvorbereitung, die die Nachbarländer beunruhigten.26

In der Folge der Polarisierung der Deutschen Gesellschaft erhielt die Militarismuskritik ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neue Impulse, die die Militarismuskritik als Opposition gegen den Militarismus stärkten. Diese Impulse gingen davon aus, dass der Grund für die sozialen Missstände in den militärischen Aktivitäten und in der militärischen Rüstung lag.

Weil das Heer im 19. Jahrhundert im Deutschen Reich ein untrennbarer Teil der ganzen Gesellschaft geworden war, verwandelte sich die Heeresverfassung in ein Grundprinzip der Staatsverfassung. Die militärischen Prinzipien und Verhaltensweisen drangen in tiefere Schichten der Gesellschaft ein, wobei sogar die militärische Uniform die zivile Kleidung ins Abseits verdrängte: „Wer nicht Krieger ist, hat keine Stelle im politischen Gemeinwesen.“27 Die starke Verwurzelung der militärischen Verhaltensweise in der Gesellschaft führte auch zu Protesten derjenigen, die sich weigerten, in Friedenszeiten die Zwangsmethoden zu akzeptieren. Sie betrachteten die Militarisierung der deutschen Gesellschaft oder die Kriegführung als Werkzeug der Machtergreifung und -festigung durch die Verknechtung der Bevölkerung.28

Die Sorge um die Sicherung des Friedens war nach dem Ersten Weltkrieg ein Thema für den deutschen Katholizismus. Vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigten sich die Katholiken mehr mit dem Modernismus und dem Literaturstreit als mit der Friedenssicherung.29 Zwar übten einige Kleriker, wie der Jesuit Georg Michael Pachtler,30 die Militarismuskritik, die als Folge des preussischen Krieges gegen Österreich galt.31

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs schürte die theologische Diskussion über die Gerechtigkeit des Krieges,32 die den „Expansionskrieg und die Kriegführung zur Lösung innenpolitischer Schwierigkeiten ablehnte“. Aber sie erlaubte den Krieg, der der Gerechtigkeit oder der „Wiederherstellung des Rechtes“33 dient. Die katholische Militarismuskritik stellte fest, dass alle Möglichkeiten der friedlichen Konfliktlösung genutzt sein müssen, damit der Krieg gerechtfertigt ist.34 Weil in diesem Feld die Untersuchungen fehlen, wurden der Umfang und die Reichweite der katholischen Militarismuskritik bis jetzt nicht festgestellt.35

In seiner Dissertation über „Die publizistische Diskussion um den Militarismus“ nimmt Erhard Assmus die katholische Militarismuskritik als „eine Begleiterscheinung des Kulturkampfes“36 an: „Es ist bisher vollständig übersehen worden, dass die ersten ausführlichen Streitschriften der siebziger Jahre von katholischer Seite gegen den Militarismus geschrieben wurden. In der Zeit des Kulturkampfes bot sich das eben aufgekommene Wort Militarismus geradezu für die Verwendung gegen das Bismarcksche Preussen an.“37 Assmus stützte sich auf die Schriften des Jesuiten Georg Pachtler. Die „Durchführung der allgemeinen dreijährigen Wehrpflicht im Rahmen des stehenden Heeres“ in Preussen im Jahre 1866 und der Krieg selber wurden in den Schriften der Kritiker mehr diskutiert und kritisiert als der Kulturkampf.38

Allgemein sah die katholische Militarismuskritik im Militarismus eine Gefahr sowohl für die Friedenssicherung als auch für die Steuerkraft der Bürger, da der Staat durch die höhere Militärfinanzierung belastet wurde. Sie war vor allem gegen die allgemeine Wehrpflicht, die in Preussen eingeführt wurde. Katholische Militarismuskritiker wie der Mainzer Bischof Ketteler und Thomas Kühne kritisierten den politischen, wirtschaftlichen und moralischen Schaden durch die allgemeine Wehrpflicht. Sie betonten, dass der Schaden anwachsen würde, wenn die Lage sich nicht änderte. Obwohl sich die katholische Militarismuskritik auf die konservativen Verhaltensweisen stützte, erhielt sie positive Bewertungen der ganzen Gesellschaft, was der Stärkung der militärischen Verhaltens- und Denkensweise schadete.39

Unter den wichtigsten Militarismuskritikern befanden sich die deutschen Liberalen des Vormärz. Sie lehnten vor allem das stehende Heer ab. Sie beschrieben das Heer als eine Organisation, die aus dem Absolutismus hervorgeht und das zivile Leben einschränkt. Der berühmte Deutsche radikal liberale Carl von Rotteck sprach sich für eine ruhende oder allgemeine Landwehr aus, die nur für die Verteidigung zuständig sein sollte. Er lehnte die Militarisierung der Nation in seinem Buch „Über stehende Heere und Nationalmiliz“ ab. Mit einer nie wieder erreichten Schärfe charakterisierte er das stehende Heer als „das Werkzeug, die Stütze und die Bedingung des Despotismus“.40 Die Soldaten beschrieb er als „Lohnknechte“ und „Mietlinge“: „Wo es etwas zu rauben und zu morden gibt, da ist ihre Heimat. Ein Soldatenvolk könne wohl Kunstwerke rauben, aber keine erschaffen“.41 Weil der junge Mann in den Kasernen nur zu gehorchen gelernt hätte, sei er für die bürgerliche Gesellschaft verloren und würde wie ein Knecht bleiben.42 Mit der Schrift „Über stehende Heere und Nationalmiliz“ begann die Auseinandersetzung um die politische Erziehungsfunktion der Armee und die Stellung des Soldaten in der Gesellschaft.

Das Erwachen des Volkes stellte für die Monarchie eine Gefahr dar. Um dies zu verhindern, fing die Militarisierung des Volkes an, weil militarisiertes Volk gehorsamer ist. Aber nach Meinung Freverts erhielt die Bewaffnung der Bürger überwiegend gute Noten, die die Deutsche Revolution von 1848/49 beschleunigte. Einerseits „galt sie doch als Baustein politischer Freiheit und staatlicher Souveränität“,43 andererseits hätte sie zu einem bewaffneten Aufstand führen können.

Der wilhelminische Militarismus, der für militaristische Regierungen zur Verwaltungsmethode wurde, ist ein Beispiel für die Militarisierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Um die bestehenden innenpolitischen Probleme zu lösen, fand es der preussische König Friedrich Wilhelm III. (1797-1840) „bedenklich“, alles „zum Soldaten zu machen“. Wahrscheinlich fürchtete er um die Loyalität seiner Untertanen. Die allgemeine Militärpflicht, die nach Königs Meinung revolutionären Charakter hatte, wollte er durch die gehorsame Militärpflicht ersetzen, die „die ganze Nation wie ein gemeinsames Band“ zusammenschweissen würde, und „dessen Enden in den Händen des Königs“ lägen.44 Nachdem der kurzfristige Kriegsdienst durch eine dauerhafte Wehrpflicht abgelöst wurde, fing die neue Volksbildungspolitik an. Durch die Wehrpflicht wurde ein Militärstand formiert, welcher „aus der Nation hervorgeht und dieselbe zurückkehrt“. Die Wehrpflicht wurde ein Werkzeug des Adels, das die Gesellschaft militarisierte und vom Bürger Gehorsamkeit und Treue forderte. Letztendlich erleichterte die Militarisierung die Aufgabe der Verwaltenden, die ohne ausführliche Regierungsprogramme ungenügende Kompetenz walten liessen.45

2. 2. Linke Militarismuskritik

Den Unterschied zwischen liberalistischer und sozialistischer Militarismuskritik beschreibt Ulrich Albert genau: „Die Militarismuskritik der sozialistischen Tradition setzt an dem Punkt ein, dass die liberalistische Teilung der Gesellschaft in einen militärischen und einen zivilen Bereich verfehlt sei und dass Militarismus als Symptom der (Fehl-) Entwicklung der Gesamtgesellschaft verstanden werden müsse. Liebknecht (1906) ging so weit, den Militarismus als Stadium aller Klassengesellschaften zu bestimmen. Luxemburg (1913) war die erste, die explizit die Probleme der militärischen Produktion mit der Rolle der Streitkräfte in der Gesellschaft verband. Zusammenfassend lässt sich bestimmen, dass die sozialistische Tradition den Militarismus als eine der wichtigsten Manifestationen kapitalistischer Gesellschaftsstrukturen ansieht, dass Militarismus durch die Natur der kapitalistischen Produktionsweise bedingt ist.“46

Gemäss sozialistischen Militarismuskritikern (Luxemburg, Liebknecht, Bebel47 ) kann es per definitionem keinen Militarismus mehr geben, wenn der Kapitalismus überwunden und die sozialistische Gesellschaft eingeführt ist. Karl Liebknecht charakterisiert den Militarismus als Werkzeug des Kapitalismus im Kampf gegen die Arbeiterklasse,48 das nur zur Klassengesellschaft gehört. Nach seiner Meinung gibt es in einer Gesellschaft nur Militarismus, wenn antagonistische Gruppen existieren, die unterschiedliche Interessen vertreten. Zur Aufgabe des Militarismus gehören der Schutz der Interessen der herrschenden Klasse und die Sicherung ihrer Ausbeutungsfreiheit.49 Nach Liebknechts Meinung ist der Militarismus ein geeignetes Instrument des Klassenkampfs, das nicht nur der kapitalistischen Gesellschaft eigen ist, sondern allen Gesellschaften, wo Klassen und Klassenkampf existieren. Aber in kapitalistischen Gesellschaften wird ein besonderer Typ des Militarismus entwickelt, der die Gesellschaftsordnung koordiniert und sie den Zwecken und Interessen der herrschenden Klasse anpasst.50

Karl Liebknechts Aussagen betreffend den Weltkrieg und den Militarismus verurteilten den Militarismus, den er in den Flottenmilitarismus und den Landmilitarismus unterteilte, als Folge des Weltkrieges: “Der Marinismus, der Flottenmilitarismus, ist das echte Geschwister des Landmilitarismus und trägt alle abstossenden und bösartigen Züge dieses Letzten. In noch höherem Masse als gegenwärtig ist der Landmilitarismus nicht nur Folge, sondern auch Ursache internationaler Gefahren, der Gefahr eines Weltkrieges.“51

Laut linker Militarismuskritik ist der Militarismus mit der Existenz der Klassen eng verbunden. Karl Marx, der die Existenz der Klassen mit den Entwicklungsphasen der Produktion verband, betrachtete den Militarismus als Werkzeug der herrschenden Klasse.52 Friedrich Engels versuchte den Ursprung der Klassenkämpfe, die nach seiner Aussage den Militarismus ins Leben gerufen hatten, zu bestimmen. Nach seiner Meinung begann „mit der Auflösung dieses ursprünglichen Gemeinwesens die Spaltung der Gesellschaft in besondere und schliesslich einander entgegengesetzte Klassen“.53

F. Engels hat die Dauer der Klassenkämpfe mit dreieinhalbtausend Jahren berechnet und damit eine neue Erklärung der Kriegsursachen erforderlich gemacht.54 Ausserdem wurden die Unklarheiten der marxistischen Theorie in Bezug auf die Gewalt nicht abgeklärt. Im Marxismus, der den Krieg als Ursache des Klassenkampfs betrachtete, wurde das „willkürliche Bedeutungspostulat, die nicht klassengebundene, organisierte Gewalt nicht erfasst, so dass nur Klassen und Staat als abschaffenswert erscheinen, nicht aber die Gewalt in ihren übrigen Formen“.55

Wolfram Wette weist darauf hin, dass bei den Urgemeinschaften keine Klassen existierten, aber trotzdem Kriege stattfanden.56 Nach Engels Ansicht war der Krieg bei den Urgemeinschaften ein Unterscheidungsaspekt, der den Unterschied zwischen Mensch und Tier aufzeigte, und kann moderneren Kriegen nicht gleichgestellt werden.57 Mit der Erscheinung von Interessen wurden Charakter und Ziele des Krieges geändert, und nur dieser Krieg entspricht der modernen Kriegsvorstellung. Engels Kriegsdefinition stützt sich auf die Interessen oder auf die Ziele der kämpfenden Seiten. Nach seiner Ansicht ist „der Begriff Krieg an politische Ziele von Klassen gebunden“,58 die sich durch die Erscheinung der Eigentumsdifferenz auszeichnen. Die Eigentumsdifferenz, die mit der Marxschen Klasseninterpretation übereinstimmt, sollte als Resultat der Produktion betrachtet werden.59

Dennoch wurden die von Engels als Unterscheidungsaspekt zwischen Mensch und Tier interpretierten Urgemeinschaftskriege von der marxistischen Ansicht nicht ganz abgeklärt. Obwohl die Urgemeinschaftskriege keine politischen Ziele verfolgten, hatten sie neben ihrer Grausamkeit auch Ziele oder Interessen, wie die Besetzung von Wohneigentum des Gegners. Deswegen trifft das Argument der Interessenlosigkeit nicht zu. Sowohl der Ursprung der Urgemeinschaftskriege als auch die Charakteränderung des Krieges und seine Entschärfung wurden nicht geklärt. Wolfram Wette versucht die Meinungen von Engels durch die „Interessenbefriedigung“ zu charakterisieren, indem „der Gegner nicht mehr – etwa aus Rache – vernichtet wird, sondern der Krieg beendet wird, sobald das Ziel erreicht, das „Interesse“ befriedigt ist“.60

In seinem Buch „Kann Europa Abrüsten?“ versuchte Engels die Regierungen auf die Abrüstungsproblematik aufmerksam zu machen61 und gleichzeitig Militärreformen zu fordern, um die Zerstörung der Wirtschaft durch die Aufrüstung zu verhindern. Nach seiner Meinung ist das stehende Heer eine Militärlast, welche die Wirtschaft ruiniert, und sollte durch eine Miliz ersetzt werden. Die Abschaffung des Militarismus, der als Gefahr für den Frieden interpretiert wurde, die Abrüstung und die Einführung der Miliz sind Hauptforderungen Engels: „...dass das System der stehenden Heere in ganz Europa auf die Spitze getrieben ist in einem Grad, wo es entweder die Völker durch die Militärlast ökonomisch ruinieren oder in einen allgemeinen Vernichtungskrieg ausarten muss, es sei denn, die stehenden Heere werden rechtzeitig umgewandelt in eine auf allgemeiner Volksbewaffnung beruhenden Miliz“.62

Die Umwandlung des stehenden Heeres in eine Miliz, die durch einen internationalen Vertrag umgesetzt werden sollte, könnte die wirtschaftliche Lage verbessern und die militärische Stärke des Staates verdoppeln.63 Nach Engels Aussagen war das Vorbild des Militarismus das preussische Militärsystem, das er als „bis zur Willenlosigkeit eingedrillte Armee“ charakterisierte. Im Zuge des Modernismus der Armee und der Bekämpfung der Arbeiterklasse haben die anderen Grossmächte das preussische Militärsystem – den Militarismus als Machtinstrument – übernommen, das „zu Eroberungen im Auslande wie zu gewaltsamer Unterdrückung aller heimischen Volksbewegungen stets bereit“ war.64

Obwohl die marxistische Theorie den Militarismus und alle seine Erscheinungen verurteilte, versuchten die Marxisten andererseits, den Krieg, der die proletarische Revolution beschleunigen konnte, zu rechtfertigen. Die marxistische Kriegstheorie entwickelte sich, gemäss marxistischen Ansicht, im Zuge des Klassenkampfs weiter. Die Revolution von 1848 bis 1849 inspirierte die Marxisten dahingehend, „dass der Sieg der Revolution nur mit Hilfe von Gewalt und Krieg erreicht werden konnte“.65 Sie befürworteten die Revolution, die Deutschland und Italien einigen würde. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren die Marxisten, insbesondere Engels, überzeugt, dass ein Weltkrieg die Arbeiterbewegung ins Stocken bringen könnte, weil der Massstab des Schadens des Weltkrieges grösser sein würde als beim lokalen Krieg. Aber weil die gewünschte Entwicklung und die Kriege nicht den gewünschten Verlauf nahmen,66 wurde von einem revolutionären Krieg gesprochen, der als gerechter Krieg gelten könnte. Die Abrüstungsforderungen der Marxisten beruhten auch darauf, dass ein Weltkrieg der Arbeiterbewegung schaden könnte, was durch die Abrüstung verhindert werden sollte.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Verhinderung des Krieges zur Aufgabe der Linken. Eine Versammlung im Jahr 1907 in Stuttgart definierte die Rolle der Sozialisten vor dem Krieg und im Fall des Krieges klar: „Droht der Ausbruch eines Krieges, so sind die arbeitenden Klassen und deren parlamentarische Vertretungen in den beteiligten Ländern verpflichtet, unterstützt durch die zusammenfassende Tätigkeit des Internationalen Büros, alles aufzubieten, um durch die Anwendung der ihnen am wirksamsten erscheinenden Mittel den Ausbruch des Krieges zu verhindern, die sich je nach Verschärfung des Klassenkampfes und der Verschärfung der allgemeinen politischen Situation naturgemäss ändern. Falls der Krieg dennoch ausbrechen sollte, ist es die Pflicht, für dessen rasche Beendigung einzutreten und mit allen Kräften dahin zu streben, die durch den Krieg herbeigeführte wirtschaftliche und politische Krise zur Aufrüttelung des Volkes auszunutzen und dadurch die Beseitigung der kapitalistischen Klassenherrschaft zu beschleunigen.“67

Die Autoren dieser Aussage waren Rosa Luxemburg und Vladimir Lenin, die mit einem gemeinsamen Antrag die Sozialisten überzeugen konnten, die Kriegsfolgen im Klassenkampf auszunützen. Insbesondere Vladimir Lenin entwickelte die marxistische Kriegstheorie durch Anpassung an die Bedingungen in der Klassengesellschaft und die Durchsetzung in der politischen Praxis weiter. V. Lenin versuchte auch eine sozialistische Definition des Militarismus zu formulieren. Nach seiner Meinung hat der Militarismus zwei Erscheinungsformen: der „Militarismus nach aussen“ und der „Militarismus nach innen“,68 der für die Bekämpfung der Arbeiterbewegung bestimmt war.69 Die „Abschaffung des stehenden Heeres“70 beschrieb Lenin als unverzichtbare Aufgabe der Arbeiterbewegung, welche die Beschleunigung des revolutionären Prozesses verhinderte.71 An der Stelle des stehenden Heeres sah Lenin das bewaffnete Volk selbst: „An Stelle besonderer Institutionen einer bevorzugten Minderheit (... des stehenden Heeres) kann das die Mehrheit selbst unmittelbar besorgen...“,72 wo „Polizei, Armee und Bürokratie mit dem bis auf den letzten Mann bewaffneten Volk zu einer Einheit verschmolzen“ sind.73 Obwohl Lenin die Instrumentalisierung des Militärs durch die Regierungen verurteilte, propagierte er die Errichtung einer „proletarischen Miliz“, die sich um den Sieg der proletarischen Revolution kümmern und die Avantgarde der Arbeiterbewegung sein sollte.74 Die Praxis der Gründung der politischen Miliz beruhte auf der Praxis der Pariser Kommune,75 die den Terror für annehmbar hielt.

Die Instrumentalisierung des Militärs, genau gesagt der bewaffneten Gruppen, zur Erreichung der strategischen Ziele, war für Lenin annehmbar, weil es nach seiner Ansicht nicht das gleiche Vorgehen war, das die kapitalistischen Regierungen angewandt hatten. Höchstwahrscheinlich ist hier der Unterschied zwischen dem stehenden Heer und der proletarischen Miliz eine Interpretation von Lenin, nämlich dass die Instrumentalisierung der politischen Miliz nicht dasselbe wie die Instrumentalisierung des stehenden Heeres bedeutet, weil die Miliz dem Proletariat, das Heer der herrschenden Klasse dient. Während das Heer die Befehle für den Sold umsetzte, sollte sich die Miliz für die Versprechungen einer „sonnigen Zukunft“, in Wirklichkeit für die Bolschewisten, einsetzen.

Der Kriegskommissar des sowjetischen Russland, Leo Trotzki, gehörte auch zu jenen, die militaristische Methoden annehmbar fanden. Er versuchte die Rolle der militärischen Prinzipien bei den ideologischen Aktivitäten zu stärken, was mit der marxistischen Theorie in Widerspruch stand. Für die marxistische Theorie, welche das stehende Heer in keinem Fall akzeptieren wollte, war nur die Miliz als Armeestruktur annehmbar. Die Ablehnung des Heeres bestand darin, „dass die revolutionären Errungenschaften nach dem Sieg nicht rückgängig gemacht werden können“.76 Trotzki rechtfertigte seine Position mit der „Übergangsperiode von der Herrschaft der Bourgeoisie zur sozialistischen Gesellschaftsordnung“.77 Seine Argumente zu diesem Thema erklärte er auf dem 8. Parteitag im Jahre 1919. Nach Meinung Trotzkis macht es der Kampf gegen den „inneren und äusseren Klassenfeind“ unmöglich, eine Miliz zu errichten – dies würde möglich, wenn in der ganzen Welt die proletarische Revolution siegen könnte: „Wenn es die innen- und aussenpolitische Lage jedoch zulässt, soll zu einem territorial gegliederten „Klassenmilizheer“ übergegangen werden.“78 Die Errichtung des Klassenmilizheeres als Erfindung Trotzkis hatte keine sozialistische Begründung und es war genau das stehende Herr, das er sich „ausserhalb der Politik“79 nicht vorstellen konnte. In Wirklichkeit waren diese Meinungsänderungen Symptome des Roten Militarismus.

Die Sozialisten versuchten immer wieder, ihre Gegner und das kapitalistische Herrschaftssystem durch das Wort Militarismus zu diffamieren. Nach der sozialistischen Theorie, der Militarismus, der mit dem Imperialismus verbunden war, „stellt die gesetzmässige Erscheinung kapitalistischer Gesellschaftssystem dar“.80

Die Sowjetgesellschaft steht im Fokus dieser Untersuchung. Nach offizieller Haltung der sowjetischen Regierung existierten in der sowjetischen Gesellschaft keine antagonistischen Gruppen, die unterschiedliche Interessen vertraten. Es wird in dieser Arbeit ein Versuch unternommen, die Existenz der unterschiedlichen Gruppen in der Sowjetgesellschaft zu bestimmen und durch die Aktivitäten dieser Gruppen festzustellen, ob diese Gesellschaft „der Träger eines partikularen Militarismus“ war oder ob der sowjetische Militarismus die ganze Gesellschaft umfasste.81

3. Roter Militarismus

Es wurde schon erwähnt, dass die Sozialisten das stehende Heer ablehnten und dessen Existenz in einer Gesellschaft als wichtigsten Beweis der Existenz des Militarismus sahen.82 Nach Meinung Rosa Luxemburgs braucht eine sozialistische Gesellschaft keine Armee, sondern eine Miliz, die keine Expansionskriege führt und ausschliesslich für die Verteidigung bestimmt ist. Nach marxistischer Theorie gehört die Unterdrückung anderer Völker mit der Hilfe von Militär und Waffen zum militaristischen System, das den Militarismus als Herrschaftsmethode benutzt. In diesem Kapitel wird nachgeforscht, ob die Rote Armee den Vorstellungen der sozialistischen Militarismuskritiker entsprach oder nicht. War die Rote Armee eine Miliz, die keine Expansionskriege geführt hat?

Die Gründung bewaffneter Gruppen wurde ein erstes Mal im Jahre 1905 von Vladimir Lenin als notwendig eingestuft.83 Aber das Ziel der bewaffneten Gruppen von jungen Arbeitern war die Bourgeoise. Diese Gruppen könnten als die ersten Truppen der Rote-Armee-Miliz gelten, die als „neue militärische Organisation der neuen Klasse“84 vorgesehen war.

Der moderne Militarismus entwickelte sich weiter und lässt sich vom Militarismus vor dem Erstem Weltkrieg unterscheiden. In dieser Entwicklung spielte die in der Sowjetunion initiierte Oktoberrevolution eine wichtige Rolle. Die Instrumentalisierung des Militärs gegen den inneren Feind spitzte sich in der sozialistischen Gesellschaft mehr und mehr zu, wo es gemäss sozialistischer Definition keinen Platz für den Militarismus gab. Mit der Errichtung der Proletariats-Diktatur wurde klar, dass die Instrumentalisierung der Streitkräfte in der sozialistischen Gesellschaft eine Hauptmethode der Regierung geworden war: „[...] entstand aus der Konzeption des revolutionären Krieges der moderne, militarisierte Staatsterror, bevor die Revolution nach der terroristischen Hybris mit der Fortsetzung des Krieges als Mittel der Machterhaltung und seiner Instrumentalisierung für den innenpolitischen Kampf schliesslich auch die herrschaftslegitimatorische Funktion des modernen Krieges entdeckte“.85

Vladimir Lenin akzeptierte keineswegs ein stehendes Heer, sondern bezeichnete dieses als ein Produkt der bolschewistischen Partei, das alle Sozialgruppen einigen sollte. Seit ihrer Gründung am 23. Februar 1918 erhielt die Rote Armee zahlreiche Funktionen, die die Grenzen des bolschewistischen Russland überschritten. Sie sollte sowohl das Land verteidigen als auch zur Verbreitung des Sozialismus in Europa beitragen.86

3. 1. Expansionistische Kriege der Roten Armee

Die marxistisch-leninistische Kriegstheorie rechtfertigt den Krieg, wenn er den Interessen des Proletariats dient. Gemäss marxistischer Definition gibt keine expansionistischen Kriege mehr, wenn die Klassengesellschaft überwunden und die sozialistische Gesellschaft eingeführt ist, weil expansionistische Kriege zur Ausbeutung durch die herrschende Klasse dienen. Also rechtfertigt sie den Krieg, wenn er vom Proletariat selbst gegen die herrschende Klasse geführt wird, und verurteilt den Krieg, wenn er gegen die Arbeiterklasse gerichtet ist und der Unterwerfung eines Volkes dient.87 Hier ergibt sich die Frage zu den von der Roten Armee geführten Kriegen, ob sie gerechte Kriege waren, wie die deutschen Sozialisten unterstellen.

Nach dem Zerfall des russischen Imperiums und der Entstehung des bolschewistischen Russland erklärten nicht-russische Völker des russischen Imperiums ihre Unabhängigkeit. Polen, Finnland, Ukraine, Weissrussland, Lettland, Littau, Estland, Aserbaidschan, Armenien und Georgien wurden souveräne Republiken. Nach Litauen, das als erstes am 16. Februar 1918 seine Eigenständigkeit erklärte, wurde Polen unabhängig.88

Das expansionistische Gesicht der Roten Armee liess sich nicht lange verbergen. Nach den Erfolgen im Bürgerkrieg gegen die Weissen89 begann die Rote Armee ihre Offensive. In den Jahren 1918/19 wurden die unabhängigen Republiken Belarus und Ukraine von der bolschewistischen Armee besetzt. Nach dem Verzicht der Türkei auf den Südkaukasus konnte Sowjetrussland das Gebiet besetzen. Die Truppen der Osmanischen Armee verliessen Aserbaidschan nach dem Ersten Weltkrieg, wo sie seit zwei Jahren stationiert waren. Ohne osmanische Hilfe90 wagten die südkaukasischen Republiken nicht gegen die Rotarmisten zu kämpfen. Das am 27. April 1920 okkupierte Land Aserbaidschan versuchte durch die lokalen Proteste seine Unabhängigkeit zu schützen. Die Rotarmisten schlugen den letzten Aufstand, welcher die Besetzung Armeniens und Georgiens verlangsamte, in der westaserbaidschanischen Stadt Gandscha91 brutal nieder. Im November 1920 und im Februar 1921 kapitulierten Armenien und Georgien, die nicht in der Lage waren, ihre Unabhängigkeit zu verteidigen.92

Während des polnisch-sowjetischen Krieges (1920–1921) hat Lenin versucht, die russische Revolution über Polen nach Westeuropa zu exportieren,93 was als eine Antwort auf die polnische Aggression galt und als „Export der Revolution auf den Bajonetten“ bezeichnet wurde. Aber die Niederlage der Roten Armee in der Nähe von Warschau erschwerte den Export der Revolution. Die Bolschewisten nahmen an, dass die Rote Armee nicht in der Lage sei, die Militäroperationen gegen den Westen fortsetzen, und die Hoffnung auf die Weltrevolution platzte. Obwohl die Bolschewisten mit der „Deklaration der Rechte der Völker Russlands“ vom 2. November 1917 den nicht-russischen Völkern Russlands das Recht auf freie Selbstbestimmung einschliesslich des Rechts der Loslösung vom bisherigen Staat und der Bildung eines selbständigen Staates gewährten,94 wurden Expansionskriege gegen jene Länder geführt, die ihre Unabhängigkeit von Russland erklärten. Lenin änderte seine Meinung nach der Festigung seiner Macht und lehnte nicht nur Unabhängigkeitsbestrebungen ab, sondern auch Autonomieforderungen der nicht-russischen Völker: „Die Sozialisten kämpfen gegen alle und jedwede, gegen die groben und verfeinerten Erscheinungsformen des bürgerlichen Nationalismus. Gerade eine solche Erscheinungsform ist eben die Losung der „national-kulturellen Autonomie“, die das Proletariat und die Bourgeoisie einer Nation vereinigt und die Proletarier der verschiedenen Nationen voneinander trennt.“95 Ausserdem erklärte er die Verschmelzung der Nationen zum Ziel des Sozialismus.96

Die Deklaration wurde auf die Nutzung aller Kräfte für den endgültigen Sieg des Proletariats ausgerichtet. Mit der „Deklaration der Rechte der Völker Russlands“ versuchte Lenin nach der Oktoberrevolution, die Attraktivität der bolschewistischen Ideen in den Augen der Minderheiten zu erhöhen. Die mit schönen Worten ausgeschmückte Deklaration erklärte „Gleichheit und Souveränität der Völker Russlands, das Recht der Völker Russlands auf freie Selbstbestimmung, bis hin zu einer Loslösung und Bildung eines selbständiges Staates, die Aufhebung aller und jeglicher nationaler und nationalreligiöser Privilegien und Einschränkungen, freie Entfaltung nationaler Minderheiten und ethnographischer Gruppen, die das Gebiet Russland bewohnen“.97

Als wichtige Rolle der Oktoberrevolution und der Deklaration ist hier zu erwähnen, dass sie die anderen Völker Russlands ermutigten, ihre Eigenständigkeit zu erklären. Damit verfolgten die Bolschewisten das Ziel, die Nationalisten der Minderheiten (die als Eliten der nicht-russischen Völker galten), die über grosse Ressourcen und bewaffnete Gruppen verfügten und die Bolschewistische Bewegung gegen das Zarenregime und die Bourgeoisie verlangsamen konnten, provisorisch zu neutralisieren. Vermutlich erwartete Lenin die rasche und nachdrückliche Unabhängigkeitserklärung fast aller Provinzen nicht. Nach der Unabhängigkeitserklärung liess die Lenins Meinungsänderung nicht lange auf sich warten.

Kurz nach der Oktoberrevolution, im Dezember, bezeichnete Stalin auf einer Veranstaltung die Autonomieforderungen in der Ukraine als Volkswille, denn „Wenn der Volkswille sich zugunsten einer föderalistischen Republik äussert, dann kann sich der Rat der Volkskommissare dem nicht widersetzen; das ist das Recht jeder Nation, und die Regierung wird dies in Betracht ziehen.“98 In dieser Phase, nach der Oktoberrevolution, wurden die föderalistischen Bestrebungen auch von der Konstituierenden Versammlung der verfassunggebenden Nationalversammlung unterstützt, die kurz vor ihrer gewalttätigen Auflösung auf Lenins Befehl hin „Russland zu einer Demokratischen Föderativen Republik erklärte“.99

Nach der Auflösung der Nationalversammlung wurde die Diktatur des Proletariats zur „Diktatur der Minderheit“.100 Der als Werkzeug der Rechtfertigung der bolschewistischen Regierungspläne einberufene III. Allrussische Sowjetkongress ersetzte am 31. Januar 1918 die Deklaration über das Selbstbestimmungsrecht der nicht-russischen Völker mit der „Deklaration des werktätigen und ausgebeuteten Volkes“, die von Lenin ausgearbeitet worden war und die Errichtung einer Föderation nationaler Sowjetrepubliken vorsah.101

Nach der Meinungsänderung empfanden die Bolschewisten die Besetzung der Nachbarländer nicht mehr als expansionistisch, sondern die Unabhängigkeitsforderungen als ein Unrecht. Die Lösung der Probleme sah Lenin wieder bei der national-kulturellen Autonomie, die „als Form des Bündnisses zwischen dem Zentrum und den Randgebieten Russlands ausgeschlossen werden“ müsse.102

Schon vorher war bekannt, dass Lenin das Selbstbestimmungsrecht der nicht-russischen Völker nach dem Zerfall des Zarenregimes nicht akzeptieren würde. „Die Autonomie ist unser Plan für den Aufbau eines demokratischen Staates“,103 schrieb er 1913 an Šaumjan. Der manövrierende Schritt Lenins bestand darin, dass die Deklaration über das Selbstbestimmungsrecht für die Kommunisten zum Werkzeug wurde, um den Unterschied zwischen dem bolschewistischen Staatsprojekt und dem zaristischen zu zeigen. Die Tarnungstaktik der Bolschewisten konnte man in fast allen Gebieten der Staatsgründung und bei den Regierungsmethoden beobachten. In diesem Fall wurde das Gesicht des roten Militarismus verdeckt, als ob das sowjetische Russland an der Verbreitung seiner Territorien kein Interesse hätte und würde keinen militärischen Versuch unternehmen, die losgetrennten Völker wieder im neuen russischen Reich zu vereinigen.

Nach der Besetzung der Nachbarländer zeigte sich die Instrumentalisierung der Armee noch deutlicher, was die Entstehung des sowjetischen Militarismus zu bestätigen scheint. Die Besetzung der Nachbarländer könnte als Unterjochung der fremden Völker mit Waffengewalt bezeichnet werden, was die marxistische Theorie als militaristisch auslegt. Die Republiken wurden gegen ihren Willen okkupiert und es gab keine freiwillige Fusion, wie es die sowjetische Forschung dargestellt hat. Eine ungeschriebene Aufgabe der Roten Armee bestand darin, die vielen Völker in einem Land, zusammen zu halten.

[...]


1 Hans-Heinrich Nolte: Militarismus in der sowjetischen Gesellschaft und internationaler Rüstungswettlauf, S. 75, in: Das Argument 121, Berlin 1982, S. 75-90.

2 Franz Carl Endres: „Sozialogische Struktur und ihr entsprechende Ideologien des deutschen Offizierskorps vor dem Weltkriege“, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 58 (1928), S. 282 - 319.

3 A. Roserot (Hrsg.), Mme de Chastenay, Memoire, 1771-1815, Bd. II, Paris 1897, S. 201. Zit. in: Conze, „Militarismus“, in: O. Brunner u. a. (Hrsg.) S. 21.

4 P. J. Proudhon, La guerre et la paix, in: ders., Oeuvres Completes, Paris 1868.

5 M. Geyer, „Militarismus“, in: Brunner/Conze, Kosellec (Hrsg.), S. 25.

6 A. Roserot (Hrsg.), Mme de Chastenay, Memoire, 1771-1815, Bd. II, Paris 1897, S. 201. Zit. in: Conze, „Militarismus“, in: O. Brunner u. a. (Hrsg.) S. 21.

7 Sovietskaja Istoričeskaja Enciklopedia (Sowjetische Historische Enzyklopädie), Bd. 9, Moskau 1966, S. 436.

8 Erwin Oberländer: Sowjetpatriotismus und russischer Nationalismus, S. 83-90, in: Andreas Kapeller (Hrsg.): Die Russen. Ihr Nationalbewusstsein in Geschichte und Gegenwart, Köln 1990, S. 84.

9 Gasymov, S. 77.

10 Jahn Egbert: Die Rolle des Rüstungskomplexes in der Sowjetgesellschaft, S. 185, in: Dieter S. Lutz (Hrsg.), Die Rüstung der Sowjetunion, Baden-Baden 1979, S. 163-188.

11 Bogdan Musial: Kampfplatz Deutschland: Stalins Kriegspläne gegen den Westen, Berlin 2008.

12 Wette, Wolfram: Für eine Belebung der Militarismusforschung, S. 13, in: Wolfram Wette (Hrsg.): Militarismus in Deutschland 1871 bis 1945. Zeitgenössische Analysen und Kritik, Jahrbuch für Historische Friedensforschung, Bd. 8, München 1999, S. 1-23.

13 Gerhard Strauss, Ulrike Hass-Zumkehr, Ulrike Hass, Gisela Harras: Brisante Wörter von Agitation bis Zeitgeist, Schriften des Instituts für deutsche Sprache 2, Berlin 1989, S. 249.

14 Wette, Militarismus in Deutschland, S. 13.

15 Conze, S. 1-2.

16 Conze, S. 1.

17 Josef Anker: Die Militärstrafgerichtsordnung für das Deutsche Reich von 1898. Entwicklung, Einführung und Anwendung, dargest. an der Auseinandersetzung zwischen Bayern und Preussen, Frankfurt a. Main 1995, S. 539.

18 Emílio Willems: Der preussisch-deutsche Militarismus. Ein Kulturkomplex im sozialen Wandel, Köln 1984, S. 14.

19 Willems, S. 14.

20 Manfred Kittel: Provinz zwischen Reich und Republik: politische Mentalitäten in Deutschland und Frankreich 1918-1933/36,München 2000, S. 262.

21 Kittel, S. 262.

22 Kittel, S. 262.

23 Der Schützenverein „La Tulliste“ organisierte Wettschiessen für Frauen am Karabiner. Manfred Kittel: Provinz zwischen Reich und Republik: politische Mentalitäten in Deutschland, München 2000, S. 262.

24 Wilfried von Bredow: Moderner Militarismus. Analyse und Kritik, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1983, S. 9.

25 Manfred Messerschmidt: Die Wandlung des Deutschlandbildes in der englischen Geschichtsschreibung der letzten 100 Jahre, Düsseldorf 1954, S. 91.

26 Messerschmidt, S. 91.

27 Otto Hintze: Staatsverfassung und Heeresverfassung, S. 62, in: Volker R. Berghahn (Hrsg.), Militarismus, Köln 1975, Bd. 83, S. 61- 85.

28 Ebd., S. 62.

29 August-Hermann Leugers: Einstellung zu Krieg und Frieden im deutschen Katholizismus vor 1914, in: Jost Dülffeer, Karl Holl (Hrsg.): Bereit zum Krieg. Kriegsmentalität im Wilhelmschen Deutschland 1890-1914. Beitrag zur historischen Friedensforschung, Göttingen 1986, S. 56- 73.

30 Er hat seine Kritik im Jahr 1875 unter dem Pseudonym Annuarius Osseg veröffentlicht.

31 Dieter Riesenberger: Katholische Militarismuskritik im Kaiserreich, S. 97, in: Wolfram Wette (Hrsg.): Militarismus in Deutschland 1871 bis 1945. Münster 1999, S. 97-114.

32 Leugers, S. 57.

33 Leugers, S. 57.

34 Leugers, S. 57.

35 Riesenberger, S. 113.

36 Riesenberger, S. 97.

37 E. Assmus: Die publizistische Diskussion um den Militarismus unter Berücksichtigung der Geschichte des Begriffs in Deutschland und seiner Beziehungen zu den politischen Ideen zwischen 1850 und 1950. Diss. Erlangen 1951, S. 41. Zit. in: Dieter Riesenberger: Katholische Militarismuskritik im Kaiserreich, S. 97.

38 Riesenberger, S. 97.

39 Riesenberger, S. 111.

40 Carl von Rotteck: Über stehende Heere und Nationalmiliz, Freiburg 1816, S. 79.

41 Von Rotteck, S. 92.

42 Von Rotteck, S. 103.

43 Ute Frevert: „Bürger und Soldat zugleich“? Preussen im Vormärz, S. 178, in: Ute Frevert: Die kasernierte Nation. Militärdienst und Zivilgesellschaft in Deutschland, München 2001, S. 63-179.

44 Frevert, S. 63.

45 Ute Frevert: Das jakobinische Modell: Allgemeine Wehrpflicht und Nationsbildung in Preussen-Deutschland, S. 26, in: Ute Frevert, Militär und Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart 1977, S. 17-45.

46 Ulrich Albrecht: Militarismus und Rüstung, S. 404, in: Jörg Calliess, Reinhold E. Lob, Handbuch Praxis der Umwelt- und Friedenserziehung, Düsseldorf 1987, S. 404-411.

47 August Bebel: Nicht stehendes Heer, sondern Volkswehr, Stuttgart 1898.

48 Liebknecht, Militarismus, S. 86, in: Volker R. Berghahn (Hrsg.): Militarismus, Köln 1975, S. 88-98.

49 Liebknecht, S. 91.

50 Liebknecht, S. 89.

51 Liebknecht, S. 90.

52 Wolfram Wette: Kriegstheorien deutscher Sozialisten Marx, Engels, Lasalle, Bernstein, Kautsky, Luxemburg. Stuttgart 1971, S. 41, S. 100.

53 Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats (1884), in: Marx-Engels-Werke (MEW) Bd. 21, Berlin (DDR) 1969, S. 61.

54 Wolfram Wette: Kriegstheorien, S. 39.

55 Wette, Kriegstheorien, S. 41.

56 Wette, Kriegstheorien, S. 41.

57 Engels, Ursprung, S. 14.

58 Wette, Kriegstheorien, S. 41.

59 Wette, Kriegstheorien, S. 42.

60 Wette, Kriegstheorien, S. 42.

61 Friedrich Engels: Kann Europa Abrüsten? 1893, MEW 22, S. 369-399.

62 Engels, MEW Bd. 22, S. 371.

63 Engels, MEW Bd. 22, S. 371 und 382.

64 Engels, MEW Bd. 22, S. 371.

65 Wolfram Wette: Kriegstheorien deutscher Sozialisten Marx, Engels, Lasalle, Bernstein, Kautsky, Luxemburg. Stuttgart 1971, S. 41, S. 99.

66 Wette, S. 99.

67 Richard Wiegand: „Wer hat uns verraten--“: die Sozialdemokratie in der Novemberrevolution, Freiburg 2001, S. 31.

68 Lenin, V. I.: Werke, Berlin 1958, Bd. 15, S. 187.

69 Rolf-Dieter Müller, Hans Erich Volkmann: Die Wehrmacht. Mythos und Realität, München 1999, S. 110.

70 Lenin, Werke. Bd. 26, S. 264.

71 Lenin, Werke, Bd. 25, S. 401.

72 Lenin, Werke, Bd. 25. S. 432.

73 Daniel Giese: Die SED und ihre Armee: die NVA zwischen Politisierung und Professionalismus, München 2002, S. 42.

74 Lenin, Werke, Bd. 23, S. 80.

75 Giese, S. 42.

76 Stephan Tiedtke: Militär- und Gesellschaftspolitik in der Sowjetunion, S. 363, in: Das Argument 133, Berlin 1982, S. 363 -374.

77 Leo Trotzki: „Die Geburt der Roten Armee“, Wien 1924, S. 43. zit. in: Giese, S. 44.

78 Giese, S. 44.

79 Die Schaffung der Roten Arbeiter- und Bauernarmee. Bericht auf dem 5. Sowjetkongress anlässlich der Sitzung vom 10. Juli 1918, in: Trotzki, Die Geburt der Roten Armee, S. 86. zit. nach: Giese. S. 44.

80 Strauss/Hass-Zumkehr/Hass/Harras: S. 249.

81 Hans-Heinrich Nolte: Militarismus in der sowjetischen Gesellschaft und internationaler Rüstungswettlauf, S. 75, in: Das Argument 121, Berlin 1982, S. 75-90.

82 Rosa Luxemburg: Miliz und Militarismus, S. 447, in: Rosa Luxemburg, Sozialreform oder Revolution. Mit einem Anhang zu Miliz und Militarismus, in: dies.: Gesammelte Werke, 1. Halbbd. 1893-1905, Berlin 1970, S. 446-467.

83 Lenin, V. I: Novye zadači i novye sily, (fevral- mart 1905), in: Lenin, V. I.: Polnoe sobranie sočinenij, B. 9, Moskau 1962, S. 303.

84 Zaur T. Gasymov: Militär schreibt Geschichte. Instrumentalisierung der Geschichte durch das Militär in der Volksrepublik Polen und in der Sowjetunion 1981-1991, Berlin 2009, S. 21.

85 Wolfgang Kruse: Die Erfindung des modernen Militarismus: Krieg, Militär und bürgerliche Gesellschaft im politischen Diskurs der Französischen Revolution 1789-1799, München 2003, S. 374.

86 Gasymov, S. 22.

87 Wolfram Wette: Kriegstheorien, S. 41-100.

88 Nicola Williams, Becca Blond, Regis St. Louis: Estland, Lettland & Litauen, Essen 2006, S. 301.

89 Der Rest der zaristischen Armee.

90 Zwischen dem osmanischen Imperium und den neuentstandenen Staaten wurden separate Verträge unterzeichnet, welche die militärische Hilfe für die neuen Staaten vorsah. Die türkische Armee sollte für Ruhe und Ordnung im Südkaukasus sorgen. Zit. In: Gerhard Hirschfeld, Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn 2004, S. 609.

91 Sergej Chromov (Hg.): Graždanskaja vojna i voennaja intervencija v SSSR (Der Bürgerkrieg und die Militärintervention in UdSSR), Moskau 1987, S. 162.

92 Friedrich-Christian Schröder, Boris Meissner: Bundesstaat und Nationalitätenrecht in der Sowjetunion, Berlin 1974, S. 24.

93 Sigrid Koch-Baumgarten: Die Märzaktion der KPD 1921,Frankfurt a.M./New York 1986, S. 165.

94 Boris Meissner: Sowjetunion und Selbstbestimmungsrecht, Köln 1962, S. 151.

95 Lenin, V. I.: Über die nationale und die kolonial-nationale Frage. Eine Sammlung ausgewählter Aufsätze und Reden, Berlin 1960, S. 98.

96 Lenin, Über die nationale und die kolonial-nationale Frage, S. 315.

97 Helmut Altrichter (Hrsg.): Die Sowjetunion. Von der Oktoberrevolution bis zu Stalins Tod, Bd. 1: Staat und Partei, München 1986, S. 135.

98 Pravda vom 7. 12. 1917. Zit. nach Friedrich-Christian Schroeder, Boris Meissner, S. 16.

99 Friedrich-Christian Schröder, Boris Meissner, S. 17.

100 Friedrich-Christian Schröder, Boris Meissner, S. 17.

101 Friedrich-Christian Schröder, Boris Meissner, S. 17

102 Stalin, S. 115.

103 Lenin, Über die nationale und die kolonial-nationale Frage, S. 101.

Ende der Leseprobe aus 110 Seiten

Details

Titel
Stalins Kriegspläne gegen den Westen - Sowjetischer Militarismus
Untertitel
Untersuchung anhand geheimer Dokumente
Hochschule
Universität Zürich
Note
4
Autor
Jahr
2010
Seiten
110
Katalognummer
V179729
ISBN (eBook)
9783656022411
ISBN (Buch)
9783656022558
Dateigröße
861 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Note entspricht 3 in Deutschland
Schlagworte
stalins, kriegspläne, westen, sowjetischer, militarismus, untersuchung, dokumenten
Arbeit zitieren
Elchan Gassanow (Autor), 2010, Stalins Kriegspläne gegen den Westen - Sowjetischer Militarismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179729

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