Standarduntersuchungen zur Mediennutzung


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Abstract

3. Umfragen - wozu?

4. Nutzungsforschung als Subdisziplin der KW

5. Ansätze aus drei Richtungen

6. Die einschlägigen Studien nach ihrem Gegenstand
6.1 Der Pressebereich
6.2 Hörfunkforschung
6.3 Das Fernsehen
6.4 Online-Analysen
6.5 Medienübergreifende Erhebungen

7. Schwierigkeiten & potentielle Problemfelder

8. Fazit/Ausblick

9. Bibliographie

2. Abstract

Ziel dieser Arbeit ist es, die vielfältigen Verfahren zur Erhebung von Datensätzen zur Mediennutzung im Allgemeinen und der sie umgebenden Variablen knapp zu präsentieren. Dabei werden die gängigeren damit befassten deutschen Forschungsinstitute anhand ihrer bedeutendsten Studien katalogartig vorgestellt. Die Tatsache, dass allein eine dieser Unternehmungen in der Erläuterung en detail bereits eine Arbeit füllen könnte, gebietet es, sich auf einen überblicksartigen und äußerst skizzenhaften Abriss zu beschränken. Auch die geläufigen Befragungsmethoden sowie die Messungskriterien werden nur insofern überflogen, als für den Kontext unabdinglich. Nichtsdestotrotz sollten die so gewonnenen Erkenntnisse ausreichen, in eine Bilanzierung der möglichen Stärken & Schwächen überzuleiten, wie sie gegenwärtig in der damit befassten wissenschaftlichen Literatur diskutiert werden. In nahtloser Verbindung dazu steht abschließend ein spekulativer Ausblick auf eventuelle Lösungswege, um mit einem Schlaglicht auf zukünftig antizipierte Entwicklungen abzurunden.

3. Umfragen - wozu?

Wer sich auch nur wenige Stunden mit dem komplexen, weil interdisziplinären Theoriegefüge der kommunikativen & medialen Forschung auseinandersetzt, stößt unweigerlich auf die inzwischen Kultstatus besitzende Lasswell-Formel: “who says what, to whom, in which channel, with what effect?” Um die Wirkung soll es an dieser Stelle zu schaffen sein. Dabei gilt es aber noch ein wenig zu differenzieren. Wie so oft nämlich überschneiden sich Sachverhalte in der Realität, wo es dem szientifischen Beobachter in seiner typischen naiven Neugier ursprünglich um definitorische Klarheit und begriffliche Trennschärfe ging. Ohne lange in epistemologischen Grundsatzdebatten zu verharren; auf die vorliegende Thematik bezogen heißt dies vor allem, dass es durchaus lohnenswert erscheinen könnte, den aus dem o. g. Satz abgeleiteten Terminus der Rezipientenforschung, der ja selbst schon eine Synthesis von Ziel (“to whom”) und Einfluss (“with what effect”) darstellt, näher zu beleuchten. Was man dadurch gewinnt, ist maximale logische Stimmigkeit, bei gleichzeitiger Permeabilität für den Vorgang, wie er sich realiter zeigt. Man sieht schon, in einem kybernetischen Modell, welches ja in erster Linie durch Rückkopplung geprägt ist, verschwimmen in Wirklichkeit Grenzen, um deren Rigidität der Geist stets kämpft, um überhaupt so etwas wie Austausch von Botschaften zwischen Menschen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, mit Sinn zu versehen. In der Praxis ergibt sich daraus eine folgenschwere Konsequenz; eine Dynamik in unserer Welt, wie sie vom Individuum nur noch schwer nachzuvollziehen ist, die auf der anderen Seite aber wiederum jede Menge Raum für neue Synergien und Kreationen schafft, also genau das, was den wissenschaftlichen Betrieb sui generis ausmacht, wie er in zunehmendem Maße ins Alltagsbewusstsein einsickert und was sich an der sich seuchenartig verbreitenden regelrechten Informationssucht der Bürger spielend ablesen lässt; man denke nur an die nahezu zehn Stunden, die jeder täglich den Medien opfert, also beinahe zwei Drittel der Zeit die man wach verbringt.1 Um sich eben in diesem Buchstabendschungel und Neuigkeitschaos wenigstens noch ein bisschen orientieren zu können, bedarf es, und das sowohl von Seiten der Produzenten, wie Konsumenten, als auch dem intermediär vermittelndem Bereich, sprich den Medien selber und insbesondere da, geeigneter Messinstrumente. Zur Veranschaulichung könnte man evtl. das Internet heranziehen, in dem die Menge der zugänglichen Informationen wie von nichts anderem von den Recherchekapazitäten des Users abhängt, sozusagen “google” als Mediaanalyse für den Einzelnen, wenn der Vergleich auch etwas hinkt. Ein wenig präziser wäre wohl der Vergleich mit Metasuchmaschinen, die sich auf die spezifischen Merkmale ihrer eigenen Betreiber konzentriert. Bevor diese nun im Folgenden angeschnitten werden, ohne das zunächst recht ersichtlich ist, ob dieser Anspruch überhaupt erfüllt werden kann, vorweg also die angekündigte Eingrenzung der Mediennutzungsforschung an und für sich, in der Absicht, die noch bestehenden Missverständnisse systematischer auszuräumen.

4. Nutzungsforschung als Subdisziplin der KW

Die Rezipientenforschung ist ein Bereich, der eine Vielzahl von Phänomenen in sich vereinigt, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Vom Zuschauer daheim am Bildschirm, über die Bevölkerungsgruppe der bildungsvernarrten Zeitschriftenleser bis hin zum gesamtgesellschaftlichen Wirkungskreis westlicher Zivilisation und ihrer spezifischen kulturellen Determinanten, wird hier prinzipiell alles abgedeckt, was auch nur im entferntesten mit den Wirkungen zu tun hat, die ein Medium bei seinen Empfängern hervorruft. Um solcher “Schwammigkeit” nicht unnötig Vorschub zu leisten, ist es hier wie überall im streng wissenschaftlichen Betrieb von Nutzen, adäquate Operationalisierungen zu verwenden und so strukturell einwandfrei wie irgend erreichbar zu definieren. Es bietet sich beispielsweise folgende Gliederung an: während sich die tendenziell eher makrokosmischen Entwicklungen in der Medienwirkungsforschung subsumieren, Wörter wie “Wissenskluft”, “Diffusionsforschung”, “Agenda-Setting” mögen einem hier einfallen, aber auch die breiter angelegten “cultural studies”, würde man mit der Kategorie der Rezeptionsforschung im engeren Sinne eher den Bogen zu individualzentrierten Zugängen schlagen. Dieser wiederum könnte man bedenkenlos die Überlegungen, die sich mit der Selektion von Neuigkeiten beschäftigen, zurechnen, ebenso wohl wie auch den “uses-and-gratifications-approach”, alles in allem also ein hedonistischerer Blickwinkel. Außen vor bliebe dann bis jetzt lediglich noch die Mediennutzungsforschung selbst, die quasi das statistische Rohmaterial unter Zuhilfenahme quantitativer Prozesse liefert, u. U. dann auch als Basis für weiterführende qualitative Untersuchungen.2 Aber damit ist es noch nicht getan. So geeignet sich diese Gruppierung für die theoretisch-analytische Stringenz ausnehmen mag, so deutlich zeigt sich andererseits in der Praxis die Durchlässigkeit derartiger Baumdiagramme für die Anforderungen der angewandten Datensammlung.

5. Ansätze aus drei Richtungen

Bevor nun aber Fallbeispiele zu Rate gezogen werden, kann man getrost auf die alten, dem Denken immanenten Konflikte zwischen Empirie & Hermeneutik verweisen. So wie man gut, böse oder Nietzsche sein kann, darf auch Mediennutzung für sich genommen erneut grob in drei Perspektiven aufgesplittet werden. Während sich sozusagen “traditionelle” Ansätze nahezu ausschließlich mit den Reichweitenkennziffern von Trägermedien auseinandersetzen, mit dem vorrangigen Ziel der Ermittlung erreichter Bevölkerungsprozente, also der, auf Verwendung bezogen, dahingehend “neutrale” Zweig, lässt sich hiervon ein Erkenntnisinteresse differenzieren, das sich gefahrlos als marktorientiert charakterisieren lässt, insofern es werberelevante Ergebnisse ans Licht bringt. In Abgrenzung von dieser vornehmlich an größtmöglicher Dimension ausgerichteten Herangehensweise, da ja Quote bekanntlich Gage nach sich zieht und vom ökonomischen Gesichtspunkt aus betrachtet keine darüber hinausweisenden Einsichten vonnöten sind, bleibt letztlich noch ein Rest, das Gegengewicht in der Waagschale. Alles was freilich den Marketingfachmann des “promotion” lancierenden Konzerns höchstens periphär tangiert, mag durchaus Steckenpferd des schlimmstenfalls verschrobenen, in der Regel aber von gesundem Drang nach Wissen & Meisterschaft, ja Perfektion in seinem Metier suchendem, erkundendem Pionier der postmodernen Verirrungen, oder auch Fortschritte einer Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts sein. Ihm wird es dann auch um die Umstände zu Buche stehen, die zur Konsumtion bewogen haben, des weiteren wird er nicht davor Halt machen, rigoros und unbarmherzig nach Trends, nach tieferen Zusammenhängen zu suchen, als auch das Subjekt des Ganzen genauer unter die Lupe zu nehmen und dieses hinsichtlich seiner Einstellungen, Ansichten, seiner Lebenstelemetrie befragen, vielleicht gar in der Absicht homogener Gruppenbildung. Profitieren und betätigen tun sich hier und davon ausnahmslos die Redaktion, wobei, wie wir gleich an den bekannten Studien sehen werden, natürlich ein und derselbe Gegenstand zugrunde liegt, die hier methodisch strikt geschiedenen Klassifizierungsbestandteile ergo durchaus verschmelzen können, was sie in steigendem Maße auch tun.

6. Die einschlägigen Studien nach ihrem Gegenstand Der Pressebereich

In diesem Sektor gibt es nicht zuletzt aufgrund seiner, relativ gesehen, langjährigsten Etablierung eine Reihe bedeutender und daher erwähnenswerter Projekte. Bereits seit 1949 existiert z. B. die Informationsgemeinschaft zur Verbreitung von Werbeträgern (IVW) als Tochter des ZAW (Zentralausschuß der Werbewirtschaft), deren Hauptaufgabe darin besteht, vierteljährliche Auflagenlisten zu publizieren. Aus diesen sind dann jeweils die aktuellen Mengenangaben aller bundesdeutschen Druckerzeugnisse ersichtlich, bis hinunter zum heimatlichen Lokalblatt.3

Die MA (Media Analyse) veröffentlicht jährlich ihre Statistiken. Sie wurde zunächst als Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse im Jahre 1954 initiiert, bevor sie dann 1971 im Zuge der Erweiterung um hörfunkbezogene Erhebungen, wie sie im Anschluss gesondert zur Sprache kommen, in ag.ma umgetauft wurde.4 Als Verbund von Print- & Funkmedien, von Werbeagenturen und Unternehmen erstellt sie randomisierte Stichproben aus mündlichen, persönlich geführten Interviews, wobei man hier schnell auf 236.000 Einzelfälle kommt, die neuerdings zur Fernsehnutzung von der GfK importierten Daten noch nicht einmal mit eingerechnet. Damit handelt es sich hier um ein sogenanntes “multi-source”-Verfahren, mit Datensätzen aus verschiedenen Bereichen (Zeitung, Zeitschrift, etc.) und Befragungszentren.5

Die AWA (Allensbacher Werbeträgeranalyse) ist seit 1959 in der Eruierung der Printbranche tätig. Ihre Entstehung verdankt sie der logischen Antwort auf Querelen um die Leseranalyse, deren genaue Umstände heute unklar sind.6 So oder so, jedenfalls führten diese dazu, dass die Demoskopen vom Bodensee mit ihrer eigenen Tranche aufwarteten. Über eine jährliche Befragung zu Nutzung und Konsumgewohnheiten hinaus, sind die nennenswerten Besonderheiten die, dass es sich hier um Quotenstichproben handelt, worauf man sehr großen Wert legt.7 Überhaupt darf man mit Stolz behaupten, erzielte Profite überwiegend in die Verfeinerung der Fragebögen und Methodik im Allgemeinen zu reinvestieren. Betroffen sind davon regelmäßig 20000 Personen.

[...]


1 Bei Eimeren & Frees, S. 377, loc. cit. (Onlinestudie) sind es 562 min., in der Langzeitstudie von Eimeren & Ridder, S. 502, loc. cit. kommt man sogar auf 600 min. in 2005

2 Selbstverständlich, dem Alltagsverständnis Rechnung tragend, sind all diese Gebiete „Mediennutzungsforschung“; um den Rahmen nicht zu sprengen, wird an dieser Stelle aber nur auf die im engeren Sinne Rücksicht genommen, so wie sie exemplarisch bei Pürer, S. 310-14, loc. cit. definiert ist.

3 ibid., S. 314

4 Meyen, S. 44, loc. cit.

5 vgl. Pürer, S. 315, loc. cit., zur ag.ma allgemein vgl. auch www.agma-mmc.de

6 Meyen, S. 69, loc. cit.

7 Zu Quota vs. Random, Noelle-Neumann, S. 236 ff., mit der generellen Einschränkung , dass jede Untersuchung komplexe Strukturen nur durch teilweise verfälschend starke Vereinfachung und unter Verlust der Ganzheit bearbeiten kann, vgl. S. 50 f., loc. cit.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Standarduntersuchungen zur Mediennutzung
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (IfKW)
Veranstaltung
Medienlehre
Note
3,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V179897
ISBN (eBook)
9783656024248
ISBN (Buch)
9783656024095
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
standarduntersuchungen, mediennutzung, umfrage, meinungsforschung, panel, stichprobe, studie
Arbeit zitieren
Oliver Köller (Autor), 2007, Standarduntersuchungen zur Mediennutzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179897

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