Seit etwa 30 Jahren ist das Plagen unter Schülerinnen und Schülern Gegenstand vieler Untersuchungen. Die Hauptfragestellung dieser Arbeit bezieht sich auf den Vergleich zwischen den passiven Opfern und den Tätern von Plagen in ihren Gleichaltrigenbeziehungen und Freizeitaktivitäten. Es handelt sich um eine Sekundäranalyse des Projekts „Jugend und Gewalt“ von Willi und Hornung (2000). Erhebungsinstrument war ein weitgehend standardisierter Frage-bogen zum Selbstausfüllen. Die Hypothesen wurden mittels Chi-Quadrat Tests und Varianzanalysen überprüft. Es zeigte sich, dass die passive Opfergruppe mehr aus weiblichen und die Tätergruppe mehr aus männlichen Jugendlichen ausgemacht wird. Die passiven Opfer erwiesen sich als weniger beliebt in ihrer Schulklasse und gehören seltener einer Gruppe von Freunden an als die Täter. Weiter stellte sich heraus, dass die Täter sich sowohl in ihrer Gruppe als auch um Anerkennung zu gewinnen aggressiver als die passiven Opfer verhalten und häufiger unstrukturierte Freizeitaktivitäten ausüben. Als Hauptergebnisse dieser Untersuchung können die durchwegs höheren Aggressionswerte der Täter und die in praktisch allen Gebieten erfassten markanten Geschlechtsunterschiede bezeichnet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Plagen
2.1 Definition von Plagen
2.2 Prävalenzen von Plagen
2.3 Abgrenzung der Begriffe Plagen und aggressives Verhalten
3. Der Plagenstatus - Eine Unterscheidung der Opfer und Täter
3.1 Charakteristika der passiven und der provokativen Opfer
3.2 Charakteristika der Täter
3.3 Geschlechts- und Altersunterschiede im Plagenstatus
4. Die Gleichaltrigenbeziehungen
4.1 Gruppenformation
4.2 Funktionen der Gruppe
4.3 Die Beliebtheit in der Schulklasse
4.3.1 Der soziometrische Status
4.4 Geschlechts- und Altersunterschiede in den Gleichaltrigenbeziehungen
5. Das Freizeitverhalten der Jugendlichen
5.1 Freizeitaktivitäten in der Adoleszenz
5.2 Funktionen der Freizeitaktivitäten
5.3 Anerkennung und Beliebtheit in der Gruppe
5.4 Strukturierte und unstrukturierte Freizeitaktivitäten
5.5 Geschlechts- und Altersunterschiede im Freizeitverhalten
6. Plagenstatus, Gleichaltrigenbeziehungen und Freizeitverhalten
6.1 Plagenstatus und Beliebtheit in der Schulklasse
6.2 Plagenstatus und Freizeitverhalten
7. Fragestellungen und Hypothesen
7.1 Geschlechter- und Altersverteilung in den Plagenstatusgruppen
7.2 Beliebtheit in der Schulklasse
7.3 Gruppenformation
7.4 Gruppenverhalten
7.5 Anerkennung in der Gruppe
7.6 Freizeitaktivitäten
8. Methode
8.1 Stichprobe
8.2 Datenerhebung
8.3 Operationalisierungen
8.3.1 Häufigkeiten und Formen von Plagen
8.3.2 Die Plagenstatusgruppen
8.3.3 Beliebtheit in der Schulklasse
8.3.4 Gruppenformation
8.3.5 Gruppenverhalten
8.3.6 Anerkennung in der Gruppe
8.3.7 Freizeitaktivitäten
9. Ergebnisse
9.1 Deskriptive Daten
9.2 Die Verteilung von Geschlecht und Alter in den Plagenstatusgruppen
9.3 Beliebtheit in der Schulklasse
9.4 Gruppenformation
9.5 Gruppenverhalten
9.6 Anerkennung in der Gruppe
9.7 Freizeitaktivitäten
9.8 Aggressive versus nicht-aggressive Jugendliche
10. Schlussdiskussion
10.1 Geschlechts- und Altersunterschiede
10.2 Die Beliebtheit in der Schulklasse
10.3 Gruppenformation
10.4 Freizeitverhalten
10.5 Stärken und Schwächen der Untersuchung
10.6 Praktische Implikationen für Forschung und Praxis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht passives Opfer- und Täterverhalten bei Schülern im Hinblick auf deren Gleichaltrigenbeziehungen und Freizeitaktivitäten, um herauszuarbeiten, wie sich die beiden Gruppen in Bezug auf soziale Integration, Gruppendynamik und Aggressionspotenzial unterscheiden.
- Charakterisierung von Opfern und Tätern von Plagen
- Einfluss von Geschlecht und Alter auf den Plagenstatus
- Soziale Integration und Beliebtheit in der Schulklasse
- Gruppenformation und Freizeitverhalten als Kontextfaktoren
- Zusammenhang zwischen aggressivem Verhalten und Freizeitmustern
Auszug aus dem Buch
3.2 Charakteristika der Täter
Nach der Charakterisierung der passiven und der provokativen Opfer, folgt in diesem Kapitel eine Charakterisierung der dritten Gruppe, nämlich der Täter von Plagen. Es wird aufgezeigt, wie sich die Täter in ihren Eigenschaften und Verhaltensweisen von den beiden Opfergruppen unterscheiden. Eine erste Definition der Täter von Plagen liefert Olweus (1978; zit. nach Schuster, 1996, S. 300): „A bully is a boy who fairly often oppresses or harasses somebody else; the target may be boys or girls, the harassment physical or mental“. Gemäss Schuster (1996) werden diejenigen Jugendlichen als Täter definiert, die häufig einen Streit beginnen, andere necken und hänseln und sofort protestieren, wenn ein Lehrer sie kritisiert. Die Täter sind, wie schon erwähnt, meist grösser und stärker als ihre Opfer und verhalten sich in vielen Lebensbereichen unnachgiebig und aggressiv (Pellegrini, 1998). Klicpera und Klicpera (1996) weisen darauf hin, dass die als Täter klassifizierten Jugendlichen nur selten nachgeben, wenn ein anderes Kind ihnen etwas streitig macht, Streitigkeiten häufiger eskalieren lassen und seltener nach Kompromissen suchen als andere Jugendliche. Manche Täter lassen sich zum Plagen ermutigen, wenn ihre Opfer Schmerz und Unterwerfung zeigen (Pellegrini, 1998). Durch das sichtbare Angstgefühl der Opfer bekommt der Täter ein Gefühl der Macht und Dominanz, welches das aggressive Verhalten verstärken kann. Die Täter nehmen nach Karatzias et al. (2002) zudem meist eine dominante Position in ihrer Peergruppe ein und zeigen nur wenig Angst- und Schuldgefühle. Olweus (1993) konnte weiter aufzeigen, dass Täter eher eine positive Einstellung gegenüber der Gewalt und gegenüber dem Einsatz von Gewalt haben (Olweus, 1993).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Plagen (Bullying) ein, erläutert dessen Relevanz und definiert die Forschungsziele der Arbeit.
2. Das Plagen: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Plagens, beleuchtet Prävalenzraten und grenzt Plagen von allgemeinem aggressivem Verhalten ab.
3. Der Plagenstatus - Eine Unterscheidung der Opfer und Täter: Hier werden die Merkmale passiver Opfer, provokativer Opfer und Täter herausgearbeitet sowie Geschlechts- und Altersunterschiede beleuchtet.
4. Die Gleichaltrigenbeziehungen: Dieses Kapitel analysiert die Dynamik der Gruppenbildung und die Faktoren, die über die Beliebtheit eines Jugendlichen in der Schulklasse entscheiden.
5. Das Freizeitverhalten der Jugendlichen: Der Fokus liegt hier auf verschiedenen Freizeitaktivitäten, deren Funktionen und dem Einfluss von strukturierten versus unstrukturierten Angeboten.
6. Plagenstatus, Gleichaltrigenbeziehungen und Freizeitverhalten: Das Kapitel führt die theoretischen Stränge zusammen und diskutiert Zusammenhänge zwischen Opfer-/Täterstatus, sozialer Beliebtheit und Freizeitgewohnheiten.
7. Fragestellungen und Hypothesen: Basierend auf dem theoretischen Rahmen werden hier die konkreten Forschungsfragen und Hypothesen für die empirische Analyse formuliert.
8. Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das Studiendesign, die Stichprobe der "Jugend und Gewalt"-Studie sowie die Operationalisierung der Variablen.
9. Ergebnisse: Hier werden die empirischen Befunde zur Verteilung der Plagenstatusgruppen sowie deren Gruppenverhalten, soziale Stellung und Freizeitverhalten detailliert ausgewertet.
10. Schlussdiskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, mit der bestehenden Literatur in Beziehung gesetzt und Implikationen für die Praxis abgeleitet.
Schlüsselwörter
Plagen, Mobbing, Täter, Opfer, Gleichaltrigenbeziehungen, Freizeitverhalten, Jugendliche, Schulklasse, soziale Anerkennung, Aggression, Gruppenformation, soziometrischer Status, Prävention, Adoleszenz, Gewalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Lizentiatsarbeit untersucht die Unterschiede zwischen Opfern und Tätern von Plagen bei Jugendlichen, insbesondere hinsichtlich ihrer sozialen Beziehungen und Freizeitgestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen den Plagenstatus (Opfer- vs. Täterrollen), Gleichaltrigenbeziehungen, soziale Beliebtheit in der Schulklasse sowie das Freizeitverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist ein Vergleich der passiven Opfer und der Täter hinsichtlich ihres Status in der Gleichaltrigengruppe und ihrer Präferenzen bei der Freizeitgestaltung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Sekundäranalyse der Daten aus dem Projekt "Jugend und Gewalt" (Willi & Hornung, 2000), bei der Hypothesen mittels statistischer Verfahren wie Chi-Quadrat-Tests und Varianzanalysen geprüft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Hintergrund zu Plagen, sozialen Beziehungen und Freizeitaktivitäten sowie eine empirische Untersuchung, die diese Konzepte statistisch miteinander verknüpft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Plagen, Mobbing, Täter, Opfer, Gleichaltrigenbeziehungen, Freizeitverhalten, soziale Anerkennung und Aggression.
Welche Unterschiede zeigen sich bei den Freizeitaktivitäten von Tätern und Opfern?
Die Untersuchung deutet darauf hin, dass Täter häufiger unstrukturierte Freizeitaktivitäten bevorzugen und sich eher im auswärtigen Raum bewegen, während passive Opfer seltener unstrukturierte Aktivitäten ausüben.
Welche Rolle spielt die Beliebtheit in der Schulklasse?
Die Ergebnisse legen nahe, dass Täter in ihrer Klasse beliebter sind als passive Opfer, welche sich häufig als Außenseiter fühlen, wobei "Nicht-Involvierte" insgesamt die höchste Beliebtheit aufweisen.
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- Franziska Borter (Author), 2004, Opfer und Täter von Plagen: Ihre Gleichaltrigenbeziehungen und Freizeitaktivitäten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179949