Germany´s Next Topmodel und die Imago Dei


Essay, 2008
6 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

„Durchschnittlich 3,6 Millionen Zuschauer ab drei Jahren verfolgten die laufende Staffel [Germany´s Next Topmodel by Heidi Klum] bislang. In der wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jahren lag die Einschaltquote im Durchschnitt bei 22,8 Prozent.“1

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem regelrechten Wahn der Schönheit, der Jugend und äußerlichen Perfektion. Heidi Klums neuester Versuch die schönste Frau Deutschlands ausfindig zu machen, ist nur die Spitze des Eisberges. Ob man die Tageszeitung aufschlägt oder den Fernseher einschaltet - überall begegnen uns ‚perfekte’ Menschen. Jedenfalls versuchen uns die Medien dieses Bild der Vollkommenheit zu verkaufen. Wie die Einschaltquoten - hier vor allem der Umstand, dass das angesprochene Publikum ab dem dritten Lebensjahr gezählt wird - zeigen, erfährt dieses Vorgehen eine weit reichende gesellschaftliche Resonanz.

Auf Basis des von Michael Welker verfassten Aufsatzes „Person, Menschenwürde und Gottebenbildlichkeit“ ist es mir persönlich ein Anliegen zu zeigen, dass die Überbetonung der von Außen leicht zu beeinflussenden Gegebenheiten einerseits bzw. der Rückzug von der äußeren Welt andererseits eine Fehlentwicklung sowohl im sozialen als auch im religiösen Kontext darstellt. Dabei möchte ich vor allem nach dem Gleichgewicht fragen, das zwischen innerem und äußerem Sein - dass im religiösen Kontext auch als Imago Dei und Similitudo Dei2 verstanden wird - besteht. Sobald eine Seite der beiden Dualpaare betont wird, verliert die andere an Bedeutung und dies wirkt sich direkt auf das menschliche Zusammenleben aus.

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn. […] Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und machet euch die Erde untertan.“ (Gen 1,27f.) Diese Aussage, deren theologische Bedeutung in den Lehrformeln der Imago Dei und Dominum terrae3 zu finden ist, wurde stets falsch verstanden und von der breiten Masse der Menschen falsch interpretiert. Es geht nicht darum anzunehmen, dass wir Gottes Äußerem gleich sind und über sein gesamtes Werk bedingungslos verfügen können, sondern dass wir ein Teil der Schöpfung sind und in Verantwortung sowohl zu uns als auch zu unseren Mitgeschöpfen stehen. Diesen ‚Status’ hat die Menschheit durch den Sündenfall verloren, die Menschheit hat sich sozusagen vor Gott selbst entwürdigt. Aber was ist nun Würde? Genau diese Frage versucht Michael Welker ebenfalls zu beantworten. Er geht in seiner Argumentationsstruktur vom Verständnis der Person zum biblischen Zeugnis der Gottebenbildlichkeit und schafft damit einen Rahmen, in dem der zentrale Aspekt der Menschenwürde eingebettet ist. Für Welker - und dabei zitiert er den dritten Band der Kirchlichen Dogmatik Karl Barths - ist die menschliche Würde in der Imago Dei begründet.4 Durch den Umstand der Feindschaft des Menschen zu Gott - dem Inbegriff der Sünde schlechthin - hat sich jedoch die Definition der Menschenwürde zu einem Problem ungeahnten Ausmaßes entwickelt. Eine Ursache dieses Problems liegt offenbar in der singulären Fixierung der Person.5 Bei der Bestimmung dieser Größe beginnt Welker eine dualgeprägte Argumentationsweise, die sich den gesamten Aufsatz durchziehen soll. Für ihn - und er bezieht sich hierbei auf das lateinische Wort persona, mit dem die Maske eines Schauspielers gemeint ist - hat die Person zwei Gesichter: eines, das nach Außen wirkt und von dort aus maßgebliche Beeinflussung findet und eines, hinter diesen externalen Bedingungen. Beide Teile stehen in einem sich aufeinander beziehenden Wechselverhältnis. Der Mensch - sowohl als Individuum als auch als subjektive Persönlichkeit - muss nun ein Gleichgewicht zwischen diesen Ebenen herstellen, doch dies gelingt ihm nicht.6 Der Emotionalität als internalem Aspekt der persona wird in unserer heutigen Gesellschaft kein Platz eingeräumt.

[...]


1 <http://www.digitalfernsehen.de/news/news_323376.html>.

2 Imago Dei meint aus theologischem Verständnis die Gottebenbildlichkeit während die Similitudo Dei die Gottähnlichkeit bezeichnet.

3 Dominum terrae bezeichnet den sog. Herrschaftsauftrag.

4 Vgl. WELKER, Michael: Person, Menschenwürde und Gottebenbildlichkeit. In: Ingo BALDERMANN (Hrsg.): Jahrbuch für biblische Theologie Bd. 15 (2000), Neukirchen-Vluyn 2001, S. 247.

5 Vgl. ebd. S. 249.

6 „Vor allem aber hat das moderne Denken Schwierigkeiten, die Subjektivität ‚hinter der Maske’ und die öffentliche, von außen (mit)konstituierte objektive und objektivierte Person ‚vor der Maske’ in einem komplexen Konzept von Person zu unterscheiden und aufeinander zu beziehen.“, siehe ebd. S. 251.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Germany´s Next Topmodel und die Imago Dei
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Menschenwürde als leibliches Geschöpfsein
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
6
Katalognummer
V179960
ISBN (eBook)
9783656024460
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Imago Dei, Ebenbildlichkeit Gottes, Michael Welker, Menschenwürde, Gesellschaft, Dominium terrae, Herrschaftsauftrag, Theologie, Ethik, ethische Grundprinzipien, Medienzeitalter, Schöpfung, Similitudo Dei
Arbeit zitieren
Daniel Meyer (Autor), 2008, Germany´s Next Topmodel und die Imago Dei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179960

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