Die griechische Stoa


Seminararbeit, 2003
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprung des Bautyps /
2.1 Einfluß mykenisch-minoischer Architektur /
2.2 Äußerer Einfluß /
2.3 Entstehung aus griechischer Tempelarchitektur
2.4 Entstehung als eigenständiger Bautyp

3. Entwicklung der Stoa
3.1 Archaische Periode
3.2 Klassische Periode
3.3 Hellenistische Periode

4. Funktion des Gebäudetyps

5. Fallbeispiel: Die Südstoa von Korinth
5.1 Grabungsbericht
5.2 Rekonstruktion des Gebäudes
5.3 Datierung und Deutung

6. Resümée

Anhang

I. Abbildungen

II. Abbildungsverzeichnis

III. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Stoa ist ein freistehender, gestreckter Bau, dessen Fassade durch eine Säulenreihe geöffnet und deren Seiten- und Rückwand geschlossen sind. Als solche ist sie eines der ältesten Bautypen griechischer Architektur, seit dem 7. Jh. verbreitet sowohl auf dem Festland und der Peloponnes, wie auch im griechischen Kleinasien und den Westkoloni­en. Hauptsächlich auf der Monographie J.J. Coultons »The architectural development of the greek stoa« von 1974 basierend, soll zunächst ein Überblick über die Stoa gewon­nen werden, von dem ausgehend der Befund der Südstoa von Korinth, publiziert durch O. Broneer, behandelt wird.[1] Für den allgemeinen Teil mußte ich mich aus Platzgründen auf wenige Themen beschränken, so wählte ich den Ursprung des Bautyps, die Ent­wicklung der Stoa und die Funktionen, die dem Bau zugesprochen werden. Die Südstoa soll in Hinblick auf die Grabungsgeschichte, die Rekonstruktion und ihre Datierung so­wie Deutung untersucht werden.

2. Ursprung des Bautyps

2.1 Einfluß mykenisch-minoischer Architektur

In bronzezeitlicher mykenisch-minoischer Palastarchitektur finden sich architektonische Elemente, die einer Stoa ähneln. So etwa an der Südostflanke des Palastes bei Tiryns(Abb.1).[2] Trotz der Ähnlichkeit der Form unterscheiden sich derartige Elemente in ihrer Konzeption jedoch in einem wesentlichen Punkt von der späteren griechischen Stoa; sie sind in einen Komplex eingebunden, also nicht freistehend errichtet.[3] Für die mögliche Theorie, daß hier ein Bauelement vom Komplex isoliert wurde und sich zur freistehenden Stoa wandelte, ist es nötig, daß die Griechen das Bauelement als ein sol­ches verstanden, also vom Komplex lösen konnten. Dagegen spricht, daß die Elemente stark variierten, also keine Einheit in ihrer Dimensionierung oder Form aufwiesen.

2.2 Äußere Einflüße

Ähnlich mykenisch-minoischer Architektur finden sich in ägytischer Monumentalarchi­tektur Säulenreihen, hier jedoch aus Stein, eingebunden in Gebäudekomplexe, wie Tem­pelhallen oder als Umrandung innerer Plätze. Die Proportionierungen der Elemente und stärker noch die Anordnung nach innen unterscheiden sich in ihrem Charakter von der offenen, freizugänglichen Stoa derart, daß davon auszugehen ist, daß sie den Bautyp der Stoa nicht direkt beeinflußten.[4] In syrischer Architektur findet sich ein Gebäudetyp mit vorderer Säulenstellung, der mitunter freistehend errichtet wurde. Allerdings be­ steht die Säulenstellung nur aus 1 bis 3 Säulen in einer ansonsten geschlossenen Front­mauer. Phönizische und phrygische Architektur liefern keinen Hinweis auf einen Ge­bäudetyp, der als Vorläufer zur Stoa in Frage käme.

2.3 Entstehung aus griechischer Tempelarchitektur

Wenn also äußere Einflüße bei der Entstehung des Bautyps keine entscheidende Rolle gespielt haben (vgl. 1.2), dann ist er vielleicht aus einem anderem griechischen Gebäu­detyp hervorgegangen. Eine weit verbreitete Theorie ist, daß sich die Stoa aus dem grie­chischen Tempelbau (Abb. 2) entwickelte, indem der Pronaos von der Cella losgelöst und als eigenständiges Gebäude errichtet wurde. Dafür spricht die Offenheit beider nach außen hin. Ein Zwischenraum zwischen Gebäude und Äußerem wird geschaffen und zumindest pragmatische Funktionen, wie dem Schutz vor Wettereinflüßen, dürften bei­de im 7. Jh. gemein haben. Trotz einiger Vorzüge, gibt es berechtigte Kritik an der The­orie; so schreibt J.J. Coulton, daß es in der Architektur unwahrscheinlich ist, daß ein strukturell einfacheres Gebäude aus einem komplizierteren hervorgeht.[5]

2.4 Entstehung als eigenständiger Bautyp

Verfolgt man den Gedanken weiter, daß die Stoa ursprünglich ein einfaches Gebäude war, das elementare Funktionen diente (z.B. Schutz vor Regen), dann scheint die Mög­lichkeit plausibel, daß die griechische Architektur sie frühzeitig und unabhängig von an­deren Bauten hervorbrachte.[6] Bestehende Ähnlichkeiten mit Langhallen oder Tempeln könnten eher die Folge gemeinsamer architektonischer Zwänge sein, als ein Hinweis auf eine nahe Verwandtschaft der Bautypen. Solange es aber keine eindeutigen Funde von Stoen vor der archaischen Periode gibt, bleibt auch eine eigenständige Entwicklung spekulativ.[7]

3. Entwicklung der Stoa

3.1 Archaische Periode (650-480 v. Chr.)

In archaischer Zeit sind Stoen vergleichsweise kleindimensioniert und häufig bei Heil­igtümern zu finden, obwohl sie auch schon[8] vereinzelt bei Agorai auftreten können.[9] Die Stoen der archaischen Periode unterscheiden sich in ihrer Form schon recht stark vonei­nander. Sie können einschiffig sein wie die Südstoa bei Didyma oder zweischiffig wie die Südstoa von Samos, ohne vordere Säulenstellung wie die Nordstoa von Megara Hy- blaia und sogar L-förmig wie die Stoa der Naxier auf Delos (Abb. 3). Neben dem häufig verwendeten Holz für die Säulen finden sich bei der Nordstoa des argivischen Heraion steinerne Säulenreihen.

3.2 Klassische Periode (480-323 v. Chr.)

Durch Vereinheitlichungen im Entwurf kristallisieren sich in der klassischen Periode Haupttypen der Stoa heraus. Entscheidende Impulse gehen im 5. Jh. von Zentralgrie­chenland aus, so findet sich in der Zeusstoa im Nordosten der Agora von Athen das frü­heste gesicherte Beispiel einer Säulenreihenordnung, die sich als allgemeiner Standard für zweischiffige Stoen durchsetzen wird.[10] Eine dorische Säulenreihe bildet die Front der Stoa vor einer inneren ionischen (Abb.4). Die ionische Säule der inneren Reihe ist meist schlanker und erreicht eine größere Höhe, womit sie den Giebel des Daches unter­stützen kann, ohne den Innenraum der Stoa allzu sehr einzunehmen. Während in Zen­tralgriechenland und der Peloponnes gestreckte, zweischiffige Stoen dominieren, setzen sich in Kleinasien L und pi-förmige Stoen durch, oft mit Räumen, die sich im hinteren Bereich anschließen. Spätestens im 4. Jh. werden Stoen auch zweistöckig gebaut, stehen dann aber nicht frei, sondern lehnen sich mit ihrer Rückwand an Hänge oder schon bes­tehende Mauern an.[11]

3.3 Hellenistische Periode (323-50 v. Chr.)

In der hellenistischen Periode gewinnt die Stoa als raumordnendes Element an Bedeu­tung. Die Gestaltung der Archetypen fällt weitgehend in die klassischer Zeit, jedoch wurden die Proportionen der Stoa nie kanonisiert. Ihre Länge ist nicht durch innere Ge­setzmäßigkeiten festgelegt,bleibt also theoretisch unendlich verlängerbar und so bestens dazu geeignet, in Gruppen angeordnet, Platzanlagen fast vollständig zu umschließen.

Diese Eigenschaft wird in hellenistischer Zeit exzessiv genutzt und prägt nun vielerorts das Stadtbild, etwa bei den Marktplätzen von Milet (Abb. 5). Die schon in der klassi­schen Zeit einsetzende Steigerung der Dimensionen findet in der hellenistischer Zeit mit Längen bis zu 200 m ihren Höhepunkt.[12]

4. Funktion des Gebäudetyps

In archaischer Zeit diente die Stoa wohl noch vor allem dem einfachen Witterungs­schutz. Ihre Anpassungsmöglichkeit an konkrete Bedürfnisse und die Fähigkeit der Strukturierung offener Plätze machten sie jedoch rasch beliebt als rahmender Bau um Agorai. In Heiligtümern konnten Stoen dazu verwendet werden, kleinere Votivgaben aufzunehmen, ähnlich wie sie nach den Perserkriegen in Athen als Ausstellungsgebäude für Beutestücke genutzt wurden.[13] Stoen fungierten als Amtslokale, wie die Stoa Basi- leios in Athen, in der auch Gerichtsprozeße geführt wurden, als Kaufhallen oder Hallen für Speiselokale und Schänken, um nur einige der vielfältigen, spezifischen Funktionen zu nennen. Vermutlich war eine der wichtigsten Aufgabe der Stoa eher genereller Art, nämlich einen Raum zu schaffen für die Bedürfnisse des zivilen öffentlichen Lebens in griechischen Städten.

5. Die Südstoa von Korinth

5.1 Grabungsgeschichte

Obwohl man schon 1896 in Versuchsgrabungen von Richardson auf die Südstoa stieß, konnte man das Gebäude erst durch die Grabungen 1904 von T. Heermance, dem ehe­maligen Direktor der American School, identifizieren und die Dimensionen abschät- zen.[14] Er legte in seinen Grabungen Teile eines Fundamentes im nördlichen Teil des Ge­bäudes frei, und fand darauf Überreste eines Kapitells und weiter südlich Überreste ei­ner Wand, die er als Rückwand interpretierte. Flächendeckende Grabung erfolgten 1933 in 6 aufeinanderfolgenden Kampagnen unter Oskar Broneer, nach Freilegung des Ost- und Westendes ergab sich eine Länge von etwa 165 m. Hinter der vermeintlichen Rück­wand fanden sich zwei Reihen von Räumen, mit denen die Tiefe des Gebäudes etwa 25 m beträgt. Die Stoa, die sich südlich eines Rennkurses befindet, weist eine ähnliche Ori­entierung auf wie der nahe gelegene archaische Tempel (Abb. 6). Die durch den Zwei­ten Weltkrieg unterbrochenen Ausgrabungen fanden nach Wiederaufnahme 1950 ihren Abschluß.

5.2 Rekonstruktion des Gebäudes

Das ursprüngliche Gelände steigt leicht von Nordwest nach Südosten hin an. Um eine Ebene zu schaffen, ist die Baugrube für das Fundament unterschiedlich tief ausgeho- ben.[15] Das Außenfundament am Ostende ist fünf Schichten tief, am Westende finden sich bis zu 9 Schichten unterhalb des Stylobates. Die einzelnen Steinblöcke bestehen aus lokalem Porosgestein, die durch Anathyrose eng aneinander anliegen. Die Krepis besteht aus zwei Schichten inklusive Stylobat, daraus ergeben sich zwei Stufen von je etwa 0,3 m Höhe. Aus Funden von Basen, Säulentrommeln und Kapitellen wurden 2 Säulenreihen rekonstruiert, eine vordere dorische mit 71 Säulen, die eine Höhe von etwa 5,7 m bis zur Spitze des Kapitells erreichte, und eine innere ionische Reihe mit 34 Säulen.[16] Der Architrav der Front bestand aus Doppelblöcken, die durch Metallklam- mern miteinander verbunden waren, über ihm befand sich die Taenia und ein Triglyphen-Metopen Fries.

[...]


[1] Broneer (1954).

[2]

An der Südostflanke sind 4 von ursprünglich 12 steinernen Basen erhalten sind. Diese trugen vermutlich Holzsäulen, die eine Front bildeten, hinter der sich an der Rückwand Kammern anschloßen. vgl. dazu Der Kleine Pauly (1979) 376-377 s. v. Stoa (Oppermann).

[3] Coulton (1976) 18.

[4] Coulton (1976) 19.

[5] Coulton (1976) 21. »what this theory overlooks, however, is that the stoa is in essence a very simple type, much more than the peripteral temple or any of the colonnaded buildings of the Near East. It is inherently unlikely that a simple type should be derived from a more complex one; the combination of simple elements to make more complex one is the normal develop­ment.«

[6] Coulton (1976) 22.

[7]

Zu einer möglichen Stoa aus geometr. Zeit vgl. Coulton (1976) 26.

о

Periodeneinteilung entspricht der von J.J. Coulton genutzten.

[9] Von den bekannten Stoen dieser Zeit sind die Südstoa bei Samos (69,95m x 5,91m)und die Nordstoa bei Argive Heraion (62,10m x 9,20m) durch ihre Größe herausstechend, im allgemeinen sind die Stoen deutlich kleiner.

[10]

Für die früher gebaute Stoa Poikile in Athen ist eine solche Säulenreihenordnung wahrscheinlich. vgl. Coulton (1976) 100.

[11] Lauter (1986) 122.

[12]

Eine der längsten bekannten Stoa ist die von Kameiros mit cirka 207 m.

[13] Coulton (1976) 39.

[14] Broneer (1954) 4.

[15] Broneer (1954) 18.

[16] Die innere Säulenreihe beginnt hinter der jeweil dritten äußeren Säule des West- und Ostendes, ihre Jochweite entspricht dem doppelten der vorderen Reihe. Die äußeren Säulen der Stoaenden weisen Eckkontraktionen auf. Broneer (1954) 32-33, 45-46 ; zur Umrechnung in Fuß und aus der Gesamtlänge abgeleiteten Joch vgl. Koenigs (1979) 212-213, 220 Tab. 1 Tab. 4.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die griechische Stoa
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Winckelmann-Institut)
Veranstaltung
Seminar Griechische Architektur
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V179986
ISBN (eBook)
9783656025795
Dateigröße
2058 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Architektur, Bautyp, Stoa, Korinth, Halle, Archäologie, Klassik, Archaik, Hellenismus, Tempel, Ursprung, Mykene, Säulenreihe, Syrien, dorisch, ionisch, Milet
Arbeit zitieren
M. A. Daniel Funke (Autor), 2003, Die griechische Stoa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179986

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