Energiegenossenschaftliches Wirtschaften - Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Umsetzung anhand eines Beispiels aus der Praxis


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Rechtliche Rahmenbedingungen

3. Von der Idee zur eG
3.1 Informationssichtungen und -Veranstaltungen
3.2 Rahmenbedingungen
3.3 Erörterung eines Betreibermodells
3.3.1 Contracting
3.3.2 Die eingetragene Genossenschaft (eG)
3.4 Politik, Verwaltung, Verband

4. Die Energiegenossenschaft Lieberhausen eG (EGL)
4.1 Organe und Mitglieder der EGL
4.1.1 Das Mitglied der EGL
4.1.2 Soziale Dynamiken
4.2 Organisation der Betriebsabläufe
4.3 Genossenschaftliches Wirtschaften in der Region
4.4 Ausblick: Ziele, Visionen und Projekte

5. Schussbetrachtung
Anhang

Steckbrief der Energiegenossenschaft Lieberhausen eG

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die deutsche Energiewirtschaft befindet sich seit einiger Zeit in einem wirtschaftlichen und einem damit eng einhergehenden politischen und gesellschaftlichen W andlungsprozess.

Einerseits stellen die Verknappung fossiler Energieträger wie Kohle und Öl und deren CO2-Emissionen, die sich negativ auf das Klima auswirken, neue Herausforderungen der Energieversorgung dar. Andererseits bewirken die Monopol- bzw. Oligopolstrukturen der deutschen Energieversorger[1] eine immer größere Abhängigkeit der Verbraucher und verringern zudem die Transparenz im Bereich der Kostenzusammensetzung oder der Art der Energiequelle (Klemisch/Flieger 2007: 26 ff).

Der Energiesektor birgt jedoch auch große CO2-Einsparpotentiale, die durch Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und Nutzung regenerativer Energien verwirklicht werden können (Baur et.al. 2009: 1 ff).

Im Zuge der Entwicklungen rund um das Thema „Erneuerbare Energien“ gewinnen lokale Ökonomien und Formen der Selbstorganisation wieder verstärkt an Bedeutung. In den letzten Jahren haben Genossenschaften gezeigt, dass sie sich als privatwirtschaftliche Unternehmensformen sehr gut dazu eignen, die vorhandenen Potenziale aufzugreifen und umzusetzen (DZ Bank 2008: 29 ff). Genossenschaften aus dem Bereich „Erneuerbare Energien“ verbinden bürgerschaftliches Engagement „mit qualitativen Ansprüchen von Ökologie und einer an sozialen Kriterien ausgerichteten lokalen Ökonomie“ (Klemisch/Flieger 2007: 29). Des Weiteren bieten sie einen bewährten rechtlichen Rahmen und garantieren durch ihre demokratische Struktur Stabilität und Sicherheit für das Unternehmen.

In der folgenden Arbeit werden die besonderen rechtlichen Eigenschaften der eingetragenen Genossenschaft an einem Gründungsbeispiel aus dem Bereich „Erneuerbare Energien“ dargestellt: der Energiegenossenschaft Lieberhausen eG.

2. Rechtliche Rahmenbedingungen

Die Bundesregierung erklärte 2007, mit dem Integrierte Energie und Klimaprogramm (IKEP, 2007), das „weltweit ambitionierteste Energie- und Klimapaket“ (BMU 2007) beschlossen zu haben. Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40% gesenkt werden. Schwerpunkte des IKEP sind unter anderem:

- Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG): Um Brennstoffe effizient einzusetzen, soll bis 2020 der Anteil der hocheffizienten Kraft-Wärme­Kopplungsanlagen an der Stromproduktion von derzeit 12% auf ca. 25% erhöht werden.
- Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG): Der Anteil des Stroms aus Erneuerbaren Energien soll von derzeit 13% auf 25% - 30% im Jahr 2020 ausgebaut werden.
- Novellierung des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG): Der Anteil der Wärmebereitstellung soll auf 14% bis 2020 gesteigert werden.[2]

Die Gesetzesnovellen zielen insbesondere auf eine Erhöhung des Anteils regenerativer Energien im Bereich der Stromproduktion und -einspeisung ab (KWKG, EEG). Das das Potenzial erneuerbarer Energien auch im Wärmebereich für Klimaschutz und für die Einsparung fossiler Brennstoffe ausgebaut werden soll, davon zeugt das EEWärmeG. Die jüngsten Gesetzesänderungen im Rahmen des IKEP und die damit verbundenen Klimaziele der Bundesregierung verdeutlichen die Aktualität des Themas und den Stellenwert, den Klimaschutz und CO2-Reduzierung in der Bundesrepublik mittlerweile einnehmen. Da jeder Einzelne eigene Motive haben kann diese Ziele aktiv zu verfolgen, im Regelfall aber nicht die Mittel für die Umsetzung eines „Erneuerbaren-Energie- Projekts“ hat, ist es sinnvoll sich zusammenzuschließen, etwa in einer Genossenschaft, um gemeinsam etwas zu erreichen. Die Bundesregierung und die Landesregierungen bieten dabei eine Vielzahl von Förderungsmöglichkeiten (Baur et.al. 2009: 75 ff).[3]

3. Von der Idee zur eG

Der Weg hin zur Gründung der Energiegenossenschaft Lieberhausen eG (EGL) im April 1999 steht in unmittelbarem Zusammenhang mit ersten Diskussionen über die Nutzung regenerativer Energien, welche bereits im Herbst 1997 vom Vorstand des örtlichen Heimatvereins Hicksland e.V. angestoßen wurden und schließlich in der Einweihung des Holzheizwerks im Februar 2001 mündeten.

Ziel der Lieberhäuser war und ist es, „getreu dem Motto: global denken - lokal handeln“ (Rosenbauer 2010; siehe dazu WDR5 2009), ihre Energieversorgung mittelfristig unabhängig von fossilen Brennstoffen und den monopolistischen Energieversorgern zu machen, die Genossenschaftsmitglieder wirtschaftlich zu fördern und einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz und zur CO2-Reduzierung zu leisten (Rosenbauer 2003 a, 2010).

3.1 Informationssichtungen und -Veranstaltungen

Bereits in den 1980er Jahren erfuhr Förster Bernd Rosenbauer, dass in Dänemark ca. 40% der Haushalte mit Fernwärme versorgt werden (Rosenbauer 2010). Weitere Nachforschungen ergaben, dass nicht nur in Skandinavien, sondern auch in Österreich und der Schweiz ganze Ortschaften ihre Wärme über Holzheizwerke beziehen. Die gewonnenen Erkenntnisse bewogen den Heimatverein dazu, erste Ideen zur Nahwärmeversorgung in Lieberhausen zu erörtern (Rosenbauer 2010).

Aufgrund der natürlichen Voraussetzungen im Oberbergischen Kreis lag es nahe, die Idee der Energiegewinnung mittels Holzverbrennung zu vertiefen, da das Oberbergische eine der am dichtesten bewaldeten Regionen Nordrhein-Westfalens ist (Holzkompetenzzentrum Rheinland o.J.).

Auf einer ersten Informationsveranstaltung wurden im Dezember 1997 interessierte Bürger über das Thema informiert. Die Ideen stießen anfänglich jedoch nicht auf fruchtbaren Boden, da die Bürger vor allem Skepsis und Bedenken äußerten.[4] Trotz dieses kleineren Rückschlags organisierten die Initiatoren des Projekts weitere Informationsveranstaltungen rund um das Thema Energiegewinnung aus Holz, sowie Fahrten zu bestehenden Holzheizwerken.[5]

Da Holz ein nachwachsender, CO2-neutraler Rohstoff ist, dessen Bestand in Deutschland im Sinne einer nachhaltigen Forstwirtschaft[6] gepflegt wird, und durch das persönliche Erleben und Kennenlernen von Technik, Anlagen und (funktionierenden) Versorgungssystemen, konnte letztlich der größte Teil der Skeptiker von der Idee eines eigenen Holzheizwerks für Lieberhausen überzeugt werden (Rosenbauer 2003a).

3.2 Rahmenbedingungen

Nachdem die Bürger von dem Projekt überzeugt werden konnten, galt es, in einem weiteren Schritt die wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen eines Holzheizwerks in Lieberhausen auszuloten.

Im Mai 1998 wurde daher eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, deren Kosten sich auf 15.000 DM beliefen. Neben privaten Zuwendungen und Eigenleistungen in Höhe von 5.500 DM, sowie weiteren 4.000 DM die der Heimatverein beisteuerte, wurde die Studie zu unterschiedlichen Teilen von Aggerstrom[7] (3.000 DM) und den Stadtwerken Gummersbach (2.500 DM) mitgetragen (Rosenbauer 2010).

Ziel der Studie war es, Art und Alter der im Dorf genutzten Energieträger zu bestimmen, sowie deren Heizleistung und Jahresverbrauch zu ermittelten. Während nicht einmal 20% der Haushalte in Lieberhausen ihre Wärme zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme über Flüssiggas, Holzöfen, Kohle oder Strom bezogen, heizten mehr als 80% der Haushalte mit Heizöl (Rosenbauer 2010). Die vorhandenen Heizkessel waren im Durchschnitt 14 Jahre alt, ihr Verbrauch lag bei ca. 387.000 l/Jahr (Rosenbauer 2003 a).

Zur Berechnung der Kosten pro Haushalt wurde (in Anbetracht steigender Ölpreise) ein Ölpreis von 43 Pfennig pro Liter festgelegt,[8] die auf dieser Grundlage berechneten Heizölkosten (rund 166.410 DM) wurden in die Studie einbezogen. Da sowohl eine Erneuerung der alten Heizkessel, als auch eine Sanierung der Abwasser- und Trinkwasserversorgungsleitungen in Lieberhausen bevor stand, konnte als Ergebnis der Studie festgehalten werden, dass bei einem Anschluss von 60 Haushalten eine Rentabilität eines Holzheizwerks gegeben wäre.[9]

3.3 Erörterung eines Betreibermodells

Nach Klärung der grundsätzlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen, galt es in einem nächsten Schritt ein geeignetes Betreibermodell zu finden.

Zusammen mit der Energieagentur NRW wurden zwei unterschiedliche Modelle erörtert: das Contracting und die eingetragene Genossenschaft (eG) (Rosenbauer 2003a).

3.3.1 Contracting

Unter Contracting versteht man Finanzierungsinstrumente und Betreibermodelle, die Verbrauchern die Möglichkeit bieten sollen, ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Konzept für die Energienutzung zu realisieren. Dabei werden Dienstleistungen wie Instandhaltung oder Betriebsoptimierung (z.B. von Energieversorgungsanlagen) nicht in Eigenregie, sondern von einem externen Dienstleister (Contractor) übernommen (EnergieAgentur.NRW 2007).[10]

Bei der speziellen Form des Energieliefer-Contracting, plant, finanziert und errichtet der Contractor (Energielieferant) entweder die Energieerzeugungsanlage oder er übernimmt für die Dauer des Vertrags (i.d.R. 10 - 15 Jahre) die volle Verantwortung für eine vorhandene Anlage, d.h. er führt den Betrieb, wartet die Anlage, setzt sie Instand, kauft die Einsatzenergie ein und verkauft die Nutzenenergie (EnergieAgentur.NRW 2007: 8). Der Contractingnehmer (Kunde) soll weitestgehend entlastet werden.[11]

Obwohl beim Contracting keine bestimmte Rechtsform vorgeschrieben wird und somit auch „Genossenschafts-Contracting“ möglich ist, wird der Contractingnehmer doch in gewisser Weise entmündigt und in eine passive Rolle gedrängt, da er weder Verantwortung übernimmt, noch für die Verwaltung des Betriebs bzw. der Anlage Sorge trägt. Dieses widerspricht den genossenschaftlichen Grundsätzen.

Da die Wärmeversorgung Lieberhausens im Selbstverständnis der Initiatoren von Anfang an als ein „von der Basis getragenes Gemeinschaftsprojekt“ verstanden wurde, stellte das Contracting letztendlich „keine Alternative“ dar, wie Bernd Rosenbauer (2010) in dem persönlichen Gespräch bekräftigt.

3.3.2 Die eingetragene Genossenschaft (eG)

Die genossenschaftliche Organisationsform verbindet auf dynamische Weise bürgerschaftliches Engagement und wirtschaftlichen Erfolg (Eisen 2004: 2ff). Die genossenschaftlichen Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung erfüllen im Zusammenspiel mit dem demokratischen Prinzip (Ein Mitglied - eine Stimme) die Möglichkeit zur Realisierung eines von der Basis getragenen Gemeinschaftsprojekts.

Der Selbsthilfegedanke drückt die Möglichkeit aus, gemeinsam und solidarisch Ziele zu verfolgen, die alleine nur schwer zu realisieren wären (Zerche/Schmale/Blome­Drees 1998: 11 f)[12]. In der Genossenschaftsliteratur wird hierbei primär von wirtschaftlichen Zielen ausgegangen. Die Novellierung des Genossenschaftsgesetzes (2006) und die neuesten Trends im Bereich der Genossenschaftsgründung verdeutlichen jedoch, dass auch soziale, kulturelle oder ökologische Ziele den Ausschlag für die Gründung einer Genossenschaft geben können.

Selbstverwaltung und Selbstverantwortung beziehen sich auf die Autonomie der Genossenschaft. Sie verwaltet sich selbst und unterliegt in erster Linie der Selbstkontrolle. Die Mitglieder der Genossenschaft sind gleichzeitig ihre Eigentümer und Kunden (Identitätsprinzip), nur sie dürfen die Genossenschaft in ihren Organen (Vorstand, Aufsichtsrat, Generalversammlung) vertreten und ihre Geschicke leiten bzw. sie kontrollieren. Die Selbstverwaltung konkretisiert sich darin, dass die Mitglieder das Kapital der Genossenschaft aufbringen (Mitgliederbeiträge). Dieses Kapital haftet für die Verbindlichkeiten der Genossenschaft gegenüber Dritten (Zerche/Schmale/Blome­Drees 1998: 12 ff). Selbstverwaltung und Selbstverantwortung sind daher wirksame Instrumente um sich vor der Einflussnahme Dritter zu schützen.

Bernd Rosenbauer (2010) hebt vor allem die Möglichkeit des gemeinschaftlichen Handelns hervor, die er mit der genossenschaftlichen Organisationsform verbindet (Selbsthilfe). Dabei ging es den Lieberhäusern von Anfang an nicht um Gewinnmaximierung im Sinne eines shareholder-value (z.B. GmbH, AG), sondern um die Leistungsoptimierung für die Mitglieder und deren wirtschaftliche Förderung (membership-value).

Dieser Anspruch der Mitgliederförderung korreliert mit dem genossenschaftlichen Förderauftrag (§ 1 GenG) welcher besagt, dass der Zweck von Genossenschaften darin besteht „den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturelle Belange durch [einen] gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern“ (BMJ o.J.).

Da die Lieberhäuser „das Heft nicht aus der Hand geben [wollten]“ (Rosenbauer 2010) und alle Vorteile selbst nutzen wollten (Selbstverwaltung, Selbstverantwortung), entschied man sich bewusst für die Rechtsform der Genossenschaft.

3.4 Politik, Verwaltung, Verband

Als mit der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft ein Betreibermodell gefunden werden konnte, das mit der eigenen Philosophie übereinstimmte, ging es in einem vorerst letzten Realisierungsschritt darum, das „Okay“ der Bürger einzuholen und die Vertreter aus Politik und Verwaltung für die Idee zu gewinnen.

Nach Aussagen Rosenbauers sollte sich vor allem Letzteres aufgrund ungünstiger Verflechtungen von Politik und Wirtschaft zunächst schwierig gestalten. Der damalige Stadtdirektor von Gummersbach (CDU) war zeitgleich Aufsichtsratsvorsitzender der regionalen Gasgesellschaft Aggergas, die sich für eine Versorgung Lieberhausens mit Gas einsetzte und gegen die Pläne des Baus eines Heizwerks im Dorf opponierte (Rosenbauer 2010).

Um politischen Druck aufzubauen wurde aus taktischem Kalkül heraus die Bürgerversammlung zur Abstimmung über den Bau eines Holzheizwerks und die Versorgung Lieberhausens mit Fernwärme erst wenige Monate vor den anstehenden Kommunalwahlen abgehalten. Das auf der Bürgerversammlung (04. Februar 1999) erzielte Ergebnis von über 60% Zustimmung zu dem Projekt erhöhte den Druck auf jene, die sich anfangs gegen das Projekt stemmten, „da man in Lieberhausen traditionell eher CDU als Grüne wählt“ wie Rosenbauer (2010) ausführt.

Bald darauf stimmten alle Parteien dem Bau des Holzheizwerks zu, das als „Privilegiertes Bauvorhaben im Außenbereich“ einer speziellen Genehmigung bedurfte (Rosenbauer 2010).

Grundsätzlich habe sich die z.T. anfängliche Skepsis aus Politik und Verwaltung in den vergangenen Jahren in positives Interesse und allgemeine Zustimmung zur Genossenschaft gewandelt wie Rosenbauer erzählt. Einen Teilgrund dafür sieht er unter anderem in dem wirtschaftlichen Erfolg der Genossenschaft, an dem die Stadt über die Gewerbesteuer finanziell partizipiert (Rosenbauer 2010).

Dafür spricht auch, dass das Grundstück, auf dem das Heizwerk heute steht, der Genossenschaft von der Stadt Gummersbach auf Erbpachtbasis überlassen wurde und dass die Stadt eine Ausfallbürgschaft für das Heizwerk übernommen hat. Auch hierfür konnte in den zuständigen Ausschüssen eine überparteiliche Zustimmung gewonnen werden (Rosenbauer 2010). Darüber hinaus übernahmen die Stadtwerke die Bauaufsicht für das Heizwerk (EnergieAgentur.NRW 2009).

Sowohl die Aussagen Rosenbauers, als auch die späteren politischen Entscheidungen lassen daher den Schluss zu, dass die Politik sich zu einem kooperativen Partner des Projekts entwickelte und nach einiger Überzeugungsarbeit geschlossen hinter dem Projekt stand.

Am 22. Februar 1999 wurde schließlich aus dem Heimatverein heraus die Energiegenossenschaft Lieberhausen eG als Träger des geplanten Holzheizwerks gegründet (EnergieAgentur.NRW 2009).

Fachliche und beratende Unterstützung in betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Angelegenheiten erhielten die Lieberhäuser dabei vom Rheinisch Westfälischen Genossenschaftsverband e.V. (RWGV). Die Mitgliedschaft in einem Verband ist für jede Genossenschaft Pflicht. Der Verband prüft das wirtschaftliche Konzept, begleitet den Gründungsprozess und prüft im Interesse der Mitglieder die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsverhältnisse. Rosenbauer (2010) bewertet die Informations- und Beratungsarbeit des RWGV während und nach der Gründungsphase als „sehr gut“.[13]

[...]


[1] Zu nennen sind insbesondere E.ON, RWE, EnBW, Vattenfall und die EWE AG.

[2] Siehe zu den einzelnen Gesetzesnovellen ausführlich: BMU (o.J.a), online unter:

http://www.bmu.de/klimaschutz/nationale_klimapolitik/doc/40550.php [Stand 16.03.10].

[3] Das Gesetz verpflichtet (nur) Eigentümer neuer Gebäude dazu, den Energiebedarf ihres Gebäudes anteilig mit erneuerbaren Energien zu decken (BMU o.J.b).

[4] So wurde z.B. das „‘Verheizen unseres schönen Waldes‘“ befürchtet, zitiert nach Rosenbauer (2003a).

[5] Im Februar 1998 wurden die Holzheizwerke in Unna und Vrees besucht (Rosenbauer/Ahl/Fischer 2008: 37).

[6] Siehe zu nachhaltiger Forstwirtschaft MUNLV NRW (2007: 13-20).

[7] Aggerstrom ist im August 2006 mit Aggergas zu AggerEnergie fusioniert (AggerEnergie 2007).

[8] Der tatsächliche Preis lag zu jenem Zeitpunkt bei ca. 30 Pfennig/Liter (Rosenbauer 2010).

[9] Die Möglichkeit der gleichzeitigen Verlegung von Wärmetrassen im Zuge der Sanierungsarbeiten sollte sich positiv auf den Investitionspreis auswirken (Rosenbauer 2003a).

[10] Der Leitfaden der EnergieAgentur.NRW liefert eine umfassende Darstellung zum Thema Contracting.

[11] Als Vorteile des Contracting zählt der Verband für Wärmelieferung e.V. u.a. auf: die Koordinierung und Abwicklung der Aufgaben übernimmt der Contractor, keine Aufwendungen für Investitionen/Finanzmittel stehen für andere Maßnahmen zur Verfügung, erhöhte Versorgungssicherheit. Vgl. Verband für Wärmelieferung e.V. (o.J.), online unter: http://www.energiecontracting.de/01_contracting/00_definition/index.php?sektor=Contracting [Stand 12.03.10].

[12] In einem engeren Verständnis bedeutet Selbsthilfe auch Verzicht auf Fremdhilfen (z.B. Subventionen) zur Wahrung der Unabhängigkeit von den Interessen Dritter (Zerche/Schmale/Blome-Drees 1998: 11 f).

[13] Einziger Wehrmutstropfen seien laut Rosenbacher (2010) die finanziellen Mehrausgaben die mit der Mitgliedschaft im Genossenschaftsverband einhergehen: Mitgliedsbeitrag (750 Euro jährlich), formelle Prüfung (4.500 Euro, alle zwei Jahre). Die regelmäßige Prüfung gewährleistet jedoch eine hohe Insolvenzsicherheit, so dass positive Effekte überwiegen (vgl. dazu u.a. DStGB 2004: 14).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Energiegenossenschaftliches Wirtschaften - Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Umsetzung anhand eines Beispiels aus der Praxis
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für Genossenschaftswesen)
Veranstaltung
Hauptseminar Genossenschaftswesen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V180006
ISBN (eBook)
9783656026617
ISBN (Buch)
9783656026273
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Genossenschaft, Energiegenossenschaft, Erneuerbare Energien, Eneuerbare Energien Gesetz, Holzheizwerk, Genossenschaftswesen, Kraft-Wärme-Kopplung, eG, lokale Ökonomie, Selbstverwaltung, Selbstorganisation, Basisdemokratie, Nachhaltigkeit
Arbeit zitieren
Bruno Yote (Autor), 2010, Energiegenossenschaftliches Wirtschaften - Rahmenbedingungen und Möglichkeiten der Umsetzung anhand eines Beispiels aus der Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180006

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