In der voliegenden Bachelorarbeit wird auf die künstlerische Darstellung des Vietnamkrieges im amerikanischen Spielfilm eingegangen. Beschrieben und untersucht werden zunächst das Verhältniss und beidseitiges Verständniss von Geschichte und Spielfilm. Es wird auf allgemeine Thoerien zur Historiendarstellung im Spielfilm und auf medientechnische Mittel eingegangen, die uns eine erstaunliche Vielfalt von historischen Darstellungsmöglichkeiten bieten. Danach beschäftigt sich die Arbeit explizit mit der Auswertung und Analyse vom historischen Spielfilm, und zwar aus der Sicht der Evolutionspsychologie, die uns neue (natürliche) Möglichkeiten und Sichtweisen der Geschichtsfilme zeigt. Im Anschluß werden zwei historische Filme, sowohl medientechnisch als auch historisch, analysiert (Taxi Driver und We were Soldiers), die sich verschiedener Mittel und Ziele der Vietnamkriegsdarstellung bedienen. Die Filme werden dabei in einen historischen Kontext der Vietnamfilmgeschichte gebrauch und zum Schluss auf ihren historischen Wert und ihre Funktion in der Öffentlichkeit untersucht und bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
2. Möglichkeiten und Grenzen der Geschichtsdarstellung im Spielfilm
2.1. Verschiedene Realitäten in der Geschichtsdarstellung
2.2. Vermittlung von Geschichte im Spielfilm
2.3. Authentizität des historischen Spielfilmes
2.4. Funktion der Historie im Spielfilm
2.5. Zusammenfassung der Ergebnisse
3. Filmtechnik und ihre Funktion im Spielfilm
3.1. Grundbegriffe der Filmsprache und Symbolik
3.2. Funktionsweisen der Kamera
3.2.1. Einstellungsdistanzen
3.2.2. Perspektiven
3.2.3. Bewegungen
3.2.4. Ton
3.3. Emotionen im Spielfilm
4. Der Vietnamkrieg im amerikanischen Spielfilm
4.1. Die Vorgänger des Vietnamfilmes
4.2. Der Vietnamfilm der Siebziger
4.2.1. Analyse Taxi Driver
4.2.1.1. Inhalt
4.2.1.2. Formale Analyse
4.2.1.3. Inhaltliche Analyse
4.2.1.3.1. Travis und die „Anderen“
4.2.1.3.2. Das Taxi
4.2.1.3.3. Travis‘ Apartment
4.2.1.4. Funktion der Historie „Vietnam“
4.2.2. Weitere Vietnamfilme in den Siebzigern
4.3. Der Vietnamfilm in den Achtzigern
4.4. Der Vietnamfilm nach 2000
4.4.1. Analyse We were Soldiers
4.4.1.1. Inhalt
4.4.1.2. Formale Analyse
4.4.1.3. Inhaltliche Analyse
4.4.1.4. Funktion der Historie „Vietnam“
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion des Vietnamkrieges im US-amerikanischen Spielfilm unter besonderer Berücksichtigung der filmischen Mittel und der historischen Einordnung. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie das Medium Film Geschichte vermittelt, welche Rolle die „Sprache des Films“ dabei spielt und wie sich das Genre des „Vietnamfilms“ im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat.
- Möglichkeiten und Grenzen der historischen Darstellung im Spielfilm.
- Die Bedeutung der Filmsprache, Kameraführung und Symbolik für die Geschichtswahrnehmung.
- Analyse repräsentativer Filme („Taxi Driver“, „We Were Soldiers“) und ihrer historischen Funktion.
- Der Wandel der Vietnamkrieg-Darstellung im Kontext gesellschaftspolitischer Veränderungen.
- Die Rolle des Vietnam-Traumas in der amerikanischen Filmproduktion.
Auszug aus dem Buch
4.2.1.3.1. Travis und die „Anderen“
Alles im Film Taxi Driver ist auf die Person Travis Bickles ausgerichtet. Seine Person tritt in fast jeder Szene auf, was die subjektive Erzählform des Filmes stark betont.
Travis Bickle ist aber im Gesamtkontext seiner Umgebung eher eine unbedeutende Randfigur, die über wenig gesellschaftliche Macht und Anerkennung verfügt. Bei dem Einstellungsgespräch erfährt man, dass Travis zwar bei den US-Marines gedient hat, aber ansonsten keinerlei Schulbildung besitzt. Obwohl seine Rolle in der Gesellschaft als Arbeiter der untersten Mittelschicht klar definiert ist, fällt es Travis sehr schwer, sich mit ihr zu identifizieren. Im Gegensatz zu seinen Arbeitskollegen, die sich mit ihrer gesellschaftlichen Stellung abgefunden haben, versucht Travis am Anfang alles, um diese Rolle zu verlassen. Die schicksalhafte Begegnung mit Betsy scheint für ihn der geeignete Ausweg zu sein, um einerseits seiner Einsamkeit zu entfliehen und andererseits gesellschaftlich aufzusteigen. Das andere soziale Extrem bildet für Travis das „Gesindel“, das nachts auf den Straßen von New York ihr Unwesen treibt. Angewidert schaut Travis auf sie herab und versucht den Kontakt mit ihnen zu meiden, was jedoch auf Grund seines Jobs als Taxifahrer und der sozial nahen Stellung als unmöglich erscheint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die historische Bedeutung des Vietnamkrieges als „Fernsehkrieg“ und dessen psychologische sowie gesellschaftliche Auswirkungen auf die USA.
2. Möglichkeiten und Grenzen der Geschichtsdarstellung im Spielfilm: Untersuchung der theoretischen Debatte über die Authentizität und Realitätsdarstellung im historischen Spielfilm im Vergleich zur akademischen Geschichtsschreibung.
3. Filmtechnik und ihre Funktion im Spielfilm: Analyse der filmsprachlichen Mittel wie Kameraeinstellungen, Perspektiven und Ton, die dem Zuschauer helfen, Geschichte erlebbar zu machen.
4. Der Vietnamkrieg im amerikanischen Spielfilm: Detaillierte Betrachtung des Genres „Vietnamfilm“, von den Vorläufern im Western-Genre bis hin zur spezifischen Analyse von „Taxi Driver“ und „We Were Soldiers“.
5. Schlussbetrachtung: Resümee über die Rolle des Vietnamfilms als kritisches Instrument zur Vergangenheitsbewältigung und die Notwendigkeit einer methodisch-kritischen Filmanalyse.
Schlüsselwörter
Vietnamkrieg, Spielfilm, Filmtechnik, Geschichte, Authentizität, Vietnam-Trauma, Taxi Driver, We Were Soldiers, Frontiermythos, Kameraführung, Filmsprache, Geschichtsdarstellung, Medientheorie, Kriegsfilm, Veteranen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Vietnamkrieg in amerikanischen Spielfilmen dargestellt wird und welche Funktion diese Filme in der Verarbeitung des Krieges für die US-Gesellschaft einnehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grenzen der historischen Darstellbarkeit im Film, die spezifische Filmsprache (Kamera, Ton) und die filmische Verarbeitung des Vietnamtraumas.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Rolle des Vietnamkrieges als Historie im Spielfilm zu analysieren und aufzuzeigen, wie Filme durch mediale Mittel komplexe gesellschaftliche Ereignisse interpretieren und beeinflussen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, die insbesondere filmtechnische Aspekte (Distanz, Perspektive) mit sozialwissenschaftlichen Theorien zur Geschichte und Wahrnehmung verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine medientheoretische Einführung in die Filmsprache und eine tiefgehende Analyse spezifischer Vietnamfilme wie „Taxi Driver“ und „We Were Soldiers“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Vietnamkrieg, Spielfilm, Filmtechnik, Geschichte, Authentizität, Vietnam-Trauma, Frontiermythos und Medientheorie.
Warum wird „Taxi Driver“ als zentrales Beispiel gewählt?
„Taxi Driver“ dient als Paradebeispiel für die Darstellung des traumatisierten Vietnamveteranen, der in der US-Gesellschaft nach dem Krieg keinen Platz findet und stellvertretend für die gespaltene Nation steht.
Inwiefern beeinflusst die Reagan-Ära das Genre des Vietnamfilms?
Die Arbeit zeigt, wie in der Ära Reagan der „Frontiermythos“ reaktiviert wurde, um das durch die Niederlage in Vietnam erschütterte nationale Selbstbewusstsein durch Heldenfiguren wie Rambo symbolisch zu rehabilitieren.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Andrej Wolf de Oliveira (Autor:in), 2008, Der Vietnamkrieg im amerikanischen Spielfilm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180025