1 Einleitung
Globalisierung und ein rascher technischer Wandel kennzeichnen heute Wirtschaftsländer weltweit. Diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren noch beschleunigt werden und den Wettbewerbsdruck untereinander verstärken. Der rasche technische Fortschritt beein-flusst die Wirtschaft weltweit, aber nicht nur positiv. Ständig besteht die Notwendigkeit einer Adaption an sich immer schneller ändernde Rahmenbedingungen.
Der Begriff der Flexibilität hat somit in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen und ist nicht mehr nur ein Kann, sondern ein Muss für jeden Wirtschaftsbereich. Nur wenn eine Branche die Möglichkeit hat, sich permanent anpassen zu können, hat sie eine Chance, in dieser Zeit am Markt zu bestehen.
Starre Institutionen und Gesetze erschweren häufig die erforderliche Adaptionsfähigkeit oder machen sie schlichtweg unmöglich. Diese Tatsache wird aber meistens erst wahrge-nommen, wenn deutliche Wohlfahrtseinbußen spürbar werden.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass in Zeiten einer gesamtwirtschaftlichen Krise, von der in unseren Tagen wieder offen gesprochen wird, intensive Ursachenforschung betrie-ben wird. Regelmäßig melden sich in einer solchen Phase Experten zu Wort, die die vor-herrschenden Regulierungen des Staates dafür verantwortlich machen. Diese hindern ein Wirtschaftssystem daran, sich selber zu regulieren, Krisen zu bewältigen und so die Ge-samtwohlfahrt wieder zu maximieren.
Aus diesen Aussagen lässt sich auch der Umkehrschluss ableiten. Kann sich die Wirt-schaft eines Staates nicht mehr selber regulieren bzw. scheint die Wirtschaft zu „lahmen“, dann müssen die Eingriffe in den natürlichen Wirtschaftskreislauf zu massiv sein. Deregu-lierung ist dann das Schlagwort und jede große und starr wirkende Institution wird hinter-fragt und auf ihren Sinn und ihre Zeitmäßigkeit hin geprüft. Organisationen, die auch noch einen Pflichtmitgliedsbeitrag erheben, geraten besonders schnell unter Beschuss. Dabei fällt erst einmal nicht ins Gewicht, welche Leistungen von diesen Einrichtungen erbracht werden.
Eine Institution, die schon oft für eine bestehende wirtschaftliche Krise, wie es aktuell der Fall ist, verantwortlich gemacht wurde, ist die deutsche Handwerksorganisation und mit ihr das Gesetz zur Ordnung des Handwerks (HwO). Sie entspricht auf den ersten Blick einer die Volkswirtschaft „behindernden“ Institution und ist deshalb in der letzten Zeit erneut heftiger Kritik ausgesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Abgrenzung des Handwerksbegriffes
2 Theoretische, rechtliche und inhaltliche Grundlagen
2.1 Historie
2.2 Organisation des Handwerks
2.3 Die Handwerksordnung
2.3.1 Aufbau und Inhalt
2.3.2 Die Handwerksrolle
2.4 Die Meisterprüfung
2.4.1 Zulassungsvoraussetzungen
2.4.2 Aufbau und Inhalt der Meisterprüfung
2.5 Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Handwerks
3 Heutige Rahmenbedingungen des Handwerks
3.1 Globalisierung
3.2 Handwerk in Europa
3.3 Die EU-Osterweiterung
3.4 Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit
3.5 Deregulierung in Deutschland
3.6 Der industrielle Sektor
3.7 Finanzsituation in Deutschland
3.8 Zusammenfassende Beurteilung
4 Die retrospektive Betrachtung der Reformanbahnung der Handwerksordnung
4.1 Entstehung der aktuellen Diskussion
4.2 Die Kontrahenten der Diskussion
4.3 Die Argumente im Überblick
4.4 Argumente pro großen Meisterbrief
4.4.1 Sicherung der Qualifikation
4.4.2 Ausbilder Handwerk
4.4.3 Verbraucherschutz und Qualitätssicherung
4.4.4 Förderung der Wettbewerbsintensität
4.4.5 Vorbild für Europa
4.5 Argumente contra Meisterbrief
4.5.1 Meisterbrief verstößt gegen die Verfassung
4.5.1.1 Die Berufsfreiheit
4.5.1.2 Inländerdiskriminierung und Niederlassungsfreiheit
4.5.2 Der Kostenfaktor
4.6 Zusammenfassende Beurteilung der Diskussion
5 Die Novellierung der Handwerksordnung
5.1 Die „große Novelle“
5.1.1 Aufhebung des Inhaberprinzips
5.1.2 Die Altgesellenregelung
5.1.3 Erneuerung der Ausbildungsregelung
5.1.4 Kammerbeitragsbefreiung
5.1.5 Die „kleine“ Novelle
5.2 Mögliche wirtschaftliche und bildungspolitische Auswirkungen der Reform
5.2.1 Angebot und Nachfrage
5.2.2 Preise
5.2.3 Ausbildungsleistung
5.2.4 Meisterprüfung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit widmet sich einer kritischen Würdigung der Rolle des Meisterbriefs im deutschen Handwerk. Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Krisen, zunehmender Globalisierung und der EU-Osterweiterung wird untersucht, ob der Meisterbrief als zukunftssicherndes Qualitätsinstrument zu bewerten ist oder als hemmende Marktzutrittsbarriere fungiert. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Novellierung der Handwerksordnung (HwO) zum 1. Januar 2004 und deren Auswirkungen auf das Handwerk.
- Historische Entwicklung der Handwerksorganisation und der Meisterprüfung
- Analyse aktueller Rahmenbedingungen (Globalisierung, Schwarzarbeit, Deregulierung)
- Kontroverse Diskussion um pro und contra des „großen Befähigungsnachweises“
- Auswirkungen der HwO-Novellierung auf Wettbewerb und Ausbildungsleistung
Auszug aus dem Buch
4.4.1 Sicherung der Qualifikation
Ein in der Debatte häufig angeführtes Argument war die Sicherung der fachlichen und betriebswirtschaftlichen Qualifikation durch die HwO und den Meisterbrief, die zu einer niedrigeren Insolvenzquote führt und die Existenz der Unternehmen langfristig sichert. Wer in Deutschland ein Handwerk selbständig betreiben will, muss nachweisen, dass er die dafür erforderlichen Qualifikationen besitzt. Nach erfolgreich bestandener Gesellenprüfung, mehrjähriger Gesellenzeit und abgelegter Meisterprüfung gilt dieser Nachweis als erbracht. Der dabei vermittelte Wissenspool umfasst neben dem fachpraktischen Können und dem dieses ergänzende fachtheoretische Wissen vor allem betriebswirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse. Das für die Ausbildung von Lehrlingen so unentbehrliche Wissen über Berufs- und Arbeitspädagogik gehören ebenfalls zum vermittelten Inhalt.
Eine Qualifikation, wie sie der große Befähigungsnachweis vermittelt, könnte also ein Indiz für eine erfolgreichere und längere Existenz von deutschen Handwerksunternehmen sein und somit für eine niedrigere Insolvenzquote verantwortlich sein.
Bei der Überprüfung der Stichhaltigkeit dieses Arguments sind folgende Fragen zu klären:
1. Welche Faktoren sind entscheidend für Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens?
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Meisterbriefs im Kontext globaler wirtschaftlicher Herausforderungen ein und definiert das Ziel, die Debatte zur Novellierung der Handwerksordnung chronologisch und inhaltlich aufzuarbeiten.
2 Theoretische, rechtliche und inhaltliche Grundlagen: Dieses Kapitel vermittelt die notwendigen Wissensgrundlagen, darunter die Historie, die Organisation des Handwerks, den Aufbau der Handwerksordnung sowie die Bedeutung der Meisterprüfung und die gesamtwirtschaftliche Relevanz des Sektors.
3 Heutige Rahmenbedingungen des Handwerks: Hier werden die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen wie Globalisierung, EU-Osterweiterung, Schattenwirtschaft und Deregulierung analysiert, um den Hintergrund für die Handwerksdiskussion zu bilden.
4 Die retrospektive Betrachtung der Reformanbahnung der Handwerksordnung: Dieses Kapitel arbeitet die Kontroverse um den Meisterbrief auf, indem es die Argumente der Befürworter (z.B. Qualifikationssicherung) und Gegner (z.B. Verfassungskonformität) gegenüberstellt.
5 Die Novellierung der Handwerksordnung: Diese Sektion behandelt die konkreten gesetzlichen Änderungen durch die „große“ und „kleine“ Novelle sowie deren mögliche Auswirkungen auf Angebot, Preise, Ausbildungsleistung und Meisterprüfung.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Auswirkungen der Novellierung auf die Zukunftsfähigkeit des deutschen Handwerks.
Schlüsselwörter
Meisterbrief, Handwerksordnung, HwO, Handwerk, Qualifikation, Deregulierung, Wettbewerb, Schwarzarbeit, EU-Osterweiterung, Befähigungsnachweis, Handwerksrolle, Ausbildung, Existenzgründung, Novellierung, Handwerkskammer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung über den Stellenwert und die Zukunftsfähigkeit des Meisterbriefs im deutschen Handwerk unter dem Druck sich verändernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Sie behandelt die Historie des Handwerks, die rechtlichen Grundlagen der Handwerksordnung, aktuelle Herausforderungen wie Globalisierung und Schwarzarbeit sowie die kontroverse politische Debatte um die HwO-Novellierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, die Diskussion um den Meisterbrief bis zur Gesetzesnovellierung 2004 chronologisch und inhaltlich zu analysieren, um die Auswirkungen der Reformprognosen kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse, eine retrospektive Betrachtung historischer und rechtlicher Entwicklungsschritte sowie eine argumentative Gegenüberstellung der Positionen unterschiedlicher Interessengruppen.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Basis, die Darstellung der makroökonomischen Herausforderungen, die detaillierte Aufarbeitung der Reformdiskussion und die Analyse der spezifischen gesetzlichen Neuerungen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Handwerksordnung (HwO), Meisterbrief, Qualifikationssicherung, Marktzutrittsbarrieren und die Unterscheidung zwischen zulassungspflichtigen Handwerken und handwerksähnlichen Gewerben.
Wie beeinflusst die EU-Osterweiterung das deutsche Handwerk laut Autor?
Der Autor zeigt auf, dass die EU-Osterweiterung neue Wettbewerbsbedingungen schafft, da Betriebe aus osteuropäischen Ländern mit niedrigeren Lohnkosten den Druck auf deutsche Handwerksunternehmen erhöhen.
Welche Rolle spielt die Schattenwirtschaft für die Reformpläne?
Die Bekämpfung der Schwarzarbeit war ein treibender Faktor für die politische Reformdiskussion, wobei der Autor hinterfragt, inwieweit die HwO-Novelle tatsächlich dazu beitragen kann, diese informelle Wirtschaftstätigkeit effektiv einzudämmen.
- Quote paper
- Holger Rekow (Author), 2004, Der Meisterbrief - Hoffnung oder Hemmnis des deutschen Handwerks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180145