Ausschüttungsbemessung aus der Perspektive der externen Unternehmensrechnung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1 Einführung

2 Gläubiger-Eigner-Konflikte
2.1 Vorbemerkungen
2.2 Fremdfinanzierungsbedingte Agency-Probleme
2.2.1 Ausgangssituation
2.2.2 Fall A : Liquidationsfinanzierte A usschüttungen
2.2.3 Fall B: Fremdfinanzierte Ausschüttungen
2.2.4 Fall C: Unterinvestition
2.2.5 Fall D: Überinvestition
2.2.6 Fall E: Alternativinvestition mit höherem Risiko

3 Lösung der Gläubiger-Eigner-Konflikte durch Ausschüt­tungsrestriktionen

3.1 Vorbemerkungen
3.2 Gesetzliche Ausschüttungsrestriktionen
3.2.1 Implizite und explizite gesetzliche Restriktionen
3.2.2 Pro und Contra gesetzlicher Restriktionen
3.3 Vertragliche Ausschüttungsrestriktionen
3.3.1 Effektivität, Effizienz und Grenzen vertraglicher Restriktionen
3.3.2 Direkte vertragliche Restriktionen
3.3.3 Indirekte vertragliche Restriktionen
3.3.4 Weitere vertragliche Restriktionen
3.4 Eignerinduzierte Ausschüttungsrestriktionen (Signaling)
3.5 Ausschüttungsrestriktionen zum Schaden der Gläubiger

4 Die Rolle der Rechnungslegung im Rahmen der Ausschüt­tungsbemessung

5 Empirische Erkenntnisse zur Ausschüttungsbemessung

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einführung

"The directors of such [joint-stock] companies, however, being the managers ra­ther of other peoples' money than of their own, it cannot well be expected, that they watch over it with the same anxious vigilance with which the partners in a private copartnery frequently watch over their own." (Adam Smith, zitiert nach Jensen/Meckling 1976, S.305)

Schon Adam Smith verstand Unternehmen als Ansammlung verschiedener Inter­essengruppen, deren divergierende Anreize und Ziele zu mannigfaltigen Konflik­ten führen können (vgl. John/Kalay 1982, S.457). Die wohl bedeutendsten Kon­flikte, die sich aus dem Verhältnis zwischen Gläubigern und Eignern sowie deren unterschiedlichen Interessen ergeben, sind Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Die Aktualität und Brisanz dieser Konflikte zeigt sich besonders in wirtschaftlich schweren Zeiten wie der seit 2008 allgegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise, während der es Unternehmen aufgrund einbrechender Nachfrage besonders schwer fällt, ihre Kapitalkosten zu verdienen, um Gläubiger-Forderungen gerecht zu werden und zusätzlich den Eignern eine Dividende auszuschütten. Auch wenn prinzipiell alle Stakeholder an der langfristigen Erhaltung des Unternehmens in­teressiert sein mögen, wollen weder Gläubiger noch Eigner auf eine adäquate Ver­zinsung ihres Kapitals verzichten. Gesetzliche und vertragliche Regelungen zur Ausschüttungsbemessung können einen maßgeblichen Beitrag zur Lösung bzw. Abmilderung der entstehenden Konflikte leisten. Aus diesem Grund ist es das Ziel der vorliegenden Arbeit, auf Basis der Prinzipal-Agenten-Theorie, zunächst ver­schiedene Formen von Gläubiger-Eigner-Konflikten zu spezifizieren und Lösungsmöglichkeiten in Form von Ausschüttungsregelungen aufzuzeigen. Anschließend wird kritisch auf die Eignung der beschriebenen Ausschüttungsre­gelungen im Hinblick auf den Gläubigerschutzgedanken eingegangen, die Rolle der Rechnungslegung im jeweiligen Kontext thematisiert sowie einige empirische Erkenntnisse vorgestellt.

Da die Prinzipal-Agenten-Theorie eine wesentliche Grundlage für die folgenden Ausführungen bildet, sei ihr Inhalt hier in aller Kürze dargestellt:

Basis der Prinzipal-Agenten-Theorie bildet eine Beziehung, in der eine Person (Prinzipal) eine andere Person (Agent) beauftragt, einen bestimmten Dienst im Sinne des Prinzipals zu verrichten. Damit verbunden ist die Übertragung von Ent­scheidungsbefugnissen an den Agenten (vgl. Jensen/Meckling 1976, S.308).

Merkmal einer Prinzipal-Agenten-Beziehung ist, dass der Agent nicht alle negati­ven Konsequenzen seiner Entscheidungen tragen muss und ihm nicht alle positi­ven Konsequenzen seiner Entscheidungen zu Gute kommen (vgl. Ewert 1986, S.20). Da dem Agenten (wie auch dem Prinzipal) opportunistisches Handeln un­terstellt wird und man annimmt, dass eine asymmetrische Informationsverteilung vorliegt (der Agent verfügt über mehr Informationen als der Prinzipal), hat der Agent Anreize, nicht konsequent im Sinne des Prinzipals zu handeln (vgl. Decker 1994, S. 10). Gelingt es nicht, die daraus entstehenden Konflikte durch die Schaf­fung wirksamer Gegenanreize zu verhindern, wird der Prinzipal das Verhalten des Agenten antizipieren und nur zu verschärften Konditionen zu der Prinzipal- Agenten-Beziehung bereit sein (was zu adverser Selektion[1] führt) oder ganz dar­auf verzichten, was einem Marktversagen gleichkommt (vgl. Franke/Hax 2004, S.421). Somit hat - neben dem Prinzipal - auch der Agent ein Interesse, zur Lö­sung des Agency-Konflikts (z.B. in Form von Signaling) beizutragen (vgl. Fran­ke/Hax 2004, S.438).

Seit der Übertragung der Prinzipal-Agenten-Theorie auf Finanzierungsprobleme durch Jensen/Meckling (1976) sind Gläubiger-Eigner- und Eigner-Manager­Beziehungen klassische Beispiele für Prinzipal-Agenten-Beziehungen. Auf letzte­re soll hier zugunsten einer detaillierteren Darstellung von Gläubiger-Eigner­Konflikten verzichtet werden, da fremdfinanzierungsbedingten Agency- Konflikten im Rahmen der Ausschüttungsbemessung eine größere Relevanz zu­gemessen wird als eigenfinanzierungsbedingten Agency-Konflikten (vgl. Brock­man/Unlu 2009, S.276).

2 Gläubiger-Eigner-Konflikte

2.1 Vorbemerkungen

Gläubiger-Eigner-Konflikte äußern sich in Form von Reichtumsverlagerungen von Fremdkapital- zu Eigenkapitalgebern, welche auch als fremdfinanzierungsbe­dingte Agency-Probleme bezeichnet werden (vgl. Ewert 1986, S.14). Die Thema­tik hat besondere Relevanz für haftungsbeschränkte Unternehmen, bei denen eine Insolvenz im Rahmen des Möglichen liegt, da die Gläubigeransprüche gerade im

Insolvenzfall stark gefährdet sind und aufgrund der Haftungsbeschränkung ein Zugriff auf das Privatvermögen der Unternehmenseigner ausbleibt (vgl. Fran­ke/Hax 2004, S.431).

Bei der Darstellung der Gläubiger-Eigner-Konflikte wird im Folgenden davon ausgegangen, dass Eigner und Manager entweder die gleiche Person sind oder Manager streng im Sinne der Eigner handeln. Somit soll eine Fokussierung auf Gläubiger-Eigner-Konflikte erreicht und Einflüsse eines parallelen Eigner­Manager-Konflikts ausgeblendet werden. Im Vorfeld der Behandlung von Gläu- biger-Eigner-Konflikten sei des Weiteren darauf hingewiesen, dass die Ansprüche von Gläubigern und Eignern grundverschiedene Charakteristika aufweisen. An­sprüche von Gläubigern (Fremdkapitalgebern) sind stets in der Höhe fix und prio- ritätisch zu bedienen (vgl. Ewert 1986, S.22). Eigner (Eigenkapitalgeber) hinge­gen haben einen nachrangigen, aber grundsätzlich unbegrenzten Residualan­spruch.

2.2 Fremdfinanzierungsbedingte Agency-Probleme 2.2.1 Ausgangssituation

Die Ausgangssituation zur Erläuterung dieser Agency-Probleme stellt ein haf­tungsbeschränktes Unternehmen dar, welches sich einer zinslosen Fremdkapital­forderung von 300 GE gegenübersieht. Im Zeitpunkt t-1 wurde eine Investition getätigt, die in t einen sicheren Cashflow von 120 Geldeinheiten (GE) und in t+1 einen unsicheren Cashflow erzeugt. Dessen Höhe beträgt bei Eintreten von Um­weltzustand X (Wahrscheinlichkeit pX=0,4) 200 GE und im Zustand Y (pY=0,6) 400 GE.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.2 Fall A: Liquidationsfinanzierte Ausschüttungen

Liegen keinerlei Ausschüttungsbegrenzungen vor, haben die Eigner in t die Mög­lichkeit, das Investitionsprogramm zu liquidieren und den Liquidationserlös in Form einer Dividendenausschüttung zu vereinnahmen. Bei einem beispielhaften Liquidationserlös von 170 GE ergeben sich folgende Werte für Fremdkapital, Ei­genkapital und Unternehmen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Unternehmenswert - bestehend aus Cashflow (120 GE) und Liquidationserlös (170 GE) - ist kleiner als der Unternehmenswert in der Ausgangssituation. Den­noch ist die liquidationsfinanzierte Ausschüttung für die Eigner vorteilhaft, weil sie einen Teil der Reichtumsposition der Gläubiger vereinnahmen. Diese gehen leer aus, da der Liquidationserlös als Dividende ausgeschüttet wird und anschlie­ßend keine Investition mehr vorhanden ist, aus der sie befriedigt werden könnten (vgl. Wagenhofer/Ewert 2007, S.193f; Kalay 1982, S.212; Ewert 1986, S.14f).

2.2.3 Fall B: Fremdfinanzierte Ausschüttungen

Wird von einer Liquidation abgesehen, aber angenommen, dass die Eigner, wie im Fall A, eine Ausschüttung von 170 GE vornehmen wollen, besteht die Mög­lichkeit neben der Forderung der (alten) Gläubiger in Höhe von 300 GE weiteres (neues) Fremdkapital in Höhe von 50 GE aufzunehmen. Die Dividende (170 GE) würde dann finanziert durch den vorhandenen Cashflow (120 GE) und das neue Fremdkapital (50 GE). Falls alte und neue Gläubiger im Insolvenzfall gleichbe­rechtigt auf das verbleibende Kapital zugreifen können und die neuen Gläubiger dies antizipieren, werden sie für ihren Kredit in Höhe von 50 GE eine risikoad­äquate Verzinsung verlangen, die folgenden Forderungsbetrag impliziert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie die Formel zeigt, erhalten die neuen Gläubiger im Fall X (pX=0,4) von den 200 GE einen Anteil in Höhe ihres Anteils am gesamten Fremdkapital des Unter­nehmens; im Fall Y (pY=0,6) erhalten sie ihre vollständige Forderung Fneu. Die fremdfinanzierte Ausschüttung führt zu folgenden Werten: (zur Vergleichbarkeit mit der Ausgangssituation wird auf die Darstellung des neu­en Fremdkapitals verzichtet)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Fall B bleibt der Unternehmenswert (ohne das neue Fremdkapital) verglichen mit der Ausgangssituation konstant, aber es findet eine Reichtumsverlagerung von den (alten) Gläubigern zu den Eignern (in Höhe von 13,5 GE) statt (vgl. Wagen­hofer/Ewert 2007, S.194f.; Franke/Hax 2004, S.431-435). Noch drastischer würde sich der Fall gestalten, wenn den neuen Gläubigern eine Vorrangstellung gegen­über den Altgläubigern gewährt werden würde (vgl. Terberger 1987, S.119; Ewert 1986, S.18).

2.2.4 Fall C: Unterinvestition

Nun bietet sich dem Unternehmen die Möglichkeit, neben der Investition, die in der Ausgangssituation beschrieben wurde, ein weiteres Projekt durchzuführen, welches im Zustand X 80 GE und im Zustand Y 150 GE generiert. Dieses Projekt mit einer Anfangsauszahlung von 100 GE hat einen Kapitalwert von 22 GE und ist somit absolut vorteilhaft. Bei Realisation beider Investitionen ergeben sich folgende Werte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Unternehmenswert steigt gegenüber der Ausgangssituation um den Kapital­wert des neuen Projekts, der Fremdkapitalwert steigt um 32 GE. Für die Eigner hingegen besteht kein Anreiz zur Realisierung der neuen Investition, da sie die Anfangsauszahlung von 100 GE finanzieren, aber der finanzielle Vorteil dieser Investitionsentscheidung nicht vollständig ihnen zufließt, sondern in erster Instanz die Position der Gläubiger absichert. Der Wert des Eigenkapitals fällt somit um 10 Geldeinheiten. Da die Eigner und nicht die Gläubiger über das Investitionspro­gramm des Unternehmens entscheiden, wird das neue Projekt nicht realisiert, ob­wohl es aus Unternehmenssicht vorteilhaft ist. Es kommt zur Unterinvestition

[...]


[1] Adverse Selektion bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Gläubiger (aufgrund ihres Un­vermögens das Risiko einzuschätzen) nicht eine risikoadäquate, sondern eine durchschnittliche Verzinsung verlangen, wodurch Unternehmen mit geringem Risiko kein Fremdkapital nachfragen.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ausschüttungsbemessung aus der Perspektive der externen Unternehmensrechnung
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V180204
ISBN (eBook)
9783656027829
ISBN (Buch)
9783656028062
Dateigröße
914 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausschüttungsbemessung, perspektive, unternehmensrechnung
Arbeit zitieren
Markus Matthes (Autor), 2009, Ausschüttungsbemessung aus der Perspektive der externen Unternehmensrechnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180204

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