Geisteswissenschaftliche Pädagogik - Entstehungszusammenhang, geistige Verwurzelung, Methodik und Kritik

Ein kompakter Überblick


Referat (Ausarbeitung), 2003

11 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zielvorstellung

2. Der historisch-soziale Entstehungszusammenhang

3. Dilthey als Begründer einer Theorie der Geisteswissenschaften
3.1 Diltheys Theorie
3.2 Hermeneutik als die Methodik des Verstehens

4. Kritik

5. Bibliographie

1. Zielvorstellung

Die hier vorliegende schriftliche Ausarbeitung des im Rahmen des Seminars „Theoretische Ansätze in der Erziehungswissenschaft“ gehaltenen Dreierreferates über die Geisteswissenschaftliche Pädagogik beschäftigt sich mit dem historisch-sozialen Entstehungszusammenhang jener erziehungswissenschaftlichen Strömung, skizziert ihre geistige Verwurzelung im Wissenschaftsverständnis Wilhelm Diltheys nach, benennt ihre Hauptvertreter und erläutert das ihr zugrunde gelegte methodologische Instrumentarium, die sogenannte Hermeneutik. Abschließend soll ein kurzer Blick über die verschiedenen Kritikansätze, die andere erziehungswissenschaftliche Denkrichtungen an die geisteswissenschaftliche Pädagogik (im folgenden GWP genannt) richten, geboten werden.

2. Der historisch-soziale Entstehungszusammenhang

Die sich nach dem ersten Weltkrieg in einem „gesellschaftlichen Transformationsprozeß [Umwandlungsprozess]“[1] befindliche Weimarer Republik war einer „tiefen, epochalen Krise“[2] ausgesetzt, die sich in der Zerstörung des wilhelminischen Obrigkeitsstaates und dessen überkommenen Traditionen äußerte. Revolution, Republikgründung sowie Instabilität der noch jungen Demokratie waren unübersehbare und wirkungsmächtige Signale dieser gesellschaftlichen Epochenkrise. Eine auf staatliche (parteiliche) Einflussnahme verzichtende und auf gesellschaftliche Leitbilder gründende neue Volkserziehung und Bildung sollten die Krise „durch Entwicklung eines neuen Volks-, Kultur- und Lebensideals“[3] bewältigen helfen. Dass diese Erziehung politisches Gepräge hatte und zu einer Nationalerziehung, also zu einer Erziehung zum Nationalen mutierte, liegt, folgt man der erziehungstheoretischen Programmatik jener Zeit, auf der Hand. Diese entwirft Eduard Spranger – einer der Exponenten der GWP – skizzenartig in seinem Aufsatz Die Bedeutung der wissenschaftlichen Pädagogik für das Volksleben. In der „Erziehung zum Staatsverständnis und zur Staatsgesinnung“[4] erblickt Spranger den Wiederaufbau, die Neukonstituierung der Nation, die den Vorrang vor den Parteien wiedergewinnen müsse, eben durch Erziehung des gesamten Volkes. Eine wissenschaftliche Pädagogik, präziser: eine Pädagogik des Verstehens, deren Aufgabe es ist, „eine bereits gegebene Kulturwirklichkeit aufzufassen, unter ordnende Begriffe zu bringen und zuletzt durch Wertsetzungen und Normen zu gestalten“[5], durchdenkt diese Erziehung, gibt diese dem Volk zurück, aus dem sie entstand, und vertraut auf dessen dynamischen „Selbstfortpflanzungstrieb“[6] des menschlichen Kulturgebiets, der es ermöglicht, die wissenschaftlich entfaltete Erziehung durch die kommenden Generationen hindurch zu tradieren, um damit zur beständigen Entwicklung der nationalen Volkskultur beizutragen.

Die Dienstbarmachung der Erziehung als Mittel für die Konstituierung der Nation finden wir leitmotivisch in der Geschichte der Pädagogik immer wieder[7]. Man denke beispielsweise, und das sei nur am Rande vermerkt, an Platons Idealstaat, den zu verwirklichen die Erziehung als Aufgabe hatte, oder an die durch eine substantielle Theaterlandschaft zur Verwirklichung strebende nationaleinigende Ambition der Nationalpädagogik eines Lessings, die er in seiner Hamburgischen Dramaturgie begründet. Auch diese Ambition erkennen wir in dem politischen Vorhaben Sprangers, der es als wichtigste Aufgabe seiner Zeit ansieht, die durch das historische, soziale und kulturelle Chaos verursachte lähmende Diffusion der Gesellschaft mit Hilfe einer wissenschaftlich fundierten Pädagogik, die nur eine hermeneutische sein kann, zu bändigen und der Nation zu ihrer sehnlichst und kollektiv gewünschten Totalität zu verhelfen.

3. Dilthey als Begründer einer Theorie der Geisteswissenschaften

3.1 Diltheys Theorie der Geisteswissenschaften

Wilhelm Dilthey (1833 – 1911) gilt als Urvater der GWP und Begründer einer autonomen Theorie der Geisteswissenschaften. „Dabei waren es nicht Diltheys eigene Arbeiten zu einer historisch ansetzenden, geisteswissenschaftlichen Pädagogik, die größtenteils in den zwanziger Jahren noch gar nicht veröffentlicht waren, sondern Diltheys Theorie und Lebensphilosophie der Geisteswissenschaften, die die Theoriebildung der GWP entscheidend beeinflußten.“[8]

[...]


[1] Tenorth, Heinz-Elmar: Pädagogisches Denken. In: Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte. Hrsg. von Dieter Langewiesche und Heinz-Elmar Tenorth. (Band V) München 1989, S. 112.

[2] Ebd.

[3] Krüger, Heinz-H.: Einführung in Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft. 3. Aufl. Opladen 2002, S. 21.

[4] Spranger, Eduard: Die Bedeutung der wissenschaftlichen Pädagogik für das Volksleben. In: Erziehungswissenschaft und Erziehungswirklichkeit. Hrsg von Hermann Röhrs. 2. Aufl. Frankfurt am Main: 1967, S. 15.

[5] Ebd., S. 17.

[6] Ebd., S. 11.

[7] Ich beschränke mich auf mein bisher gewonnenes Wissen.

[8] Krüger (2002): S. 23.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Geisteswissenschaftliche Pädagogik - Entstehungszusammenhang, geistige Verwurzelung, Methodik und Kritik
Untertitel
Ein kompakter Überblick
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Theoretische Ansätze in der Erziehungwissenschaft
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
11
Katalognummer
V18026
ISBN (eBook)
9783638224512
ISBN (Buch)
9783638935708
Dateigröße
374 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geisteswissenschaftliche, Pädagogik, Entstehungszusammenhang, Verwurzelung, Methodik, Kritik, Theoretische, Ansätze, Erziehungwissenschaft
Arbeit zitieren
Marcus Erben (Autor), 2003, Geisteswissenschaftliche Pädagogik - Entstehungszusammenhang, geistige Verwurzelung, Methodik und Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18026

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