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Steuerwettbewerb als Ursache einer Erosion der nationalstaatlichen Finanzbasis?

Die Wirkungen des Steuerwettbewerbs auf die fiskalische Performance europäischer Wohlfahrtsstaaten

Title: Steuerwettbewerb als Ursache einer Erosion der nationalstaatlichen Finanzbasis?

Diploma Thesis , 2011 , 86 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Martin Drognitz (Author)

Economy - Theory of Competition, Competition Policy
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Mit der 1987 ratifizierten Einheitlichen Europäischen Akte wurde der Gemeinsame Markt durch die Legaldefinition des Binnenmarkts abgelöst, welcher den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital sicherstellen soll (Art.13/14 EGV).

Die aus der Globalisierung allgemein sowie aus dem juristischen Konstrukt des Binnenmarkts resultierende Faktormobilität kann die Leistungs- und Handlungsfähigkeit des Wohlfahrtsstaates – die sogenannte Performance – beeinflussen, falls die mobilen Steuerbasen glaubhaft mit Abwanderung drohen können. Die steuerbasierten Einnahmen des Wohlfahrtsstaats unterliegen im Wettbewerb diversen Zwangslagen, welche zur Herausbildung zweier zentraler Hypothesen über die Fortentwicklung wohlfahrtsstaatlicher Aufgabenerfüllung führten:

Erstens würde der Wohlfahrtsstaat durch den zwischenstaatlichen Steuerwettbewerb, welcher zu einem race to the bottom führe, durch erodierende Steuereinnahmen in seiner Handlungsfähigkeit bedroht. Zum Ausgleich dieser Einnahmeverluste wurde von vielen Ökonomen ein Absinken der Steuerquoten sowie eine Verschiebung der Steuerlast auf weniger mobile Faktoren (Arbeit, Konsum) erwartet.

Zweitens würde durch den Wettbewerb um die mobilen Produktionsfaktoren eine Ausrichtung der Fiskalpolitik an deren Präferenzen erfolgen, wodurch das Level an bereitgestellten öffentlichen Gütern und das Umverteilungsniveau sinke.

Ist der Wohlfahrtsstaat – der Globalisierungsthese folgend – aufgrund der durch Internationalisierung wegfallenden nationalstaatlichen Kontrolle über seine wirtschaftlichen Grenzen und den dadurch entstehenden, unvermeidlichen Prozess gezwungen, die sozialstaatlichen Interventionen zu drosseln, und wird durch den Steuerwettbewerb zusätzlich in Bedrängnis gebracht? Oder sind die Auswirkungen des Steuerwettbewerbs geringer einzuschätzen, so dass

„(…) verteilende Eingriffe und Effizienz keine Widersprüche an sich darstellen?“

Ziel dieser Arbeit ist es, diese im öffentlichen Diskurs vorgetragenen Argumente empirisch zu untermauern und eine Aussage darüber treffen zu können, ob empirische Evidenz bezüglich der Thesen des Steuerwettbewerbs besteht oder die Kausalzusammenhänge dieser Hypothesen zurecht angezweifelt werden?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Aufbau der Analyse

3. Besteuerung von Wohlfahrtsstaaten aus theoretischer Perspektive

3.1. Theorien über die Besteuerung von Wohlfahrtsstaaten: eine Übersicht

3.2. Typologien der Wohlfahrtsstaaten unter Besteuerungsaspekten

3.3. Hypothesen und Fallauswahl

3.4. Abgrenzung von Steuern, Abgaben und Beiträgen im internationalen Vergleich, Besonderheiten in den Steuer- und Abgabenbelastungsindikatoren

4. Steuerwettbewerb aus empirischer Perspektive

4.1. Wohlfahrtsstaatliche Ausgaben in der Europäischen Union

4.2. Gesamtsteueraufkommen im europäischen Vergleich

4.3. Die Permutation der Einzelsteuern: Tendenzen in Deutschland, Dänemark, dem Vereinigten Königreich und Irland

4.3.1. Deutschland

4.3.2. Dänemark

4.3.3. Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland

4.3.4. Irland

4.4. Einfluss des Steuerwettbewerbs auf die wohlfahrtsstaatliche Performance

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht empirisch, ob der zwischenstaatliche Steuerwettbewerb innerhalb der Europäischen Union zu einer Erosion der nationalstaatlichen Finanzbasis und damit zu einer Schwächung der wohlfahrtsstaatlichen Leistungsfähigkeit führt. Hierbei wird die Hypothese hinterfragt, ob durch Mobilität von Steuerbasen ein "race to the bottom" ausgelöst wird oder ob alternative Faktoren die fiskalische Performance stärker beeinflussen.

  • Theoretische Grundlagen der Besteuerung von Wohlfahrtsstaaten
  • Analyse wohlfahrtsstaatlicher Ausgabenstrukturen in der EU
  • Empirischer Vergleich der Steuerlastverteilung in Deutschland, Dänemark, dem Vereinigten Königreich und Irland
  • Implizite Steuersätze auf Kapital, Arbeit und Konsum als Indikatoren für Steuerverlagerungen
  • Diskussion der Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit des Wohlfahrtsstaates

Auszug aus dem Buch

3.1. Theorien über die Besteuerung von Wohlfahrtsstaaten: eine Übersicht

Die vorhandene Literatur zur Besteuerung von Wohlfahrtsstaaten und zur Verschiedenartigkeit der einzelnen Steuersysteme weist eine erhebliche Variationsbreite auf und ist je nach Fachrichtung unterschiedlich fein verästelt. Mit diesem Kapitel wird ein Überblick zum aktuellen Forschungsstand geschaffen, wobei die bedeutsamsten Theorien und Vertreter aufgezeigt werden. Auf eine ausführliche Beschreibung der institutionellen Aspekte der Besteuerung wird zugunsten der Übersichtlichkeit verzichtet, zumal diese im empirischen Teil der Arbeit explizit behandelt werden.

Bellak und Leibrecht stellen die theoretische Basis zum Steuerwettbewerb auf Theorien, welche allesamt das Grundschema ökonomischer Effizienz verfolgen. Dabei verorten sie den Steuerwettbewerb zwischen drei verschiedenen Strängen: der durch Eigennutz induzierten Ausdehnung des öffentlichen Sektors, der ineffizienten Bereitstellung öffentlicher Güter aufgrund zu Verzerrung führender, weil ungleicher Steuern auf mobile Steuerbasen und einem Ansatz der ökonomischen Geografie, wonach relativ weit entwickelte Volkswirtschaften geringfügig höhere Steuern zu erheben in der Lage sind, ohne eine Abwanderung mobiler Besteuerungsbasen fürchten zu müssen. Wagschal differenziert grundlegender und unterteilt die Literatur zur Erklärung der Besteuerung in finanzwissenschaftliche, politökonomische und politikwissenschaftliche Ansätze.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Einführung in den Kontext der EU-Erweiterung und die damit verbundenen Herausforderungen für die Handlungsfähigkeit wohlfahrtsstaatlicher Finanzsysteme.

2. Aufbau der Analyse: Darlegung des methodischen Vorgehens und der Untergliederung der Arbeit in theoretische und empirische Analyseschritte.

3. Besteuerung von Wohlfahrtsstaaten aus theoretischer Perspektive: Systematischer Überblick über verschiedene theoretische Erklärungsansätze zur Besteuerung und Klassifizierung von Wohlfahrtsstaaten.

4. Steuerwettbewerb aus empirischer Perspektive: Analyse anhand realer Daten von vier europäischen Ländern, um die Auswirkungen von Steuerwettbewerb auf Einnahmen und Ausgaben zu prüfen.

5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die darauf hindeutet, dass die Befürchtungen einer Einnahme-Erosion durch Steuerwettbewerb in der Realität oft überschätzt wurden.

Schlüsselwörter

Steuerwettbewerb, Wohlfahrtsstaat, Finanzbasis, Fiskalpolitik, Europäische Union, Faktormobilität, race to the bottom, Kapitalbesteuerung, implizite Steuersätze, Unternehmensbesteuerung, Sozialleistungsquote, öffentliche Ausgaben, Steuerlastverschiebung, Steuerharmonisierung, Wirtschaftsleistung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob Steuerwettbewerb zwischen europäischen Staaten dazu führt, dass Wohlfahrtsstaaten ihre finanzielle Basis verlieren und damit ihre sozialpolitische Handlungsfähigkeit einbüßen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die fiskalischen Auswirkungen der Globalisierung, die theoretischen Ansätze der Besteuerung sowie die empirische Entwicklung der Steuer- und Ausgabenquoten in ausgewählten EU-Ländern.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die im öffentlichen Diskurs verbreitete These des "race to the bottom" durch eine empirische Analyse der Daten von vier europäischen Ländern zu untermauern oder zu widerlegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse theoretischer Ansätze mit einer vergleichenden empirischen Untersuchung unter Verwendung von Indikatoren wie impliziten Steuersätzen auf verschiedene Produktionsfaktoren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einordnung von Steuersystemen und eine detaillierte empirische Untersuchung der Steuerbelastung und Ausgabenentwicklung in Deutschland, Dänemark, dem Vereinigten Königreich und Irland.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Kernbegriffe sind Steuerwettbewerb, Wohlfahrtsstaat, Fiskalpolitik, Faktormobilität, race to the bottom und die Analyse der Finanzbasis durch empirische Steuersatzvergleiche.

Inwieweit spielt der "celtic tiger" eine Rolle für die Analyse Irlands?

Irlands wirtschaftlicher Aufstieg und die damit verbundene FDI-Politik dienen als Beispiel, um zu zeigen, wie eine aggressive Senkung der Unternehmenssteuern als Standortvorteil genutzt wurde, ohne die grundlegende Finanzierungsfähigkeit sofort zu untergraben.

Warum ist der Vergleich zwischen Deutschland und Dänemark besonders interessant?

Der Vergleich verdeutlicht, wie unterschiedliche sozialstaatliche Modelle (korporatistisch vs. sozialdemokratisch) auf den internationalen Steuerwettbewerb reagieren, wobei beide Länder trotz Reformen eine erstaunliche Kontinuität in ihrem Steuerniveau beibehalten haben.

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Details

Title
Steuerwettbewerb als Ursache einer Erosion der nationalstaatlichen Finanzbasis?
Subtitle
Die Wirkungen des Steuerwettbewerbs auf die fiskalische Performance europäischer Wohlfahrtsstaaten
College
University of Cologne
Course
VWL sozialwissenschaftlicher Richtung (Politik)
Grade
1,3
Author
Martin Drognitz (Author)
Publication Year
2011
Pages
86
Catalog Number
V180344
ISBN (eBook)
9783656029601
ISBN (Book)
9783656029847
Language
German
Tags
Steuerwettbewerb Wohlfahrtsstaat Welfare State esping Andersen wohlfahrtsstaatsanalyse Steuer fiscal union european union tax systems Ireland Irland Deutschland Germany Dänemark Denmark Great Britain Wohlfahrtsstaaten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Drognitz (Author), 2011, Steuerwettbewerb als Ursache einer Erosion der nationalstaatlichen Finanzbasis?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180344
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