Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit der Thematik „Höflichkeit als Wahrung des Gesichts“ und soll einen Überblick über die Grundannahmen des Modells von Brown und Levinson (1987) geben. Um dies besser veranschaulichen zu können, soll zu Beginn meiner Ausarbeitung das vorliegende Zitat von Eelen (2001) in Bezug auf das Modell von Brown und Levinson erläutert werden:
„(…) politeness is part and parcel of construction and maintenance of social relationships and addresses the social need for the control of potential aggression within society.“ (Eelen 2001: 5)
Im nächsten Schritt sollen die Strategien positiver und negativer Höflichkeit an Beispielen im Deutschen erläutert werden. Abschließend soll Stellung zu der Frage genommen werden, ob man das deutsche „Höflichkeitssystem“ einer Kultur „negativer Höflichkeit“ oder einer Kultur „positiver Höflichkeit“ zuordnen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundannahmen des Modells von Brown and Levinson
3. Strategien positiver und negativer Höflichkeit an Beispielen aus dem Deutschen
4. Das deutsche Höflichkeitssystem: negative oder positive Höflichkeit?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Höflichkeit als Mittel zur Gesichtswahrung, basierend auf dem theoretischen Modell von Brown und Levinson. Ziel ist es, die zentralen Begrifflichkeiten zu erläutern und die Anwendbarkeit der Unterscheidung zwischen positiver und negativer Höflichkeit auf die deutsche Sprachkultur anhand praktischer Beispiele kritisch zu reflektieren.
- Grundlagen des Höflichkeitsmodells nach Brown und Levinson
- Differenzierung zwischen positivem und negativem Gesicht (face)
- Analyse sprachlicher Strategien im Deutschen
- Einfluss sozialer Variablen auf das Höflichkeitsverhalten
- Diskussion über die Einordnung des deutschen Höflichkeitssystems
Auszug aus dem Buch
3. Strategien positiver und negativer Höflichkeit an Beispielen aus dem Deutschen
Damit die Interaktionspartner den Wünschen des positive und negative face ihres Gegenübers und auch dem eigenen face gerecht werden, können sie auf den Gebrauch von positiver und negativer Höflichkeitsstrategien zurückgreifen.
Bei der positiven Höflichkeit deutet der Sprecher daraufhin, dass er daran interessiert ist das positive face des Hörers zu wahren. Er behandelt sein Gegenüber wie einen Freund, zeigt Sympathie, solidarisiert sich mit ihm, macht ihm Komplimente, und bemüht sich informellen Sprachgebrauch zu erreichen. Um diese Strategie besser veranschaulichen zu können, möchte ich an dieser Stelle ein paar Beispiele aus dem Deutschen nennen:
(3) „Warst du beim Friseur? Sieht toll aus, die neue Frisur.“
Der Sprecher (S) richtet seine Aufmerksamkeit auf den Hörer (H) und macht ihm ein Kompliment.
(4) Firmenchef: „Wir sitzen doch alle im gleichen Boot, also lasst uns…!“
S betont die gemeinsame „in group“ – Zughörigkeit, indem er eine entsprechende Anredeform gegenüber H wählt und sowohl sich selbst als H in die Handlung mit einbezieht.
(5) „Das Wetter ist heute aber wieder ungemütlich! Musstest du auch heut morgen mit dem Regenschirm raus?“
S sucht Gemeinsamkeiten mit H durch small talk über ein triviales Thema wie das Wetter.
(6) „Ich weiß genau was du jetzt denkst, für mich als Abiturientin käme eine einfache Frisösenausbildung auch nicht in Frage!“
S hebt eine gemeinsame Meinung und Denkweise hervorgehoben. Insbesondere wird hier betont, dass S und H das gleiche Bildungsniveau haben.
(7) Dozent in der Universität: „Ich habe gemerkt, dass sie langsam unruhig werden und dass ich schon lange ihre Aufmerksamkeit gefordert habe, meine Konzentration ist auch bald am Ende, deshalb lassen sie mich noch kurz zwei abschließende Sätze sagen…“
S zeigt seine Kenntnis über die Wünsche und Bedürfnisse von H und beachtet diese.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Thematik der Höflichkeit als Gesichtswahrung vor und definiert das Ziel, das Modell von Brown und Levinson anhand von Beispielen im Deutschen zu erläutern.
2. Grundannahmen des Modells von Brown and Levinson: Hier werden die theoretischen Konzepte des Gesichts (face), unterteilt in positives und negatives Gesicht, sowie die Notwendigkeit von Höflichkeitsstrategien zur Vermeidung von Face Threatening Acts (FTAs) dargelegt.
3. Strategien positiver und negativer Höflichkeit an Beispielen aus dem Deutschen: In diesem Kapitel werden die Mechanismen der positiven und negativen Höflichkeit durch konkrete Anwendungsbeispiele aus dem deutschen Sprachgebrauch praxisnah illustriert.
4. Das deutsche Höflichkeitssystem: negative oder positive Höflichkeit?: Das abschließende Kapitel diskutiert die Zuordnung des deutschen Höflichkeitssystems und reflektiert kritisch, wie soziale Distanz, Macht und Zumutung das gewählte Höflichkeitsverhalten beeinflussen.
Schlüsselwörter
Höflichkeit, Gesichtswahrung, Face, Brown und Levinson, positive Höflichkeit, negative Höflichkeit, Face Threatening Act, FTA, soziale Distanz, sprachliche Strategien, Kommunikation, interpersonale Beziehungen, Höflichkeitssystem, deutsche Sprachkultur, pragmatische Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Definition von Höflichkeit als Mittel zur Wahrung des sozialen Gesichts, insbesondere basierend auf der Theorie von Brown und Levinson.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der Höflichkeitsforschung, die Unterscheidung zwischen positivem und negativem Gesicht sowie deren praktische Anwendung im Deutschen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis für das Höflichkeitsmodell zu schaffen und zu prüfen, inwieweit das deutsche Kommunikationsverhalten zwischen positiver und negativer Höflichkeit schwankt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Fachliteratur in Kombination mit einer diskursiven Anwendung der Modelle auf deutsche Alltagsbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte des Gesichts erläutert, gefolgt von einer detaillierten Kategorisierung und Veranschaulichung positiver und negativer Höflichkeitsstrategien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Face", "Face Threatening Act (FTA)", "soziale Distanz" sowie die Differenzierung zwischen positiver und negativer Höflichkeit.
Wie unterscheidet sich positives Face von negativem Face nach Brown und Levinson?
Das positive Face beschreibt den Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit, während das negative Face den Wunsch nach Freiheit von Fremdbestimmung und Handlungsspielraum betont.
Welche Rolle spielt die "soziale Distanz" im deutschen Höflichkeitssystem?
Die soziale Distanz ist laut der Autorin ein wesentlicher Faktor: Im privaten Bereich dominiert oft positive Höflichkeit, während im institutionellen Kontext eher negative Höflichkeitsstrategien angewandt werden.
Warum ist eine pauschale Einordnung des deutschen Höflichkeitssystems schwierig?
Die Autorin betont, dass neben der sozialen Distanz auch Faktoren wie relative Macht und die Rangordnung der Zumutung Einfluss auf die Wahl der Höflichkeitsstrategie nehmen, was eine einfache Zuordnung verfälscht.
- Citation du texte
- Petra Richter (Auteur), 2008, Höflichkeit als Wahrung des Gesichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180440