Seit dem 19. Jahrhundert zählen Steuern zur staatlichen Haupteinnahmequelle. Durch die Steuereinnahmen wird der Staat zum eigentlichen Staat. In der heutigen Globalisierung und damit der weltweiten Verflechtung in allen Bereichen (Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation etc.) sowie durch die Öffnung der Grenzen hat die nationale Steuerautonomie jedoch abgenommen. Es findet eine sogenannte länderübergreifende Intensivierung der globalen Beziehungen auf der Ebene von Individuen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten statt. Die unterschiedliche
länderübergreifende Steuerpolitik trägt jedoch nicht den Gedanken eines gemeinsamen Binnenmarktes im Sinne von Art. 14 Abs. 2 AGV (gemeinsamer Markt) Rechnung. Aus diesem Grund hat der europäische Gerichtshof oft eine Unvermeidbarkeit der nationalen Regeln mit
dem EG-Vertrag feststellen müssen. Die Doppelbesteuerungsabkommen von Deutschland und der übrigen Mitgliedsstaaten leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung des ge-
meinsamen Binnenmarktes und damit zur Vereinbarkeit des EG-Vertrages. Ein wesentlicher Bestandteil dafür ist das OECD-Abkommen, welches zur Vermeidung von Doppelbesteuerung beschlossen wurde. Die Schweiz hingegen musste dem OECD-Abkommen Zugeständ-
nisse eingestehen, um nicht auf die „schwarze Liste“ der Steueroasen gesetzt zu werden.Die Steuerpolitik der einzelnen Länder befindet sich damit im ständigen Wettbewerb. Aufgrund ihrer Steuerpolitik hat die Schweiz Wettbewerbsvorteile und es legen viele vermögende Privatkunden ihr Geld in der Schweiz an. Nach Aussage der Schweizer Bankiervereinigung werden rund ein Drittel der grenzüberschreitend angelegten Privatvermögen von der Schweiz
aus verwaltet. Dass ein beträchtlicher Teil dieser Gelder unversteuert bleibt, ist ein offenes Geheimnis. Durch die Vielzahl von Steuerflüchtigen in die Schweiz leiden Entwicklungslän-
der, die Vereinigten Staaten von Amerika, die Nachbarländer der Schweiz sowie weitere Länder. In der Bundesrepublik Deutschland
verstecken bis zu 100. 000 Deutsche ihr Geld in der Schweiz vor dem deutschen Fiskus. Einer Schätzung zu Folge handelt es sich um etwa 23 Milliarden Euro.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung
2.1 Wohnsitzprinzip/ Quellenprinzip
2.2 Welteinkommenprinzip
2.3 OECD
2.4 Anwendungsbeispiel des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz
3. Besteuerung in der Bundesrepublik Deutschland
4. Besteuerung in der Schweiz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das System der Steuerhinterziehung am Standort Schweiz mit besonderem Fokus auf deutsche Steuerpflichtige sowie die Auswirkungen des zur Ratifizierung anstehenden neuen Doppelbesteuerungsabkommens. Das primäre Ziel ist es, die steuerlichen Rahmenbedingungen beider Länder zu analysieren und die daraus resultierenden Anreize sowie rechtlichen Herausforderungen bei grenzüberschreitenden Kapitalanlagen zu bewerten.
- Grundlagen der Doppelbesteuerungsabkommen und deren Funktionsweise
- Vergleich der Besteuerungsprinzipien (Wohnsitz-, Quellen- und Welteinkommensprinzip)
- Analyse des Steuersystems in der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz
- Auswirkungen der OECD-Standards auf den internationalen Informationsaustausch
- Bewertung der steuerlichen Belastung und der Problematik der Steuerflucht
Auszug aus dem Buch
2. Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung
Bestandteil der staatlichen Souveränität ist die Finanzhoheit eines jeden Staats. Der Staat hat damit das Recht Steuern zu erheben. Eine Doppelbesteuerung ist gegeben, wenn der steuerliche Sachverhalt folgende Merkmale aufweist:
Besteuerung durch mindesten zwei Staaten,
Steuerobjektidentität,
Gleichartigkeit der erhobenen Steuer,
Steuersubjektidentität,
Periodenidentisch.
Demnach bedeutet Doppelbesteuerung, dass mehrere selbstständige Steuerhoheitsträger (Staaten) aufgrund desselben Steuertatbestandes dieselben Steuerpflichtigen für einen gleichen Zeitraum zu einer gleichartigen Steuer verpflichten. Die Begriffbestimmung für Doppelbesteuerung ist kein verbindlicher Rechtsbegriff. Zur Vermeidung von Doppelbesteuerung können Reglungen auf verschieden staatlichen Ebenen getroffen werden:
Unilaterale Maßnahmen
(Souveräne Reglungen im nationalen Staat)
Bilaterale Maßnahmen
(zur Vermeidung der Doppelbesteuerung zwischen zwei Staaten)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Steuern als staatliche Haupteinnahmequelle im Kontext der zunehmenden Globalisierung und thematisiert die Steuerflucht von deutschen Steuerpflichtigen in die Schweiz.
2. Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Doppelbesteuerung sowie die verschiedenen Prinzipien zu deren Vermeidung und analysiert das konkrete Beispiel der Abkommensgestaltung zwischen Deutschland und der Schweiz.
3. Besteuerung in der Bundesrepublik Deutschland: Hier werden das deutsche Einkommen- und Körperschaftsteuersystem sowie die strafrechtlichen Konsequenzen bei Steuerhinterziehung und die Bedeutung der Umsatzsteuer detailliert beschrieben.
4. Besteuerung in der Schweiz: Das abschließende Kapitel analysiert das Schweizer Steuersystem, inklusive der Besteuerung nach Aufwand und der rechtlichen Bewertung von Steuerhinterziehung im Vergleich zum deutschen Steuerrecht.
Schlüsselwörter
Steuerhinterziehung, Doppelbesteuerungsabkommen, Schweiz, Bundesrepublik Deutschland, Steuerrecht, Welteinkommensprinzip, Quellenprinzip, OECD, Steueroase, Informationsaustausch, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Kapitalanlage, Steuerflucht, Finanzhoheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen dem deutschen und schweizerischen Steuersystem sowie die Dynamik der Steuerhinterziehung in einem grenzüberschreitenden Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Vermeidung von Doppelbesteuerung, der internationale Vergleich von Steuersätzen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Informationsaustausch zwischen den Finanzbehörden.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist die Verdeutlichung der steuerlichen Anreize für Kapitalverlagerungen in die Schweiz und die Erläuterung der Bedeutung des neuen Doppelbesteuerungsabkommens für die Praxis.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer rechtsvergleichenden Betrachtung der relevanten Steuergesetze sowie OECD-Musterabkommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Doppelbesteuerung, eine detaillierte Analyse der Steuersysteme in Deutschland und der Schweiz sowie ein Anwendungsbeispiel zur Steuerbelastung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Steuerhinterziehung, Doppelbesteuerungsabkommen, Welteinkommensprinzip, Steueroase und Informationsaustausch.
Wie unterscheidet sich die rechtliche Bewertung der Steuerhinterziehung zwischen der Schweiz und Deutschland?
Während Steuerhinterziehung in Deutschland eine Straftat darstellt, wird sie in der Schweiz rechtlich anders gewertet, was die Amtshilfe für andere Staaten in der Vergangenheit erschwert hat.
Warum spielt das OECD-Musterabkommen eine wichtige Rolle für die Schweiz?
Die Schweiz steht international unter Druck, OECD-Standards umzusetzen, um nicht als „Steueroase“ diskreditiert zu werden und den internationalen Informationsaustausch zu ermöglichen.
Welche Rolle spielen Lebenshaltungskosten bei der steuerlichen Betrachtung?
Die Arbeit weist darauf hin, dass eine isolierte Betrachtung der Steuern zu kurz greift, da beispielsweise die hohen Lebenshaltungskosten in Schweizer Städten wie Zürich den vermeintlichen Steuervorteil relativieren können.
- Quote paper
- M.A. Thomas Fleck (Author), 2010, Das System der Steuerhinterziehung am Standort Schweiz bezogen auf deutsche Steuerpflichtige und das zur Ratifizierung anstehende neue Doppelsteuerabkommen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180443