Quelleninterpretation: Die "deutsche Faust" in China - Rede Kaiser Wilhelms II. in Bremerhaven am 27. Juli 1900 ("Hunnenrede")


Hausarbeit, 2005

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverszeichnis

1 Herkunft der Quelle

2 Inhaltsangabe der Quelle

3 Fragestellung
3.1 Historische Kontext der Quelle
3.2 Quelleninterpretation

4 Zusammenfassung

Quellen und Literaturverzeichnis

1 Herkunft der Quelle

Die Quelle, mit der ich mich beschäftige, stammt aus dem Buch (Quellenedition) „...da und dort ein junges Deutschland gründen". „Rassismus, Kolonien und kolonialer Gedanke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert". Das Buch ist von Horst Gründer1 im Jahre 1999 in München durch den „Deutschen Taschenbuch Verlag" herausge geben. Diese Quelle ist auf den Seiten 167 169, unter der Quellennummer 52 und der Überschrift „Die „deutsche Faust" in China — Rede Kaiser Wilhe lms I I . ( 18 5 9 1 9 4 1) in Bremer have nam 2 7 . Juli 1900 („Hunnenrede")"2 vorzufinden. Sie besteht aus 26 Zeilen und ist einfach zu verstehen.

Kaiser Wilhelm II. hielt die sogenannte „Hunnenrede" am 27. Juli 1900 an der Kaiserschleuse vor der neuen Wartehalle des Norddeutschen Lloyd (NDL) in Bremerhaven. An diesem Tag verabschiedete Kaiser Wilhelm II. kurz nach 13.00 Uhr seine nach China zur Bekämpfung des Boxeraufstandes abreisenden 2000 Soldaten des „Ostasiatische Expeditionskorps―3

Es gibt drei Versionen dieser Rede. Während der Ansprache Wilhelms II. hatte sich der Staatssekretär des Auswärtigen, Bernhard Graf von Bülow, mit dem Reichskanzler, Chlodwig Fürst zu Hohenlohe Schillingsfürst und dem Generaldirektor Heinrich Wiegand, dahingehend verständigt, dass man die anwesenden Journalisten verpflichten solle, die Rede nach Büllows Korrektur4 zur Veröffentlichung freizugeben.

„Noch während der Kaiser sprach, setzte ich mich mit dem Direktor des Bremer Lloyd, dem verständigen Herrn Wiegand, in Verbindung, um alle anwesenden Journalisten darauf zu verpflichten, dass sie diese Rede nicht ohne vorherige Korrektur durch mich veröffentlichen würden. Diese Zusage wurde auch von allen gegebenen und Loyal gehalten".5

Doch Bülow erkannte die möglicherweise fatalen Folgen der Rede. Am 27. Juli fingen die Journalisten an, eine von Bülow redigierte Fassung abzuwarten, loyal halten zu wollen. Erst gegen 22.30 Uhr veröffentlichte das Wolffische Nachrichtenbüro ein Telegramm (WTB I), das einen gekürzten Text in indirekter Rede mit zwei knappen Zitaten zur Bewährung deutscher Tüchtigkeit, Hingabe und Tapferkeit im Kampf gegen einen gut ausgerüsteten Feind und zu den kaiserlichen Segenswünschen erhielt.6 Der Passus über die Hunnen, die Aufforderung, ohne Pardon in den Kampf zu gehen und keine Gefangenen zu machen, fehlte.7 Der anwesende offizielle WTB Korrespondent und auch die Journalisten waren mit dem WTB I nicht zufrieden. Bülow sorgte innerhalb weniger Stunden für einen ausführlichen Redetext (WTB II). Bereits nach Mitternacht gab das Büro ihn heraus. Auch in dieser zweiten Version fehlte der Appell, wie die „Hunnen" unter ihrem König Etzel8 kämpften. Bülow kam dem gesprochenen kaiserlichen Wort jedoch jetzt einen Schritt näher (12. 14. Sätze, WTB II).9

Die von Bülow redigierten WTB I und WTB II Versionen der Ansprache Wilhelms II. ( 5.209 212) befinden sich im von Penzler herausgegebenem Buch „ Die Reden Kaiser Wilhelms II.", Teil II. Das Buch ist sehr klein gehalten und hier wird altdeutsche Schriftart angewendet. Die dritte und authentische Version veröffentlichte am 28. Juli 1900 in der zweiten Morgenausgabe die „Weser Zeitung"10 (Original), die bei der Berichterstattung über die sogenannte Hunnenrede eine „besondere Rolle"11 spielte.

[...]


1 Horst Gründer, geboren1939, ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Münster. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zur politischen und sozialen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts vorgelegt, insbesondere zur Kolonialgeschichte und Geschichte der außereuropäischen Welt, unter anderem „Christliche Mission und deutscher Imperialismus" (1982), „Geschichte der deutschen Kolonien" (1985) u.Ä.

2 Horst Gründer (Hrg.), „...da und dort ein junges Deutschland gründen". Rassismus, Kolonien und kolonialer Gedanke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, München 1999, S. 167 169.

3 Vgl. Gerd Fesser, Pardon wird nicht gegeben. Die Zeit, 31/2000, http://zeus.zeit.de/text/archiv/2000/31/200031.hunnen_.xml., gelesen am 10.07.2005; Jost Lübben, Die Nordwestdeutsche Zeitung 1895 bis 1933/45. Ein Beitrag zur Entwicklung und politischen Ausrichtung der Generalanzeigerpresse in Deutschland, hrg. von Hartmut Bickelmann, Bremerhaven 1999 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs in Bremerhaven, Band 13), S. 129.

4 Vgl. Bernd Sösemann, Die sog. Hunnenrede Wilhelms II. Textkritische und interpretatorische Bemerkungen zur Ansprache des Kaisers vom 27. Juli 1900 in Bremerhaven, in: Historische Zeitschrift, hrg. von Theodor Schieder und Lothar Gall, Band 222, München 1976, S.343f. ; Ders.: Der letzte Kaiser. Wilhelm II. im Exil, herausgegeben im Auftrage des Deutschen Historischen Museums von Hans Wilderotter und Klaus D. Pohl, Gütersloh, München 1991, S. 82; Lübben, a.a. 0., S. 133.

5 Bernhard Fürst von Bülow, Denkwürdigkeiten. Vom Staatssekretariat bis zur Marokko Krise, hrg. von Franz von Stockhanunern, Erster Band, Berlin1930, S. 359.

6 Nordwestdeutscher Volksblatt. Organ für die Interessen des Werktätigen Volkes, Bant 175, 31. VII. 1900, S.1; zit. nach: Sösemann 1976, S.344).

7 Vgl. Johs. [Johannes] Penzler (Hrg.), Die Reden Kaiser Wilhelms II. in den Jahren 1896 1900. Zweiter Teil, Leipzig, o. J., S. 211 f., Anmerkung; Sösemann, 1976, a.a.O. S.344.

8 Attila, König der Hunnen, 434 453.

9 Vgl. Sösemann 1976, S. 344 f; Ders. 1991, S. 82.

10 Weser Zeitung, Nr.19288 vom 28.7.1900, 2. Morgenausgabe, S. 1.

11 Lübben, a.a.O., S. 144.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Quelleninterpretation: Die "deutsche Faust" in China - Rede Kaiser Wilhelms II. in Bremerhaven am 27. Juli 1900 ("Hunnenrede")
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Die deutsche Gesellschaft und die Welt der Kolonien
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
10
Katalognummer
V180470
ISBN (eBook)
9783656032229
ISBN (Buch)
9783656032052
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Arbeit wurde die "Hunnenrede" Kaiser Wilhelms II. nach den geschichtswissenschaftlichen Verfahren interpretiert. Somit gilt die Arbeit als ein Beispiel zu einer Quelleninterpretation.
Schlagworte
quelleninterpretation, faust, china, rede, kaiser, wilhelms, bremerhaven, juli, hunnenrede
Arbeit zitieren
Fatma Varli (Autor), 2005, Quelleninterpretation: Die "deutsche Faust" in China - Rede Kaiser Wilhelms II. in Bremerhaven am 27. Juli 1900 ("Hunnenrede"), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180470

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Quelleninterpretation: Die "deutsche Faust" in China - Rede Kaiser Wilhelms II. in Bremerhaven am 27. Juli 1900 ("Hunnenrede")



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden